| | Der Brieftaubensport ist im Grunde genommen ein wunderbares Hobby, weil er so unglaublich viele Facetten hat. Als Züchter ist man, wenn man den Vergleich zum Fußball bemühen will, Trainer, Manager, Mannschaftsarzt, Ernährungsberater (bzw. Mannschaftskoch) usw. in einer Person. All die Aufgaben, die im Fussball auf verschiedene Köpfe verteilt werden, vereint im Brieftaubensport der Züchter in einer Person oder sie werden in einer Schlaggemeinschaft eben auch auf mehrere Köpfe verteilt.
Das hat einen entscheidenden Vorteil: wenn es im Fußball nicht läuft, dann wechselt man zumeist erst den Trainer und tauscht nach und nach einige Spieler aus. Manchmal wird es dann besser, manchmal nicht.
Im Brieftaubensport kann man den Trainer nicht so einfach wechseln. Denn das ist der Züchter selbst. Wenn also im Brieftaubensport die Erfolge nicht so sind wie gewünscht, dann bleibt nur folgende Fragen für sich zu beantworten: Habe ich überhaupt die richtigen Athleten oder benötige ich andere und hoffentlich bessere Sportler? Funktioniert meine Schlaganlage? Versorge ich die Sportler richtig? Funktioniert meine Mannschaft als Mannschaft überhaupt? usw.
Leider neigen wir Taubenzüchter, wie so viele Menschen, dazu die Fehler zu allerletzt bei uns selbst zu suchen. Das führt dazu, dass im Taubensport immer wieder Diskussionen über Themen aufkommen, die eigentlich nicht entscheidend sind. Die Lage des Schlages, die gemeinsamen Auflässe mit dieser oder jener RV, die Entfernungen der Flüge und die Auflassorte usw.usw.
Solange der Züchter, also der Trainer, sich vornehmlich über diese Dinge Gedanken macht und nicht die wirklichen Probleme in seinem Bestand (in seiner Mannschaft) versucht herauszufinden und zu beheben, solange wird sich der Erfolg mit seiner Mannschaft nicht nachhaltig einstellen. Das ist meine feste Überzeugung.
Wie auch im Fußball, so geht es auch im Brieftaubensport heute leider immer wieder um viel (zu viel) Geld. Das hat dazu geführt, dass in unserem Hobby viele Aspekte durch und durch professionallisiert wurden. Es gibt nicht wenige Schläge und Züchter da dreht sich insbesondere während der Reisezeit (also der Wettkampfsaison wie im Fußball) 24 Stunden lang alles nur um Brieftauben.
Das mag man gut finden oder nicht. Es ist einfach so. Weil diese Züchter am Ende erfolgreich sein möchten, vielleicht auch Tauben verkaufen möchten etc. Gegen solche Bestände zu konkurrieren nach dem Motto "Wir können nicht gut fliegen, weil wir eine schlechte Lage haben" oder "Wir können da nicht erfolgreich sein, weil unsere Tauben hier oder da her mit gezogen werden" kann einfach nicht funktionieren. Im heutigen Brieftaubensport einigermaßen erfolgreich zu sein funktioniert nur dann, wenn man sich auf die ganz wesentlichen Aspekte des Taubensports konzentriert:
Die herausragende Taube, einen funktionierenden Schlag, eine angemessene Versorgung der Tauben und v.a. auch die Gesundheit der Athleten rund um das Jahr.
Nur wenn man diese Punkte das ganze Jahr über im Blick hat und immer wieder versucht sich hier zu verbessern, hat man heutzutage im Brieftaubensport überhaupt die Möglichkeit einigermaßen konkurrenzfähig und erfolgreich zu sein.
Auch an diesem Wochenende waren hier schon wieder zwei, drei Sportfreunde bei uns wegen der Tauben und ich habe auch einige Telefonate mit Sportfreunden geführt und letztlich kommt doch immer mal wieder die Diskussion darüber auf, was entscheidend ist im Brieftaubensport. Es wird dann auch immer mal wieder über Dinge wie die Lage und die Konkurrenzen usw. gesprochen, aber das versuche ich doch immer recht schnell zu unterbrechen. Denn es führt zu nichts und man kann es endlos ohne Ergebnis diskutieren.
Fortschritte dahingehend, dass man erfolgreicher und zufriedenstellender seinen Brieftaubensport betreiben kann, erzielt man aber nur, wenn man sich über die anderen Dinge, die ich eben bereits genannt habe (Qualität der Tauben, Funktionalität des Schlages, Versorgung und Gesundheit der Athleten) immer wieder Gedanken macht und immer wieder etwas ausprobiert und Augen und Ohren immer offen hält, wenn man mit erfolgreichen Sportfreunden spricht. Man kann fast immer etwas lernen.
Leider führt die zunehmende Professionalisierung und die zunehmende Kommerzialisierung des Brieftaubensports auch zu einigen sehr negativen Entwicklungen. Das kann man einfach nicht ignorieren. Dazu möchte ich morgen noch ein wenig schreiben.... | | | |
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