| | Nachdem ich hier letztens über unsere für mich etwas unerklärlich erkrankten Witwer berichtet hatte und auch wusste, dass mindestens ein weiterer Schlag in unserer RV betroffen war, hörte ich nun, dass es auch hier in unserer Fluggemeinschaft weitere Fälle von erkrankten Reisetauben gab, wo die Tiere sich übergaben, wässrigen Kot absetzten und nach einem Tag bei den betroffenen Tauben alles wieder ok war. Zu meinem Entsetzen hörte ich aber auch, dass es durchaus auch Züchter gab, welche die Erkrankung in ihrem Bestand bemerkten und trotzdem die Tauben weiter gesetzt haben. Besser kann man eigentlich nicht dokumentieren wie krank unser deutsches Reisesystem ist. Statt die Tauben zu schonen aufgrund der Erkrankung, wird alles getan sie irgendwie fit zu bekommen um sie zum Wettflug zu setzen, damit man bloß nicht in irgendwelchen Meisterschaften einen zu großen Rückstand bekommt.
Dass das Reisesystem es praktisch erfordert Tauben aus einem erkrankten Bestand zu setzen ist schon schlimm genug. Dass es Züchter gibt, die ihre Tauben trotz erkrankter Tiere im Bestand trotzdem setzen ist dann nicht nur völlig daneben, sondern auch noch komplett verantwortungslos. Verantwortungslos gegenüber den Tauben und verantwortungslos gegenüber anderen Sportfreunden. Ich kann so etwas nicht verstehen. Aber der krankhafte Ehrgeiz einzelner Züchter führt uns wohl leider auch zu solchen Auswüchsen unseres Hobbys.
Insgesamt habe ich den Einduck dass die Probleme mit der Gesunderhaltung der Tauben in der Reisezeit von Jahr zu Jahr zunehmen. Ein Züchter meldete sich gestern bei mir und klagte trotz ausgezeichneter Ergebnisse darüber, dass er auf den letzten beiden Flügen so viele Tauben verloren habe, wie es noch nie in seiner Laufbahn an zwei Flügen nacheinander der Fall war. Die Bedingungen waren gut, aber auch andere Sportfreunde dort verloren trotz augenscheinlich guter Wetterverhältnisse zu viele Tauben. Möglicherweise ist dort ein Krankheitsgeschehen die Ursache. Der Sportfreund will Tauben, Kot uw. untersuchen lassen.
Ein weiterer Sportfreund schrieb mir gestern abend:
"Ich kann dir eins sagen, bei uns im Dorf wurde vor 15 Jahren ein Handy Masten aufgestellt. Vorher hatten wir gute bis sehr gute Jahre mit wenig Verlusten. Seit da her haben wir nichts mehr hin bekommen. Nur noch einzelne Tauben die es hin kriegen. Die Tauben Trainieren auch am Haus nicht mehr in die Richtung des Senders. Auch die Verluste sind extrem, werde nicht mehr Reisen dieses Jahr mit den Alten. Von 45 Weibchen im Frühjahr hab ich jetzt noch 17."
Ob da ein Zusammenhang besteht kann ich nicht beurteilen, aber es macht mich doch sehr nachdenklich.
Ein weiterer Sportfreund hatte nun innerhalb von zwei Wochen drei Tauben (zwei Vögel, ein Weibchen) mit Flügelproblemen. Die Tauben trainierten am Haus, kamen herein und ließen die Flügel hängen. Er kann sich das Geschehen nicht erklären. Die Reiseergebnisse sind hervorragend Woche für Woche. Ob dort unterschwellig ein Gesundheitsproblem vorliegt, ob es einfach nur Pech ist oder vielleicht in der Versorgung trotz der super Reiseleistungen etwas im Argen liegt weiß ich nicht und kann es nicht beurteilen. Aber der Sportfreund ist verständlicherweise frustriert wenn sehr gute Tauben plötzlich verletzt sind und sucht nach Lösungen.
Ein weiterer Züchter hat Probleme mit plötzlich sehr nassem Kot. Allerdings bei Zuchttauben. Diese sitzen auf frisch geringten Jungtieren. Ich vermute dass die Tauben zu viel Mineralien und zu viel Wasser aufgenommen haben und das Gleichgewicht gestört ist. Das wird sich wieder geben. Aber natürlich macht sich der Züchter Sorgen und Gedanken.
Jemand schrieb mir auch: "Gestern hatten 5 Weibchen total grünen Kot. Eine war dabei mit Blut. Heute war sie wieder Top. Ich komm da nicht mehr mit. Ich lass sie jetzt in Ruhe. So kann und will ich sie nicht mehr setzen."
Dann habe ich am zurückliegenden Wochenende von Todesfällen bei einem Züchter im Jungtierbestand gehört. Der Tauben sind wohl gegen PMV/Rota geimpft worden. Aber noch nicht lange zurückliegend. Die Jungtauben kümmern kurz und versterben dann. Möglicherweise wurde da in einen Bestand hinein geimpft, der bereits infiziert war. Auch das ist nur eine Vermutung. Die Todesfälle können auch auf andere Ursachen zurückgehen. Man müsste es genauer untersuchen. Aber das ist auch alles mit viel Aufwand und Kosten verbunden, wenn man nicht irgendwo einen Taubentierarzt in der Nähe hat.
Insgesamt entsteht bei mir schon seit Längerem der Eindruck, dass ein immer größerer Aufwand betrieben werden muss die Tauben gesund zu halten und reisefähig zu machen und zu halten. Es gibt auch Sportfreunde, die das gut hinbekommen. Teilweise Jahr für Jahr. Aber auch da steckt in der Regel ein enormer Aufwand (finanziell und zeitlich) für die versorgung und das Training der Tauben dahinter.
Viele Sportfreunde kennen noch die Zeit als die Tauben mit Futter, Wasser und Mineralien versorgt und dann gereist wurden. Und es funktionierte. Nicht immer erfolgreich hinsichtlich der Preise, aber die Tauben kamen nach Hause, waren gesund und mehr oder weniger leistungsfähig. Heute sieht das alles aus meiner Sicht sehr viel anders aus. Die Verluste sind oft viel zu groß, die Probleme mit der Gesunderhaltung steigen von Jahr zu Jahr obwohl es doch angeblich so viele sinnvolle und wirksame Beiprodukte gibt usw. Ich bin der Meinung dass wir in dieser Richtung einmal viel systematischer untersuchen sollten was in unserem Hobby überhaupt los ist. Wir müssen dann aber auch wirklich ehrlich mit allem sein. Daran hapert es leider oft. Aber so geht es doch einfach nicht weiter, wenn viele Sportfreunde aufgrund von Verlusten, Krankheiten, Greifvögeln usw. einfach nur noch frustriert sind.
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