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Mittwoch, 09.09.2026
Sascha am 09.09.2026 um 18:16 (UTC)
 Ende der Woche bekomme das Futter, welches ich während der Mauser und den ganzen Winter über füttern werde, wenn die Reste des Reise- und Zuchtfutters, die ich im Moment in einer großen Tonne zusammen gemischt habe, aufgebraucht sind. Ich hatte letztens schon einmal geschrieben, dass hier kein Mauserfutter gefüttert wird und dass ich denke, dass die Tauben weder ein solch spezielles Futter benötigen, noch besonders viele Beiprodukte etc. Sehr regelmäßig ein Bad, täglich eine handvoll frische Mineralien und zwei Mal die Woche die Pulver von Dr. Marien reichen meiner Ansicht nach völlig aus um die Tauben gut durch die Mauser zu bekommen.


Unser Futter in Herbst und Winter.

Auf einer niederländischen Seite eines sehr erfolgreichen Züchters las ich jetzt, dass der Züchter direkt nach dem nun anstehenden letzten Flug selektiert und dann unmittelbar mit Medikamenten eine längere Kur gegen Paratyphus durchführt, um danach dann all seine Tauben mit einem Totimpfstoff gegen Salmonellen zu impfen. Das ist ein Vorgehen was in unseren westlichen Nachbarländern immernoch von sehr vielen Sportfreunden praktiziert wird.
Ich denke, dass das in der Form überhaupt nicht notwendig ist. Salmonellen sind sehr widerstandsfähig und oft auch mit blinden Kuren über zehn oder vierzehn Tage kaum gänzlich auszurotten (wenn sie denn im Bestand sind).
In einem Interview in De Duif sagte Dr. Fernand Marien zum Thema Salmonellen folgendes:
"Wenn es ein echtes Problem gibt, muss man natürlich eingreifen. Solange meine Tauben gesund aussehen, untersuche ich sie nicht einmal; aber wenn Sie Zweifel haben, lassen Sie eine Kotuntersuchung machen – dann wissen Sie es genau. Nach der Untersuchung kann man sogar ein maßgeschneidertes Medikament für die Behandlung herstellen lassen, sodass man sicher sein kann, dass es optimal wirkt. Man sollte niemals blindlings eingreifen – ein Eingriff bedeutet ja eine Antibiotikabehandlung. Und wenn diese nötig ist, muss man sicherstellen, dass sie lange genug dauert; sonst bringt sie nichts. Eine solche Behandlung zerstört jedoch alles; die guten Darmbakterien werden schneller vernichtet als die schlechten. Nach einer solchen Kur ist das Innere des Vogels völlig ruiniert – die gesamte Darmflora ist zerstört und muss erst wieder aufgebaut werden. Oft treten die eigentlichen Probleme erst zwei Wochen nach der Behandlung auf. Die Tiere haben keine Abwehrkräfte mehr, die Darmflora funktioniert noch nicht richtig, und genau dann setzen Infektionen ein."
Das ist für mich sehr richtig und schlüssig und insofern lasse ich jetzt auch in Kürze eine Kotprobe untersuchen und die Tauben bekommen lediglich über fast drei Wochen das Produkt Bony Previsal.über das Trinkwasser. Das Previsal besteht aus Mono-, Di- und Triglyceriden von Propionsäure und Buttersäure. Die Forschung hat gezeigt, dass diese Glyceride zur Reduzierung von Salmonellen-Infektionen beitragen und eine natürliche Verteidigungslinie gegen Salmonellen bilden, denn diese Glyceride haben starke antibakterielle Eigenschaften. Sie dringen in die Zellwände von pathogenen Bakterien wie Salmonella ein und zerstören diese.
Es gibt inzwischen von fast allen Herstellern von Beiprodukten Mittel, die auf Basis dieser Glyceride hergestellt und sehr gut wirksam sind. Wir praktizieren dieses Vorgehen nun seit mehreren Jahren und es gefällt und allemal viel besser als "vorbeugend" über zehn oder vierzehn Tage Medikamente zu geben, von denen man nicht einmal weiß ob sie tatsächlich wirken.
 

Dienstag, 08.09.2026
Sascha am 08.09.2026 um 17:01 (UTC)
 Heute Nachmittag ist eine junge Täubin vom Flug ab Karlstadt am 27.08. heimgekehrt. Sie hatte abgewaschene Füße und etwas an Gewicht verloren. Aber insgesamt ist sie in einem ordentlichen Zustand und wird sich bald erholen. Ich denke, dass es nicht die letzte Jungtaube sein wird, die noch heimkehrt, aber allzu viele fehlen uns auch von den letzten sechs oder sieben Flügen nicht. Im Gegenteil: die Verluste auf der Jungtierreise waren für unseren Schlag tatsächlich sehr gering und vermutlich werden von den wenigen fehlenden Jungtieren die Mehrheit ein Opfer der Greifvögel geworden sein.
Am Rande des One-Loft-Races am vergangenen Wochenende habe ich mich mit verschiedenen Sportfreunden unterhalten, die allesamt noch berufstätig sind. Letztlich sind die andauernden Flugverlegungen und Verschiebungen auf der Alt- und Jungreise bei all diesen Züchtern ein Thema. Ein Sportfreund, der noch im vergangenen Jahr überaus erfolgreich mit einem kleinen Bestand gereist hat, erklärte, dass er im kommenden Jahr nur noch an One-Loft-Races teilnehmen wolle und nicht mehr an den Flügen seiner RV. Er habe auf diese ständige Verschieberei einfach keine Lust mehr. Ich kann es verstehen. Ein anderer Züchter, der auch als Flugleiter tätig ist, erläuterte dann seine Sicht auf die Reisesaison und dass es manchmal nicht so einfach sei richtige Entscheidungen im Sinne der Tauben zu treffen. Ich erklärte dann, dass ich weiter der Meinung bin, dass wir feste Einsatztermine brauchen und brachte das Beispiel des Reiseplans in den Niederlanden und sagte, dass es vielleicht sinnvoll sei immer freitags einzusetzen und dann zur Not, wenn am Samstag das Wetter schlecht ist, auf Sonntag oder gar Montag stehen zu bleiben. Der Sportfreund, der auch als Flugleiter und RV-Vorsitzender engagiert ist, brachte dann (richtigerweise) den Kostenfaktor ins Spiel und auch die Frage, ob das für die Fahrer alles immer so möglich sei.
Es ist sicherlich nicht so einfach alle Sportfreunde einer RV oder eine Transportgemeinschaft zufrieden zu stellen. Aber man muss es diskutieren und nach Lösungen suchen. Und das geht immer nur gemeinsam in den RVen, Fluggemeinschaften und Regionalverbänden. Und zuvorderst sollte immer das Wohl der Tauben und die Zufriedenheit der Mehrheit der Züchter stehen und nicht irgendeine Meisterschaft.
In den Gesprächen zeigen sich insbesondere die berufstätigen Züchter enttäuscht darüber, dass unsere Verbandsspitze keinerlei Anstrengungen zu unternehmen scheint hier endlich Lösungen zu finden. Stattdessen gibt es (wie vor zwei Jahren) solch irrsinnige Vorschläge alle Wochentage für Preisflüge frei zu geben oder es werden immer weitere (überflüssige) Meisterschaften aus dem Boden gestampft oder die Bedingungen angepasst.
WIe wichtig man diese Meisterschaften nimmt dokumentiert sich auch an den vielen Kontrollen (beim Einsatzgeschäft oder auf Dopind etc), die unser Verband in diesem Jahr in vielen Regionalverbänden durchgeführt hat. Als gäbe es nichts Wichtigeres. Ich will es ganz klar sagen: wer im Brieftaubensport betrügen will, der schafft es auch. Da helfen zig Kontrollen nichts. Es gäbe viel wichtigere Dinge als diese ewigen Kontrollen, die zu nichts führen. Aber mein Eindruck ist: auch da geht es letztlich immer nur um den Kommerz. Solange wir unser Hobby aber nicht von den Züchtern aus denken, die einfach nur mit mehr oder weniger Erfolg an der Reise teilnehmen möchten, wird die Unzufriedenheit immer größer werden. In dem Punkt waren auch die Sportfreunde, mit denen ich diskutiert habe, einig. Leider ist bei allen diesen Züchtern in den letzten zwei, drei Jahren der Eindruck entstanden, dass unser Verbandspräsidium genau an der Stelle genau andersherum denkt und zuvorderst Interesse daran hat den Brieftaubensport in Deutschland so lange es noch geht weiter zu kommerzialisieren.
 

Montag, 07.09.2026
Sascha am 07.09.2026 um 03:07 (UTC)
 Unser letzter Preisflug der Jungtaubensaison ist einwandfrei über die Bühne gegangen. In gut einer Viertelstunde waren die Preise vergeben und ich denke, dass kaum irgendwo groß Tauben fehlen. Für uns selbst war es vom Ergebnis her ein schlechter Flug. Wir bekommen eine sehr frühe Taube, die in der RV den 10. Konkurs fliegt und dann kommt 12 Minuten lang keine Taube und der Konkurs ist beendet. Danach kamen unsere Tiere dann aber sehr zügig. Das ist alles kein Drama. Ich weiß dass es gegen verdunkelte und gut privat trainierte Jungtauben schwer ist anzufliegen. Hinzu kommt, dass ich die Jungtauben zuletzt recht gehaltvoll und vermutlich auch insgesamt ein wenig zu viel gefüttert hatte. Da fehlen dann schon mal ein paar Minuten. Aber das ist nicht so entscheidend, denn es ging nur darum, dass die Tauben noch einmal etwas lernen. Dieses sieht man auch an unserer GPS-Taube, die dieses mal auf recht geradem Weg Richtung Heimat geflogen ist, aber dann, wie schon beim Flug in der Vorwoche, ein wenig zu weit östlich eingeflogen ist und damit einige, wenige Minuten nach dem Konkurs zuhause ankam. Da ich arbeiten musste habe ich auch insgesamt nicht so sehr viel von unseren Jungtauben sehen können, aber auch das nicht in diesem Fall nicht so wichtig.
Nach dem Abschlagen unserer Uhr bin ich dann gleich nach Geseke-Mönninghausen gefahren wo der Endflug des Corvey-One-Loft-Race über etwa 290 Kilometer stattfand. Das Ergebnis dieses Rennens entschädigte mich dann für das schlechte Ergebnis beim RV-Preisflug, denn unsere Taube 2597-26-138 (siehe Foto) dort kam mit dem ersten Schwarm an und errang am Ende einen sehr schönen 7. Platz. Die Täubin stammt aus einem Sohn unseres 526 (14.A-Vogel BRD 2020) x einer Halbschwester unseres 150 (8. AS-Vogel in Westfalen 2021).
Noch erfreulicher war, dass gleich zwei weitere Jungtauben dort unter den ersten 10 Tauben aus unseren Linien kommen. Auf Platz 9 (und gleichzeitig 4.AS-Taube über alle Preisflüge) platzierte sich ein Jungtier der Sportfreunde Heinz und Jens Reinecke aus unserer RV. Der Vater dieser Taube kommt aus unserem Zuchtschlag und stammt aus einem Halbbruder unseres 526. x einer Tochter unseres 447, der 2017 RV-bester Vogel wurde. Die Mutter der Taube wiederum stammt aus einer Schwester unseres 575, der 2020 15. bester Jähriger Vogel in Westfalen wurde.
Und zur Krönung errang der Sportfreund Michael Kemper ( kemper racing pigeons germany" ) den 2. Platz bei diesem Rennen mit einer Taube, die direkt aus einer Halbschwester unseres 526 kommt. Drei Tauben aus der Linie unseres 526 unter den ersten 9 Tauben beim Finalflug dieses OLR - ich denke da kann man nicht meckern.








2597-26-138 - 7. Platz Endflug Corvey-One-Loft-Race
 

Sonntag, 06.09.2026
Sascha am 06.09.2026 um 05:36 (UTC)
 Zu unserem letzten Jungtier-Preisflug ab Erlangen habe ich gestern noch einmal 18 Jungtiere eingekorbt. Es sind in erster Linie Jungtauben aus Verpaarungen, wo ich von den Elterntieren noch sehr wenig über ihre Vererbungsstärke weiß. Die Jungtauben sollen noch einmal einen Flug bestreiten und zeigen dass sie gut nach hause kommen können. Ob am Ende Preise in der Preisliste dabei herum kommen ist mir nicht so wichtig.
Insgesamt sind in unserer Reisevereinigung zu diesem letzten Flug, an dem vier der fünf RVen in unserem Regionalverband teilnehmen, noch etwa 560 Jungtauben eingesetzt worden. Das ist doch noch eine recht ordentliche Zahl und es sind deutlich mehr Tauben als zum letzten Preisflug im vergangenen Jahr.
Wenn der Flug heute, was ich hoffe, normal verläuft, werde ich ab morgen ganz langsam über mehrere Wochen hinweg die Belichtung der Jungtauben herunterfahren. Da ich den Jungtieren, so wie es die Zeit, das Wetter und die Greifvögel zulassen, noch gerne weiter Freiflug geben möchte, möchte ich durch das langsame Ausschleichen der Belichtung verhindern, dass sie sofort extrem in die Mauser fallen und zu viel Deckgefieder mausern. Es soll alles langsam vonstatten gehen, sodass die Tauben noch einige Zeit ihre Fluglust behalten. Insgesamt tendiere ich mehr und mehr dazu allen Tauben, die im kommenden Jahr an der Reisesaison teilnehmen sollen, auch über den Herbst und Winter immer mal Freiflug zu geben. Das funktioniert selbstverständlich nur, wenn nicht bei jedem Freiflug ein Greifvogel seine Attacken startet. Im vergangenen Frühjahr war es bei uns mit den Habichts-Angriffen so extrem, dass die Tauben einfach nur noch Angst hatten, nicht aus dem Schlag wollten und entsprechend auch überhaupt nicht in eine richtige Flugform kamen. Aber im Frühjahr ist man mit Blick auf die Altreise ja fast genötigt die Tauben jeden Tag in den Freiflug zu lassen. Wenn es gelingt durch mehr oder weniger regelmäßigen, freiwilligen Freiflug am Haus die Flug-Verfassung der Tauben über den Winter etwas besser zu halten, dann habe ich im Frühjahr, wenn der Habicht vielleicht wieder so aktiv wird, nicht so einen Druck die Tiere ständig herauslassen zu müssen. Das sind jedenfalls aktuell meine Überlegungen. Es wird sich zeigen wie das alles am Ende funktioniert.
 

Samstag, 05.09.2026
Sascha am 05.09.2026 um 04:50 (UTC)
 Ursprünglich hatte ich geplant heute vor dem Einsetzen unserer Tauben zum morgen geplanten Flug ab Erlangen zum kleinen Corvey-One-Loft-Race in Mönninghausen im Regionalverband 250 zu fahren. Wetterbedingt wurde der Flug dort aber auch auf morgen verschoben. So wird es für mich alles ein wenig kompliziert. Zunächst muss ich am Sonntagmorgen arbeiten, dann werde ich nach hause fahren und schauen was unsere
Jungtauben vom Flug machen und wenn unser Flug beendet ist, dann wird vermutlich auch das OLR bereits abgeschlossen sein, denn ich denke, dass die Auflässe morgen alle relativ früh und zeitgleich erfolgen werden.
Hinsichtlich meines gestrigen Beitrages sind die meisten Reaktionen von Lesern dahingehend gewesen, dass man doch vielleicht einmal versuchen sollte die Jungtierreise wieder um einige Woche nach hinten zu schieben und nicht irgendwann Anfang oder Mitte Juli in der größten Hitze und wenn so manche Jungtaube möglicherweise auch noch nicht alt und reif genug ist, Flüge zu veranstalten. Letztlich käme es da auf einen organisierten Versuch an.
Man sollte auch an der Stelle fragen woher es rührt, dass die Jungtaubenreise seit einigen Jahren stets immer früher beginnen soll. Also Vorbild für den frühen Beginn der Jungtierreise galt dabei das Vorgehen in Belgien oder den Niederlanden. Mit einer Winterzucht, mit verdunkelten und belichteten Tauben usw. Hier bei uns in Deutschland hat sich aber weder die Winterzucht, noch das Verdunkeln von Jungtauben in den letzten Jahren und Jahrzehnten flächendeckend durchgesetzt. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Aber es ist wie es ist.
Es gibt RVen in denen durchaus eine Mehrheit der Züchter verdunkelt, aber nach meiner Wahrnehmung ist es immernoch so, dass in den meisten Reisevereinigungen der größere Teil der Züchter keine Winterzucht macht und herkömmlich im Frühjahr verpaart. Die meisten Jungtauben werden eher nicht verdunkelt und allenfalls belichtet.
Unser Reiseplan sollte sich aber immer an den Realitäten orientieren und nicht an dem, was sich eine Minderheit der Züchter wünscht oder was gar für irgendwelche mehr oder weniger sinnvoll beschlossenen Meisterschaften notwendig zu sein scheint.
In den letzten zwei Jahrzehnten hat es in Deutschland immer wieder Bestrebungen von wenigen Züchtern gegeben den Brieftaubensport nach dem Vorbild unserer westlichen Nachbarländer mehr zu professionalisieren und zu kommerzialisieren. Dieses Vorhaben muss man einfach für gescheitert erklären, denn dadurch haben wir nicht ein einziges zusätzliches Mitglieder im Verband gewinnen können und obendrein hat die zunehmende Kommerzialisierung und Orientierung an deutschen und sonstigen Meisterschaften nur zu mehr Streit, Zwietracht und Unruhe im deutschen Brieftaubensport geführt.
Die deutsche Jungtaubenmeisterschaft beispielsweise hat nun wirklich überhaupt keine Aussagekraft in irgendeiner Richtung. Sie wird lediglich zur Kommerzialisierung unseres Hobbys gebraucht - um nicht zu sagen: missbraucht. Es darf aber nicht unser Ziel sein die Jungtaubenreise und die Ausbildung unserer Jungtauben mit dem dazu notwendigen Reiseplan (und auch den Reisebeginn) an solchen Meisterschaften zu orientieren. Nach dem Ende der Jungtaubenreise könnte man sich über all diese Dinge einmal intensiv Gedanken machen. Ich fürchte allerdings schon mit Blick auf die Mitgliederversammlung unseres Verbandes, dass einmal mehr alles beim Alten bleibt. Spätestens die Live-Übertragung der letzten Mitgliederversammlung hat mich an der Stelle völlig desillusionisiert.
 

Freitag, 04.09.2026
Sascha am 04.09.2026 um 05:52 (UTC)
 Zu meinem gestrigen Eintrag hier hat der Sportfreund Meinolf Levermann einen sehr interessanten Kommentar geschrieben, den ich heute gerne gesondert veröffentlichen möchte, weil er sehr interessante Details enthält, die wir uns bei einer Analyse der Jungtaubenreise einmal vergegenwärtigen sollten:

"Hallo Sascha, ich bin bei Dir und vielen anderen hier, dass leichtes Verschieben der Jungreise nach hinten, damir man die Zeit mit dem größten Risiko für Hitze meidet, absolut sinnvoll ist.
Und nicht nur wegen der Hitze ist dies sinnvoll. Jungtiere lernen, nach dem was Wiltschko und Wiltschko (ja so hießen die zwei Autoren, die in den 80ern viel zu Orientierung von Tauben geforscht haben, waren glaube ich Eheleute) zwischen der 8. und 10. Lebenswoche ihren magnetbasierten Orientierungssinn zu nutzen, nach ca. 12 Lebenswochen ihren Sonnenkompass, und erst nach etwa 15 Wochen war bei den Tieren, die Wiltschko und Wiltschko untersucht haben, der Orientierungssinn vollständig ausgebildet.
Janiga und Johnsten beschreiben in ihrem Buch "Feral Pigeons", dass Stadttauben bis zu 12. Lebenswoche eine sehr hohe Abwanderungstendenz in andere Kolonien besitzen (nennt Zahlen von 50 bis 65
ie abwandern).
Wenn wir früher gelernt haben "Junge können gereist werden, wenn die zweite (oder dritte) Feder geworfen ist" steht diese Regel zu dem zuvor über den Orientierungssinn gesagtem im Widerspruch, denn dann sind die Jungtauben erst ca. 60 Tage alt, also jünger als 12 (geschweige denn 15) Wochen. Wir geben also, wenn wir nicht vor Februar (nicht jeder kann oder will Winterzucht machen!) anpaaren, viele Junge im Juli mit auf die ersten Vortouren (je nach Anpaaren aus der zweiten oder dritten Zucht), die ggf. noch nicht richtig schlagfest sind und z.T. noch keinen komplett entwickelten Orientierungssinn besitzen!
Warum uns das jetzt erst auffällt und es in den 50ern bis 2000er Jahren trotzdem einigermaßen gut ging?
Weil wir erst jetzt eine so geringe Züchterdichte haben, dass diese gefährdeten Jungen in ein viel größeres Einfluggebiet fliegen müssen als früher und durch weniger Tauben im Wettbewerb nicht mehr in dem selben Maße von der Schwarmintelligenz profitieren können, wie früher (meint: es trägt sie seltener der Schwarm bis kurz vor die Haustüre als früher).
Wenn wir also heute Umstände haben, die eher denen vor WW II gleichen, sollten wir ernst nehmen, wie man es damals gemacht hat: Man ist mit den Jungtieren deutlich schonender umgegangen und Züchter aus dieser Zeit äußerten, dass die Tiere vier bis fünf Federn gemausert haben sollten (was übrigens ziemlich genau dem von Wiltschko und Wiltschko genannten Lebensalter von 15 Wochen entspricht).
Und wer mir das mit dem nicht voll entwickelten Orientierungssinn vor der 15. Lebenswoche nicht glaubt, dem rate ich, er schreibe sich seine verlorenen Jungtiere der letzten Jahre mal auf und fügt deren Lebensalter in Wochen zum Zeitpunkt des Verlustes zu jeder Taube hinzu und dann setze er diese verlorenen Jungtiere ins Verhältnis der jeweils im Schlag insgesamt vorhandenen Anzahl an Jungtieren jeder Altersklasse. Ich bin mir ziemlich sicher, er wird eine deutliche Zunahme der relativen Verluste bei Jungtieren genau aus dieser jüngeren Altersgruppen erkennen können.
Also mich hat genau diese Überprüfung vollends überzeugt.
Und dann kommt noch der Vorteil hinzu, dass etwas ältere Jungtiere eine höhere Wahrscheinlichkeit haben die meisten Kinderkrankheiten bereits hinter sich zu haben
.
Konsequenz: wir sollten alle etwas früher Züchten, oder später mit dem Jungtier-Reisen beginnen und würden dadurch wahrscheinlich Jungtaubenverluste reduzieren."


Ich möchte an dieser Stelle noch etwas ergänzen. Wenn wir die Jungtierreise betrachten und auch daran interessiert sind künftig möglichst reibungslose Flüge zu veranstalten, dann erscheint mit auch ein Blick auf die Entwicklung des Immunsystems unserer Tauben sinnvoll.
Wann und wie entwickelt es sich? Ab welchem Alter der Jungtauben ist es möglichst weit entwickelt? Wann nehmen wir Impfungen vor und wie wirkt die jeweilige Impfreaktion sich aus? In welchem Abstand zu den Impfungen ist es zulässig und sinnvoll die Tauben zu ersten Trainingflügen einzusetzen?
Das könnten alles Themen sein, die für unsere Jungtiere von Belang sind.
Meinolf spricht auch die immer geringer werdende Züchterdichte an. Ich habe es ebenfalls hier an dieser Stelle auch in Bezug auf unsere Reisevereinigung und unsere Fluggemeinschaft schon häufiger geschrieben: während die Anzahl der Züchter und auch der Tauben letztlich Jahr für Jahr sinkt, wird die Fläche auf welche die Tauben fliegen müssen jährlich etwas größer. Es macht für Jungtauben oft wenig Sinn sie von Anfang an auf sehr große Flächen in Fluggemeinschaften und Regionalverbänden zu reisen. Auch an der Stelle könnte man einmal die Flüge analysieren.
Ich bin davon überzeugt, dass auch die Probleme hinsichtlich der Jungtaubenverluste, die man beispielsweise in Belgien oder den Niederlanden teilweise beklagt, damit zusammen hängen, dass dort anfangs auf zu große Gebiete geflogen wird. Sobald die Tauben wissen um was es geht, sobald sie gelernt haben sich eigenständig zu orientieren, sind gemeinsame Auflässe auf größere Flächen wichtig und richtig. Aber wenn die Tiere ihre ersten Trainingsflüge machen sollte man an der Stelle doch vorsichtiger sein. Zumal dort, wo die Topographie anders ist. Dort wo die Tauben nicht einfach nur über "plattes Land" fliegen ist ihr Flugverhalten - und ganz besonders das von Jungtauben - oft ein völlig anderes. Speziell die Flüge auf denen die Tauben mit den neuen "Tracking-Ringen" ausgestattet sind ergeben dort in der Auswertung häufig ein hochinteressantes Bild.
 

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