| | Gestern las ich in einem Artikel über die Gebrüder Herbots einige Sätze, über die ich immernoch nachdenke. Es ging thematisch um die Zucht von guten Reisetauben. Der Schlagpfleger der Gebrüder Herbots, Geoffrey Janssens, erklärte, dass sie oftmals sehr gute Reisetauben nicht direkt aus ihren Zuchttauben, sondern auch wieder im Reiseschlag gezogen hätten und stellte dann folgenden Zusammenhang her:
"Die Reisetauben sind angepasst an neue Umstände. Ich denke da beispielsweise an 5G und verschiedene Wetterbedingungen. Sie werden wöchentlich darauf selektiert. Sie passen sich viel besser daran an als die alten Zuchttauben und sind obendrein vitaler. Der Brieftaubensport hat ich in den letzten Jahren enorm verändert."
Es ist sehr gut möglich dass an diesen Überlegungen etwas dran ist. Tauben, die in der heutigen Zeit, mit enormem Greifvogeldruck, 5G, verschiedenen militärischen Überwachungsmethoden, im Schnitt höheren Temperaturen und weniger Wasserstellen in den Flugstrecken, über zwei, drei Jahre gute Leistungen zeigen, sind Tauben, die wirklich etwas können und aus denen man, wenn es möglich ist, schon sehr frühzeitig Jungtiere großbringen sollte. Sei es nun dadurch, dass man in den Reisesschlägen Jungtauben aufziehen lässt oder indem man die Eier umlegt.
Wir selbst haben hier seit 1983 Jahr für Jahr die trockene Witwerschaft praktiziert. Es war für uns einfacher und das System hat immer sehr gut funktioniert. Aber ich bin auch überzeugt davon, dass wir dadurch manches gute Jungtier gar nicht erst gezüchtet haben, weil wir aus unseren Witwern fast nie Eier umgelegt und irgendwie Jungtauben gezogen haben.
Es ist meine feste Überzeugung dass mehr als die Hälfte aller Züchter in Deutschland sehr gut daran täte, praktisch überhaupt keine Zuchttauben zu halten. Mehr als die Hälfte aller Sportfreunde fliegt Jahr für Jahr letztlich mehr oder weniger deutlich unter dem Schnitt, d.h. unter den Prozenten. Dann werden in der Regel unbewiesene Tauben von anderen Züchtern geholt, in die Zucht gesetzt und es wird weiter probiert. Leider züchten auch die besten Züchter unseres Landes oedr auch in den Nachbarländern letztlich 90 Prozent Tauben, die nicht die nötige Reise- und Zuchtqualität haben. So sitzen die Zuchtschläge allerorts voll mit Tauben, die wenig oder gar keinen überdurchschnittlichen Nachwuchs züchten und die meisten Sportfreunde treten u.a. deswegen auf der Stelle.
Idealerweise sollte man sich von gut reisenden Züchtern, denen man vertraut, Eier oder Jungtiere holen, die man selbst reisen kann. Erst wenn sie sich auf der Reise bewährt haben sollte man dann aus den wenigen bewährten Tauben züchten. Ich denke, dass man damit schneller einen Weg zu mehr Erfolg finden kann. Selbstverständlich müssen dann auch andere Umstände wie der Schlag selbst, die Versorgung der Tauben und ihre Gesundheit stimmen. Wie sagte Dr. Marien? "Es gibt mehr gute Tauben als gute Züchter." Auch da ist viel Wahres dran. Es gibt nicht wenige Züchter, denen könnte man die besten Tauben der Welt geben und sie würden damit nicht deutlich vorwärts kommen, weil andere Umstände bei ihnen einfach nicht stimmen.
Trotzdem beginnt und endet immer alles im Brieftaubensport bei der guten Taube. Ohne sie geht nichts. Sie zu züchten muss das Ziel sein und hier spielt meiner Ansicht nach auch die Vitalität der Elterntiere eine Rolle. Diese ist in fast allen Beständen in der Regel im Reiseschlag besser als im Zuchtschlag. Weil im Reiseschlag die Tauben regelmäßig im Freiflug sind, weil sie jünger sind und weil dort auch oft mehr an der Gesundheit der Tauben "gearbeitet" wird. Statt also jetzt in Herbst und Winter für teures Geld einzelne Tauben zu kaufen in der Hoffnung, dass diese dann später gute Nachzucht bringen, wäre es vielleicht für so manchen Züchter zielführender sich frühzeitig darum zu bemühen mal von einem sehr guten Schlag im Frühjahr rechtzeitig Eier oder Jungtiere zu bekommen, die man dann selbst reisen kann. Es darf dann natürlich auch nicht "irgendetwas" sein, sondern sollte, wie auch immer das vielleicht möglich ist, schon aus den besten Tauben sein, die dieser Sportfreund hat. Das ist sicherlich nicht einfach. Aber es ist durchaus möglich, wenn man sich rechtzeitig bemüht. | | | |
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