Brieftauben Mimberg

NEUIGKEITEN

Brieftauben-Mimberg bei Facebook *Klick*
Mittwoch, 30.09.3036
Sascha am 30.09.2026 um 06:11 (UTC)
 Seit Tagen haben wir hier sommerliches und sehr warmes Wetter. Für die Mauser der Tauben ist das ideal. Man merkt den Tieren an, dass sie sich trotz des starken Federwechsels deutlich wohler fühlen, als wenn es kalt und regnerisch wäre. Ich muss dann sehr oft an meinen leider verstorbenen Großonkel Karl Mimberg denken. Er sagte sehr häufig: "Die Taube ist ein Sonnenvogel." Dieser Satz trifft tatsächlich sehr gut das Wesen unserer Brieftauben, die oft bei höchsten Temperaturen in den Volieren in der Sonne liegen, die Flügel ausbreiten und sich bescheinen lassen und es sich gut gehen lassen. Vermutlich liegen sie dann auch in der direkten Sonne um mit Hilfe der UV-B-Strahlung Vitamin D zu in ihrem Körper zu produzieren.
Mein Großonkel sagte den genannten Satz ganz besonders oft im Frühjahr, wenn wir im März und April oft bei Kälte, Wolken, Regen und Schnee schon die Tauben herauslassen und später auf Vorflüge setzen mussten, weil das Programm und der Reiseplan es so erforderte. Er konnte sich herrlich darüber aufregen, dass die Reisepläne Jahr für Jahr fast gleich erstellt wurden und niemand dazulernen wollte. So ist es leider bis heute geblieben. Bald finden in den Reisevereinigungen und Regionalverbänden die Mitgliederversammlungen statt und die Weichen für das nächste Jahr werden gestellt. Es wird zu 99 Prozent überall alles beim Alten bleiben, weil es wohl auch von Seiten der Mitgliederversammlung unseres Verbandes keine größeren Veränderungen gibt. So siecht leider unser deutscher Brieftaubenwesen weiter dahin und Jahr für Jahr werden es weniger Züchter, RVen und Tauben die in der Luft sind.
Für so manchen Sportfreund beginnt der Höhepunkt des Reisejahres auch jetzt erst. Es ist die Verkaufs- und Versteigerungssaison. Da werden einige Züchter dann richtig aktiv, wollen Tauben kaufen oder verkaufen und man kann fast kein Gespräch mit einem Sportfreund führen, in dem nicht auf irgendeine Auktion oder einen Verkauf und auf die teilweise enormen Summen, die dort scheinbar umgesetzt werden, hingewiesen wird. Mich interessiert dieser ganze Brieftaubenhandel nicht. Ich schaue kaum noch auf die Auktionsseiten und gehe auch selten einmal im Winter zu Veranstaltungen, denen eine Versteigerung angehängt ist.
Wenn mich Tauben eines Züchters interessieren, dann nehme ich Kontakt zu ihm auf, schaue ob ich mit dem Sportfreund gut persönlich zurecht komme und dann versuche ich aus seinen besten Tauben etwas zu bekommen. Wenn das in diesem Jahr nicht möglich ist, dann vielleicht im nächsten Jahr.
In diesem Herbst und Winter werde ich aber praktisch keine Tauben neu einführen. Der Grund ist recht einfach: wenn man den Bestand sukkzessive verkleinern will, dann kann man nicht ständig neue Tauben hinzu holen. Außerdem ist es einfach so, dass einem, wenn es gut geht, von zehn zugeholten Tauben vielleicht eine am Ende wirklich weiter hilft und züchterisch ihre Spuren im Bestand hinterlässt. Insofern muss man nicht ständig neue Tauben hinzuholen. Zumal dann nicht, wenn man sich auch aus dem eigenen Bestand die ein oder andere vielleicht brauchbare Taube für die Zucht heranziehen kann. Ganz davon abgesehen ist der Zustand des deutschen Brieftaubenwesens ohnehin so, dass aus meiner Sicht eine Planung (und damit auch Zuchtplanung) über drei, vier, fünf Jahre und mehr gar nicht mehr lohnt.
Aber: neue Tauben geben auch immer neue Hoffnung und der Züchter, der sie einführt, erfreut sich an ihnen, Daher ist es nicht verkehrt, wenn ein Sportfreund hier und da neue Tauben hinzuholt in der Hoffnung, die Leistungen seines Bestandes zu verbessern. Meine Meinung an der Stelle ist aber auch ganz klar: die Preise müssen im Rahmen bleiben. Alles andere führt zu nichts außer einer vollen Geldbörse des Verkäufers.
 

Dienstag, 29.09.2026
Sascha am 29.09.2026 um 06:23 (UTC)
 Wenn ich nun die Taubenschläge betrete fliegen mir die Federn nur so entgegen. Deckgefieder, Schwundfedern und Schwanzfedern werden aktuell in großer Zahl geworfen und anschließend erneuert. Trotzdem habe ich auch gestern unseren Jungtauben wieder Freiflug gegeben. Sie gehen dann gerne nach draußen. Einige fliegen nur drei, vier Minuten, anderen zehn Minuten und weitere sind auch länger in der Luft. Dann landen sie wieder und gehen in den Schlag oder bleiben auf dem Dach sitzen und fliegen vielleicht auch nochmal auf und drehen einige Runden. Für den Stoffwechsel der Tauben gibt es auch jetzt in der Hauptmauserzeit nichts besseres als mehr oder weniger regelmäßigen Freiflug. Das was die Bewegung der Tauben, auch wenn sie oft nur kurz ist, im Stofffwechsel der Taube auslöst kann kein Beiprodukt und kein Futter der Welt bewirken. Es besteht zwar leider auch immer die Gefahr, dass ein Greifvogel die Tauben attackiert und vielleicht sogar schnappt, aber letztlich ist es für mich eine Abwägunssache. Gehe ich das Risiko ein, dass die ein oder andere Taube verloren geht durch den Greifvogel oder tue ich etwas für ihr Wohlbefinden und ihren Stoffwechsel auch während der Mauserzeit. Aktuell ist es mir noch wichtiger dass die Tiere Bewegung haben.
Gestern rief mich ein Züchter an und stellte mir die Frage, ob ich denke, dass man eine Reisesaison in der Regel erfolgreich komplett ohne Medikamentengabe bestreiten kann. Ich habe ihm geantwortet, dass ich nur in Ausnahmefällen glaube, dass das möglich ist. Aber in der Regel muss man wohl, wenn man die Tauben zwölf bis fünfzehn Wochen in sehr guter Verfasssung halten möchte, hin und wieder ein Medikament einsetzen.
Die Frage ist: hat man einen Tauben-Tierarzt in der Nähe mit dem man zusammenarbeiten kann? Dann ist man erst einmal auf der sicheren Seite, wenn man die Tauben so alle drei Wochen dort während der Wettflugsaison vorstellt. Der Arzt kann einem dann recht sicher sagen ob man etwas behandeln muss oder nicht und einem dann auch das entsprechende Medikament verschreiben.
Es gibt leider viele Regionen in Deutschland, in denen man seine Tauben nicht mal eben schnell irgendwo einem spezialisierten Tauben-Tierarzt vorstellen kann. Wenn man dann nicht teilweise weite Fahrten zu einem solchen Veterinär unternehmen kann oder will, dann muss man sich selbst helfen. Leider wird es genau an der Stelle aber von vielen Züchtern falsch angefangen und auch übertrieben. Man besorgt sich diverse Medikamente gegen Trichomonaden oder Infektionen der Atemwege usw. und setzt diese dann "zur Vorbeugung" relativ regelmäßig oder sogar wöchentlich ein. Das funktioniert auch oft recht gut aber, und das habe ich dem Anrufer auch gesagt, die Züchter kommen oft in einen Teufelskreis aus dem sie dann nicht mehr herauskommen. Die Tauben und der Bestand sind über die Jahre, die durchaus erfolgreich sein können, nahezu an sehr regelmäßige Medikamentengaben gewöhnt. Ohne Medizin geht dann irgendwann fast nichts mehr.
Ich kann sehr wohl gut verstehen, wenn Züchter sich in der Reisesaison selbst helfen (müssen), weil kein geeigneter Tierarzt in einigermaßen zeitnah erreichbarer Nähe ansässig ist. Aber wenn man schon den Weg geht sich irgendwo im Vorfeld der Reisesaison Medikamente zu besorgen und diese relativ regelmäßig einzusetzen, dann sollte man schon genau wissen, was man da tut.
Nebenbei bemerkt: ich glaube selbst überhaupt nicht, dass heutzutage noch in der Saison beispielsweise eine Trichomonadeninfektion ein großes Problem darstellt. Es gibt inzwischen verschiedenste Möglichkeiten Trichomonaden in der Reise so zu beschränken, dass sie für die Tauben keine Schwierigkeiten machen.
Gleiches gilt auch für Kokzidien. Diese machen letztlich in einem hygienisch geführten Bestand normalerweise keine größeren Probleme. Insofern denke ich, dass Medikamente in diesem Bereich während der Reise weitgehend unnötig sind. Wenn der Schlag dann noch gut funktioniert und v.a. nicht überbesetzt ist, dann hält man auch die Infektionsgefahr im eigenen Schlag relativ gering.
Der Hauptinfektionsherd bleibt am Ende der Kabinenexpress in dem sich Bakterien oder Viren, auch je nach Kabinenbesatz und Standzeit, teilweise schnell ausbreiten können. Diese Erreger betreffen dann v.a die Atemwege der Tauben oder auch mal den Darm. An der Stelle ist doch die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass man in der Reisesaison auch hin und wieder zu einem entsprechenden Medikament greifen muss um eine Ausbreitung im eigenen Bestand zu verhindern. Wie man das aber dann angehen sollte, das kann man während der langen Wintermonate und in der Vorbereitung auf die Saison auch mal mit einem spezialisierten Taubentierarzt besprechen und vorbereiten. So viel Zeit sollte jeder Züchter sich nehmen,
 

Sonntag, 27.09.2026
Sascha am 27.09.2026 um 16:12 (UTC)
 Wie hier in unserem Schlag die Tauben jetzt in der Hauptmauser versorgt werden, hatte ich zuletzt ausführlich beschrieben. Am Ende beschränkt es sich darauf, dass die Tauben das Futter bekommen, welches ich hier zusammen gemischt hatte (aus Winterfutter, Zuchtfutter und Reisefutter) und die Versorgung zwei Mal in der Woche mit den Pulvern von Dr. Marien, die ich mit Gemüsemix und flüssiger Hefe an das Futter gebe. Dazu gibt es jeden Tag eine handvoll Mineralien in Form von Gritmischung, Mineralpulver und Heilerde zur freien Aufnahme. Die Gritmischung enthält weder Sämereien, noch Lockstoffe, noch Korrels oder Backerzeugnisse und was sonst oft noch so in diese Eimer gemischt wird, die am Markt angeboten werden.
Damit mausern die Tauben prima, sie sehen gut aus und auch das Gewicht ist in Ordnung.
In der aktuellen "Brieftaube" schreibt Franz Steffl darüber, dass ihre Tauben in der Mauserzeit mit einer sehr reichhaltigen Mausermischung versorgt werden, die u.a. 15 Prozent Hanf und Sämereien etc. enthält. Das kann man sicherlich auch tun. Es steht dort nicht noch gesondert geschrieben was es an Beiprodukten gibt, aber auch da wird sicherlich das ein oder andere Mittel eingesetzt. Ich neige eher dazu die Mauser als einen völlig natürlichen Prozess zu betrachten, wie ihn auch Ad Schaerlaeckens in der aktuellen "De Duif" beschreibt.
"Was ist also das Beste, was man tun kann, wenn die Tauben mausern? Man lässt sie einfach in Ruhe. Und wie sieht es mit der Fütterung aus? Eine sogenannte „Mauser-Mischung“ verabreichen? Ich halte diesen Begriff für unsinnig. Eine Mischung, die Tauben schneller und besser mausern lässt, gibt es schlichtweg nicht. Es handelt sich um einen geschickten Marketingbegriff, der Käufer anlocken soll. (...) Lässt sich also absolut nichts tun? Nur sehr wenig.
Man kann jedoch Fehler machen. Tauben in der Mauser trainieren nicht, und Tauben, die nicht trainieren, setzen leicht Fett an. Und übergewichtige Tauben taugen zu nichts: weder zur Zucht noch für den Wettflug oder die Mauser."


Mit seinen letzten Worten trifft Ad Schaerlaeckens übrigens einen Punkt, den ich in den letzten Jahren mehr und mehr ebenso so sehe: egal ob in der Reisesaison, in der Zuchtsaison oder jetzt in der Mauser - wir überversorgen unsere Tauben und bei den meisten Sportfreunden sitzen die Tiere dann auch noch wegen der Greifvogelplage ein halbes Jahr lang oder länger fest.
Ich komme mehr und mehr dahin es so zu sehen, wie es auch Dr. Marien immer wieder propagiert. Eine gute Brieftaube in einem funktionierenden Schlag braucht nicht viel. Gutes, nicht zu gehaltvolles Futter. Frischen Grit und frische Mineralien. Hier und da etwas tierisches Eiweiß oder auch Bierhefe und damit mausert eine Taube gut, trainiert gut, fliegt gut, paart gut und züchtet gute Junge.
Im deutschen Brieftaubensport hat teilweise eine sehr seltsame entwicklung stattgefunden: wir verlagen von den Tauben immer weniger hinsichtlich der Flugentfernung, der Flugzeit und lassen sie oft nur noch bei absoluten Topbedingungen auf. Die Taube muss da nicht mehr viel leisten außer schnell nach hause zu fliegen. Oft noch begünstigt durch den Wind. Aber genau diese Tiere, die eigentlich nicht mehr so sehr viel tun müssen werden versorgt als ob sie alle 5 Tage 900 KM fliegen müssten. Mit viel zu vielen Beiprodukten, viel zu gehaltvollem Futter und leider oft auch mit zu vielen Medikamenten. Das ist uns über die Jahre so eingeredet worden von der Industrie. Und so ist es auch in der Mauser. Mit gutem Futter, Mineralien, vielleicht etwas Grünzeug und etwas Eiweiß mausert eine Taube hervorragend und die Federn werden am Ende auch nicht einen Millimeter kürzer deswegen. Und schon gar nicht fliegt eine Taube deswegen im Folgejahr einen Preis mehr oder weniger oder mehr Spitzenpreise.
Ich kann jedem nur einmal raten es auszuprobieren jetzt in der Mauser und ein paar Tauben nur mit einem herkömmlichen Futter, mit Mineralien und vielleicht einem Multivitamin zu versorgen. Eventuell noch ein Aminosäurenprodukt. In einem funktionierenden Schlag, in dem man eine gewisse Hygiene einhält, mausert diese Tauben nicht einen Deut schlechter als ein Tier, dass mit Allerlei Beiprodukten und dem teuersten Mauserfutter am Markt versorgt wird.

 

Samstag, 26.09.2026
Sascha am 26.09.2026 um 07:03 (UTC)
 In den Niederlanden und auch in Belgien gibt es seit mehreren Jahren eine intensive Diskussion über die Teilnahme der sogenannten "Mega-Schläge" an den Wettflügen. Züchter, deren Tauben unter Profi-Bedingungen geführt werden, nehmen teilweise mit 200, 250 oder 300 Tauben an den Preisflügen teil. Das führt dazu, dass sich der "kleine Züchter", der nur mit einer kleinen Mannschaft an den Wettbewerben teilnimmt, oft kaum noch in den Preislisten wieder findet. Einige Sportfreunde können mit dieser Entwicklung gut leben, andere Sportfreunde halten die Wettbewerbe aufgrund dieser Situation inzwischen für verzerrt und nicht mehr aussagekräftig und sind frustriert.
Hier bei uns in Deutschland ist die Entwicklung nicht ganz so extrem, aber es ist doch oft so, dass die sogenannten Top-Schläge mit überdimensional großen Mannschaften an den Start gehen. Ich habe an dieser Stelle schon häufiger davon geschrieben, dass ich davon nicht so sehr viel halte. Gerade die kommerziellen Schläge und Züchter sprechen oder schreiben oft von der sogenannten "Taubenqualität", die den Unterschied bei Erfolg oder Misserfolg oder auch bei Wiederkehr und Verlust der Tauben ausmacht. Ich will den Faktor "Taubenqualität" überhaupt nicht in Abrede stellen. Es ist am Ende tatsächlich neben der Gesundheit und der Forn der Tauben der entscheidende Faktor, der über die Leistungen einer Taube und eines Schlages entscheidet.
Aber wenn in einem Bestand die Taubenqualität wirklich hervorragend ist, dann benötigt dieser Schlag auch nicht 100, 120, 150 oder noch mehr Jung- oder Alttauben um an der Reise teilzunehmen.
Ein Positivbeispiel war an dieser Stelle für mich immer der leider verstorbene Meisterzüchter Wolfgang Roeper. Er hatte eine völlig normale Anzahl an Jungtauben, die er herkömmlich reiste. Er ging mit etwa 40 Witwervögeln die Altreise an und über seine jahrzehntelangen Top-Resultate muss ich hier nicht berichten. Dieser Mann konnte es einfach. Er war stets auf der Suche nach der hervorragenden Taube, er konnte die Tauben ausgezeichnet motivieren und auf die Flüge vorbereiten und wie sich in den letzten Jahren auch mehr und mehr auf anderen Schlägen zeigte, konnte er aus diesen Tauben auch hervorragende Nachzucht züchten.
Auf der anderen Seite gibt es Schläge, die überaus erfolgreich sind über viele Jahre, die aber für diesen Erfolg auch einen deutlich über dem Schnitt liegenden Taubenbestand halten (müssen). Dort stimmt auch alles. Das Training, die Verorgung und Vorbereitung der Tauben und die Motivation. Teilweise dreht sich in diesen Schlägen 24 Stunden alles um die Tauben. Es sind fast Profi-Bedingungen. Trotzdem hält man dort teils riesige Zucht- und Reisebestände, weil am Ende eben die Qualität der Tauben nicht so groß ist, wie es die Ergebnisse auf den ersten Blick suggerieren mögen. Um einige herausragende Tauben zu züchten müssen dort erst einmal viel mehr Tauben insgesamt gehalten werden.
Auch an dieser Stelle sollte sich also jeder Sportfreund, der nun versucht seinen Bestand zu verstärken, sehr gut überlegen wo es Sinn macht nach besseren Tauben zu suchen.
Ad Schaerlaeckens berichtet übrigens im Zusammenhang mit den Mega-Schlägen von einem Züchter aus Brasilien, der ihm nun eine Email geschrieben hat. Ich möchte diese Email einmal hier veröffentlichen als Gedankenansatz für unser deutsches Reisesystem.

"Ich verstehe die Beschwerden kleiner belgischer und niederländischer Züchter gegen die Megaschläge. Hier in Brasilien gelte ich als großer Züchter, weil ich einen Taubenschlag mit 450 Tauben habe.
Ich glaube, dass wir hier in Brasilien einen faireren Wettbewerb haben, da wir bei all unseren Wettbewerben nur 30 Tauben pro Züchter und Wettbewerb anmelden können. Überschüssige Tauben können wir beliebig oft schicken, sie werden aber 15 Minuten nach den offiziell angemeldeten Tauben freigelassen. (...) Auch bei Vereinswettbewerben wird die Regel von 30 Tauben pro Züchter eingehalten."


Vielleicht wäre es einmal zu überlegen ein ähnliches Modell auch hier bei uns in Deutschland zu testen. Dadurch hätte niemand einen Nachteil, denn alle Tauben könnten weiter gereist werden und auch finanziell würde sich für die Veranstalter nichts ändern.
 

Freitag, 25.09.2026
Sascha am 25.09.2026 um 06:15 (UTC)
 Ich schaue nur noch sehr selten auf die verschiedenen Brieftauben-Auktionsseiten im Interet. Da ich dort keine Tauben kaufe und mich vieles einfach nicht interessiert, sind diese Seiten für mich doch eher Zeitverschwendunng. Gestern aber schickte mir ein Sportfreund einen Link zu einer Auktion, die der Anbieter der Tauben mit folgenden Worten einleitet:

"Ich mache Schluß! - Verkauf aller Zuchttauben!
Warum mache ich Schluss!!
Wenn ich die Wörter Wettermanufaktur und Flugverlegungskommission schon höre, bekomme ich Puls und Blutdruck auf einmal.
Dazu noch ein paar Leute deren Unfähigkeit nicht mehr zu überbieten ist, haben dazu geführt, dass ich die Schnauze voll habe!!!
Alttiereisen nach dem 8. Flug eingestellt, da es keinen Sinn mehr machte unter diesen Umständen Tauben zu schicken, obwohl wir noch in allen Meisterschaften mit oben lagen!
Für Berufstätige ist ein solches Reisen nicht mehr möglich!!!"


Aus den Worten des Sportfreundes, der in einer uns vorgelagerten Reisevereinigung seine Tauben spielt, spricht einfach nur großer Frust. Ich kenne weder die Einzelheiten in diesem Fall, noch möchte ich mir ein Urteil erlauben, ob all dieser Frust berechtigt ist.
Ich möchte aber sehr wohl feststellen, dass ich den Züchter verstehen kann. Aucn mir ging es in der zurückliegenden Saison wieder einmal so, dass ich nach recht wenigen Flügen die Nase vollkommen voll hatte. Zu keinem Zeitpunkt in der Reisesaison weiß man eigentlich, wann ein Flug stattfindet und v.a. wann das Einsatzgeschäft terminiert ist. Woche für Woche kommen fortlaufend Nahrichten darüber, ob ein Flug verschoben wird und damit auch das Einsetzen der Tauben.
Am Rande der beiden One-Loft-Rennen, die ich letztens besucht hatte, habe ich auch mit mehreren jüngeren Sportfreunden gesprochen, die ebenfalls noch berufstätig sind. Auch da das gleiche Bild: die Züchter sind einfach nur noch frustriert. Wenn sie halbwegs vernünftig ihre Tauben reisen und dabei noch ein bißchen Erfolg haben möchten, dann ist das für die Sportfreunde, die noch im Arbeitsleben stehen, fast nur noch unter größten Anstrengungen möglich und mit einem Hobby hat das Brieftaubenwesen an der Stelle kaum noch zu tun.
Als ich letzte Woche den Vogel telefonisch meldete, über den ich geschrieben habe, berichtete mir der Züchter der Taube, dass aus seiner Region im grenznahen Raum im Rheinland, erneut mehrere Züchter in die niederländische NPO wechseln um dort ihre Tauben zu spielen. Er sagte mir auch, dass das RV-spiel in seiner Gegend mehr und mehr kaputt geht, weil die Züchter lieber weitere Anfahrtswege und höhere Kosten hinnehmen, als weiter ihre Tauben im deutschen Programmspiel zu reisen, wo nichts mehr planbar sei.
Ein Beispiel für den Irrsinn, der in Deutschland inzwischen um sich gegriffen hat, ist die RV unseres FSK-Vorsitzenden im Regionalverband 258. Dort fanden die vier Jungtierpreisflüge in der zurückliegenden Saison an folgenden Wochentagen statt: Donnerstag, Freitag, Mittwoch, und Mittwoch in einem Zeitraum von fünfeinhalb Wochen. Hat man deswegen dort bessere Flüge gehabt oder weniger Tauben verloren? Ich denke kaum. Und obendrein bleibt die Frage welcher berufstätige Züchter (womöglich mit Familie und Kindern) diesen Unsinn noch mitmachen soll.
Mir ist nicht bekannt ob es in den Gremien unseres Verbandes aktuell Überlegungen gibt an dieser Stelle endlich Änderungen vorzunehmen und den Brieftaubensport in Deutschland wieder planbarer zu machen. Mich beschleicht allerdings seit längerer Zeit der Eindruck, dass es vielen Verantwortlichen ein ganzes Stück weit egal ist wenn das Brieftaubenwesen in unserem Land weiter vor die Hunde geht und man einfach so weitermachen möchte wie zuletzt bis dann gar nichts mehr geht.
 

Donnerstag, 24.09.2026
Sascha am 24.09.2026 um 06:06 (UTC)
 Es gibt bei verschiedenen Vogelarten Studien die zeigen, dass sich während der Hauptmauser die bakterielle Besiedlung des Darms teils massiv verändert. Da das Nachwachsen der Federn extrem energie- und nährstoffaufwendig ist, gerät der Organismus unter physiologischen Stress. Dieser Stress und die hormonelle Umstellung spiegeln sich direkt im Darm- und Gefiedermikrobiom unmittelbar wider. Das sogenannte Mikrobiom im Darm scheint sich beinahe so zu erneuern, wie es auch das Federkleid tut. Bestimmte Bakterienarten vermehren sich stark, die Anzahl anderer Bakterien nimmt, teils vorrübergehend, deutlich ab. Zwar gibt es für unsere Brieftauben diesbezüglich wohl keine ergiebigen Studien, aber ich denke mir, dass es bei unseren Tieren sehr ähnlich abläuft.
Manchmal ist, trotz gleichbleibender Versorgung, in der Mauserzeit das Kotbild tageweise ein anderes als außerhalb der Hauptmauser. Auch bestimmte Erkrankungen wie Patatyphus oder Ornithose, schleichen sich während der Mauser oft in die Bestände. Letzteres hat wiederum wohl damit zu tun, dass das Immunsystem während des Federwechsels oft heruntergefahren wird. Da das Immunsystem und die Darmflora eng miteinander kommunizieren, nutzen dann krankmachende Bakterien diese Phase aus um sich zu vermehren.
Obwohl diese Dinge inzwischen allgemein bekannt sein dürften durch Artikel in Fachzeitschriften etc. gibt es immernoch reichlich Sportfreunde, die ausgerechnet jetzt zu dieser Zeit mit Medikamenten hantieren. In einem niederländischen Blog schrieb jetzt ein sehr erfolgreicher Züchter. dass seine Tauben zu Beginn der Mauser zunächst eine Trichomonaden-Tablette erhalten und anschließend über 14 Tage "blind" gegen Paratyphus gekurt werden. Weiterhin rät er dazu alle zwei bis drei Jahre bei diesen Kuren die Medikamente zu wechseln.
Aber dass jemand erfolgreich mit Tauben reist heißt nicht, dass er auch alles richtig macht in der Versorgung seiner Tiere. Dieser Züchter scheint mit seinem Wissen und seinem Vorgehen vor 30 oder 40 Jahren stecken geblieben zu sein. Er täte deutlich besser daran die Tauben untersuchen zu lassen mit einer Kotprobe und, wenn möglich, auch mit Abstrichen beim Tierarzt und dann nur zu behandeln, wenn es wirklich notwendig ist. Mit den von ihm verwendeten Medikamenten zerstört er noch mehr in der Darmflora seiner Tauben, als der Mauservorgang ohnehin verändert.
Selbstverständlich erholt sich die Darmflora der Tauben auch von diesen Kuren und den Veränderungen in der Mauserzeit. Aber ich glaube fest daran, dass sich dieser regelmäßige Medikamentenge- (bzw. miss-)brauch über die Jahre sehr negativ in einem Bestand verankert. Trotz aller Erfolge, die sehr gut reisende Schläge haben, werden so behandelte Tauben über die Jahre durch entsprechende Vererbung, immer anfälliger.
Mir braucht auch niemand erzählen, dass Züchter, die jetzt zur Mauserzeit die Tauben in jedem Jahr regelmäßig über längere Zeit mit Medikamenten behandeln, sonst im Reise- und Zuchtjahr kaum oder keine Medizin verwenden. Dort gehört der Griff zu diversen Medikamenten einfach zum Programm dazu.
Grundsätzlich kann auch jeder Züchter selbst entscheiden wie er in dieser Hinsicht vorgeht. Aber: jetzt beginnt wieder die Verkaufs- und Versteigerungssaison. An dieser Stelle muss sich jetzt jeder Sportfreund sehr gut überlegen wo er versucht sich mit Tauben zu verstärken. Denn wenn man Preislisten lesen kann, die Größe der Bestände von Züchtern kennt und sich darüber hinaus ein wenig informiert, dann kann man sehr schnell Rückschlüsse darauf ziehen wie groß der Medikamenteneinsatz bei so manch erfolgreichem Schlag über das Jahr ist. Anhand dieser Informationen kann man dann immernoch entscheiden ob es richtig ist sich bei bestimmten Schlägen mit Tauben zu "verstärken".
Für mich persönlich gibt es eine Menge herausragend reisender Schläge aus deren Bestand ich keine einzige Taube haben wollte. Unabhängig davon was sie kosten und aus welchen Elterntieren sie stammen. Einfach weil ich mir denke, dass die Tauben aus diesen Beständen nicht dazu passen wie wir hier unsere Tiere führen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Tauben, die ständig mit allerlei Beiprodukten rund um das Jahr unterstützt werden und die sehr regelmäßig Medikamente bekommen und dazu noch aus teilweise sehr großen (Zucht-)beständen kommen, bei uns dann das Leistungsniveau deutlich verbessern, ist einfach viel zu gering. Es macht für uns keinen Sinn und jeder Sportfreund, der aktuell darüber nachdenkt sich irgendwo Tauben zuzulegen, der sollte sich ebenfalls sehr gut überlegen was wirklich für ihn selbst und seinen Bestand Sinn macht.
 

<-Zurück

 1  2  3  4  5  6  7  8 ... 282Weiter ->