| | Seit Tagen haben wir hier sommerliches und sehr warmes Wetter. Für die Mauser der Tauben ist das ideal. Man merkt den Tieren an, dass sie sich trotz des starken Federwechsels deutlich wohler fühlen, als wenn es kalt und regnerisch wäre. Ich muss dann sehr oft an meinen leider verstorbenen Großonkel Karl Mimberg denken. Er sagte sehr häufig: "Die Taube ist ein Sonnenvogel." Dieser Satz trifft tatsächlich sehr gut das Wesen unserer Brieftauben, die oft bei höchsten Temperaturen in den Volieren in der Sonne liegen, die Flügel ausbreiten und sich bescheinen lassen und es sich gut gehen lassen. Vermutlich liegen sie dann auch in der direkten Sonne um mit Hilfe der UV-B-Strahlung Vitamin D zu in ihrem Körper zu produzieren.
Mein Großonkel sagte den genannten Satz ganz besonders oft im Frühjahr, wenn wir im März und April oft bei Kälte, Wolken, Regen und Schnee schon die Tauben herauslassen und später auf Vorflüge setzen mussten, weil das Programm und der Reiseplan es so erforderte. Er konnte sich herrlich darüber aufregen, dass die Reisepläne Jahr für Jahr fast gleich erstellt wurden und niemand dazulernen wollte. So ist es leider bis heute geblieben. Bald finden in den Reisevereinigungen und Regionalverbänden die Mitgliederversammlungen statt und die Weichen für das nächste Jahr werden gestellt. Es wird zu 99 Prozent überall alles beim Alten bleiben, weil es wohl auch von Seiten der Mitgliederversammlung unseres Verbandes keine größeren Veränderungen gibt. So siecht leider unser deutscher Brieftaubenwesen weiter dahin und Jahr für Jahr werden es weniger Züchter, RVen und Tauben die in der Luft sind.
Für so manchen Sportfreund beginnt der Höhepunkt des Reisejahres auch jetzt erst. Es ist die Verkaufs- und Versteigerungssaison. Da werden einige Züchter dann richtig aktiv, wollen Tauben kaufen oder verkaufen und man kann fast kein Gespräch mit einem Sportfreund führen, in dem nicht auf irgendeine Auktion oder einen Verkauf und auf die teilweise enormen Summen, die dort scheinbar umgesetzt werden, hingewiesen wird. Mich interessiert dieser ganze Brieftaubenhandel nicht. Ich schaue kaum noch auf die Auktionsseiten und gehe auch selten einmal im Winter zu Veranstaltungen, denen eine Versteigerung angehängt ist.
Wenn mich Tauben eines Züchters interessieren, dann nehme ich Kontakt zu ihm auf, schaue ob ich mit dem Sportfreund gut persönlich zurecht komme und dann versuche ich aus seinen besten Tauben etwas zu bekommen. Wenn das in diesem Jahr nicht möglich ist, dann vielleicht im nächsten Jahr.
In diesem Herbst und Winter werde ich aber praktisch keine Tauben neu einführen. Der Grund ist recht einfach: wenn man den Bestand sukkzessive verkleinern will, dann kann man nicht ständig neue Tauben hinzu holen. Außerdem ist es einfach so, dass einem, wenn es gut geht, von zehn zugeholten Tauben vielleicht eine am Ende wirklich weiter hilft und züchterisch ihre Spuren im Bestand hinterlässt. Insofern muss man nicht ständig neue Tauben hinzuholen. Zumal dann nicht, wenn man sich auch aus dem eigenen Bestand die ein oder andere vielleicht brauchbare Taube für die Zucht heranziehen kann. Ganz davon abgesehen ist der Zustand des deutschen Brieftaubenwesens ohnehin so, dass aus meiner Sicht eine Planung (und damit auch Zuchtplanung) über drei, vier, fünf Jahre und mehr gar nicht mehr lohnt.
Aber: neue Tauben geben auch immer neue Hoffnung und der Züchter, der sie einführt, erfreut sich an ihnen, Daher ist es nicht verkehrt, wenn ein Sportfreund hier und da neue Tauben hinzuholt in der Hoffnung, die Leistungen seines Bestandes zu verbessern. Meine Meinung an der Stelle ist aber auch ganz klar: die Preise müssen im Rahmen bleiben. Alles andere führt zu nichts außer einer vollen Geldbörse des Verkäufers. | | | |
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