| | Im Vorwort der aktuellen "Brieftaubensport International" schreibt Herausgeber Rainer Püttmann darüber, dass er stets an die "Gute Taube" geglaubt habe, die entscheidend sei für den Erfolg und dass ihm daran zuletzt Zweifel gekommen seien. Er schreibt über Erfahrungen mit hervorragend fliegenden Schlägen, bei denen er und andere Sportfreunde reichlich Taube holten und von denen sich nicht eine einzige als brauchbar erwiesen habe.
Gestern habe ich hier auch zum wiederholten Mal darüber geschrieben, dass ich v.a. an die "Gute Taube" glaube und dass für mich kein Weg daran vorbeiführt sie zu suchen und zu finden, wenn man sicher verstärken, verbessern und gut reisen möchte. Ohne die "Gute Taube" geht es nicht.
Trotzdem kenne ich Züchter, die teilweise über Jahre und Jahrzehnte sehr gut reisen von denen ich keine einzige Taube haben möchte. Es sind Züchter, die in den Meisterschaften vorne dabei sind, die hohe Prozente fliegen, spitze fliegen und die manchmal sehr gute Einzeltauben haben. Aber man hört von diesen Sportfreunden einfach so gut wie nichts über die Nachzucht ihrer Tauben. Züchter, die dort Tauben geholt haben, kommen mit den Tieren nicht zurecht, haben keine Erfolge und klagen darüber, dass die Tauben ausbleiben und schlechter seien als die eigenen Tiere.
Ich denke fast jeder kennt solche Schläge, die immer gut reisen, aber deren abgegebene Tauben in den seltensten Fällen mal irgendwo nachhaltig Erfolge gebracht haben.
Ich nenne die Tauben solcher Sportfreunde immer "Systemtauben" und habe hier schon hin und wieder darüber geschrieben. Das sind Tauben, die auf diesem Schlag gut fliegen, mit der entsprechenden Versorgung, mit einem über viele Jahre erprobten System, teilweise mit viel Aufwand, teilweise mit vielen Beiprodukten und auch Medikamenten usw. Es sind sicherlich auch keine schlechten Tauben. Aber es sind der Erfahrung nach Tauben, die Sportfreunden, welche ein anderes System praktizieren, andere Schlagbedingungen haben und vielleicht auch eine andere Lage, einfach nicht weiterhelfen.
Als wir mit unseren alten Stammtauben vor etwa 20 Jahren nicht mehr wirklich weiter kamen habe ich überlegt wo und wie wir uns verstärken könnten. Mit welchen Tauben und bei welchem Züchter. Ich habe dann hier und da etwas probiert, aber entscheidend war, dass ich damals Kontakt zu Dirk de Beer aufgenommen hatte und ich dann auch sehr schnell von Dirk einige Tauben bekommen habe. Ich habe mich damals bei Dirk nach Tauben erkundigt weil mehrere Dinge bei ihm zusammen kamen: er flog selbst überaus erfolgreich. Abgegebene Tauben von ihm flogen in ganz Deutschland in großer Zahl erfolgreich. Und aus Schlagberichten etc. wusste ich bereits, dass Dirk seine Tauben nach einem sehr einfachen System ohne viele Beiprodukte und Medikamente versorgte. Am Ende lernte ich einen tollen Menschen, mit super Tauben kennen, die uns schnell weiter halfen und auch heute noch in unserem Bestand verankert sind.
Wenn ich heute Tauben suchen zur Verstärkung, dann gehe ich immernoch so vor. Ich suche in der Regel Schläge, die sehr gut reisen und deren Tauben auch woanders schon Erfolge gebracht haben und die ihre Tauben relativ einfach führen. So wie ich es gestern schon beschrieben habe. Tauben aus einem Schlag, der rund um die Uhr nur für die Tauben lebt und wo sie mit zig Produkten und Tierärzten etc. betreut werden möchte ich nicht haben.
Das bedeutet nicht, dass solche Züchter nicht auch gute Tauben haben können. Aber es sind nicht die Tauben, die uns in der Regel weiterhelfen.
Rainer Pütmann hat einen großen Taubenbestand und sicherlich werden die Tauben dort mit Schlagpfleger etc. sehr gut betreut. Aber er kann sicher die vielen Tiere nicht sehr aufwändig betreuen mit privatem Training, Beiprodukten etc. Ich denke, er hat mit dem, was er in seinem Vorwort zur aktuellen Zeitschrift geschrieben hat, auch die Erfahrung gemacht, dass er "Systemtauben" gekauft hat. Mit solchen Tieren kommt er nicht weiter und mit solchen Tieren würde ich auch nicht weiter kommen.
Insgesamt ist es sehr schwierig an gute Tauben zu kommen, die zu einem selbst und dem eigenen System passen. Wahllos Tauben zu kaufen, deren Eltern gute Reise- oder Zuchttauben sind (von Großeltern und Urgroßeltern, Onkel und Tanten will ich hier gar nicht sprechen), macht wenig Sinn. Dirk de Beer hat vor Jahren in seinem Zuchtkatalog einmal folgendes geschrieben:
"Man hatte mir einmal erzählt, wenn man Prange-Tauben kaufen wolle, dann müsse man Günter dazu kaufen. Ich habe es trotzdem gewagt und nicht eine Sekunde bereut. Die Leistungen sind explodiert." Das was Dirk damals beschrieb gilt eigentlich für jeden Taubenkauf. Wenn man sich Tauben dazu holt, dann muss man sich den abgebenden Züchter auch dazu holen. Man muss einen ehrlichen Austausch haben, man sollte die Tauben sehr ähnlich führen und es muss einfach harmonisch sein. Wenn der "Systemzüchter" auch ehrlich sein System erklärt und weitergibt, dann kann man auch mit dessen Tauben vielleicht Erfolg haben. Wenn nicht, dann ist es zum Scheitern verurteilt. Wir Züchter müssen uns aufeinander einlassen.
Als ich damals die ersten Tauben von Dirk bekam übernahmen wir auch von ihm das Versorgungssystem von Dr. Marien. Das haben wir bis heute so beibehalten und auch das nicht bereut. Die Tauben und auch das System passten zu uns. Inzwischen haben wir auch von manchem anderen Züchter Tauben geholt. Mal hat es funktioniert, mal nicht. Aber wir haben das System, weil es erfolgreich war, im Kern immer beibehalten und die besten dazugeholten Tauben waren in der Regel von Sportfreuden, mit denen es einfach im persönlichen Kontakt auch harmonierte und mit denen oft auch heute noch ein offener und ehrlicher Kontakt besteht. | | | |
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