| | Gestern hatte ich ein interessantes Telefonat mit einer Frau, die sich in der Taubenhilfe im Tierschutz engagiert. Sie liest wohl hier hin und wieder auf meiner Seite und suchte eine Lösung für etwa 50 Tauben, die bei Ebay angeboten wurden. Die Tiere stammten wohl aus einer Schlagauflösung, waren zum Falkner gebracht worden und dieser wiederum wollte die Tauben nun, auf unbekannten Gründen, wieder für eine geringe Summe verkaufen. So hatte ich das Anliegen der Frau jedenfalls verstanden. Sie suchte nun Wege die Tiere irgendwie zu retten und unterzubringen, da sie aktuell nicht die Möglichkeit hat die Tauben in ihrem Taubenhaus der Taubenhilfe unterzubringen.
Es ist für mich nahezu unmöglich da in irgendeiner Weise zu helfen. Ich habe trotzdem ein etwas längeres Telefonat mit der Dame geführt und dabei und v.a. im Nachgang, als ich mir meine Gedanken gemacht habe, festgestellt, dass einfach die Sicht dieser Menschen auf Tauben (und wahrscheinlich alle anderen Tiere) eine sehr viel andere ist, als wir Taubenzüchter sie haben. Dort wird versucht jedem Tier, jeder Taube zu helfen, sie am Leben zu halten usw. Das ist grundsätzlich ja erst einmal eine sehr positive Einstellung.
Wir Brieftaubenfreunde leben mit Taubenverlusten Tag für Tag und Jahr für Jahr. Durch Greifvögel, durch Verletzungen und auch durch Selektion in unseren Beständen. Es ist für uns völlig normal. Es ist nicht schön, aber es geht nicht anders, wenn man Tierzucht betreibt.
Die Frau berichtete mir auch von vielen gemeldeten Tauben, die dann von ihren Besitzern nicht abgeholt werden und darüber, dass die Besitzer sich nicht um die Tauben kümmern.
An der Stelle hört es für mich auf. Wenn mir jemand eine meiner Tauben meldet, dann habe ich mich verdammt nochmal darum zu kümmern. Ich weiß dass es leider viele Brieftaubenzüchter gibt, die das alles nicht interessiert.
Unser Verband ist bemüht durch Kontaktleute, Rückführungssysteme etc. immer eine Möglichkeit zu schaffen dass Tauben abgeholt, untergebracht und nach hause transportiert werden können. Es gibt an der Stelle heutzutage zig Möglichkeiten. Wer sich dennoch nicht um seine Tiere kümmert, der gehört für mich aus dem Verband ausgeschlossen, denn er schadet dem Brieftaubenwesen insgesamt massiv.
Ich bin selbst hier auf unserem Dorf mit Tieren aufgewachsen. Wir selbst hatten und haben nicht nur Brieftauben, sondern auch Kaninchen, einen Hund, Hühner, Schafe, Ziegen, Meerschweinchen usw. Inzwischen haben wir nur noch zwei Zwergkaninchen und einige Hühner. Aber der Umgang mit den Tieren war, so denke ich, immer so, dass sie anständig behandelt und versorgt wurden und dass sie ein weitgehend artgerechtes Leben führen konnten. Aber das Sterben, die Selektion, auch das Schlachten (z.b. der Schafe) gehörte auch immer dazu. Man kann vielleicht nicht jedes Tier retten und behalten.
Oft haben wir Brieftaubenzüchter Probleme mit Tierschützern, die uns die Wettflüge mit Brieftauben untersagen wollen etc. Es gibt aber wohl auch Menschen, die sich einfach um jedes Tier kümmern wollen. Jede Taube am Leben halten möchten und ihnen irgendwie und irgendwo ein gutes Zuhause bieten möchten. Letzteres empfinde ich erst einmal in keiner Weise negativ, auch wenn ich diese Einstellung nicht immer nachvollziehen kann. Aber ich denke als Brieftaubenfreunde können und sollten wir auch Verständnis für eine solche Form des Tierschutzes aufbringen.
Am Nachmittag rief mich dann ein junger Mann an, der zwei Orte entfernt wohnt, und berichtete mir von einer Taube in seinem Schuppen. Er wisse nicht was er tun solle. Das Tier sei nicht scheu. Er habe die Telefonnummer auf dem Ring schon lesen können und den Züchter informiert. Dieser habe gesagt, dass die Taube schon irgendwann nach hause fliege. Ich habe den Mann gebeten zu versuchen die Taube zu fangen und festzusetzen und mich dann zu informieren. Er hatte wirklich Respekt davor die Taube zu fangen, aber rief einige Zeit später erneut an um mir mitzuteilen, dass die Taube nun in einem Karton säße. Ich bin hingefahren. Es war ein dreijähriges, rotes Weibchen aus Polen.
Der junge Mann war in Polen geboren und hatte tatsächlich den Züchter angerufen und sich mit ihm unterhalten. Die Täubin war am vergangenen Wochenende in Emmerich am Rhein gestartet. Weit gekommen ist sie nicht und sie war auch körperlich nicht mehr gut drauf. Ich habe das Tier mitgenommen und versorge sie nun erst einmal. Dann sehen wir weiter.
Allerdings habe ich mir Gedanken gemacht wie eine Taube in nur vier Tagen so abbauen kann, zumal aktuell hier die Ernte läuft und überall Körner herumliegen in den Feldern etc. Mein Eindruck ist, dass dieses Weibchen nie in dem Zustand war um überhaupt von Emmerich bis nach Polen fliegen zu können, denn von Emmerich bis hier zu uns sind es nur etwa 150 Kilometer Entfernung.
Hier in der Region stehen nun die letzten Flüge der Altreise an und als wolle man zum Saisonabschluss nochmal dokumentieren wie irrsinnig und familienfeindlich unser Brieftaubensport inzwischen geworden ist, wurde hier in den verschiedenen Regionalverbänden munter die ganze Woche über diskutiert und abgestimmt und besprochen wann und wo am Wochenende ein Flug gestartet werden kann.
Das führt nun zu der bizarrren Situation, dass der Regionalverband 402 am Samstag 350 KM fliegt, die Regionalverbände 403 und 412 am Sonntag 400 oder 500 KM machen wollen und der Regionalverband 405 am Montag 500 KM fliegen will. Alle Auflassorte liegen auf der Südostrichtung und alle Auflassorte liegen auf einer Linie und teilweise nah beieinander. Es scheint aber so zu sein, dass die Flugleiter inzwischen alle einen individuellen Wetterbericht bekommen, denn anders ist die unterschiedliche Deutung der Vorhersagen überhaupt nicht mehr nachvollziehbar. Überall wurden die Terminierungen und Ansetzungen mit dem Wetter begründet.
Die Züchter werden nur noch verrückt gemacht und planbar ist inzwischen für Sportfreunde, die noch reisen möchten, nichts mehr. Das erklärt auch zu einem großen Teil die erbärmlichen Teilnehmerzahlen zum Ende der Saison. Soweit sind wir nun gekommen mit unseren Strukturen aus der Steinzeit und den Meisterschaftsbedingungen, die für 90 Prozent der Sportfreunde völlig uninteressant sind. | | | |
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