| | Ergänzend zu meinem letzten Beitrag, den ich hier veröffentlicht habe, habe ich nun einen ganz aktuellen Beitrag von Ad Schaerlaeckens auf dessen Homepage gelesen, der sich um das gleiche Thema dreht. Ich möchte an dieser Stelle einmal daraus zitieren:
"In meiner Jugend schienen gute Tauben noch unwichtiger, und fast alle Züchter suchten nach Alternativen. „Die Zauberflasche.“ Nach einem spektakulären Ergebnis wusste man schon, was die anderen Züchter sagen würden, wenn man ihnen begegnete: „Was hast du ihnen diesmal gegeben?“ Wie bereits erwähnt, ist dies ein zeitloses Phänomen im Taubensport. Driekske Janssen, der Vater der legendären Brüder, stand schon vor dem Zweiten Weltkrieg im Verdacht, „etwas“ zu haben.
In den 1990er-Jahren wurde meine 92-jährige Schwiegermutter mehrmals gefragt, ob sie vielleicht wisse, „was ich diesen Tauben gebe“.
Wenn man erfolgreich ist, glauben einem manche kein Wort, andere hingegen alles. Manche kaufen und geben alles, was man empfiehlt. Wie naiv manche Menschen doch sind!
Ihre Einfältigkeit scheint grenzenlos. Sie würden sogar anfangen, eine karierte Mütze zu tragen, wenn sie irgendwo lesen, dass diese die Potenz steigert. „Man muss gute Tauben haben; Kleinigkeiten bekommen zu viel Aufmerksamkeit“
Letztlich ist es so, dass kein einziges Mittel, Beiprodukt oder Medikament aus einer schlechten oder einer durchschnittlichen Taube ein As macht. Leider ist unser deutsches Reisesystem so, dass wir aber durchaus mit einer angepassten Versorgung und einem entsprechenden System aus einer Taube, die vielleicht mit Futter, Grit und Wasser fünf Preise fliegen würde, eine Taube machen können, die acht Preise fliegt. Wir können aber niemals aus einer Taube, die vielleicht mit Futter, Grit und Wasser acht Preise fliegt, eine Taube machen, die elf oder zwölf Preise mit 800, 900 oder 1000 As-Punkten fliegt. Entscheidend bleibt immer die Qualität der Taube. Diese Tauben müssen wir suchen und versuchen zu züchten. Nicht Tauben, die acht oder neun Preise fliegen. Zugegeben: das ist schwierig. Die Asse sind selten. Aber viele Sportfreunde scheinen in letzter Konsequenz gar nicht bemüht zu sein wirklich gute Tauben zu kaufen oder zu züchten, wenn ich mir all diese Auktionen aktuell wieder ansehe. Mehr als 90 Prozent der angebotenen Tauben haben schon nur von ihrer Abstammung her kaum die Qualität ein As zu sein. Ich wiederhole mich an dieser Stelle: mit Enkeln oder Urenkeln, Cousinen und Vettern von As-Tauben weiter zu züchten ist einfach eher Lotterie als gezielte Zucht von Assen (wenn man Asse überhaupt gezielt züchten kann).
In einem Artikel über den erfolgreichen Sportfreund Stefan Steenbergen aus Sterrebeek in Belgien las ich ein dazu aus meiner Sicht sehr passendes Zitat: "Alles beginnt mit guten Tauben. Kauf dir morgen einen Esel und bring ihn nach Sterrebeek – er wird nicht gewinnen. Und wenn du ihn mit einem anderen Esel verpaarst, wird auch dieser nicht gewinnen.“
Mancher Züchter täte, wenn er die Leistungen seines Bestandes verbessern will, einfach gut daran sich nach besseren Tauben umzusehen. Oft gibt es sie direkt in der Nähe. In der gleichen RV, im gleichen Regionalverband oder sonst in der Nachbarschaft. Selbtverständlich kann man auch von weit entfernt gute Tauben bekommen. Es gehört auch Glück dazu. Aber statt nun wieder den ganzen Winter über nach bestimmtem Futter, besonderen Beiprodukten oder der besten Medizin zu suchen, täten viele Sportfreunde gut daran schon jetzt in die Zukunft zu denken und sich vielleicht schon jetzt von einem Top-Schlag, der in jedem Jahr vorne mit dabei ist, einige Sommerjunge 2027 zu sichern. Auch die Zucht von guten Tauben und die Verstärkung des eigenen Zuchtschlags will geplant sein.
Wenn ich aktuell so manchen Totalverkauf sehe, dann frage ich mich wirklich, wie Züchter sich bei gesundem Menschenverstand ein solches Sammelsurium von teuren Tauben verschiedenster Schläge zusammenholen können. Ja, auch darunter mögen gute Tauben sein. Aber das ist letztlich doch einfach ein kaufen und kaufen wie bei einer Lotterie. Vielleicht ist das große Los dabei.
Dirk de Beer schrieb mir gestern einen schönen Satz; "Wenn Züchter sich Tauben zulegen, wo die Eltern nichts geleistet haben, sondern nur schöne Abstammungen haben, haben, sind sie selber Schuld." Da ist sehr viel Wahres dran. Es ist schwierig und manchmal auch mit viel Glück verbunden, wenn man aus sehr guten Tauben wieder gute Tauben züchten will. Aber aus Tauben zu züchten, die selbst wenig mit guten Tauben zu tun haben und dann darauf zu hoffen, dass irgendwie eine As herausfällt - das ist in aller Regel vergebliche Liebesmüh. | | | |
|