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Freitag, 03.07.3036
Sascha am 03.07.2026 um 05:48 (UTC)
 Der Brieftaubensport in Deutschland wird immer seltsamer. Nachdem aufgrund der Hitzeperiode viele Organisationen die durch den Verband geschaffene Möglichkeit genutzt haben am vergangenen Dienstag einen Preisflug zu machen und dann zu planen sonntags erneut zu fliegen, wurde dieses Ansinnen dann gestern nachmittag oftmals über den Haufen geworfen und der Flug für den Samstag terminiert, weil angeblich das Wetter am Sonntag zu schlecht sei.
Schaute man sich dann die Prognosen für den Sonntag an, so konnte man schnell feststellen, dass der einzige Unterschied zum Samstag ist, dass am Sonntag die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass die Tauben hier und da mal durch einen Schauer Regen fliegen müssten.
Warum man da gleich wieder vorziehen muss erschließt sich mir nicht wirklich, zumal z.b. auf unserer Südostrichtung an beiden Tagen recht böiger Kopfwind aus Nordwest vorhergesagt ist und da den Tauben ein Tag mehr des Auffütterns eher gut tut als unbedingt Regen zu vermeiden. Vielleicht hat man es vergessen, aber wir haben alle Brieftauben, die durchaus auch durch Regen fliegen können ohne dass ihnen das etwas ausmacht.
Es wird nun also in vielen Reisevereinigungen und Regionalverbänden so laufen: montags wurde eingesetzt für dienstags, mittwochs und donnerstags waren die Tauben zuhause und freitags wird dann eingesetzt für samstags. Dass man die Tauben auch in der kurzen Zeit ordentlich wieder vorbereiten kann - besonders übrigens mal wieder Reiseweibchen - möchte ich ja zugestehen. Aber wer in diesem Durcheinander noch berufstätig ist und arbeiten muss, der wird im deutschen Brieftaubensport nicht mehr wahrgenommen. Es interessiert die Entscheider nicht mehr. Nicht unsere Verbandsspitze, nicht die Flugsicherungskomission und auch nicht so manchen Flugleiter. Jeder muss sehen wie er klar kommt. Ein solch rücksichtsloses Vorgehen gegenüber den arbeitenden Sportfreunden gibt es in keinem anderen Hobby in unserem Land.
Warum macht man jetzt so einen Stress? Ich wiederhole mich da: weil man jetzt wieder krampfhaft versuchen wird noch die Bedingungen für diverse Meisterschaften in den letzten Wochen zu erfüllen. Das ist der einzige Grund. Die weiter sinkenden Züchter- und Taubenzahlen dokumentieren aber eindeutig, dass man damit nur weiter zum Niedergang unseres Hobbys beiträgt.
Hier bei uns ist es so, dass unsere Reisevögel, die nun schon weit mehreren Wochen nicht mehr an der Reise teilgenommen haben, weiter getrennt sind. Ich gebe ihnen so gut es die Zeit zulässt ein Mal am Tag Freiflug. Und erst jetzt merke ich so seit etwa einer Woche, dass sich ihr Benehmen ändert. Sie wollen freiwillig und gerne aus dem Schlag, sie fliegen freiwillig und gerne und sie trainieren dann auch ausgiebig. Es hat für mich eindeutig damit zu tun, dass sie nun seit längerer Zeit keinen Greifvogelangriff ertragen mussten. Es ist jetzt ein völlig anderes Verhalten wie noch vor einigen Wochen. So kenne ich es eigentlich während der Reisesaison. Aber in diesem Jahr war es aufgrund der massiven Angriffe bis weit in den Mai hinein einfach alles anders. Wenn die Jungtaubenvorflüge losgehen werde ich vielleicht die Vögel ein paar mal mit in den Kabi setzen und sie mit nach hause fliegen lassen. Ich möchte einfach mal sehen wie sie sich dann so verhalten. Ich werde aber vorher noch anfragen ob das auch möglich ist bei uns hier in der RV.
Was weiterhin überhaupt nicht passiert hier - sowohl bei den Alt- als auch bei den Jungtauben - ist, dass die Tiere ein Mal wegziehen und sich weiter vom Schlag entfernen. Sie tun es einfach nicht. Sie bleiben immer ganz in der Nähe des Schlages und vermitteln mir immer den Eindruck, dass sie sicher sein wollen jederzeit wieder in den Schlag hinein zu können. Woran das liegen mag kann ich wirklich nicht sagen. Für unsere Jungtiere ist das einfach alles nicht ideal. Aber ich weiß nicht was ich ändern könnte. Ich müsste sie vielleicht einkorben und vorsichtig immer ein Stück weiter trainieren. Aber dazu fehlt mir die Zeit und die Lust. Es ist einfach extrem viel Arbeit die Jungtauben einzukorben und jedes Mal vom Dachboden aus herunter zu tragen um sie dann auf einen, drei, fünf oder zehn Kilometer Entfernung zu fahren. Hätten wir Gartenschläge dann würde ich an der Stelle vielleicht etwas anders vorgehen.
In diesen Minuten wird gerade der "Königsflug" von Barcelona gestartet. In diesem Jahr haben die Tauben nahezu optimale Wetterverhältnisse. Sonne und Wolken auf der ganzen Strecke, sehr angenehme Temperaturen und nicht zu starke Winde von vorne. Auch aus Deutschland sind mehr als 1.300 Tauben in Barcelona am Start. Ich hoffe dass der Flug einen guten Verlauf nimmt!


 

Donnerstag, 02.07.2026
Sascha am 02.07.2026 um 06:01 (UTC)
 In unserer Lokalzeitung hier m Ort erschien gestern ein ausführlicher und recht gut gemachter Artikel über die Familie Ogryzek. Alle Familienmitglieder sind seit einigen Jahren begeisterte Brieftaubenzüchter in unserer Reisevereinigung. Den Artikel kann man hier nachlesen:

Ein Hobby für die ganze Familie: Warsteiner haben eine besondere Leidenschaft

Leider hat die Familie Ogryzek seit dem Bau ihres Taubenschlages erhebliche Probleme mit einer Anwohnerin in der Nähe ihres Schlages. Diese hat schon vor einiger Zeit erwirkt, dass niemals mehr als 30 Tauben im Freiflug sein dürfen. Dann liegt sie mit einer Kamera hinter ihrem Fenster, fotografiert den Schwarm und wenn dort 32 Tauben fliegen, weil möglicherweise Tiere von anderen Sportfreunden hinzu geflogen sind, reicht sie Beschwerde ein.
Nun ist ein neues Schriftstück nach etwa zwei Jahren Pause, in denen alles soweit geregelt schien, eingegangen. Es ist nicht so, dass sie sich nur auf die Brieftauben eingeschossen hat. Auch andere Nachbarn werden regelmäßig mit Klagen und Beschwerden belegt. Aber das was die Dame nun verfasst hat mit Bezug zu den Tauben, möchte ich hier einmal zitieren. Sie fordert:

1. Begrenzung des Taubenbestandes
Reduzierung des auf dem Grundstück gehaltenen Taubenbestandes auf höchstens 30 Tiere.

2. Begrenzung des gleichzeitigen Freiflugs
Zulassung von höchstens 10 gleichzeitig frei fliegenden Tieren, darunter maximal 5 Jungtauben

3. Zeitliche Begrenzung des Freiflugs
Beschränkung des täglichen Freiflugs auf maximal 60 Minuten an Werktagen

4. Festlegung von Flugzeiten
Kein Taubenfreiflug
a.) an Samstagen, Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen
b.) an Werktagen zwischen 16 und 8 Uhr

5. Vermeidung wahrnehmbarer Überflüge
Organisation des Freiflugs in einer Weise, dass optisch und akustisch wahrnehmbare Überflüge über das Grundstück der Antragsstellerin, insbesondere durch niedrig durchgeführte Flugbewegungen (insbesondere Sturz, Tiefflüge und Kreisflüge) über Garten, Dach und Terrassenbereich, sowie der unmittelbar angrenzenden Nachbarschaftsgrundstücke unterbleiben.

6. Einhaltung der genehmigten Flugrichtung
Einhaltung der genehmigten östlichen Start- und Flugrichtung, verbunden mit einem einmaligen Start und einer einmaligen Landung pro Flugeinheit

7. Vermeidung akustischer Einwirkungen nach Flug Ende
Sicherstellung , dass nach Ablauf der zulässigen Flugzeit keine Tauben mehr außerhalb des Taubenschlags verbleiben un akustische Hilfsmittel nur so eingesetzt werden, dass außerhalb des Grundstücks des Antragsgegners keine wahrnehmbaren Geräusche entstehen.

Ziel der Schlichtung:
Die beantragten Regelungen stellen keine vollständige Untersagung dar, sondern zielen auf Begrenzung auf ein nachbarlich zumutbares Maß ab. Dadurch soll unter Wahrung des Berechtigten Interesses beider Seiten eine langfristige tragbare Lösung gefunden werden, die weitere Konflikte vermeidet.

Das ist hier keine Satire, sondern diese Dame, die nicht einmal direkt nebenan lebt, sondern in einer Straße etwas entfernt, meint das alles sehr ernst. Nun kann man sich als vernunftbegabter Mensch sicherlich Gedanken über den Geisteszustand dieser Frau machen und auch darüber, dass sich leider deutsche Gerichte mit einem solchen Unsinn auseinandersetzen müssen, aber insgesamt ist das doch alles einfach nur noch traurig.
Sollte der ein oder andere Leser Tipps, Hinweise und Erfahrungen in dieser Hinsicht haben, kann er sich gerne bei mir melden. Leider waren die Anfragen in Richtung unseres deutschen Verbandes mit Bitten um Unterstützung bisher sehr wenig zielführend.
 

Mittwoch, 01.07.2026
Sascha am 01.07.2026 um 06:10 (UTC)
 Von den drei Jungtauben, die vorgestern Abend nach dem Freiflug fehlten, sind gestern im Lauf des Vormittags noch zwei Jungtiere wieder heimgekehrt. Sie waren wohlauf und unverletzt und hatten nur enormen Durst. Es wäre schon interessant zu wissen wo diese Tiere gewesen sind. Aber ich bin froh, dass sie wieder zuhause sind.
Die Preisflüge gestern nach der Hitzepause sind wohl insgesamt sehr gut und glatt verlaufen. Das ist für alle Teilnehmer sehr positiv. Man muss aber sagen, dass die Teilnehmerzahlen in vielen Reisevereinigungen doch erheblich gesunken sind inzwischen.
Interessant ist es auch sich einmal Preislisten und Preisverteilungen in den Regionalverbänden anzuschauen. Da sieht man teilweise solch erhebliche Differenzen, dass man sich schon fragen muss ob ein Regionalverband in einer solchen Konstellation überhaupt Sinn macht.
Der Regionalverband 409 startete um 6.45 Uhr etwas über 3.000 Tauben in Rüdenhausen. Das Wetter war prima, die Bedingungen für alle Tauben gleich und es war kaum Wind in der Strecke. In der später aufgelegten Regionalpreisliste erringt die RV Lüdinghausen 91 der ersten 100 Preise. Wie gesagt: es war kein Wind und nichts was die Tauben hätten beeinflussen können zu so einem extremen Ergebnis. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Tiere der anderen Sportfreunde in den weiteren RVen nun so viel schlechter sind. Ich denke, dass die Tauben aber aus topographischen oder sonstigen Gründen einfach so fliegen, dass solche Ergebnisse in schöner Regelmäßigkeit in den Preislisten zu sehen sind.
15 Minuten vor dem Regionalverband 409 lies am gleichen Auflassort der Regionalverband 402 seine etwa 3.000 Tauben starten. Die Bedingungen waren exakt die gleichen wie eine Viertelstunde später. Vergleicht man dann die Flugzeiten der RV Lüdinghausen zu der Gruppe des Regionalverbandes 402, die benachbart liegt, dann sähe das Ergebnis völlig anders aus. Dort würde die RV Lüdinghausen mit dem 10. Konkurs in der Preisliste beginnen. Wenn in der Gruppe des Regionalverbandes 402 100 Tauben in der Preisliste stehen, dann sind in Lüdinghausen 30 Tauben gefallen und die 90. Taube in Lüdighausen steht in der Gruppenliste der benachbarten RVen um Platz 250 herum.
Das ist selbstverständlich nicht alles vollständig vergleichbar, weil die Tauben nun einmal 15 Minuten zeitversetzt gestartet wurden. Aber es verdeutlicht meines Erachtens nach, gerade weil die Bedingungen gestern für alle Tauben so gleich waren, wie unsinnig viele Regionalpreislisten einfach sind.
Es wird viel über die Lage gesprochen, über Wind und Wetter. Aber wenn man Tauben einmal vermehrt mit GPS-Ringen fliegen lassen würde, dann käme man sehr schnell zu dem Ergebnis, dass es in vielen Regionen oft auch die Topographie ist, welche die Flugrouten der Tauben und damit die Preislisten sehr stark beeinflusst.
Gerade auf unserer Südostroute machen die Mittelgebirge, über die die Tauben fliegen müssen, da einfach sehr viel aus. Um sehr gute Ergebnisse zu erzielen muss man selbstverständlich trotzdem immer gute Tauben haben, die sich in Form befinden. Aber wenn man einmal diverse Regionalverbände über eine Saison verfolgt, dann gibt es nicht wenige Sportfreunde, die schon aufgrund ihrer Lage zum Saisonbeginn in ihren Regionalverbänden oder den Regionalverbandsgruppen nahezu chancenlos sind mit Blick auf die sogenannten höherwertigen Meisterschaften.
Auch diese Faktoren machen das Ausfliegen der deutschen Meisterschaften und As-Tauben auf die großen Preislisten zu einer oft sehr unfairen Angelegenheit. Mit weiter sinkenden Züchter- und Taubenzahlen im Lauf der Saison werden diese unfairen Ergebnisse speziell auf kürzeren Flügen oft immer extremer, weil es nicht wenige Sportfreunde gibt, die aufgrund ihrer Lage praktisch kein Chance auf mehrere frühe Tauben und entsprechend As-Punkte in der Regionalverbandspreisliste haben.
Ich selbst beobachte in dieser Hinsicht v.a. immer unsere Südostrichtung. Auf anderen Reiserichtungen mag es hier und da ähnlich sein - das kann ich nicht beurteilen. Wer sich auf der Südostroute aber einmal die Preislisten des Regionalverbandes 413 ansieht, der kann dort sehr ähnliche Muster wie die oben beschriebenen feststellen. Da macht die RV Düsseldorf, in der nur noch 8 Züchter mit 173 Tauben an den Start gingen, in der Regionalverbandspreisliste gegen mehr als 2.200 Tauben bis zur 100. Preistaube in dieser Liste 47 Preise. Das heißt: wenn in der RV Düsseldorf der Konkurs beendet ist, sind im Regionalverband inklusive der Tauben dieser RV gerade einmal 100 Tiere zuhause. Und diese Resultate sind nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel.
Nun sind dort sicherlich sehr gute Sportfreunde am Werk mit sehr guten Tauben. Aber so gut sind diese nun auch wieder nicht, dass sie Woche für Woche alles so extrem dominieren könnten. Das hat, nach dem was ich auch von sportfreunden aus dieser Region so weiß, sehr stark mit der Topographie und dem Flugverhalten der Tauben zu tun. Letzteres kann man nicht ändern. Aber es ist für mich einfach ein weiteres, sehr starkes Indiz dafür, dass viele Regionalverbandspreislisten einfach wenig Wert haben und zur Auswertung der höchsten Meisterschaften praktisch nicht geeignet sind.
 

Dienstag, 30.06.3036
Sascha am 30.06.2026 um 05:57 (UTC)
 Vom gestrigen Freiflug am Haus fehlen hier gleich drei Jungtiere. Ich fürchte, dass sie irgendwie verunglückt sind. Vermutlich nach einer Greifvogelattacke. Die Tauben hatten erst am Nachmittag aus Zeitgründen Freiflug und da ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie irgendwie mitgezogen sind o.ä. Auch andere Sportfreunde hier aus der Region berichteten mir gestern abend von ständigen Jungtaubenverlusten, die deutlich über das gewohnte Maß hinausgehen. Hier bei uns humpelt außerdem eine blaue, junge Täubin. Sie scheint irgendwo angeschlagen zu sein. So ist leider immer wieder etwas anderes mit den Tauben.
Auch heute können die Jungtiere erst am Nachmittag in den Freiflug, da vormittags halb Deutschland zu Preisflügen mit den Alttauben unterwegs ist. Auch unsere Reisevereinigung hat heute schon um kurz nach 6 Uhr die Tauben der letzten verbliebenen Teilnehmer in Schlüsselfeld gestartet. Allerdings war die Anzahl an Züchtern und Tauben doch sehr überschaubar. Es ist nun der neunte Preisflug der Altreise und die Taubenzahl beträgt noch etwa 40 Prozent der am Saisonbeginn eingesetzten Tauben. Die Züchterzahl hat sich etwa halbiert. In anderen RVen und Regionen mag das teilweise noch etwas besser sein, aber insgesamt ist der Niedergang des deutschen Brieftaubensports doch erschreckend. Deswegen kann man nur hoffen, dass die weiteren Flüge für die verbliebenen Züchter und Tauben zumindest gut verlaufen und an der Stelle die Daumen drücken. Zumal mehr und mehr Wettermodelle in ihren Mittel- und Langfristprognosen bereits die nächste Hitzewelle auf uns zukommen sehen. Aber diese Prognosen sind auch noch mit großen Unsicherheiten behaftet. Mit Blick auf die bevorstehende Jungtaubensaison scheint es aber aktuell so zu sein, dass es nicht einfacher wird. Ich fürchte, dass auch die Jungtierreise letztlich in einem großen Durcheinander enden wird. Weil man im deutschen Brieftaubensport seit Jahren nicht bereit ist einmal andere Wege zu gehen und sich ständig nur an Meisterschaften orientiert. Dass man vor einigen Jahren eine deutsche Jungtaubenmeisterschaft eingeführt hat trägt an der Stelle nicht zur Besserung der Situation bei. Im Gegenteil. Aber genau wie bei der Einführung der sogenannten "deutschen Kurz- und Mittelstreckenmeisterschaft" auf der Altreise geht es auch da nur um Vermaktung und den Versuch irgendwo Geld zu verdienen. Das macht man solange bis keine Züchter mehr da sind und keine Flüge mehr stattfinden können.
 

Sonntag, 28.06.2026
Sascha am 28.06.2026 um 07:24 (UTC)
 Gegen 7.45 Uhr heute morgen kam hier schon ein recht großer Schwarm Trainingstauben durch. Mit ordentlich Tempo und in relativ großer Höhe waren sie auf dem Weg nach hause. Die Bedingungen waren so, dass man um die Uhrzeit durchaus einen Trainingsflug durchführen konnte, auch wenn unser Verband davon abgeraten hatte. Aber ich frage mich schon wie krankhaft ehrgeizig man eigentlich sein muss, wenn man früh an einem Sonntag morgen bei hohen Temperaturen seine Tauben einkorbt, auf 30 oder 40 Kilometer Entfernung fährt und sie dann fliegen lässt und anschließend wieder nach hause zurück fährt. Ich denke mir immer: wer solch ein Vorgehen nötig hat um viele Preise oder frühe Preise zu fliegen, der ist zwar sehr fleißig aber gute Tauben hat er vermutlich nicht. Die tun es auch ohne solchen Aufwand.
In Belgien waren die Flüge an diesem Wochenende insgesamt durch den Verband abgesagt worden. Mit Ausnahme eines Nationalfluges von Valence. Die Tauben waren bereits unterwegs. Mehr als 3.300 Tiere wurden dann gestern morgen um 6.40 Uhr aufgelassen in die Hitze. Die Entfernungen für die teilnehmenden Schläge betragen etwa zwischen 530 und 700 KM. Am Abend waren ca. 110 Tauben als angekommen gemeldet. Heute morgen kommen die Tauben nach einer Gewitternacht zwar weiter, aber der Konkurs läuft noch und es gibt dort eine 25-Prozent-Preisliste. Ganz besonders bei den mehr als 1.400 teilnehmenden jährigen Tauben sieht es jetzt im kurz nach 9 Uhr finster aus. Es sind noch keine 100 Tiere gemeldet. Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Zeiten, in denen man in Westeuropa solche Flüge veranstaltet, vorbei sind. Aber der belgische KBDB scheint das anders zu sehen. Ich kann da nur den Kopf schütteln.
Immerhin hat man den Flug ab Agen jetzt schon mehrmals verschoben und auch jetzt wieder weiter auf den morgigen Tag verlegt. Die Tauben sitzen dann schon eine Woche lang im Kabi. Brieftaubensport aus dem Mittelalter.
Hier in Deutschland wollen wohl recht viele Organisationen übermorgen, am Dienstag wieder einen Flug machen. Ich bin gespannt wie das Wetter sich weiter entwickelt, denn ob es beispielsweise auf unserer Südostrichtung dann tatsächlich möglich ist Flüge zu machen. Stand jetzt am Sonntag morgen bin ich der Meinung, dass es keine guten Bedingungen an den Auflassorten für einen Flug gibt. Die Taupunkte werden weiter hoch vorhergesagt, damit ebenso die Luftfeuchtigkeit und die Bewölkung. Aber das kann sich auch noch ändern.
Ein noch berufstätiger Züchter, der in einem anderen Regionalverband reist, schrieb mir gestern u.a. folgendes und darüber kann man sicher auch einmal nachdenken:

"Ich würde gerne noch ein paar Flüge setzen aber ich will sie auch sehen wenn sie nach Hause kommen!!! Und mir nicht den Stress machen das ich am Abend nach dem Einsetzen noch die Weibchen dahinter setze und alles fertig zu machen!!!
Zum zweiten kann ich die Tiere nur am Abend los machen und was die die letzten 8 Tage geflogen haben, brauche ich dir nicht zu erzählen!! Da haben die ganzen Rentner, Freischaffende Künstler, die Selbstständig sind und eventuell auch noch Schlagpfleger haben schon ein großen Vorteil, denn da gehen die Tauben morgens zwischen 6h-7h bei angenehmen Temperaturen raus!!!
Die Reise endet hier am 18.7 obwohl der Wertungszeitraum Altfliegen bis zum 3.8 geht!!! Warum setzt man hier nicht einfach was hinten dran!!?? Da wird gar nicht drüber gesprochen, sondern jetzt geht's mit Wektagsflügen weiter!!!
Den ganzen Verband + FSK und hier die ganzen Großen Züchter: All diese bestimmen schon über Jahrzehnte was in unserem Hobby abgeht und machen den auch schon seit Jahrzehnten Stück für Stück kaputt!!!!
In den 80er-90er Jahren hätte es so etwas nie gegeben!! Denn da musten der Großteil der Züchter noch arbeiten heute ist die Züchterschafft sehr stark geschrumpft und davon braucht der Großteil auch nicht mehr arbeiten.
Selbst letzte Woche das war doch schon sehr grenzwertig!! Hier fehlen noch 8-10 Prozent das bei eingeflogende Tauben und nur 200km. Aber da spricht keiner von und es wird einfach weiter gemacht!
Ich reise zwar nicht gut habe aber bis heute erst 2 Tauben verloren und mache mir auch Gedanken drüber ob man es den Tieren vom Wetter her zumuten kann!
Ein sehr guter Züchter ruft mich letzte Woche an und sagt mir vor dem Flug, er hasst Hitzeflüge und am besten wäre es gewesen das der Verband letzte Woche schon dicht gemacht hätte!!! Nur warum lässt er sie dann nicht zuhause??

Das ist alles sehr rustikal geschrieben und auch mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch, aber trotzdem auch ein ganzes Stück weit verständlich.
 

Samstag, 27.06.2026
Sascha am 27.06.2026 um 05:08 (UTC)
 Am gestrigen Abend hatte der Vorstand unserer Reisevereinigung kurzfristig zu einer Vereinsvertreter-Versammlung eingeladen um abzufragen wie die RV-Mitglieder sich nach der Hitze-Unterbrechung den Fortgang der Altreisesaison wünschen und vorstellen. Zuvor hatten sich einige RV-Vertreter innerhalb des Regionalverbandes besprochen und versucht einen Plan zur Weiterführung des Reiseprogramms zu erstellen.
Da nun durch unseren Verband die kommende Woche für Flüge komplett freigegeben ist, soll nun versucht werden mit einem relativ kurzen Flug über 270 KM am Dienstag wieder einzusteigen wenn das Wetter mitspielt. Anschließend soll am kommenden Wochenende ein 400 KM-Flug als Regionalverbandsflug gestartet werden und danach wird dann geschaut, ob man noch den Nationalflug ab Vilshofen mit dem Regionalverband 402 machen kann und abschließend dann irgendwie noch einen 500er.
Dabei wären verständlicherweise auch diese Pläne und Überlegungen Makulatur, wenn das Wetter nicht mitspielt.
Insgesamt finde ich es aber ausgesprochen positiv, dass man in unserer RV seitens des Vorstandes bemüht ist alle Züchter mit ins Boot zu nehmen und zu versuchen Lösungen zu finden, mit denen die Mehrheit der Sportfreunde leben kann und zufrieden ist.
Mein Eindruck ist, dass in anderen RVen ein solches Vorgehen eher nicht der Fall ist und Verantwortliche, teils nach eigenem Gutdünken, entscheiden wie man nun irgendwie weiter machen möchte. Da kommt es dann zu solch bizarren Auswüchsen, dass einzelne Sportfreunde darauf bestehen, dass man nun 250 KM macht, dann 400 KM, dann den Nationalflug mt dem Regionalverband 402 und abschließend noch einen 600er. Ich weiß nicht auf welchen Planeten, ganz abgesehen vom Wetter oder ob die Tauben das alles nun so schaffen, solche Sportfreunde leben, aber bei diesem Programm könnten sie spätestens zum Saisonabschluss über 600 KM die Tauben des ganzen Regionalverbandes mit einer Handkarre einsammeln und zum Auflassort nach Micheldorf fahren um einen 600 KM-Flug zu starten.
Aber es scheint so zu sein, wie ich es auch zuletzt geschrieben habe: so mancher Verantwortliche denkt nicht daran den Brieftaubensport so zu gestalten, dass er für möglichst viele Sportfreunde ein schönes Hobby ist, sondern fast ausschließlich an seine Eigeninteressen. Auch hier im Regionalverband merkt man teilweise, dass nur noch einzelne Sportfreunde (teilweise im Hintergrund) bestimmen möchten wie unser Hobby abzulaufen hat. Das führt dann zu solchen Auswüchsen wie am vergangenen Wochenende, als man die Tauben einsetzte obwohl die Wettervorhersagen es nicht hergaben und dann zu den Auflassorten fuhr und von dort wieder zurück in die Heimat und die Tauben auf kurzen Entfernungen fliegen ließ. Es ist teilweise ein blanker Unfug, der da durchgeführt wird, weil einige, wenige Sportfreunde es, aus was für Gründen auch immer, so wünschen.
Gestern habe ich in Anbetracht der extremen Hitze darauf verzichtet unseren Jungtauben Freiflug zu geben. Das machte dann wirklich keinen Sinn mehr. Stattdessen habe ich ihnen die Badewanne hingestellt und sie konnten ausgiebig baden. Auch heute werde ich die Jungtauben wohl im Schlag lassen. Da ist Zeit habe sprühe ich dann mit einer Gartenspritze ab und an etwa Wasser von innen an die Dachpfannen sodass ein kleiner Kühlungs- und Verdunstungseffekt entsteht. So gut unsere Dachbodenschläge grundsätzlich funktionieren. Bei hohen Temperaturen ist es in den Schlägen dann teilweise wirklich extrem. Andererseits muss ich sagen, dass die Photovoltaik-Anlage mit ihren Platten, von der ich insgesamt noch nicht weiß ob sie sich nicht auch negativ (wegen der Elektrizität) auf die Tauben ausüben, schon einen enorm kühlenden Effekt für unseren gesamten Dachboden haben. Insbesondere in den Witwerschlägen merkt man gegenüber früher schon einen sehr deutlichen Effekt.
Auch weiterhin bekommen die Tauben derzeit ein Mal am Tag eine Tränke mit Elektrolyte in Form von Bony Bolectrol und wenn diese leer getrunken ist bekommen sie Wasser, dass zur "Desinfektion" mit einer Säure versetzt ist und wo dadurch der PH-Wert abgesenkt wird. Bei den aktuellen Temperaturen können sich im Trinkwasser ansonsten Keime und v.a. auch Trichomonaden fast explosionsartig vermehren. Das möchte ich vermeiden bzw. einschränken. Über die Hälfte des Tages-Futters bekommen alle Tauben aktuell so etwa alle zwei Tage Ropa 10 lüssig, dass ich dann mit Mineralien und Heilerde abtrockne. Ob es etwas nutzt weiß ich nicht, aber vielleicht hilft es den Tauben aktuell ein wenig diese doch ungewohnt Hitze-Phase gut zu überstehen.
 

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