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Montag, 12.10.2026
Sascha am 12.10.2026 um 05:59 (UTC)
 Gestern hatten wir in unserer Reisevereinigung eine kleine Vereinsvertreterversammlung zur Vorbereitung auf die RV- und Regionalverbandsversammlungen im Herbst und um einen kleinen Rückblick auf die vergangene Reisesaison zu werfen. Auch der Vorsitzende unseres Regionalverbandes war vor Ort um sich anzuhören was in unserer Reisevereinigung gerade so diskutiert wird und auch um hier und da einige Dinge zu erklären. Insgesamt war das eine sehr runde Veranstaltung in der wir gemeinsam überlegt haben, wie wir im heutigen Brieftaubensport gemeinsam die Weichen für die Zukunft stellen können, um unser Hobby hier für unsere Mitglieder und Züchter attraktiv zu halten oder zu machen.
Ich will dem was wir besprochen haben nicht vorgreifen aber eines wurde auch in dieser Versammlung deutlich: die Erwartungen der einzelnen Sportfreunde, gleich welchen Alters, in eine Richtung, dass die Gremien unseres Verbandes noch irgendetwas zum Positiven ändern, tendieren gegen Null. Also werden wir als RV und soweit es möglich ist vielleicht auch mit den Nachbar-RVen durmherum, versuchen selbst etwas auf die Beine zu stellen was unser Hobby soweit es möglich ist, attraktiver und sinnvoller für unsere Sportfreunde macht. Ich werde zu einem gegebenen Zeitpunkt noch genauer darstellen was es für Überlegungen gibt. Wobei es in der heutigen Zeit ja so ist, dass Teilnehmer an solchen Versammlungen Freunden und Bekannten im Umfeld ohnehin sehr schnell im Anschluß an solche Treffen per Whatsapp oder auf anderen Wegen berichten und sich vielen, zumindest teilweise, sehr schnell herumspricht.
Zu meinen beiden letzten Beiträgen habe ich ebenfalls sehr viele Reaktionen bekommen und ich stelle immer wieder fest, dass sich viele Sportfreunde doch Gedanken um die Zukunft des Brieftaubenwesens machen. Wie kann es weiter gehen? Welche Perspektiven haben wir noch? Was haben wir für Lösungen? Es sind alles Sportfreunde, die oft lange Jahre in unserem Hobby und wahrlich nicht dumm sind. Es gibt da teilweise sehr sinnvolle und intelligente Vorschläge. Allein - und da bin ich wieder beim Punkt unserer Verbandsstrukturen - kaum etwas davon dringt durch, weil alles zerredet wird und von wenigen Sportfreunden immer und immer wieder die kommerziellen Meisterschaften in den Mittelpunkt gestellt werden.
In dem Zusammenhang würde mich mal interessieren wie es laufen würde, wenn beispielsweise ein Regionalcverbandsvorsitzender für seinen Regionalverband in der Mitgliederversammlung einen Antrag auf Abschaffung aller deutschen Meisterschaften stellen würde. Wie würde darüber abgestimmt? Und wie denkt im Gegensatz zu einem möglichen Abstimmungsverhalten der Regionalverbandsvertreter die Mehrheit der Züchter in ganz Deutschland darüber?
Was mir ohnehin nicht begreiflich ist: wieso nimmt nicht endlich jemand eine Strukturreform insgesamt in Angriff? Wieso behalten wir Strukturen bei, die aus Zeiten stammen, als unser Verband noch mehr als 100.000 Mitglider hatte? Wir bewegen uns derzeit so um die 20.000 Mitglieder und um die 10.000 reisende Schläge. Mir braucht niemand erzählen, dass man da nicht eine Mitgliederversammlung - auch als Präsenz-Veranstaltung, sondern als Hybridversammlung mit beispielsweise Online-Abstimmungen - abhalten kann.
Ich bin Vereinsmitglied bei Borussia Dortmund. Dieser Verein hat fast 250.000 Mitglieder und oft gibt es auch dort Themen, die sehr kontrovers diskutiert und beschlossen werden. Aber man schafft es dort eine völlig normale Mitgliederversammlung einzuberufen, Beschlüsse zu fassen und es gibt künftig auch die Möglichkeit per Internet an diesen Mitgliedsversammlungen teilznehmen und abzustimmen. Und selbiges soll für einen Verband mit einem Zehntel der Mitglieder nicht möglich und umsetzbar sein? Meine Befürchtung ist, dass dazu einfach der Wille fehlt und vielleicht auch die personelle Besetzung um so etwas durchzuführen. Aber wo ein Wille ist, da ist eigentlich auch immer ein Weg.
 

Sonntag, 11.10.2026
Sascha am 11.10.2026 um 04:32 (UTC)
 Wenn ich mich, so wie gestern, sehr positiv zu einem Beitrag in der "Brieftaube" äußere, dann heißt das nicht, dass ich mit jedem einzelnen Aspekt eines solches Artikels übereinstimme. Ich sehe es allerdings durchaus positiv, wenn über so einen Beitrag versucht wird einmal unsere grundsätzliche Einstellung zum Hobby Brieftaubensport zu überdenken und neue Wege vorgeschlagen werden, um mehr Züchterzufriedenheit herzustellen.
Konkret heißt das beispielsweise für mich, dass ich in keiner Weise die Einschätzung von Sportfreund Zeiher teile, dass heute, wie er schreibt, "Flüge über 400 Kilometer nicht mehr angebracht seien." Für mich persönlich sind die Flüge ab 350 oder 400 Kilometer erst jene Flüge, die den Brieftaubensport interessant machen und in vielen Regionen mangels Züchterdichte auch ein Stück weit fair machen. Aus meiner Sicht brauchen wir eher mehr Flüge mit größeren Entfernungen, als weniger.
Aber: es sollte insgesamt ein Aspekt von Angebot und Nachfrage sein und v.a. sollte regional und nicht von oben herab durch den Verband mit dem "Steuerungsmittel Deutsche Meisterschaft", versucht werden den Brieftaubensport in Deutschland für alle gleich zu gestalten.
Es mag gute Gründe für RVen und Fluggemeinschaften geben in einer bestimmten Region sehr viele kurze Flüge anzubieten und kaum weite Flüge zu veranstalten. Das sollten die Züchter vor Ort demokratisch entscheiden. Es mag in einer anderen Region wichtig sein, dass die Züchter viele Flüge über 350 oder 400 bis hin zu 600 oder 700 KM Distanz fliegen. Auch das sollten die Sportfreunde vor Ort entscheiden und nicht anhand von Meisterschaftsbedinungen unseres Verbandes praktisch vorgeschrieben bekommen wie sie ihren Reiseplan zu gestalten haben.
Die entscheidende Frage bei der Gestaltung des Brieftaubenwesens in Deutschland sollte doch immer sein. wie schaffen wir es, dass möglichst viele Sportfreunde vor Ort ihr Hobby möglichst häufig und möglichst lange in der Saison zu ihrer Zufriedenheit ausüben können? Und an der Stelle mögen die Vorraussetzungen und Entscheidungen regional sehr unterschiedlich sein. Der Taubensport in Deutschland ist aus verschiedenen Gründen (Kosten, Züchterdichte, Wetter und Klima, Greifvogeldichte usw.) für Züchter in Meckelnburg anders als für Züchter in Bayern und anders als für Sportfreunde hier in Westfalen. Und diesen regionalen Aspekt sollten wir auch in unseren Bestimmungen und Meisterschaften wiederfinden.
Ich kenne Sportfreunde, die seit mehreren Jahren in einem Regionalverband reisen, der in zwei Gruppen in zwei Reiserichtungen reist. Eine Gruppe bereist die Südwestrichtung, eine andere die Südostrichtung. Leider ist eine der beiden Gruppen aufgrund unserer verbandlichen Bestmmungen von allen Verbandsauszeichnungen und Meisterschaften ausgeschlossen, weil diese zweite Gruppe und die zweite Reiserichtung gar nicht wirklich vom Regionalverband beschlossen und genehmigt ist. So erhält diese Gruppe keine Verbandsauszeichnungen wie Medaillen oder die Ehrungen für die RV-Meisterschaft des Verbandes und ihre Flüge werden nicht in der "Brieftaube" aufgeführt.
Solche Regelungen sind aus meiner Sicht allerdings wirklich mittelalterlich und würden in der heutigen Zeit nicht einmal in einem Kindergarten durchgeführt. Aber im deutschen Brieftaubenwesen bestrafen wir weiter Verbandsmitglieder für ihre Entscheidungen und grenzen sie aus, weil sie eigenständige Entscheidungen getroffen haben. Ich halte so ein Vorgehen wirklich für völlig aus der Zeit gefallen.

Vor kurzem schrieb mir zu diesem Thema ein Sportfreund folgendes:

"Ich spiele ausnahmslos Weitstrecke und würde nun mit 43 Jahren das Hobby gerne etwas intensiver betreiben als die vergangenen Jahre, in denen Beruf und Familie dieses verhinderten.
Deshalb habe ich mich bei dem Verband erkundigt, ob es einfache Möglichkeiten für mich als Weitstreckenspieler gibt, die RV zu wechseln, um meine Tauben für die internationalen Flüge auf SüdWest vorzutrainieren, da meine Stamm-RV auf der Südostrichtunng reist. Ich habe auch geschrieben, dass ich alternativ in NL setzen kann, dies aber für mich einen weiteren Anfahrtsweg bedeuten würde. Ich erhielt folgendes als Antwort:
"Sehr geehrter Herr M.
Die Bestimmungen des Paragrafen 10 gelten unabhängig davon in welcher Form, Sie den Brieftaubensport ausüben.
Daher können wir auch für Weitstreckenspieler keine Ausnahme vom vorgeschriebenen Procedere machen.
Wir bitten hier um Verständnis."

Keinerlei Lösungsmöglichkeit oder Unterstützung. (...) Das scheint vollkommen egal zu sein. Ich bin völlig konsterniert. Ich bin auch ratlos, wie man da was ändern kann.
Parallel hatte ich die NPO um eine Ausnahmegenehmigung und Aufnahme für die Weitstrecke gebeten. Der Vorsitzende der NPO-Vorstandes selbst hat mir freundlich geantwortet und ausgesprochen umfangreich erläutert, dass wir keine Ausnahme machen können, weil ich 40km von der Grenze entfernt wohne und so viele deutsche Züchter nach Holland wechseln wollen, dass die NPO sogar den deutschen Verband kontaktiert und dieser sich klar gegen Wechsel positioniert hat. Dennoch merkte man eine freundliche Kommunikation auf Augenhöhe und im deutschen Verband die Friss oder stirb Haltung. Ich weiß wirklich nicht, ob ich mir den Ärger weiter antun sollte, selbst wenn das Hobby mir so viel Spaß macht. Es scheint ja dem Verband auch egal, ob man weitermacht. Aber auch wenn ich es könnte und es vielleicht die einzige Lösung ist, kann ich nicht meine Zeit opfern, um einen neuen Verband zu gründen. Ich bin wirklich fassungslos."

Als ich diese Zeilen las konnte ich nur noch den Kopf schütteln. Statt dem Sportfreund mit einem RV-Wechsel einen einfachen Weg zu ermöglichen unser Hobby weiter so auszuüben, wie er Spaß und Freude daran hat, wird sich auf Paragraphen zurückgezogen und auf das verwiesen, was besonders in den vergangenen Jahren durch die Mitgliederversammlung unseres Verbandes unsinnigerweise beschlossen wurde.
Gerade im westlichen Grenzgebiet versuchen seit einigen Jahren Sportfreunde aus Deutschland in die niederländische NPO zu wechseln, weil sie sich in der Gestaltung des Reiseprogramms dort einfach viel mehr wiederfinden. Dafür nehmen sie höhere Kosten auf sich und weitere Anfahrtswege zu den Einsatzstellen usw. Unserem Verband fällt aber schon seit langer Zeit dazu nur ein alles zu unternehmen um diese Wechsel zu blockieren. Stattdessen wäre es doch wichtig zu hinterfragen warum diese Wechselwünsche überhaupt so zahlreich entstehen. An der Stelle gibt es zwei klare Antworten: die Züchter in den Niederlanden haben hinsichtlich der Einsatzzeiten viel mehr Planbarkeit und hinsichtlich des Reiseprogramms einfach mehr Auswahlmöglichkeiten an welchen Flügen und welchen Entfernungen sie teilnehmen möchten.
Auch in der niederländischen NPO ist nicht alles Gold was glänzt und es gibt auch dort einiges zu verbessern. Aber den Züchtern aus Deutschland, die dorthin gewechselt sind oder die dorthin wechseln wollen, sind die Aspekte der viel höheren Planbarkeit ihres Hobbys und der eigenen Entscheidungsfreiheit hinsichtlich der Entfernungen der Flüge so wichtig, dass sie andere, auch negative Aspekte in der NPO, bereit sind in Kauf zu nehmen.
Hier in unserem deutschen Brieftaubenverband sind wir allerdings bis heute weiterhin nicht bereit daraus zu lernen und Konsequenzen zu ziehen und unseren Brieftaubensport zu modernisieren und anzupassen. Wir sind nicht bereit einzugestehen, dass der Brieftaubensport in Thüringen möglicherweise anders gestaltet werden muss als in Schleswig-Holstein oder NRW. Wir sind nicht bereit zuzugestehen, dass die Züchter vor Ort eigentlich viel besser wissen und entscheiden könnten, wie sie ihr Hobby leben und ausüben wollen und wie sie - und das ist das Wichtigste - Freude an der Reise von Brieftauben entwickeln und behalten können. Hier in Deutschland soll weiterhin bei immer weiter sinkenden Mitgliederzahlen (auch begründet durch die Resignation vieler im Berufsleben stehender Sportfreunde) alles für alle gleich und von oben gesteuert werden. Das aber funktioniert einfach nicht mehr. Die Teilnehmerzahlen deutschlandweit gerade an den Flügen im letzten Drittel einer Saison zeigen das unzweifelhaft. Hier wäre es dringend an der Zeit anzusetzen. Leider ist es in den letzten Jahren so gewesen, dass die Mitgliederversammlung unseres Verbandes noch jede kleinste sinnvolle Reform schon im Keim erstickte. Und leider wird es wohl auch im kommenden Winter auf der nächsten Mitgliederversammlung so bleiben.

 

Samstag, 10.10.2026
Sascha am 10.10.2026 um 04:56 (UTC)
 In der aktuelle Ausgabe der "Brieftaube" Nr. 21/2026 hat der Sportfreund Jörg Zeiher einen, wie ich finde, sehr interessanten Beitrag unter dem Titel "Warum ändern wir uns nicht endlich?" veröffentlicht. Jörg, der auch hier im Blog regelmäßig liest und sich immer mal wieder mit interessanten Kommentaren beteiligt, stellt in seinem Artikel den aktuellen Zustand unseres Hobbys sehr treffend dar und fasst diesen Zustand in u.a. in folgenden Sätzen zusammen:
"Mir geht es darum warum wir mittlerweile oft genug Sinn und Zweck eines außergewöhnlichen Hobbys aus den Augen verloren haben. Zumindest teilweise. Nämlich die Freude an der Beschäftigung mit Tieren, die Spannung beim Wettflug und die Möglichkeit diese Liebhaberei auszuüben."
Auch ich habe hier desöfteren die Frage aufgeworfen und diskutiert warum ich unser Hobby in den vergangenen Jahren (und vielleicht Jahrzehnten) in eine Richtung entwickelt hat, die Sportfreund Zeiher als "Zusammenkünfte mit Auseinandersetzungscharakter" beschreibt.
Ich möchte an dieser Stelle gar nicht auf jeden einzelnen Punkt und Vorschlag in diesem interessanten Beitrag in der "Brieftaube" eingehen. Ich kann nur jeden Sportfreund raten ihn zu lesen und sich einmal vor den anstehenden Versammlungen und Zusammenkünften darüber Gedanken zu machen.
Allerdings ist es mir ein Anliegen den Beitrag von Jörg Zeiher noch um einige Gedanken zu ergänzen:
in der vergangenen Woche waren sehr ähnliche Aspekte auch Thema im Podcast "Frag den Berger" der Sportfreunde Alfred Berger und David Balk. Unter dem Titel "Was, wenn wir über die falschen Dinge diskutieren?!" wurde die Frage aufgeworfen: "Wie schaffen wir es, dass möglichst viele Züchter möglichst lange mit ihren Tauben an der Reise teilnehmen?" Diesen Podcast kann sich jeder interessierte Züchter bei Youtube ansehen und Alfred Berger berichtete darin u.a. über seine Erfahrungen in den vergangenen Jahren in der sogenannten "Zukunftskomission" und erklärte beispielsweise, dass in dieser Komission einige sehr interessante und für die Züchtergemeinschaft vielleicht wichtige Vorschläge unter dem Aspekt einer größeren Züchterzufriedenheit zusammengetragen worden seien. Leider seien nur wenige dieser Vorschläge in irgendeiner Form angegangen und umgesetzt worden und er erklärte weiterhin sinngemäß, dass diese Punkte v.a. deswegen nicht angegangen wurden, weil es von bestimmten Sportfreunden, die er nicht näher benannte, aus ganz bestimmten Gründen nicht gewollt worden sei, ohne dieses näher auszuführen.

Unter meinem letzten Beitrag vom 8.10. hier im Blog kommentierte der Sportfreund Ingolf Schinze, der sich ebenfalls schon vor längerer Zeit in einem "Innovationsteam" mit Änderungen und Verbesserungsvorschlägen in unserem Hobby intensiv befasst hat, u.a. folgendermaßen, als es um das Thema Planbarkeit und feste Einsatzzeiten (z.b. zwei Tage vor einem Flug) ging:
"Als positive Begleiterscheinung wird man feststellen, dass die Flüge fairer, verlustärmer und ausgeglichener verlaufen, aber genau das will ja die kommerziell orientierte Minderheit, die sich aber durchsetzt, nicht."
An diesem Punkt kommt man dann, wie ich vermute, der ganzen Geschichte schon näher:
Die Sportfreunde Zeiher, Berger und Schinze beklagen allesamt auf ihre Weise, dass es in unserem Sport keine oder kaum Änderungen mit Blick auf mehr Züchterzufriedenheit gibt. Sie haben teilweise reichlich Erfahrungen als engagierte Sportfreunde in ihren RVen und in Kommssionen etc. Mit dem Ergebnis, dass all ihre Bemühungen immer wieder zu einem recht großen Teil gescheitert sind.
Ich habe hier an dieser Stelle in den letzten Monaten und Jahren immer wieder den Verdacht geäußert, dass die wenigen, mehr oder weniger kommerziell orientierten Sportfreunde, die in unserem Hobby mehr sehen als eine Freizeitbeschäftigung und das Brieftauenwesen insgesamt eher als zusätzliche Einnahmequelle betrachten, der eigentliche Hemmschuh zu mehr Züchterzufriedenheit sind. Denn bei all den herausragenden Leistungen, die diese Sportfreunde mit ihren Brieftauben vielleicht erzielen und bei allem großen persönlichen Einsatz, den sie für diese teilweise überragenden Ergebnisse zeigen, wird ein wichtiger Punkt sehr oft vergessen: die Definition eines Hobbys lautet: "Ein Hobby ist eine Freizeitbeschäftigung, die du freiwillig, regelmäßig und aus eigenem Vergnügen oder zur Entspannung ausübst, ohne damit beruflich Geld zu verdienen."
Wir haben im deutschen Brieftaubenwesen zumindest teilweise aber genau diese Aspekte vergessen: das Vergnügen und die Entspannung und dass der Brieftaubensport nicht zuvorderst dazu da ist mit ihm Geld zu verdienen.
Schaut man sich die wenigen Veränderungen im deutschen Brieftaubensport in den letzten Jahren an, dann wird aber bei einer genaueren Analyse deutlich, dass alle Anpassungen in vorderster Linie den kommerziell orientierten Züchtern dien(t)en. Seien es zusätzliche Meisterschaften wie die Einführung der deutschen Mittelstreckenmeisterschaft und der zugehörigen As-Tauben. Seien es die immer geringer werdenden Ansprüche an die Leistungen der Tauben hinsichtlich der Flugentfernungen oder seien es die Auflässe, die (übertrieben gesagt) nur noch bei "Laborbedingungen" stattfinden sollen.
Es ist kein Zufall wie sich unser Hobby Brieftaubensport in den letzten Jahren entwickelt hat. Wenn kommerziell orientierte Sportfreunde sich in Ämter und Posten wählen lassen, dann ist es völlig normal, dass etwaige Änderungen in verschiedenen Bereichen unseres Hobbys am Ende zumindest keinen Nachteil für eben genau diese Sportfreunde darstellen. Ob diese Änderungen am Ende aber zu mehr Züchterzufriedenheit führen, das möchte ich doch einmal deutlich in Frage stellen.
Der Sportfreund Ad Schaerlaeckens aus den Niederlanden schreibt gestern in seinem Internet-Blog folgenden Satz: "Mit einer ellenlangen Liste an Meisterschaften möchte der NPO offenbar möglichst viele Taubenzüchter zufriedenstellen." Ich glaube nicht, dass es der NPO darum geht möglichst viele Sportreunde zufrieden zu stellen. Vielmehr beobachtet man auch dort einen Prozess, den wir hier in Deutschland auch haben: immer mehr Meisterschaften, immer mehr Titel und am Ende dient vieles davon nur der Vermarktung.
Wenn wir unser Brieftaubenwesen endlich wieder einmal ernst nehmen als das was es für die ganz große Mehrheit der Züchter ist, nämlich ein Hobby das unglaublich viele schöne Aspekte hatt, welches Entspannung, Nervenkitzel, die tägliche Beschäftigung mit den Tieren usw. bietet, dann müssten wir meiner Meinung nach endlich in vielen Bereichen die Fesseln lockern, die wir uns selbst über die Jahre angelegt haben.
Die vielen Regelungen, Bestimmungen, Meisterschaften usw. schnüren uns ein Korsett, welches in letzter Konsequenz nur zu mehr Unzufriedenheit führt. Sportfreunde werden nicht zufriedener dadurch, dass man ihnen bis ins Kleinste vorschreibt wie sie ihr Hobby auszuüben haben.
Wenn man die Ausgangsfrage von Jörg Zeiher in seinem Artikel "Warum ändern wir uns nicht endlich?" einmal konsequent zu Ende denkt, dann muss man auch die Frage aufwerfen: "Wovor haben wir eigentlich Angst?" Wir verlieren jedes Jahr aus Altersgründen zwischen fünf und zehn Prozent unserer Mitglieder. Der Brieftaubensport in seiner jetzigen Form wird in ganz kurzer Zeit schon in vielen Regionen nicht mehr ausübbar sein. Wenn dem aber so ist, dann wäre es vielleicht für den Anfang zielführend den Sportfreunden in diesen Regionen auch von Seiten unseres Verbandes die Freiheit zu geben, ihr Hobby so auszuüben, wie sie es regional für wichtig und richtig und zu ihrer Zufriedenheit betrachten. Leider wurde in den vergangenen Jahren von Seiten unseres Verbandes und seiner Mitgliederversammlung aber das genaue Gegenteil praktiziert von dem was vielleicht notwendig wäre.
An der Stelle schließt sich dann aber der Kreis: wenn man kommerziell orientiert den Brieftaubensport betreibt und gleichzeitig weiß, dass dieses Hobby in seiner jetzigen Form ohnehin bald kaum noch durchführbar sein wird, dann verhindert man nach Möglichkeit alles was mit dem Risiko verbunden ist zumindest kurzfristig die persönlichen Intereressen und damit letztlich den finanziellen Profit negativ zu beeinflussen.
Es heißt nicht umsonst in dem Sprichtwort: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt." Wir wagen in unserem Hobby seit Jahren und Jahrzehnten praktisch gar nichts und wundern und ärgern uns über seinen Niedergang.
 

Donnerstag, 08.10.2026
Sascha am 08.10.2026 um 17:26 (UTC)
 Wenn ich, so wie jetzt zuletzt, einige Nachtdienste am Stück auf der Arbeit habe, passiert hier bei den Tauben nicht viel. Sie bekommen Futter und Wasser und wenn ich Zeit und Lust finde, dann gebe ich ihnen nachmittags eine Stunde Freiflug. Aber es wird nicht sauber gemacht und dann fehlt mir auch manches Mal die Motivation hier etwas zu schreiben. Nachtdienste sind für mich insgesamt sehr anstrengend, denn ich kann am Tage einfach nicht gut schlafen und habe dann über die Zeit meiner Nachtarbeit insgesamt zu wenig Schlaf.
Ich denke dann gelegentlich daran wie es wohl unseren Tauben in ihren Kabis geht, wenn sie zum Auflassort gefahren werden. Ich glaube kaum dass sie unterwegs viel schlafen. Selbst dann nicht, wenn sie an den Aufenthalt in den Kabinen gewöhnt sind. Die Tiere werden im Grunde genommen Woche für Woche aus ihrem natürlichen Tag-Nachtrhythmus herausgerissen,
Das hindert sie nicht daran von ihren Flügen nach hause zu fliegen und bemerkenswerte Leistungen zu vollbringen, Aber ich denke trotzdem manchmal daran wie sich der Aufenthalt im Kabinenexpress insgesamt wohl auf die Leistungsfähigkeit der Tauben auswirkt und vielleicht auch auf ihre Orientierungsfähigkeit.
Oft werden die Tauben spätnachmittags oder am frühen Abend eingesetzt, dann fahren sie über einige Stunden zu ihrem Auflassort. Inzwischen gibt es die Vorschrift dass die Tauben bei längeren Fahrten nach etwa vier Stunden Fahrtzeit getränkt werden müssen. Dazu wird mindestens im Kabi das Licht angemacht. Dann fährt der Wagen nach der Trinkpause weiter und am Auflassort angekommen wird dann mitten in der Nacht wieder getränkt und das Licht angemacht.
Dann haben wir Tiere manchmal noch zwei, drei Stunden oder vielleicht auch etwas mehr Zeit sich auszuruhen bevor der Auflass erfolgt, wenn das Wetter entsprechend ist.
Letztlich ist das was wir bis hin zum Auflass mit den Tauben veranstalten völlig unphysiologisch. Tauben trinken eigentlich über Nacht nicht. D.h. das Tränken während der Fahrt und in der Nacht am Auflassort entspricht nicht ihrem natürlichen Rhythmus. Je nachdem wie die Außentemperaturen sind und wie voll ein Kabinenexpress oder einzelne Kabinen sind, kann es aber durchaus Sinn machen, die Tiere zwischendurch oder direkt nach Ankunft am Auflassort zu tränken.
In den Niederlanden oder Belgien setzt man die Tauben, soweit ich weiß, ab 350 oder 400 Kilometer Entfernung zwei Tage vorher ein. Man kann dabei viel besser den natürlichen Rhythmus der Tauben beibehalten. Es wird abends eingesetzt, morgens kommen die Tauben spätestens am Auflassort an und werden dort versorgt mit Wasser und Futter. Sie haben den ganzen Tag Zeit auszuruhen. Sie können dann auch am Abend nochmals versorgt werden. Am Auflasstag morgens gibt es nochmals Wasser und dann geht es auf den Heimflug,
Insgesamt ist das Vorgehen deutlich physiologischer und aus meiner Sicht auch taubengerechter, als unser Vorgehen hier in Deutschland, wo wir die Tauben oft möglichst kurz im Kabinenexpress haben möchten (selbstverständlich auch aus finanziellen Gründen).
Wenn ich meine Nachtdienste beendet habe, dann brauche ich immer einige Tage um wieder "in Tritt" zu kommen. Unsere Tauben haben nach einer durchgemachten Nacht scheinbar weniger Probleme schnell wieder ihren Rhythmus zu finden. Mich würde trotzdem einmal interessieren wie sich die Flüge über eine ganze Saison gestalten würden, wenn ein Kabi stets zum Auflassort fahren würde mit möglichst kurzer Standzeit und den immer gleichen Tauben und ein zweiter Kabi immer einen Tag früher mit den gleichen Tauben und mit langer Standzeit von einem Tag am Auflassort. Könnte man dort über ein ganzes Reisejahr wohl Unterschiede bei den Tauben ausmachen und wie würden sich diese Unterschiede darstellen?
 

Montag, 05.10.2026
Sascha am 05.10.2026 um 07:33 (UTC)
 Zwei, drei Tage werden wir wohl noch dieses schöne Spätsommerwetter haben. Dann soll das Wetter umschlagen, es soll kühler werden, regnerischer und windiger. Das Wetter aktuell ist für die Tauben weiterhin sehr angenehm. Sie sitzen oft den ganzen Tag in der Voliere und lassen sich von der Sonne bescheinen und beim Freiflug sitzen sie auch gerne auf dem Dach und genießen das Wetter. Fliegen tun sie nicht besonders viel jetzt wo die Federn stark wechseln, aber es tut ihnen trotzdem gut hin und wieder mal eine Runde zu drehen und die Flügel zu bewegen. Wie es dann mit dem Freiflug am Haus wird wenn das Wetter sich verschlechtert, muss ich sehen. Aber es ist mein Ziel die Tauben auch weiterhin immer mal wieder herauszulassen. Nach dem Freiflug werden sie satt gefüttert und dann liegen oft auf ihren Sitzplätzen und ruhen sich aus. So muss es sein.
Ich stelle den Tauben meistens zwei Mal pro Woche und pro Schlag die Badewanne hin, aber die meisten Tiere baden doch nur ein Mal und dann beim zweiten Mal, drei, vier Tage später nicht. Das ist auch ein normales Verhalten und mehr als ein Mal baden pro Woche ist wirklich nicht nötig. Ein Mal in vier Wochen gebe ich ein Produkt gegen Parasiten in das -Badewasser. Ansonsten bleibt das Badewasser ohne Zusatz oder aber ich gebe mal, wenn ich daran denke, ein Produkt zur Reinigung auf probiotischer Basis von der Firma Comed hinein.
Wichtig bei allem, was ich hier mache , ist mir immer, dass die Tauben sich wohl fühlen. Man muss einfach sehen dass es ihnen gut geht. Dann geht es auch mir als Züchter gut. Unsere Tauben müssen nicht unbedingt zahm sein. Aber sie sollen Vertrauen zum Züchter und zu ihrem Schlag und ihrer Umgebung haben. Das gelingt selbstverständlich nur, wenn beispielsweise im Freiflug nicht ständig ein Greifvogel attackiert, so wie wir es hier leider in diesem Frühjahr vor der Altreise erleben mussten. Es war bis weit in die Reise hinein so, dass fast täglich ein Habicht angriff. Die Tauben wollten den Schlag nicht mehr verlassen, benahmen sich draußen nur ängstlich und so konnten sie überhaupt keine Form aufbauen. Es wäre schön, wenn es in diesem Herbst erst einmal weiter ruhig bleibt hinsichtlich der Greifvögel.
 

Sonntag, 04.10.2026
Sascha am 04.10.2026 um 05:57 (UTC)
 Zu meinem gestrigen Beitrag hat sich ein Sportfreund mit einer ausführlichen Nachricht gemeldet. Er reist sehr erfolgreich mit Alt- und auch Jungtauben auf RV- und auch auf Regionalverbandsebene. Vor mehr als zwei Jahren hat er sich entschieden seinen gesamten Bestand auch mit einem Gemüsemix zu versorgen. Der Züchter hat sich dazu seine eigenen Gedanken gemacht und mischt das Gemüse nach seinen Vorstellungen und verwendet zum Abbinden etwas andere Produkte, als wir es hier tun. Sein gesamter Taubenbestand erhält das Gemüse zwei Mal in der Woche, zumeist an zwei Tagen nacheinander, und der Sportfreund mixt das Gemüse immer frisch an. Er teilte mir mit, dass er damit ungemein zufrieden sei und verwies auf den Gesundheitszustand seiner Tauben, der insgesamt viel besser sei. Er brachte das Beispiel, dass er früher vielleicht sechs oder sieben Jungtauben eines Jahrgangs hatte, die kurz- oder längerfristig einmal gesundheitliche Probleme und Auffälligkeiten zeigten. Seit der Verwendung des Gemüsemixes seien es allerhöchstens pro Jahr noch ein oder zwei Tiere, die negativ auffielen. Diese Verbesserung sei schon sehr signifikant.
Gerade was den Gesundheitszustand der Tauben betrifft stimme ich dem Sportfreund uneingeschränkt zu. Die regelmäßige Gabe des Gemüsemixes ist hinsichtlich der Verfassung der Tauben ein absolut positiver Aspekt. Insgesamt sehen die Tauben einfach besser aus und wirken gesundheitlich stabiler.

Aus Interesse habe ich gestern und vorgestern einmal den Verlauf der Finalflüge zweier großer One-Loft-Rennen an der Algarve verfolgt. Etwa 500 Kilometer sind für die Jungtauben schon eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Dass diese Finalflüge dann nicht mit Massenankünften ablaufen ist ein Stück weit normal. Wenn ich mir aber die Entwicklung der Einsatzzahlen dieser OLR bis hin zum Finalflug ansehe und den Finalflug obendrein, dann kann ich nur sagen, dass man dort eigentlich guten Gewissens, wie zu sehr vielen anderen OLR, keine Jungtauben hingeben sollte - ganz abgesehen von den Kosten, die diese Wettbewerbe mit sich bringen. Wenn dort, wie bei einem der beiden Rennen, ein deutscher Schlag, der auch damit wirbt einen eigenen und speziellen OLR-Bestand zu haben, von mehr als 50 angelieferten Tauben zum Finale nur noch 13 eingesetzt wurden und von diesem Finalflug am ersten Flugtag kein Tier wieder im Schlag ist, dann kann ich für mich nur feststellen, dass diese OLR auch nicht wirklich taubengerecht sind, denn gleiches und ähnliches trifft auch auf bekannte niederländische oder belgische Schläge zu hinsichtlich ihrer Taubenzahlen bei diesen Rennen. Zumal, wenn man einmal betrachtet, dass das gespielte Programm hinsichtlich der Entfernungen, mit Ausnahme des Endfluges, keinen großen Unterschied zu beispielsweise einem deutschen Jungtaubenprogramm macht. Letztlich sind diese Rennen auch nur eine "Zockerei" um Geld.
 

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