| | Gestern meldete sich schon früh am Morgen ein Sportfreund bei mir, der auf der Südwestrichtung reist mit der Frage ob ich schon etwas für das kommende Wochenende hinsichtlich Kilometer-Beschränkungen etc. gehört hätte. Ich verneinte das. Ich habe mir dann das Wetter angesehen für Frankreich. Der sportfreund wohnt weit entfernt von mir und man reist dort weit nach Frankreich hinein und habe ich gesagt, dass ich nicht davon ausgehe, dass auf der Südwestrichtung weite Flüge veranstaltet werden dürfen. Die Temperaturen, speziell in Frankreich und auch schon früh am Morgen, scheinen doch sehr sehr hoch zu werden.
Später erfuhr ich, dass der Regionalverband 250, der auch auf der Südwestrichtung reist, gestern schon beschlossen hat nur 300 Kilometer zu fliegen ohne auf irgendwelche Anweisungen des Verbandes zu warten.
Es ist eine sehr bedenkliche Entwicklung in unserem Brieftaubensport, dass die Züchter Anfang bis Mitte der Woche nur noch damit beschäftigt sind zu schauen wie das Wetter wird, ob weite Flüge gemacht werden können oder nicht, ob Flüge verschoben werden oder nicht und dass sie darauf warten was unsere Flugsicherungskomission am Mittwoch Mittag mal wieder zum Besten gibt.
Das Wetter können wir weder machen noch ändern. Aber ständig darauf warten und reagieren zu müssen was einige, wenige Personen im Verband entscheiden kann nicht richtig sein.
Auf unserer Südostrichtung haben viele Organisationen noch keinen 500-Kilometer-Flug veranstaltet. Nun sind noch zwei wochen Zeit und man steht unter Druck (wegen ganz weniger Züchter) noch zwei solche Flüge veranstalten zu müssen. Und man kann sicher davon ausgehen, dass einige wenige Züchter, die gerade in den großen Meisterschaften vorne stehen, all ihren Einfluß geltend machen werden, damit man diese Flüge veranstaltet. Das ist auch ein Stück weit nachvollziehbar. Aber für die meisten Sportfreunde ist das alles nicht wichtig und nicht interessant. Sie wollen Flüge haben von denen ihre Tauben nach hause kommen und die dem Wetter angemessen sind.
So kommt man in die Situation, dass immer mehr Sportfreunde die Reise einstellen, weil ihnen das Programm nicht passt. In unserer Reisevereinigung möchte eine große Mehrheit der Züchter am kommeden Wochenende nicht am Nationalflug Vilshofen teilnehmen (wenn er denn stattfindet). Das ergab eine Abfrage. Sie möchten nach dem anspruchsvollen Flug vom vergangenen Wochenende einen kürzeren Flug machen.
Auch das ist verständlich. Selbst Züchter, die sonst eher die weiteren Flüge bevorzugen und deren Tauben sich am vergangenen Wochenende schwer taten, möchten plötzlich keinen Nationalflug mehr und auf kürzerer Entfernung fliegen. Es ist für die Verantwortlichen in den RVen und Regionalverbänden praktisch unmöglich die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bekommen. Das wiederum liegt daran, dass unser ganzes Reise- und Meisterschaftssystem so veraltet ist und niemand hingeht und dieses verändert und erneuert.
Angenommen das Wetter gibt für unsere Südostrichtung am kommenden Wochenende einen 500 Km-Flug her. Wo läge eigentlich das Problem einen Nationalflug mit den Regionalverbänden 356, 402, 403, 405, 408, 409, 412 und 416 anzubieten und zu organisieren, an dem alle Sportfreunde, die das möchten teilnehmen können und ihre Tauben dann in die Wertung z.b. für die deutsche Meisterschaft bringen können? Als Preisliste könnte man bei diesem gemeinsamen Auflass trotzdem weiter die Regionalverbandspreisliste heranziehen oder wie auch immer. Als Auflassorte würden sich (jetzt ganz spontan geschrieben ohne es genauer zu analysieren) Plattling, Vilhofen oder Osterhofen eignen.
Alle anderen Sportfreunde, die einen kürzeren Flug bevorzugen, könnten dann in ihren RVen und Regionalverbänden 300 KM oder was auch immer fliegen. Und somit käme dann auch ein wenig Druck aus diesem ganzen System heraus. Stattdessen wird nun wieder überall hin und her überlegt was man tun kann und was das Wetter zulässt.
Man muss sich doch nur einmal die Teilnehmerzahlen an den Flügen vom vergangenen Wochenende ansehen. Sie gehen fast überall massiv in den Keller und das wird zum kommenden Wochenende so weiter gehen. Das kann doch alles nicht unser Ziel sein. Dieser Tage habe ich zu einem Sportfreund ein bißchen im Spaß gesagt: "Am Ende kriegt in den RVen und Regionalverbänden jeder eine Urkunde oder einen Pokal, der bis zum Ende durch geschickt hat." Ich denke ein bißchen was ist an dieser eher spaßig gemeinten Aussage aber dran.
Ich hatte dieser Tage schon geschrieben, dass man Tauben immer auch an ihre Aufgaben heranführen muss. Das gilt auch hinsichtlich der Flugzeiten. Wenn man Tauben Woche für Woche nur bei bestem Wetter fliegen lässt und die Flugzeiten kaum einmal über fünf Stunden gehen bei fast immer idealem Wetter und man dann Tauben mal bei Bedinungen fliegen lässt, wo sie sieben, acht oder neun Stunden fliegen müssen und das Wetter vielleicht nicht durchgehend super ist, dann darf man sich am Ende nicht wundern, wenn ein Flug mal schwerer wird und hier und da auch einmal Tauben fehlen, die das dann nicht schaffen. Dann heißt es am Ende wieder: "Die Tauben können das einfach nicht mehr." Und damit ist gemeint 500 oder 600 KM zu fliegen und bald sind wir soweit, dass selbst 400 KM-Flüge bei denen der Konkurs mal etwas länger als 20 oder 30 Minuten dauert schon als Katastrophenflüge empfunden werden. Viele Sportfreunde haben inzwischen deutlich den Kompass dafür verloren was Tauben leisten können und sollten. Das liegt meiner Ansicht nach daran, dass wir Woche für Woche hingehen und die Flüge stets auf den Tag verschieben, wo die vermeintlich besten und leichtesten Bedinungen herrschen. Irgendwann geht das aber vielleicht mal nicht mehr und dann wird ein Flug - auch wegen der Meisterschaftsbedingungen - durchgezogen obwohl die Verhältnisse etwas schwerer (aber bei weitem nicht unmöglich) sind und schon tun sich die Tauben schwer und die Züchter sind unzufrieden. Unser ganzes Reise- und Meisterschaftssystem mit all den Vorgaben und Regelungen durch Verband, FSK usw. führt aktuell dazu, dass im ganzen Brieftaubensport nur noch Frust herrscht und es immer schneller bergab geht. Es muss an dieser Stelle endlich Änderung herbei geführt werden.
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