| | In der aktuelle Ausgabe der "Brieftaube" Nr. 21/2026 hat der Sportfreund Jörg Zeiher einen, wie ich finde, sehr interessanten Beitrag unter dem Titel "Warum ändern wir uns nicht endlich?" veröffentlicht. Jörg, der auch hier im Blog regelmäßig liest und sich immer mal wieder mit interessanten Kommentaren beteiligt, stellt in seinem Artikel den aktuellen Zustand unseres Hobbys sehr treffend dar und fasst diesen Zustand in u.a. in folgenden Sätzen zusammen:
"Mir geht es darum warum wir mittlerweile oft genug Sinn und Zweck eines außergewöhnlichen Hobbys aus den Augen verloren haben. Zumindest teilweise. Nämlich die Freude an der Beschäftigung mit Tieren, die Spannung beim Wettflug und die Möglichkeit diese Liebhaberei auszuüben."
Auch ich habe hier desöfteren die Frage aufgeworfen und diskutiert warum ich unser Hobby in den vergangenen Jahren (und vielleicht Jahrzehnten) in eine Richtung entwickelt hat, die Sportfreund Zeiher als "Zusammenkünfte mit Auseinandersetzungscharakter" beschreibt.
Ich möchte an dieser Stelle gar nicht auf jeden einzelnen Punkt und Vorschlag in diesem interessanten Beitrag in der "Brieftaube" eingehen. Ich kann nur jeden Sportfreund raten ihn zu lesen und sich einmal vor den anstehenden Versammlungen und Zusammenkünften darüber Gedanken zu machen.
Allerdings ist es mir ein Anliegen den Beitrag von Jörg Zeiher noch um einige Gedanken zu ergänzen:
in der vergangenen Woche waren sehr ähnliche Aspekte auch Thema im Podcast "Frag den Berger" der Sportfreunde Alfred Berger und David Balk. Unter dem Titel "Was, wenn wir über die falschen Dinge diskutieren?!" wurde die Frage aufgeworfen: "Wie schaffen wir es, dass möglichst viele Züchter möglichst lange mit ihren Tauben an der Reise teilnehmen?" Diesen Podcast kann sich jeder interessierte Züchter bei Youtube ansehen und Alfred Berger berichtete darin u.a. über seine Erfahrungen in den vergangenen Jahren in der sogenannten "Zukunftskomission" und erklärte beispielsweise, dass in dieser Komission einige sehr interessante und für die Züchtergemeinschaft vielleicht wichtige Vorschläge unter dem Aspekt einer größeren Züchterzufriedenheit zusammengetragen worden seien. Leider seien nur wenige dieser Vorschläge in irgendeiner Form angegangen und umgesetzt worden und er erklärte weiterhin sinngemäß, dass diese Punkte v.a. deswegen nicht angegangen wurden, weil es von bestimmten Sportfreunden, die er nicht näher benannte, aus ganz bestimmten Gründen nicht gewollt worden sei, ohne dieses näher auszuführen.
Unter meinem letzten Beitrag vom 8.10. hier im Blog kommentierte der Sportfreund Ingolf Schinze, der sich ebenfalls schon vor längerer Zeit in einem "Innovationsteam" mit Änderungen und Verbesserungsvorschlägen in unserem Hobby intensiv befasst hat, u.a. folgendermaßen, als es um das Thema Planbarkeit und feste Einsatzzeiten (z.b. zwei Tage vor einem Flug) ging:
"Als positive Begleiterscheinung wird man feststellen, dass die Flüge fairer, verlustärmer und ausgeglichener verlaufen, aber genau das will ja die kommerziell orientierte Minderheit, die sich aber durchsetzt, nicht."
An diesem Punkt kommt man dann, wie ich vermute, der ganzen Geschichte schon näher:
Die Sportfreunde Zeiher, Berger und Schinze beklagen allesamt auf ihre Weise, dass es in unserem Sport keine oder kaum Änderungen mit Blick auf mehr Züchterzufriedenheit gibt. Sie haben teilweise reichlich Erfahrungen als engagierte Sportfreunde in ihren RVen und in Kommssionen etc. Mit dem Ergebnis, dass all ihre Bemühungen immer wieder zu einem recht großen Teil gescheitert sind.
Ich habe hier an dieser Stelle in den letzten Monaten und Jahren immer wieder den Verdacht geäußert, dass die wenigen, mehr oder weniger kommerziell orientierten Sportfreunde, die in unserem Hobby mehr sehen als eine Freizeitbeschäftigung und das Brieftauenwesen insgesamt eher als zusätzliche Einnahmequelle betrachten, der eigentliche Hemmschuh zu mehr Züchterzufriedenheit sind. Denn bei all den herausragenden Leistungen, die diese Sportfreunde mit ihren Brieftauben vielleicht erzielen und bei allem großen persönlichen Einsatz, den sie für diese teilweise überragenden Ergebnisse zeigen, wird ein wichtiger Punkt sehr oft vergessen: die Definition eines Hobbys lautet: "Ein Hobby ist eine Freizeitbeschäftigung, die du freiwillig, regelmäßig und aus eigenem Vergnügen oder zur Entspannung ausübst, ohne damit beruflich Geld zu verdienen."
Wir haben im deutschen Brieftaubenwesen zumindest teilweise aber genau diese Aspekte vergessen: das Vergnügen und die Entspannung und dass der Brieftaubensport nicht zuvorderst dazu da ist mit ihm Geld zu verdienen.
Schaut man sich die wenigen Veränderungen im deutschen Brieftaubensport in den letzten Jahren an, dann wird aber bei einer genaueren Analyse deutlich, dass alle Anpassungen in vorderster Linie den kommerziell orientierten Züchtern dien(t)en. Seien es zusätzliche Meisterschaften wie die Einführung der deutschen Mittelstreckenmeisterschaft und der zugehörigen As-Tauben. Seien es die immer geringer werdenden Ansprüche an die Leistungen der Tauben hinsichtlich der Flugentfernungen oder seien es die Auflässe, die (übertrieben gesagt) nur noch bei "Laborbedingungen" stattfinden sollen.
Es ist kein Zufall wie sich unser Hobby Brieftaubensport in den letzten Jahren entwickelt hat. Wenn kommerziell orientierte Sportfreunde sich in Ämter und Posten wählen lassen, dann ist es völlig normal, dass etwaige Änderungen in verschiedenen Bereichen unseres Hobbys am Ende zumindest keinen Nachteil für eben genau diese Sportfreunde darstellen. Ob diese Änderungen am Ende aber zu mehr Züchterzufriedenheit führen, das möchte ich doch einmal deutlich in Frage stellen.
Der Sportfreund Ad Schaerlaeckens aus den Niederlanden schreibt gestern in seinem Internet-Blog folgenden Satz: "Mit einer ellenlangen Liste an Meisterschaften möchte der NPO offenbar möglichst viele Taubenzüchter zufriedenstellen." Ich glaube nicht, dass es der NPO darum geht möglichst viele Sportreunde zufrieden zu stellen. Vielmehr beobachtet man auch dort einen Prozess, den wir hier in Deutschland auch haben: immer mehr Meisterschaften, immer mehr Titel und am Ende dient vieles davon nur der Vermarktung.
Wenn wir unser Brieftaubenwesen endlich wieder einmal ernst nehmen als das was es für die ganz große Mehrheit der Züchter ist, nämlich ein Hobby das unglaublich viele schöne Aspekte hatt, welches Entspannung, Nervenkitzel, die tägliche Beschäftigung mit den Tieren usw. bietet, dann müssten wir meiner Meinung nach endlich in vielen Bereichen die Fesseln lockern, die wir uns selbst über die Jahre angelegt haben.
Die vielen Regelungen, Bestimmungen, Meisterschaften usw. schnüren uns ein Korsett, welches in letzter Konsequenz nur zu mehr Unzufriedenheit führt. Sportfreunde werden nicht zufriedener dadurch, dass man ihnen bis ins Kleinste vorschreibt wie sie ihr Hobby auszuüben haben.
Wenn man die Ausgangsfrage von Jörg Zeiher in seinem Artikel "Warum ändern wir uns nicht endlich?" einmal konsequent zu Ende denkt, dann muss man auch die Frage aufwerfen: "Wovor haben wir eigentlich Angst?" Wir verlieren jedes Jahr aus Altersgründen zwischen fünf und zehn Prozent unserer Mitglieder. Der Brieftaubensport in seiner jetzigen Form wird in ganz kurzer Zeit schon in vielen Regionen nicht mehr ausübbar sein. Wenn dem aber so ist, dann wäre es vielleicht für den Anfang zielführend den Sportfreunden in diesen Regionen auch von Seiten unseres Verbandes die Freiheit zu geben, ihr Hobby so auszuüben, wie sie es regional für wichtig und richtig und zu ihrer Zufriedenheit betrachten. Leider wurde in den vergangenen Jahren von Seiten unseres Verbandes und seiner Mitgliederversammlung aber das genaue Gegenteil praktiziert von dem was vielleicht notwendig wäre.
An der Stelle schließt sich dann aber der Kreis: wenn man kommerziell orientiert den Brieftaubensport betreibt und gleichzeitig weiß, dass dieses Hobby in seiner jetzigen Form ohnehin bald kaum noch durchführbar sein wird, dann verhindert man nach Möglichkeit alles was mit dem Risiko verbunden ist zumindest kurzfristig die persönlichen Intereressen und damit letztlich den finanziellen Profit negativ zu beeinflussen.
Es heißt nicht umsonst in dem Sprichtwort: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt." Wir wagen in unserem Hobby seit Jahren und Jahrzehnten praktisch gar nichts und wundern und ärgern uns über seinen Niedergang. | | | |
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