| | In der aktuellen Ausgabe der "Brieftaube" findet sich ein ausführlicher Artikel zum sogenannten "Wechselparagraphen". Darin wird noch einmal erklärt warum man diese Bestimmung im vergangenen Jahr nochmals angepasst hat und Wechsel von Sportfreunden von der einen in die andere Organisation deutlich erschwert hat. Der Herbst steht vor der Tür und vermutlich werden hier und da wieder Züchter versuchen die Reisevereinigung oder sogar den Regionalverband zu wechseln. In den vergangenen Jahren, so hört man, nahm die Zahl der Wechselanträge teils so große Ausmaße an, dass die Mitglieder der Komissionen einfach zu viel Arbeit damit hatten, über all die Anträge zu entscheiden.
Wie immer, wenn in unserem Land irgendjemand zu viel Arbeit mit etwas hat, werden dann neue, oftmals schärfere Bestimmungen herbeigeführt, die einfach für Entlastung sorgen und, wie in diesem Fall, die Zahl der Wechselanträge reduzieren sollen.
Das System grundsätzlich wird aber in keiner Weise in Frage gestellt. Es soll immer alles beim alten bleiben. Es soll auch möglichst keine ausufernde Diskussion darüber stattfinden warum, wie bei uns im Brieftaubensport, so viele Züchter unzufrieden sind und Wechsel anstreben. Unsere Verbandsgremien und die Mitgliederversammlung unternimmt letztlich seit Jahren nichts anderes als die vorhandenden Strukturen irgendwie zu erhalten und zu versuchen auf diesem Weg bei immer geringer werdenden Züchterzahlen, alles im Kern so zu belassen wie es ist.
Vielleicht wäre es aber mal angebracht darüber nachzudenken, ob die Unzufriedenheit vieler Brieftaubenzüchter und auch der Mitgliederschwund (neben dem selbstverständlich sehr starken altersbedingten Rückgang an Sportfreunden) nicht genau in unseren völlig veralteten Strukturen begründet sind.
Wenn ich, so wie jetzt bei den OLR, jüngere sportfreunde treffe, dann höre ich v.a. eines heraus: so wie wir hier in Deutschland die Reisesaison seit Jahrzehnten praktisch unverändert gestalten, macht es keinen Spaß mehr.
Ein Sportfreund berichtete mir am Samstag, dass mehrere RVen seiner Region komplett aus dem Verbandsprogramm ausgestiegen sind und ihre Reisesaison jenseits all der Meisterschaften und Regelungen unseres Verbandes gestalten und die deutliche Mehrheit der Züchter damit hochzufrieden ist. Die Sportfreunde dort machen regional was für sie Sinn macht und woran sie Spaß haben.
In genannten Artikel in der "Brieftaube" findet sich u.a. folgender, einleitender Satz, der das ganze Dilemma in unserem Verband für mich eindrücklich aufzeigt, weil er schon zu Beginn der Ausführungen falsche Weichen stellt:
"Wir orientieren und damit zum Beispiel an bestehenden Fussballkreisen mit den entsprechenden Sportanlagen. Auch in anderen Bereichen gibt es vergleichbare, räumliche Zuordnungen."
Man will damit begründen warum ein Züchter nur in einer bestimmten Organisation mit seinen Tauben reisen und nicht x-beliebig aussuchen darf, wo er seine Tiere auf die Flüge schicken möchte. Es ist aber ein Denkfehler einen Züchter mit einem Fußballverein und einer bestehenden Sportanlage zu vergleichen. Stattdessen sollte man einen Züchter, bzw. eine Schlaganlage mit einem einzelnen Fußballer vergleichen. Wenn dieser sich aussucht, obwohl der in NRW wohnt, einem Verein in Hessen beizutreten und dort seinem Hobby Fußball nachzugehen, dann ist das so. Dann ist es Problem dieses Fußballers wie er nach Hessen zum Training oder zum Meisterschaftsspiel kommt.
Wenn ich nun entscheide, dass ich meine Tauben nicht hier in Warstein, sondern in Dortmund reisen möchte und dort eine Organisation finde, die mich aufnimmt und mir das gestattet, dann sollte das - ganz unabhängig von der Sinnhaftigkeit meiner Entscheidung - möglich sein. Stattdessen würde der Wechselparagraph mir dieses Ansinnen nicht gestatten.
Wir brauchen nicht noch mehr Regelungen, nicht noch engere Strukturen und nicht noch mehr Korsett in unserem Hobby. Wir benötigen dringend mehr Freiheiten, wenn der Brieftaubensport überhaupt eine Zukunft haben soll. Der Wechselparagraph ist dabei leider eine Bestimmung, die in die völlig falsche Richtung geht. | | | |
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