| | Vor etwa zehn Tagen telefonierte ich mit einem Sportfreund, der mit seinen Jungtauben zwei schwierig verlaufende Flüge hatte. Während der erste Flug für die gesamte Reisevereinigung nicht leicht war, taten sich beim dem anderen Flug fast nur seine Jungtauben sehr schwer. Der Züchter berichtete mir, dass er sich das nicht erklären konnte. Die Jungtauben sahen gut aus, fraßen gut und trainierten gut. Da er aber sicher gehen wollte, dass die Tiere gesund sind, fuhr er mit mehreren Jungtauben zu einem bekannten Taubentierarzt in seiner Nähe. Die Kropf- und Kloakenabstriche waren absolut in Ordnung. Es waren keine Krankheitszeichen und Erreger zu finden. Aber der Tierarzt sagte zu diesem Züchter: "Deine Tauben haben Probleme mit den Augen." Der Sportfreund konnte nichts erkennen und so zeigte ihm der Tierarzt die Symptomatik am Auge und auch nach einem Augenabstrich unter dem Mikroskop. Der Sportfreund bekam Augentropfen für seine Tiere verschrieben und sollte sie entsprechend damt behandeln. Seitdem haben wir noch nicht wieder telefoniert, aber ich hoffe, dass die Probleme nun beseitigt sind.
Gestern schrieb ich dann hier an dieser Stelle auch kurz über diese neuartige Augeninfektion und bekam sehr verschiedene und für mich sehr interessante Rückmeldungen. Ein Sportfreund berichtete mir, dass er seine Jungtauben dieses Jahr mit einem bestimmten Impfstoff zwei Mal geimpft habe und erstmals seit mehreren Jahren keine Probleme habe. Ein Züchter berichtete mir, dass er die Tauben, nachdem die Infektion ausgebrochen war, mit sogenannten Rauchtabletten im Schlag behandelt habe und nach zwei Tagen sei "der Spuk vorbei gewesen". Ein dritter Züchter schrieb, dass er im Falle einer Infektion die Jungtauben sofort mit einer bestimmten Antibiotikaspritze behandeln würde, die dann schnell Besserung bringe. Weiterhin erfuhr ich, dass andere Züchter bestimmte Desinfektionsmittel einsetzen auf verschiedene Arten um dieser Augeninfektion vorzubeugen oder sie zu bekämpfen. Wieder andere setzen Salben aus dem Humanbereich ein und hoffen, dass sie Wirkung tun.
Ich will all diese Vorgehen weder in Abrede stellen, noch irgendeinen Weg als besonders zielführend erklären. Ich nenne hier auch absichtlich keine Namen von Produkten oder Impfstoffen oder Medikamenten. Ich sehe nur, dass wir teilweise vor einem Problem mit einer Krankheit bei unseren Tauben stehen, über die wir sehr wenig wissen und deren Auswirkungen wir auch nicht wirklich beurteilen können.
Vieles erinnert mich an die Zeit, als wir diese massiven Probleme mit der sogenannten Jungtaubenkrankheit hatten. Was haben unsere Jungtauben in all den Jahren für Massen an Medikamenten schlucken müssen um den Auswirkungen der Krankheit irgendwie Herr zu werden. Gegen Trichomonaden und Hexamiten, gegen Pilzinfektionen, Antibiotika-Mixe gegen diverse Erreger usw. Und trotzdem erkrankten viele Tiere, starben etc. Es war teilweise wirklich dramatisch.
Die Beiprodukte-Industrie verkaufte uns Züchtern zig verschiedene Produkte, die allesamt helfen sollten und es in der Regel kaum taten. Auf Kräuterbasis, auf Basis von Beeren, verschiedene Probiotika usw. Ich erinnere mich daran, dass es einmal ein Video gab und auch einen Bericht in der Verbandzeitschrift, dass ein Sportfreund nun die Lösung gegen die Jungtierkrankheit habe: er rührte einen Sud aus Datteln an. Im Nachhinein muss ich etwas darüber lachen und sagen: wir Taubenzüchter haben uns benommen wie irgendwelche Heiler im Mittelalter. Nur hatten diese Heiler seinerzeit vielleicht noch etwas mehr Ahnung als wir.
Seit es unsere Studiengruppe zur Jungtierkrankheit ab den Jahren 2017/2018 gab und seit andere Forscher (z.b. in Australien) der Krankheit gezielt nachgingen, ist der Erreger bekannt, es gibt einen Impfstoff und der tut auch seine Wirkung, auch wenn einige Züchter derzeit wieder anderes behaupten.
Da wird dann gesagt: "Die Tauben sind zwei Mal gegen das Rotavirus geimpft aber haben trotzdem die Jungtierkrankheit bekommen."
An der Stelle möchte ich sagen: nicht jede Jungtaube, die erbricht oder schlechten Kot absetzt tut das aufgrund des Rotavirus. In erster Linie können Colibakterien (und auch andere Erreger) auch aufgrund anderer Ursachen in den Beständen Probleme machen. Die Impfung tut trotzdem, nach allem was bekannt ist, weiter ihren Dienst und wirkt. Es wird leider im Brieftaubensport sehr viel Unfug verbreitet.
Wenn man nun auf diese relativ neuartige Augeninfektion schaut, dann geht nun das experimentieren wieder los, Mit diversen Medikamenten, mit Kräutern, Tropfen und Tinkturen usw. Wir fangen wieder mit unserem mittelalterlichen Gehabe an. Die Tauben scheinen erkankt zu sein. Manchmal sieht man es, manchmal nicht (wie bei dem oben genannten Sportfreund) und schon wird irgendetwas an die Jungtauben verabreicht, in der Hoffnung, dass es in Bezug auf die Erkrankung Besserung bringt.
In der Taubenklinik kann man derzeit betroffene Jungtauben zu Studienzwecken in Bezug auf diese Augenprobleme untersuchen lassen. Es werden Proben entnommen um den Erreger zu isolieren. Wichtig wäre natürlich, dass erkrankte Tiere sofort vorgestellt werden und nicht erst nach einer Behandlung mit diversen Mitteln.
Das ist der einzige und richtige Weg eine Krankheit zu erfassen. Wir müssen versuchen den Erreger zu isolieren und herauszufinden was unseren Tauben Probleme macht. Danach kann entsprechend versucht werden ein wirksames Medikament zu finden oder einen Impfstoff zu entwickeln.
Wir selbst haben in diesem Jahr bisher keinerlei Probleme in unserem Jungtierschlag mit den sogenannten "entzündeten Augen". Das ist vermutlich einfach Glück, denn ich würde keinesfalls soweit gehen zu behaupten, dass es in irgendeiner Form damit zu tun hat, wie die Tauben hier geführt und versorgt werden. | | | |
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