| | Unsere Witwervögel sind jetzt gerade vom Training am Haus wieder im Schlag. Sie haben gut geflogen, aber es ist auch sehr kalt. Jetzt fängt es schon wieder an zu regnen. Es ist kein Wetter für Brieftauben. Zum Wochenende melden die Vorhersagen aber ansteigende Temperaturen und auch insgesamt weniger Regen und Wind, sodass die Flüge wohl normal gestartet werden können.
Als mein Nachbar mit gestern berichtete, dass zwei Wanderfalken Jagd auf seine Reiseweibchen gemacht haben und am Abend noch drei Täubinnen fehlten, da kamen mir wieder Zweifel ob das alles so wirklich noch Sinn macht, was wir mit unseren Brieftauben betreiben. Es ist am Ende oftmals überhaupt kein Hobby mehr im Sinne eines Stressausgleichs und Vergnügens. Stattdessen werden die Tauben am Haus gejagd, auf den Flügen gejagd, verletzt und geschlagen. Ich weiß aktuell keine Lösung, aber ich ringe doch ständig mit mir ob das alles in der Form so noch richtig ist für mich persönlich. Aber so geht es sicher auch vielen anderen Sportfreunden.
Gestern rief mich ein Sportfreund mit einer Frage an: er wollte meine Meinung zum Thema Kokzidien wissen. Er war vor der Reise beim Tierarzt und hatte eine Kotprobe eingereicht wo ein leichter Kokzidienbefall festgestellt wurde. Er sollte diesen nicht behandeln und bekam einige Produkte auf natürlicher Basis mit, die er den Tauben regelmäßig geben sollte.
Nun ist ein leichter Kokzidienbefall auch aus meiner Sicht erst einmal kein Problem. Die Taube werden damit außerhalb der Reisesaison fertig und das Immunsystem wird durch die Erreger auch immer ein wenig gefordert und stimuliert. Anders sehe ich es allerdings in der Reise. Da werden Kokzidien, gerade wenn es, wie aktuell, länger kalt und nass ist, schnell zu einem Problem. Unter der Belastung der Flüge vermehren sie sich irgendwann trotz aller Hygiene im Schlag und dann kommt früher oder später der Formeinbruch. Es folgen wenige Preise, schlecht Flugergebnisse und möglicherweise auch Verluste.
Insofern würde ich zur Reisesaison hin auch einen leichten Kokzidienbefund immer behandeln. Dazu kann man vor der Saison das flüssige Baycox über zwei, drei Tage geben, welches der Tierarzt verschreiben kann. In der Reise wiederum geht auch eine Behandlung mit Baycox aller Erfahrung nach mit einer Formverschlechterung einher und dann ist auch niemandem geholfen.
Früher gab es hier in Deutschland die Appertex-Tabletten. Diese konnte man in der Reise hervorragend und ohne Formverlust (eher im Gegenteil) gegen Kokzidien einsetzen. Der Wirkstoff war Clazuril. Inzwischen sind diese Tabletten nicht mehr am Markt erhältlich und deutsche Tierärzte haben soweit mir jedenfalls bekannt ist, keine Alternative in Tablettenform, die hier zugelassen ist.
In den Niederlanden oder Belgien hingegen gibt es Taubentierärzte, die Tabletten gegen Kokzidien verschreiben können mit dem Wirkstoff Diclazuril und wenn ich hier Probleme hätte, dann würde ich mich an diese Ärzte wenden. Man muss sich und seinen Tauben halt irgendwie helfen.
Ich erinnere mich daran, dass Wolfgang Roeper einmal in einem Interview berichtete, dass er bei sich im Schlag ständig Probleme mit Kokzidien hatte. Obwohl er viel Wert auf Sauberkeit legte und den Schlag auch immer wieder mit dem Brenner ausbrannte. Aber das Dach eines Schlages und die Umgebung kann man einfach nicht dauerhaft frei von Kokzidieneiern halten und so infizieren sich die Tauben doch immer wieder. Außerhalb der Reise kann an da auch sehr gut unterstützend auf der Basis von Oregano-Extrakten arbeiten, aber es sollte niemand glauben, dass die ein oder zweimalige Gabe unter der Woche in der Reise den Tauben wirklich etwas nutzt. Dafür sind die Anstrengungen und Belastungen in der Saison einfach zu groß.
Ich denke übrigens dass auf die gesamte Saison betrachtet Kokzidien ein viel größeres Problem für die Reisetauben sein können, als ein paar Trichomonaden. Insofern kann es durchaus Sinn machen regelmäßig auch in der Saison Kot untersuchen zu lassen.
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