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Freitag, 17.07.2026
Sascha am 17.07.2026 um 05:59 (UTC)
 Gestern hatte ich ein interessantes Telefonat mit einer Frau, die sich in der Taubenhilfe im Tierschutz engagiert. Sie liest wohl hier hin und wieder auf meiner Seite und suchte eine Lösung für etwa 50 Tauben, die bei Ebay angeboten wurden. Die Tiere stammten wohl aus einer Schlagauflösung, waren zum Falkner gebracht worden und dieser wiederum wollte die Tauben nun, auf unbekannten Gründen, wieder für eine geringe Summe verkaufen. So hatte ich das Anliegen der Frau jedenfalls verstanden. Sie suchte nun Wege die Tiere irgendwie zu retten und unterzubringen, da sie aktuell nicht die Möglichkeit hat die Tauben in ihrem Taubenhaus der Taubenhilfe unterzubringen.
Es ist für mich nahezu unmöglich da in irgendeiner Weise zu helfen. Ich habe trotzdem ein etwas längeres Telefonat mit der Dame geführt und dabei und v.a. im Nachgang, als ich mir meine Gedanken gemacht habe, festgestellt, dass einfach die Sicht dieser Menschen auf Tauben (und wahrscheinlich alle anderen Tiere) eine sehr viel andere ist, als wir Taubenzüchter sie haben. Dort wird versucht jedem Tier, jeder Taube zu helfen, sie am Leben zu halten usw. Das ist grundsätzlich ja erst einmal eine sehr positive Einstellung.
Wir Brieftaubenfreunde leben mit Taubenverlusten Tag für Tag und Jahr für Jahr. Durch Greifvögel, durch Verletzungen und auch durch Selektion in unseren Beständen. Es ist für uns völlig normal. Es ist nicht schön, aber es geht nicht anders, wenn man Tierzucht betreibt.
Die Frau berichtete mir auch von vielen gemeldeten Tauben, die dann von ihren Besitzern nicht abgeholt werden und darüber, dass die Besitzer sich nicht um die Tauben kümmern.
An der Stelle hört es für mich auf. Wenn mir jemand eine meiner Tauben meldet, dann habe ich mich verdammt nochmal darum zu kümmern. Ich weiß dass es leider viele Brieftaubenzüchter gibt, die das alles nicht interessiert.
Unser Verband ist bemüht durch Kontaktleute, Rückführungssysteme etc. immer eine Möglichkeit zu schaffen dass Tauben abgeholt, untergebracht und nach hause transportiert werden können. Es gibt an der Stelle heutzutage zig Möglichkeiten. Wer sich dennoch nicht um seine Tiere kümmert, der gehört für mich aus dem Verband ausgeschlossen, denn er schadet dem Brieftaubenwesen insgesamt massiv.
Ich bin selbst hier auf unserem Dorf mit Tieren aufgewachsen. Wir selbst hatten und haben nicht nur Brieftauben, sondern auch Kaninchen, einen Hund, Hühner, Schafe, Ziegen, Meerschweinchen usw. Inzwischen haben wir nur noch zwei Zwergkaninchen und einige Hühner. Aber der Umgang mit den Tieren war, so denke ich, immer so, dass sie anständig behandelt und versorgt wurden und dass sie ein weitgehend artgerechtes Leben führen konnten. Aber das Sterben, die Selektion, auch das Schlachten (z.b. der Schafe) gehörte auch immer dazu. Man kann vielleicht nicht jedes Tier retten und behalten.
Oft haben wir Brieftaubenzüchter Probleme mit Tierschützern, die uns die Wettflüge mit Brieftauben untersagen wollen etc. Es gibt aber wohl auch Menschen, die sich einfach um jedes Tier kümmern wollen. Jede Taube am Leben halten möchten und ihnen irgendwie und irgendwo ein gutes Zuhause bieten möchten. Letzteres empfinde ich erst einmal in keiner Weise negativ, auch wenn ich diese Einstellung nicht immer nachvollziehen kann. Aber ich denke als Brieftaubenfreunde können und sollten wir auch Verständnis für eine solche Form des Tierschutzes aufbringen.
Am Nachmittag rief mich dann ein junger Mann an, der zwei Orte entfernt wohnt, und berichtete mir von einer Taube in seinem Schuppen. Er wisse nicht was er tun solle. Das Tier sei nicht scheu. Er habe die Telefonnummer auf dem Ring schon lesen können und den Züchter informiert. Dieser habe gesagt, dass die Taube schon irgendwann nach hause fliege. Ich habe den Mann gebeten zu versuchen die Taube zu fangen und festzusetzen und mich dann zu informieren. Er hatte wirklich Respekt davor die Taube zu fangen, aber rief einige Zeit später erneut an um mir mitzuteilen, dass die Taube nun in einem Karton säße. Ich bin hingefahren. Es war ein dreijähriges, rotes Weibchen aus Polen.
Der junge Mann war in Polen geboren und hatte tatsächlich den Züchter angerufen und sich mit ihm unterhalten. Die Täubin war am vergangenen Wochenende in Emmerich am Rhein gestartet. Weit gekommen ist sie nicht und sie war auch körperlich nicht mehr gut drauf. Ich habe das Tier mitgenommen und versorge sie nun erst einmal. Dann sehen wir weiter.
Allerdings habe ich mir Gedanken gemacht wie eine Taube in nur vier Tagen so abbauen kann, zumal aktuell hier die Ernte läuft und überall Körner herumliegen in den Feldern etc. Mein Eindruck ist, dass dieses Weibchen nie in dem Zustand war um überhaupt von Emmerich bis nach Polen fliegen zu können, denn von Emmerich bis hier zu uns sind es nur etwa 150 Kilometer Entfernung.

Hier in der Region stehen nun die letzten Flüge der Altreise an und als wolle man zum Saisonabschluss nochmal dokumentieren wie irrsinnig und familienfeindlich unser Brieftaubensport inzwischen geworden ist, wurde hier in den verschiedenen Regionalverbänden munter die ganze Woche über diskutiert und abgestimmt und besprochen wann und wo am Wochenende ein Flug gestartet werden kann.
Das führt nun zu der bizarrren Situation, dass der Regionalverband 402 am Samstag 350 KM fliegt, die Regionalverbände 403 und 412 am Sonntag 400 oder 500 KM machen wollen und der Regionalverband 405 am Montag 500 KM fliegen will. Alle Auflassorte liegen auf der Südostrichtung und alle Auflassorte liegen auf einer Linie und teilweise nah beieinander. Es scheint aber so zu sein, dass die Flugleiter inzwischen alle einen individuellen Wetterbericht bekommen, denn anders ist die unterschiedliche Deutung der Vorhersagen überhaupt nicht mehr nachvollziehbar. Überall wurden die Terminierungen und Ansetzungen mit dem Wetter begründet.
Die Züchter werden nur noch verrückt gemacht und planbar ist inzwischen für Sportfreunde, die noch reisen möchten, nichts mehr. Das erklärt auch zu einem großen Teil die erbärmlichen Teilnehmerzahlen zum Ende der Saison. Soweit sind wir nun gekommen mit unseren Strukturen aus der Steinzeit und den Meisterschaftsbedingungen, die für 90 Prozent der Sportfreunde völlig uninteressant sind.
 

Donnerstag, 16.07.2026
Sascha am 16.07.2026 um 05:33 (UTC)
 Es gibt schon wieder erfreuliche Nachrichten über die Nachzucht unserer abgegebenen Tauben: die Schlaggemeinschaft Karl-Heinz und Michael Stumme aus der RV Hameln hat in diesem Jahr eine bislang herausragende Reisesaison mit inzwischen schon vier ersten Konkursen in der Regionalverbandgruppe. Nachdem vor einigen Wochen schon eine Nachzuchttäubin aus einem Vogel von uns einen ersten Konkurs in der Regionalverbandsgruppe geflogen hatte (ich hatte hier auch darüber geschrieben), gelang es nun erneut einem Weibchen aus einem anderen Vogel, den die SG Stumme von uns erhalten hat, den 1. Konkurs gegen 1.564 Tauben in der Regionalverbandsgruppe ab Echternach (330 KM) zu fliegen. Es gehört selbstverständlich auch ein wenig Glück dazu, wenn die SG Stumme gleich die ersten vier Konkurse auf diesem gar nicht leichten Flug erringt und ein Kind des Vogels aus unserem Zuchtschlag als erstes über die Antenne läuft, aber über solche Ergebnisse kann ich mich unbändig freuen.
Außerdem meldete sich gestern der Sportreund Dieter Diekmann aus dem Regionalverband 256 bei mir. Dieter erhielt 2023 und 2024 einige, wenige Tauben von uns für die Reise und für die Zucht. Er berichtete mir, dass er leider eine Täubin von uns, nachdem sie 5 (teils frühe) Preise hintereinander geflogen hatte, plötzlich verloren hatte. Vermutlich wieder einmal durch den Greifvogel. Sportfreund Diekmann hatte aber auch wenige Tiere für seinen Zuchtbestand bekommen. Darunter u.a. eine bei uns gereiste Täubin aus unserem "150", der 2021 8. bester Altvogel in Westfalen wurde. Aus diesem Weibchen hat er nun einen Vogel gezogen, der am vergangenen Wochenende den 1. Konkurs regional gegen 1.189 Tauben auf 390 KM Entfernung fliegt. Das bemerkenswerte daran ist auch, dass Dieter Diekmann auch den zweiten Konkurs regional fliegt, aber sein Siegervogel aus dem Weibchen von uns fast 6 Minuten Vorsprung herausfliegt. Der Nestbruder des Regionalsiegers, so wurde mir dann gestern telefonisch berichtet, steht mit aktuell 10 Preisen bei 11 Einsätzen ebenfalls sehr gut da und hat von seinen vergangenen 18 Einsätzen tolle 17 mal einen Preis geflogen.
Ich kann zu diesen Leistungen nur gratulieren und freue mich, wenn Züchter mit unseren Tauben oder der Nachzucht unserer Tauben schöne Ergebnisse erzielen und etwas anfangen können.
Ich hatte hier ja schon häufiger geschrieben, dass wir nicht sehr viele Tauben pro Jahr abgeben. Ich züchte hier nicht extra zig Junge um sie zu verkaufen oder auf Gutscheine abzugeben oder zu verschenken, Aber wenn wir Tauben abgeben, dann sind das in der Regel immer Tauben, von denen ich sagen kann, dass ich sie auch gerne selbst behalten würde und dass sie aus unseren vermeintlich besten Tieren kommen. Auch diese abgegebenen Tauben sind selbstverständlich nicht alle gut, aber wenn, so wie in dieser Saison, nun schon vier oder fünf Züchter in diesem Jahr mit der Nachzucht unserer Tauben einen oder mehrere erste Konkurse fliegen konnten - und das teilweise auch in großen Fluggemeinschaften oder im Regionalverband, dann stellt mich das wirklich zufrieden und macht mich ein Stück weit stolz darauf, was wir hier versucht haben in den letzten Jahren züchterisch zu erarbeiten.
 

Mittwoch, 15.07.2026
Sascha am 15.07.2026 um 06:27 (UTC)
 Gestern haben sich gleich mehrere Sportfreunde bei mir gemeldet, die mir über ihre Probleme und Erfahrungen mit nicht ziehenden Jungtauben berichtet haben, die mir Tipps gegeben haben und beschrieben, wie sie es handhaben. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass das Problem weiter verbreitet ist, als man so denkt. Ein Züchter erzählte mir, das seine Jungtauben auch seit Jahren am Haus einfach nicht ziehen möchten. Sie fliegen wohl - aber immer nur (wie unsere auch) ganz in der Nähe seines Gartenschlages. In der letzten Woche, als das Wetter gut war, hat er seine etwa 50 Jungtauben eingekorbt und ist auf ca. 5 Kilometer Entfernung gefahren und hat sie dort fliegen lassen. Im Ergebnis war es so, dass abends 5 Jungtiere fehlten. Eine davon wurde 80 Kilometer westlich entfernt inzwischen gemeldet, eine weitere kam gestern im Lauf des Tages nach Hause. Verstehen kann der Züchter da alles nicht und ich selbst sowieso nicht. Er berichtete auch, dass seine RV bereits kurze Vorflüge über wenige Kilometer (gut 20 KM) angeboten habe und einige sonst gut reisende Züchter dort teilweise bis zu einem Drittel der Tauben fehlten. Andere Sportfreunde aber hatten ihre Tiere praktisch vollständig daheim.
Ein Züchter berichtete, dass seine Jungtiere im vergangenen Jahr sehr gut geflogen und gezogen hätten. In diesem Jahr würden sie es nicht tun. Er habe keine Erklärung. Ein Sportfreund ist hin gegangen und hat in den vergangenen Jahren seine Jungtauben zu den ersten Trainingsflügen mit ein paar alten Täubinnen gemeinsam fliegen lassen und das habe sehr gut funktioniert. Ein weiterer Züchter schrieb mir, dass seine Jungtiere sehr gut fliegen, aber dann teilweise völlig vereinzelt wieder kämen und dann auch Tiere fehlen und tot oder verletzt gemeldet werden und stellt den Zusammenhang mit der völlig unnatürlichen Überpopulation der Wanderfalken her. Ein berufsttätiger Züchter sagte mir, dass es für ihn in seiner Wohnsiedlung sehr schwer sei die Jungtauben ans Fliegen zu bekommen, da er sie arbeitsbedingt erst nachmittags fliegen lassen könne. Bei den hohen Temperaturen würden die Jungtauben teilweise nicht gerne fliegen.
Insgesamt kann ich einfach feststellen, dass sich auch in diesem Bereich viel verändert hat mir unseren Brieftauben. Und zwar dahingehend, dass wir fast alle viel mehr Aufwand betreiben (müssen), um die Jungtauben für die Flüge so vorzubereiten, dass sie dann von den Vor- und Preisflügen auch gut nach hause kommen können. Nicht einmal das ist aber trotz bester Vorbereitung sichergestellt durch die leider vorhandenen Massen an Greifvögeln.
Unabhängig davon welchen Anspruch man im Brieftaubensport hat, ob man Meisterschaften gewinnen will oder sich darauf beschränkt Freude dabei zu haben die Tauben bei der Heimkehr zu sehen und vielleicht den ein oder anderen Preis zu gewinnen hat sich unser Hobby auch in dieser Hinsicht in eine sehr falsche Richtung entwickelt. Es ist alles viel aufwändiger, arbeitsintensiver und wahrscheinlich auch deutlich teurer geworden. Früher hatte man vielleicht 30 bis 40 Jungtauben, ließ sie am Haus fliege, setze sie dann auf Vor- und Preisflüge und am Ende waren mindestens 30 Tiere noch da mit denen man dann für das Folgejahr planen konnte. Heute haben sich die Bestände aufgrund der vielen Umstände massiv aufgebläht. Teilweise züchten sogenannte Spitzenschläge bis zu 150 oder 200 Jungtauben nur für den Eigenbedarf um schließlich 50 oder 80 Jungtiere für das Folgejahr übrig zu haben.
Die Ursachen sind vermutlich vielfältig: veränderte Umweltbedingungen (möglicherweise beeinflussen die vielen menschengemachten Strahlungen unsere Tauben negativ), Greifvogelüberpopulationen, eventuell völlig falsche Zucht und Auslese durch uns Züchter in den letzten Jahren und auch die immer größer werdenden Flächen und Einzugsgebiete der RVen und Regionalverbände machen es unseren Jungtauben einfach immer schwerer. Aber wie auch sonst im Brieftaubensport haben wir darauf bisher kaum reagiert und unser Reisesystem angepasst geschweige denn einmal Lösungen gefunden, wie wir diesen Zustand für uns Züchter und unsere Tauben verbessern können.
Wenn ein Hobby wie unser Brieftaubensport nur noch mit einem sehr hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand überhaupt zufriedenstellend zu betreiben ist, dann ist das Hobby faktisch tot und hat keine Zukunft. Wir müssen uns um Lösungsansätze in allen Bereichen bemühen.
Einige Sportfreunde möchten derzeit eine Studie zu Jungtaubenverlusten durchführen. Es gibt dazu auch einen Fragebogen, den ich hier leider gerade nicht mehr finde. Aber sollte diesen Fragebogen jemand haben, dann kann er ihn mir gerne senden und ich veröffentliche ihn hier noch einmal. Es wäre schön, wenn dann möglichst viele Züchter zumindest dort Rückmeldungen geben könnten um vielleicht hier und da Lösungsansätze und Strategien für die Zukunft zu entwickeln.
 

Dienstag, 14.07.2026
Sascha am 14.07.2026 um 06:18 (UTC)
 Unser für heute geplanter erster Jungtaubenvorflug wurde wetterbedingt abgesagt. Das ist angesichts der Temperaturen und der Schwüle völlig verständlich. Bei diesen Bedinungen kann man keine Jungtauben auf ihre ersten Flüge schicken. Gestern am späten Nachmittag kam hier plötzlich für etwa eine halbe Stunde lang ein gewaltiger Wolkenbruch mit Starkregen und teilweise dicken Hagelkörnern herunter. Ich hatte kurz zuvor unsere Jungtiere hereingerufen. Sie waren alle im Schlag bis auf drei Tiere, die dann erst nach dem Schauer hereinkamen und aussahen als habe man sie in einer Waschmaschine geschleudert.
Gestern hörte ich auch von Sportfreunden hier aus der Nähe, die etwa 60 Jungtauben in zwei Gruppen zu etwa 30 Tieren in zwei Jungtierschlägen halten. Sie hatten die Tauben kürzlich noch in der Verbandsklinik untersuchen lassen. Alles war ok. Vom Freiflug am vergangenen Freitag spätnachmittags fehlten dann aber von der einen Gruppe mehr als zwei Drittel der Jungtiere und man wusste nicht was geschehen war. Am gestrigen Montagmorgen erhielt die andere Gruppe Freiflug und auch dort fehlten später etwas zwei Drittel der Tauben. Es ist für die Züchter völlig unerklärlich. Es wurden inzwischen wohl schon fünf Jungtiere in der Umgegend gemeldet. Mal näher, mal etwas weiter entfernt und in allen Himmelsrichtungen. Es ist schwer mit Bestimmtheit zu sagen was dort passiert ist, aber ich fürchte es sind an der Stelle Wanderfalken aktiv.
Unsere eigenen Jungtauben würden sich vermutlich auch extrem schwer tun einzeln wieder nach hause zu finden, denn sie fliegen weiterhin nicht gut. Sie sehen gut aus, sind gesund und gut bei Gewicht, aber sie fliegen nie weiter als maximal einen Kilometer vom Schlag entfernt. Sie sind 15 Minuten oder mal 20 oder auch nur 5 Minuten in der Luft, fliegen und landen wieder. Das geht während der gesamten Zeit in der sie Freiflug haben so. Sie ziehen niemals weit vom Schlag entfernt. Ich habe weiterhin keine Ahnung woran es liegt, aber andere Züchter hier in der Nähe haben das Problem nicht. Die Tauben sind teilweise ein bis zwei Stunden von zuhause weg und fliegen große Strecken. Es ist für die anstehenden Vorflüge nicht gut, dass unsere Jungtiere so ein Flugverhalten zeigen. Ich könnte sie natürlich einkorben und ganz vorsichtig selbst trainieren. Aber dazu braucht es Zeit und auch Motivation. Wir haben unsere Jungtauben in all den Jahren nie selbst trainiert. Wenn das hier nun auch noch notwendig wird um sie auf die Reise vorzubereiten und zu schicken, dann bezweifele ich, dass ich am Brieftaubensport noch irgendwie Freude habe. Das kann es für mich nicht sein. Eigentlich muss man erwarten können, dass ausreichend alte Jungtauben nach ausreichend Freiflug am Haus ohne privates Training von den Vorflügen nach hause kommen. Aber in der heutigen Zeit hat sich vielleicht sehr vieles geändert. Warum auch immer....
 

Samstag, 11.07.2026
Sascha am 11.07.2026 um 19:08 (UTC)
 Als ich heute morgen um kurz nach 6 Uhr vom Nachtdienst nach hause fuhr waren es 13 Grad Celsius, es war ein wenig Südostwind, die Sonne kam heraus und die Sicht war hervorragend. Brieftaubenwetter! Zuhause angekommen habe ich dann noch kurz auf die Wetterkarten geschaut und festgestellt, dass die Wetterbedingungen auf unserer Südost-Route praktisch überall gleich waren. Die Tauben wurden in diesen Minuten überall für den Auflass fertig gemacht und ab 6.30 Uhr wurden die Tiere in Lauf, Parsberg, Plattling, Vilshofen usw. gestartet. Die Flüge verliefen glatt mit kurzen Konkurszeiten. Jetzt am Abend frage ich mich immernoch wer um alles in der Welt von unseren Verantwortlichen auf die Idee gekommen ist für die Südostrichtung eine Kilometer.-Beschränkung auszusprechen. Heute war bei diesen Wetterverhältnissen die ideale Gelegenheit für die Organisationen einen 500-Kilometer-Flug durchzuführen.
Gestern hatte bereits der Regionalverband 401 einen 500er gestartet und bei fast gleichen Verhältnissen einen ausgezeichneten Flugverlauf gehabt. Etwas zweifelhaft bleibt dabei aber, dass der Flug bereits vorgezogen wurde, als die FSK die ab heute geltenden Beschränkungen noch gar nicht offiziell ausgesprochen hatte. Wenn aber ein Mitglied der FSK selbst im Regionalverband 401 beheimatet ist und frühzeitig wusste, was kommt, dann war es vielleicht schlau so zu handeln und den eigenen Flug vorzuziehen. Auch wenn man damit mal wieder den berufstätigen Züchtern zum Nachteil handelt.
Heute jedenfalls wären auf der südostroute mit Sicherheit bei Spitzengeschwindigkeiten über 1400 m/min gute 500er machbar gewesen. Ich frage mich wirklich welche Interessen da inzwischen in den Entscheidungen eine Rolle spielen. Zumal unser Verband gestern noch ein Schreiben herumgeschickt hatte, nachdem man geprüft habe, dass noch etwas zwei Drittel aller Regionalverbände die Bedingungen für die deutschen Meisterschaften erfüllen können und man daher nichts an den geltenden Bedingungen verändern wolle.
Von den zwei Drittel der Regionalverbände werden dann am Ende vielleicht gut die Hälfte die Bedingungen für die deutschen Meisterschaften erfüllen und in diesen Regionalverbänden sind es dann nur verschwindend wenige Sportfreunde, die dort irgendwie mitspielen und so hat man wieder eine Saison munter die Flüge hin und her geschoben um die Bedingungen für Meisterschaften zu erfüllen, die am Ende weniger als ein Prozent der teilnehmenden Schläge betreffen.
Aber wenn man das Alles trotzdem so möchte und für wichtig erachtet, dann wäre heute die Chance gewesen zumindest die Regionalverbände auf der Südostroute ihre 500er machen zu lassen. Selbst das hat man verpasst und ich frage mich: kann man es nicht besser oder will man es nicht besser?
Stattdessen hat man nun heute wieder Regionalverbandspreislisten in denen es RVen gibt, die 60 Prozent Preise und 95 der ersten 100 Preise in der Liste erzielen. Es ist und bleibt alles eine Farce und lächerlich. Aber scheinbar wünschen es die Verantwortlichen genau so.
In unserem Regionalverband fahren morgen noch drei verbliebene RVen auf 400 KM zum Regionalflug, während sich zwei RVen ausgeklinkt haben und etwas eigenes machen wollen. Chaos wohin man blickt. Die einen wollen unbedingt die Bedingungen für die deutschen Meisterschaften erfüllen - und seien die Taubenzahlen noch so gering, die anderen machen jetzt mit noch weniger Tauben irgendwelche Kirmes-Flüge von denen auch niemand mehr etwas hat.
Ich bin froh schon länger entschieden zu haben die Altreise zu beenden und zweifele aktuell immer mehr ob es für mich persönlich noch Sinn macht in all diesem Durcheinander noch Jungtiere zu reisen. Es ist absehbar, dass auch die Jungtierreise wieder chaotisch werden wird, wenn sich das Wetter nicht deutlich stabilisiert.
 

Donnerstag, 09.07.2026
Sascha am 09.07.2026 um 06:30 (UTC)
 Die meisten Sportfreunde werden es bereits gestern erfahren haben: unsere Flugsicherungskomission hat für das kommende Wochenende erneut Kilometer-Beschränkungen vorgegeben und zwar dergerstalt, dass man diese für unterschiedliche Flugrouten und Regionen angepasst hat. Ich möchte mich heute gar nicht mehr dazu auslassen ob das nun richtig oder falsch ist und was es für Auswirkungen hat. Was wir einfach feststellen müssen ist, dass die Veränderungen des Wetters in den letzten Jahren und auch die Änderungen im Bereich des Tierschutzes dazu führen, dass es für praktisch ganz Deutschland nahezu unmöglich ist auch nur annähernd die im Winter in langen Disskussionen aufgestellten Reisepläne einzuhalten und das für sehr viele Regionen auch die Erfüllung der Meisterschaftsbedingungen auf Verbands- und Regionalverbandsebene nicht machbar ist.
Als Folge daraus sollte man in diesem Jahr meiner Meinung nach auf die Ehrung der deutschen Meisterschaften verzichten und den Regionalverbänden freie Hand geben bis zum Ende der Reise (natürlich immer im Rahmen der geltenden Beschränkungen) und dann auf der DBA die Regionalverbandssieger gebührend auf der Bühne ehren.
Für die Zukunft kann die aktuelle Situation eigentlich nur bedeuten, dass man künftig die gesamte Reisesaison anders plant und gestaltet und Meisterschaften und Titel ganz anders ausfliegt, als es sonst üblich war. Denn perspektivisch werden sich die Wetterverhältnisse nicht bessern.
Deswegen muss das oberste Ziel für künftige Reiseprogramme sein möglichst viele Sportfreunde zufrieden zu stellen mit dem Flugprogramm, Meisterschaften hinten an zu stellen und einfach mehr Spaß am Hobby zu generieren ohne den ständigen Druck noch diesen oder jenen Flug durchführen zu müssen wegen irgendwelcher Bedingungen.
Hier in der Gegend sind heute dann auch schon einzelne Reisevereinigungen aus unserem Regionalverband mit ihren Jungtauben zum Vorflug unterwegs. Man bekommt die Altreise nicht auf die Reihe, die Züchterzahlen gehen massiv in den Keller und heute fährt man dann mit Jungtauben los bei dicht aufliegender Wolkendecke, die sich, wenn überhaupt, wohl erst zum Nachmittag lockern wird. Man versteht es einfach alles nicht mehr.
Jetzt, da ich hier diese paar Zeilen schreibe, sind unsere Vögel im Freiflug. Sie sind immernoch getrennt und werden wahrscheinlich am Wochenende oder Anfang nächster Woche angepaart. Sie fliegen ordentlich. Gehen hoch, fliegen flach, balzen auf dem Dach usw. Ich gehe dann immer mal wieder zum Fenster und sehe mir das an und gleich setze ich mich noch kurz in den Garten und beobachte unsere Tauben. Das ist auch schön und gefällt mir auch sehr gut und ich bin froh, dass ich aktuell dieses ganze Durcheinander im deutschen Brieftaubensport nicht so intensiv mitmachen muss wie die Sportfreunde, die jetzt noch gerne einfach ihre Tauben reisen und ein paar schöne Flüge haben möchten.
 

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