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Samstag, 30.05.2026
Sascha am 30.05.2026 um 07:46 (UTC)
 Gestern hat der Kindergarten hier in unserem kleinen Dorf sein 50-jähriges Bestehen mit einem großen Sommerfest gefeiert. Man hatte mich im Vorfeld gefragt ob ich mit einigen Tauben dort teilnehmen könne, welche sich die Kinder ansehen konnten und von denen ich einige fliegen lassen sollte. Das habe ich selbstverständlich getan und habe in eine Trainingsbox einige Witwervögel gesetzt, diese dort gezeigt und durch die Kinder fühlen und streicheln lassen etc. Später habe ich sie dann fliegen lassen und hatte zuvor hier die Ausflüge geöffnet und das Tipes Mobil angestellt und so konnten die Kinder dann auf meinem Handy sehen als die Tauben wieder zuhause eintrafen. Einige Kinder waren wirklich begeistert und konnten kaum glauben, dass die Tauben jetzt einfach so nach hause geflogen waren (es war eine gewaltige Strecke von 1,5 KM).
Was ich bei solchen Veranstaltungen immer wieder feststelle: die meisten Kinder heute haben gar kein richtiges Verhältnis mehr zu Tieren. Neben mir war ein Kaninchenzüchter, der in einem Gehege einige alte und junge Kaninchen dort ausgestellt hatte. Natürlich machten die Kaninchen bei den meisten Kindern erheblich mehr Aufsehen als die Tauben. Aber insgesamt zeigten sich die Kleinen oft sehr interessiert. Selbst die Eltern aber scheinen kein wirkliches Verständnis mehr für Tiere zu haben. Häufig hört man dann: "Vorsicht, die Beißen oder Vorsicht, die Picken" oder "Ach, sind die süß!" Ein vernünftiger, naturnaher und verständiger Bezug zum Tier ist nach meinem Eindruck (auch gestern wieder) in unserer Gesellschaft leider in weiten Teilen nicht mehr vorhanden.
Trotzdem hat es mir insgesamt sehr viel Spaß gemacht und ich hatte dann auch noch ein kurzes Gespräch mit unserem aktuellen Bürgermeister, der den erheblichen Rückgang der Brieftaubenhaltung auch schon beobachtet hatte. Gleiche Probleme wie wir Brieftaubezüchter sie haben beklagte übrigens der Kaninchenzüchter neben mir. Viele Kinder können mit drei, vier, fünf Jahren inzwischen ein Handy bedienen oder ein Tablet, aber kein Tier mehr vernünftig anfassen. Es ist einfach nur traurig und ich tue mich persönlich sehr schwer mit dieser gesellschaftlichen Entwicklung.
Während ich gestern an dieser Veranstaltung teilnahm hat sich ein sportfreund telefonisch bei mir gemeldet und mir von einem weiteren Fall dieses seltsamen Krankheitsbildes, welches wir bei den Tauben hier hatten, bei einem sehr stark spielenden Züchter seiner Region berichtet. Auch hier aus der Gegend hörte ich von mindestens einem weiteren Fall.
Brieftaubenzüchter sind allerdings ein sehr spezielles Volk. Bevor sie darüber sprechen, dass ihre Tauben vielleicht krank sind, haben sie erst einmal (meistens ohne Hilfe durch den Tierarzt) zwei, drei verschiedene Medikamenten-Mixturen selbstständig ausprobiert in der Hoffnung auf Besserung. Erst wenn das nicht oder wenig hilft kommen sie irgendwann heraus mit der Sprache. Als sei es ein Makel oder etwas Schlimmes wenn die eigenen Tauben mal krank sind. So etwas passiert halt und oft kann man als Züchter gar nichts dafür. Aber um nichts wird im deutschen Brieftaubenwesen mehr verschwiegen, gelogen und Blödsinn erzählt als um Krankheiten und Medikamente. Das ist auch einer der Punkte, die mir dieses Hobby, welches ich nun wirklich mein ganzes Leben lang betreibe, nur noch schwer erträglich machen. Ich gewöhne mich einfach mehr und mehr daran einfach ein paar Tauben um das Haus fliegen zu lassen und mich an ihnen zu erfreuen. Zumal dann, wenn, wie an diesem Wochenende, die Wettervorhersagen und die daraus folgenden Umstände bzgl der Flüge den ganzen anderen beruflichen und familiären Alltag durcheinander bringen.
 

Freitag, 29.05.2026
Sascha am 29.05.2026 um 05:57 (UTC)
 Gestern Nachmittag wurden wir informiert dass unser geplanter Regionalflug auf Montag verschoben ist und in Parsberg statt in Wörth an der Donau gestartet werden soll Das sind etwa 40 Kilometer weniger Entfernung. Für mich ist die Entscheidung in Anbetracht der Wettervorhersagen erst einmal nachvollziehbar. Weitere Informationen gibt es heute, denn dann werden auch mögliche weitere Entscheidungen der Flugsicherungskomission bekannt gegeben. Ob am Montag dann wirklich ein Flug ab Parsberg (360 KM für uns) möglich ist möchte ich in Anbetracht der aktuellen Wetterprognosen mal aucn noch ein wenig anzweifeln, aber da werden wir abwarten müssen.
Es ist für alle Verantwortlichen in den Regionalverbänden und in der Flugsicherungskomission schwierig mit Blick auf die Wetterlage richtige Entscheidungen zu treffen, Insbesondere nach den teils schwierigen Flugverläufen bei Wärme und Schwüle am vergangenen Wochenende.
Wenn dann aber Beschränkungen auch für Regionen ausgesprochen werden, die gar nicht von dem schwierigen Wetter betroffen sind, dann liegt das wieder einmal in letzter Konsequenz daran, dass man für die deutschen Meisterschaften, As-Tauben usw. alle Organisationen mit ihrem angeschlossenen Züchtern gleich behandeln und gleiche Bedinungen und Abläufe schaffen will. So wurde es wohl in der Mitgliederversammlung unseres Verbandes beschlossen. Es wäre, wie so viele Entscheidungen dieses Gremiums in den letzten Jahren, weitgehend unsinnig, denn es ist einfach kaum möglich für alle Sportfreunde in ganz Deutschland gleiche und richtige Entscheidungen zu treffen.
Aber die Strukturen sind so wie sie sind und so lange sie so bleiben wird gerade die Mitgliederversammlung des Verbandes mit den Vertretern der Regionalverbände der große Bremsklotz für wichtige Änderungen und Reformen im deutschen Taubensport bleiben. Das hat sich aus meiner Sicht alles komplett überlebt und wäre dringend reformbedürftig. Genauso wie unser ganzes Reisesystem. Aber dazu habe ich schon sehr häufig hier geschrieben möchte es heute nicht alles wiederholen.

Das Krankheitsgeschehen in unserem Witwerschlag scheint abzuflauen. Seit Dienstag sind mit keine Tauben mehr sichtbar erkrankt, haben erbrochen oder schlechten Kot abgesetzt. Ich hoffe, dass es so bleibt.
In dieser Sache habe ich mich mit Fachleuten in Verbindung gesetzt und ich möchte darum bitte, dass Sportfreunde, die hier lesen und die möglicherweise in ihrem Bestand gerade eine ähnliche Problematik beobachten oder vermuten sich einmal bei mir melden.
Wir könnten versuchen dort wichtige Untersuchungen durchzuführen. Darüber hinaus kann ich nur bitten die Finger von den Medizin-Flaschen und Töpfen zu lassen. Es bringt gar nichts irgendwelche Medikamente in die Tauben hinein zu schütten. Davon wird es, nach dem was ich aktuell sagen kann, nicht besser, sondern der Krankheitsverlauf verlängert sich eher. Vermutlich weil die diversen Medikamenten- und Antibiotikamischungen das Gleichgewicht im Darm der Tauben dann nur noch mehr durcheinander bringen. Ich kann sagen, dass hier bei uns ohne Medikamente bei den einzelnen Tauben der "Spuk" jeweils nach 12 bis 24 Stunden vorbei war. Es war insgesamt nicht einmal ein Drittel der Tauben offensichtlich betroffen. Die anderen zeigten sich bisher durchgängig in ordentlicher Verfassung. Ich denke, so ärgerlich ein solches Krankheitsgeschehen auch ist in der Reisesaison, dass man Geduld haben muss.
 

Mittwoch, 27.05.2026
Sascha am 27.05.2026 um 19:14 (UTC)
 Heute hat keine weitere Taube schlechten Kot abgesetzt oder erbrochen. Ich hoffe nun, dass es auch so bleibt, aber sicher bin ich noch nicht. Es waren schon letzte Woche zwei Mal zwei Tage Abstand zwischen neuen Krankheitsfällen. Ich habe inzwischen Kontakt zu anderen Züchtern, welche die gleiche Symptomatik bei ihren Reisetauben hatten oder haben und versuche auch mit Tierärzten der Sache auf den Grund zu gehen. Es sollte ja herauszukriegen sein was da los ist. So haben wir es damals bei der Erforschung der Jungtierkrankheit auch angefangen, wobei es damals einen Ansatz aus Australien gab nach was man suchen muss.
Aktuell scheint das schwieriger zu sein. Aber vielleicht ergibt sich trotzdem etwas.
Ein Vogel, der am Montagnachmittag Krankheitsanzeichen zeigte, sitzt noch alleine. Nachdem er gestern einen Tag lang praktisch nur Wasser ausgeschieden hatte, lag heute seine Einzelbox voller Daunen, die er in der Nacht alle fallen gelassen hatte. Er wirkt auch wieder fit, aber ich will gerade diese Taube doch mal genauer beobachten und habe ihn noch alleine sitzen lassen.
Gestern Abend, als ich nach hause kam, habe ich dann auch noch geschaut ob unsere Jungtauben, die noch vom Freiflug fehlten, wieder heim gekommen waren. Es fehlten 3 Tiere von 31 und eine weitere war mit gebrochenem Bein heimgekehrt. Das deutet darauf hin, dass wieder einmal ein Greifvogel attackiert hatte, denn sonst brechen sich die Tiere hier nicht so schnell die Beine. Hochspannungsleitungen gibt es hier in der Nähe nicht mehr.
Heute ist im Lauf des Tages noch eine Jungtaube von gestern nach hause gekommen, sodas nun noch zwei Tiere fehlen und eines schwer verletzt ist. Das ist irgendwo normal bei den Jungtieren, aber andererseits will ich mich daran nicht gewöhnen. V.a. zeigt es leider auch, dass hier weiterhin diverse Greifvögel aktiv sind und es wird sicher in der nächsten Zeit nicht besser.
Ob unser nächster Preisflug am Wochenende stattfinden kann oder eventuell auf Montag geschoben werden muss erfahren wir morgen. Die Wettervorhersagen sind tatsächlich noch etwas unsicher. Aber meiner Meinung nach geht es - Stand jetzt am Mittwoch Abend - weder Samstag, noch Sonntag. Eigentlich ist lt. Reiseplan der erste gemeinsame Regionalflug beider Gruppen geplant, aber da die eine Gruppe am vergangenen Wochenende unbedingt 300 KM machen wollte und teilweise zu viele Tauben fehlten, ist auch das noch nicht sicher. So geht es jedes Jahr: im Winter wird ein Reiseplan zusammengestellt, es wird diskutiert, es werden Kompromisse gesucht und dann gehen drei, vier Wochen ins Land und vieles muss über den Haufen geworfen werden. Aber das bleibt nicht aus solange wir in Deutschland Brieftaubensport aus dem Mittelalter betreiben, der sich in der Planung nur an irgendwelchen sogenannten höherwertigen Meisterschaften für vielleicht fünf Prozent der Züchter orientiert. Gerade auf unserer Südostrichtung geht das im Grunde genommen Jahr für Jahr so. Aber auf die Idee einmal grundsätzlich etwas zu verändern kommt niemand. Wie sagte heute ein Züchter zu mir? "Das sind jetzt noch die letzten Zuckungen des deutschen Brieftaubensports."
 

Dienstag, 26.05.2026
Sascha am 26.05.2026 um 15:07 (UTC)
 So eine Situation wie aktuell bei unseren Reisevögeln habe ich in 4 Jahrzehnten Brieftaubensport noch nicht kennengelernt. Auch gestern Nachmittag erbrach wieder ein Vogel sein Futter und setzte wässrigen Kot ab. Heute morgen hatten die anderen Vögel Freiflug. Sie flogen sehr gut, kamen herein, fraßen und tranken und alles schien in Ordnung zu sein. Zwei Stunden später hatten zwei weitere Tiere erbrochen. Ein jähriger Vogel und ein vierjähriger Vogel. Während der jährige Witwer etwas angeschlagen schien, brummte der alte Vogel in seiner Zelle und schien ansonsten völlig normal - bis auf den wässrigen Kot.
Es haben sich mehrere Sportfreunde bei mir gemeldet und mir über sehr ähnliche Probleme in ihrem Schlag oder sogar bei mehreren Züchtern in ihren RVen berichtet. Es war fast immer das gleiche Bild: Tauben erbrachen, setzen schlechten Kot ab und nach sehr kurzer Zeit war plötzlich alles wieder in Ordnung. Allerdings zog sich das ganze Geschehen stets über mehrere Tage hin.
Ein erfahrener und sehr gut informierter Züchter hat sich heute morgen bei mir gemeldet und mir berichtet, dass es eine solche Symptomatik schon in einer anderen Region im vergangenen Jahr gegeben habe. Man habe Tauben untersuchen lassen in einem Institut und man habe da einen Erreger isoliert bei dem allerdings aktuell keine Medizin helfe. Insofern mache es keinen Sinn einfach mit irgendwelchen Medikamenten zu hantieren.
Andere Züchter berichteten von Medikamentengaben auf Anraten der Tierärzte. Aber wirklich zielführend war das alles auch nicht. So sagte mir beispielsweise der Züchter aus unserer RV, der auch betroffenen war, dass die Tiere, die mit einem Antibiotikum per Tabletten behandelt worden waren, deutlich am längsten Zeit benötigt hätten um sich zu erholen. Hier bei uns hat das ganze Geschehen bei keiner Taube bisher länger als 24 oder maximal 36 Stunden gedauert. Danach stehen die Tauben wieder da als wenn nichts wäre. Sie fressen gut, setzen wieder normalen und gut geformten Kot ab und trainieren auch wieder gut.
Bei uns ist es nun genau eine Woche her, dass der erste Vogel Symptome zeigte und seitdem waren nicht einmal ein Drittel der Tauben sichtbar betroffen. Aber ich habe überhaupt keine Ahnung wie lange das Ganze noch andauern kann und wird. Zumal bei den aktuell hohen Temperaturen v.a. der Wasserverlust zu einem Problem werden kann. Leider befinden wir uns mitten in der Reisesaison und ich kann unsere Tauben unter solchen Umständen ja nicht guten Gewissens zu einem Flug einkorben.
Gleichzeitig sorge ich mich selbstverständlich um unsere Jungtauben. Was passiert wenn diese sich irgendwie infizieren? Ich wechsele zwischen den Schlägen, wenn ich sie betrete, die Schuhe und versuche auch bei der Kleidung aufzupassen. Aber ob es etwas nutzt weiß ich nicht.
Vom Freiflug am Haus fehlen dann aktuell auch noch einige Jungtauben. Schon gestern ist ein Jungtier der ersten Zucht abhanden gekommen, aber heute fehlen deutlich mehr Tiere und auch da weiß ich nicht was passiert ist. Entweder war mal wieder ein Greifvogel da oder aber die Jungtauben sind am Vormittag mitgezogen als hier Trainingstauben durchflogen. Es gibt ja leider mehr und mehr Züchter, die ihre Tauben ständig privat fahren und fliegen lassen und diese Unsitte hat hier in den letzten Jahren schon mehrfach zu Jungtaubenverlusten geführt, weil die Jungtiere, die gerade anfangen vernünftig zu fliegen, einfach irgendwohin mitfliegen. Bei Temperaturen wie heute kommen sie dann nur schwer wieder nach hause.
Ich bin sehr dankbar wenn Züchter sich melden, mir Erfahrungen mitteilen oder versuchen Hilfestellung zu geben. Aber ich muss auch sagen, dass es einfach alles nur noch frustrierend ist: erst muss man die Tauben den ganzen Winter über festsetzen, dann hat man zwei Monate lang praktisch täglich Probleme mit den Greifvogelangriffen und wenn das endlich ein wenig besser wird (ohne dass es ganz aufhört), dann kommt mitten in der Reise so ein Krankheitsgeschehen. Für mich hat das nicht mehr viel mit einem schönen Hobby zu tun.
Wenn ich dann noch über unseren Schlag und unsere RV hinausblicke und viele Flugverläufe vom vergangenen Wochenende betrachte - teilweise mit viel zu langen Konkurszeiten und fehlenden Tauben - dann kann ich für mich nur feststellen, dass der Brieftaubensport in dieser Form für mich keinen Sinn macht. Wenn ich aufgrund der Erkrankung unserer Tauben auch am kommenden Wochenende nicht an der Reise teilnehmen kann, dann ist die Saison gelaufen, denn dann bringt es auch wenig wieder einzusteigen. Ich möchte mich aber auch nicht darauf einlassen - so wie es halt leider viele Züchter tun - den Tauben praktisch Woche für Woche Medikamente zu verabreichen, von denen ich nicht einmal weiß ob sie dann etwas nutzen. Das hat für mich nichts mit Brieftaubensport zu tun. Dann lasse ich lieber nur ein paar Tiere um das Haus fliegen und erfreue mich daran sie fliegen zu sehen.
 

Montag, 25.05.2026
Sascha am 25.05.2026 um 05:06 (UTC)
 Das zurückliegende Pfingstwochenende war für uns ein sehr ungewöhnliches Brieftaubenwochenende. Es begann damit, dass mich zu meinem letzten Eintrag am vergangenen Freitag ein sehr erfahrener Flugleiter anrief, der auch sehr nah an der Flugsicherungskomission ist (allerdings nicht Mitglied dort ist) und mir erklärte warum die FSK in der vergangenen Woche eine Kilometer-Beschränkung auf 300 - 350 KM empfahl.
Er hatte selbst im vergangenen Jahr bei ähnlichen Wetterbedingungen (innerhalb von zwei Tagen stark ansteigende Temperaturen) eine Flug auf 380 KM aufgelassen, der einen sehr schweren Verlauf nahm. Auch weitere Erfahrungen verschiedener Flugleiter waren bei solchen Verhältnissen sehr negativ, weil die Tauben sich noch nicht an die Wärme gewöhnt haben. Ich konnte das gut nachvollziehen. Unsere Tauben wurden aber in der zurückliegenden Woche erst einmal so vorbereitet, als ginge es für uns auf 400 KM.
Ich hatte außerdem am Freitag geschrieben, dass mir die Form der Tauben nicht so gefällt und dass zwei jährige Vögel im Verlauf der letzten Woche gesundheitliche Probleme hatten. Es war so, dass einer der beiden am vergangenen Dienstag morgen schlechten, grünen Kot abgesetzt und etwas in seine Zelle erbrochen hatte. Ich hatte ihn zunächst separiert. Alle Tauben wurden dann nicht mit Medikamenten behandelt (auch der kranke Vogel nicht), sondern erhielt über mehrere Mahlzeiten über das Futter Moorkonzentrat, Heilerde und Probiotika. Der Vogel erholte sich innerhalb eines Tages. Der Kot war gut, er fraß.. Es war alles ok.
Am Donnerstag nachmittag dann hatte ein weiterer jähriger Vogel erbrochen und wässrigen, aber nicht grünen Kot abgesetzt. Es erfolgte das gleiche Procedere: er wurde separiert alle Tauben erhielt Donnerstag abend und Freitag morgen wieder Moorkonzentrat, Heilerde und Probiotika. Auch dieser Vogel erholte sich schnell innerhalb weniger Stunden und Freitag mittag war der Kot wieder gut, er fraß usw.
Ich hatte dann einen Verantwortlichen unserer RV informiert, dass ich aufgrund der Krankheitsfälle vielleicht die Tauben nicht schicke. Sagte aber zu, dass ich mich noch einmal melde.
Am Freitag abend erhielt wir die Mitteilung, dass unsere Regionalverbandsgruppe trotz der Empfehlung der FSK plante auf 400 KM zu fahren. Nach dem Gespräch mit dem Flugleiter am Mittag und den beiden Krankheitsfällen war mir dann etwas mulmig und ich habe hin und her überlegt ob ich schicken soll und war dann bei der Überlegung ob ich nur eine Kabi-Box alte Vögel auf den Flug setze.
Um die Tauben an die Wärme zu gewöhnen hatte ich ihnen am Freitag abend dann auch noch einmal etwas Freiflug gegeben. Als ich die Tauben wieder herein holte benahm sich ein jähriger Vogel ganz seltsam: er flog immer wieder von der Dachspitze über die Ausflüge und flatterte dort als würde er vor irgendetwas scheuen. Dann drehte er eine Runde, flog wieder auf die Dachspitze und das ganze begann von Neuem. Es dauerte alles eine ganze Weile bis der Vogel am Dach herunter kletterte bis etwas über den Ausflug und dann auf das Brett flog und einsprang. Er fraß und trank anschließend ganz normal und sah gut aus. Ich konnte das Verhalten nicht wirklich einordnen.
Am Samstag morgen dann die Bescherung: genau dieser Vogel hatte in seine Zelle erbrochen und der Kot war sehr wässrig. Daraufhin habe ich früh am Vormittag den Verantwortlichen Züchter unserer RV angerufen um ihm mitzuteilen, dass ich keine Tauben reisen werde. Dieser berichtete mir dann zu meinem Erstaunen, dass er exakt die gleichen Probleme bei seinen Tauben habe. Und zwar bei deutlich mehr Tieren als hier bei mir. Etwa zwanzig Prozent seiner Tauben waren betroffen. Zunächst seien die Reisevögel angefangen, aber inzwischen seien auch die Reiseweibchen erkrankt. U.a. habe seine beste Reisetäubin, ein drei Jahre altes Weibchen, noch am Samstag morgen erbrochen. Auch er entschied dann nicht reisen zu wollen. V.a. auch angesichts der Schwüle und der Temperaturen. Kranke Tauben oder möglicherweise erkrankte Tiere gehören nicht in den Kabi.
Nachdem wir beiden das so besprochen hatten erhielten wir gegen Mittag die Nachricht, dass unsere Gruppe doch nicht auf 400 KM fahre, sondern kürzer. Aber erst am Abend solle die Information kommen wo es hingeht.
Hintergrund war, dass am Samstag zu diesem Zeitpunkt schon absehbar war, dass viele Flüge an diesem Tag einen schweren Verlauf nahmen und endlich war man dann auch bei uns so vernünftig gewesen zu besprechen, dass man einen kürzeren Flug macht.
Ich musste dann, obwohl ich entschieden hatte die Tauben nicht zu setzen, zur Einsatzstelle fahren, da ich für den Dienst am Computer eingeteilt war. Letztlich setzten alle Sportfreunde ihre Tauben ein. Nur ich selbst nicht und der Züchter mit dem ich telefoniert hatte. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass nur wir beiden Probleme im Schlag hatten. Möglicherweise hatte der ein oder andere Sportfreund auch nicht gesehen, dass bei ihm Tiere krank waren oder es (was ich nicht hoffe) ignoriert. Kurz bevor ich zur Einsatzstelle fuhr war ich nochmal im Schlag und sah dort, dass eine weitere Taube schlechten Kot abgesetzt hatte auf dem Schlagboden. Ich konnte zu dem Zeitpunkt noch nicht erkennen welche Taube es war. Abends stellte ich fest, dass es ein dreijähriger Vogel war.
Am Abend dann kam die Nachricht, dass die Tauben unserer Gruppe in Schlüsselfeld (etwa 250 KM) gestartet werden sollten am Sonntag, was in Anbetracht der Wetterlage und der Flüge am Samstag auch vernünftig erschien.
Der Flug nahm gestern einen normalen Verlauf, allerdings war es so, dass einige Züchter die Tauben wirklich hervorragend und schnell nach hause bekamen und bei anderen Sportfreunden auch nachmittags teilweise noch allzu viele Tauben fehlten. Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen, aber möglicherweise waren auch bei diesen Züchter einige Tauben unterschwellig erkrankt und die hohen Temperaturen im Kabi und unterwegs haben sicherlich nicht dazu beigetragen, dass die Tauben gut heimkehren konnten.
Damit der Bericht heute nicht allzu lang wird ende ich hier zunächst mit der Beschreibung der Situation. Ich werde morgen aber noch einmal auf die Erkrankung der einzelnen Tauben hier im Schlag zurückkommen und auch darauf, was ich dann an diesem Wochenende noch so erfuhr in dieser Hinsicht.
Ich möchte aber folgendes sagen: es war ein großes Glück, dass unser Flug für den Sonntag angesetzt war. Hätte der eine jährige Vogel am Samstag morgen nicht erbrochen, dann hätte ich wahrscheinlich Tauben gesetzt. Und diese wären auf 400 KM gefahren und aufgelassen worden, wenn nicht schon am Samstag vormittag viele Flüge so schwer verlaufen wären. Weil irgendwelche Verantwortlichen oder Züchter das Schreiben der FSK ignorieren wollten.
Wer sich die Flugverläufe einiger Organisationen von Samstag, die auf 360 oder 380 Km aufgelassen hatten einmal ansieht, der kann sich ausmalen was dieser Flug für uns auf über 400 KM für einen Verlauf genommen hätte. Er wäre für viele Tauben ein riesiges Problem geworden und für unsere eigenen Tiere mit möglicherweise einzelnen weiteren erkrankten Tieren vermutlich eine Katastrophe. Ich bin froh, dass ich unsere Tauben zuhause lassen konnte.
 

Freitag, 22.05.2026
Sascha am 22.05.2026 um 06:31 (UTC)
 Gestern am späten Nachmittag erreichte mich hier eine Meldung der Flugsicherungskomission, die mich doch etwas überrascht hat:
"Grundsätzlich ist für dieses Wochenende gutes bis sehr gutes Wetter zu erwarten-
Allerdings zeigt die Erfahrung der letzten Jahre, dass es bei schnell ansteigenden Temperaturen und vorraussichtlich aufkommender Schwüle durchaus schwierige Flugverläufe geben kann. Dies gilt insbesondere für die Routen auf denen keine Windunterstützung zu erwarten ist. Daher seid bitte vorsichtitg denn es sollen alle Tauben gut und heil nach hause kommen. Die FSK empfiehlt daher eine Begrenzung der Flüge auf eine mittlere Entfernung von 350 KM. Bei fehlender Windunterstützung ist gegebenenfalls eine weitere Verkürzung zu prüfen.

Wenn ich mir die Wettervorhersagen ansehe, dann ist dieser Hinweis exakt zutreffend auf unseren geplanten Flug. Es ist für unsere Flugroute leichter Kopfwind vorhergesagt, wir haben über 400 Kilometer geplant und es werden sowohl am Auflassplatz, als auch im Heimatbereich schon morgens recht hohe Temperaturen erreicht.
Nun kenne ich noch Zeiten in denen sich über solch ein Wetter niemand Gedanken gemacht hätte. Die Tauben wären früh aufgelassen worden und dann hätte es in der Regel einen normalen Flug gegeben. Heute ist das aber möglicherweise anders. Da bin ich wieder bei dem Punkt Wasserversorgung, Trinken unterwegs usw. Man sieht an dieser Nachricht wie extrem vorsichtig man von Seiten der Flugsicherungskomission geworden ist mit den Tauben. Ob das immer richtig ist sei mal dahingestellt.
Für die Flugleiter besteht nun folgendes Dilemma: fahren sie 400 KM an und lassen früh auf und der Flug geht nicht ganz glatt, dann bekommen sie Schwierigkeiten mit der FSK. Andererseits: wann will man solche Flüge machen, wenn nicht bei solchen "Brieftaubenwettter"?
Bezogen auf unsere eigenen Tauben kann ich nur feststellen, dass sie nicht in bester Verfassung sind. Woran das im Einzelnen liegt kann ich nicht detailliert einschätzen Aber ich sehe es an ihrem Verhalten beim Training, beim Hereinkommen und im Schlag. Zwei jährige Vögel hatten bzw haben leichte gesundheitliche Probleme und dann ist da ja auch noch der zweijährige Vogel, der Flügelprobleme hat, die sich aber langsam bessern.
Insgesamt ist aber wieder einmal etwas der Wurm drin. Ich kann nicht mehr tun als die Tauben gut zu versorgen und versuchen gesund zu halten. Aber es ist jetzt das dritte Jahr nacheinander, dass es eher schwierig ist die Vögel in beste Verfassung zu bringen und diese zu halten und ich weiß nicht woran es liegt. Manchmal spinne ich mir zusammen, dass es seit der Zeit ist, als wir die Photovoltaikanlage auf das Hausdach gebaut haben, aber warum sollte das die Tauben in Schwierigkeiten bringen?
Wie auch immer: ich bin gespannt was das Flugwochenende bringt.
 

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