| | Gestern rief mich am Nachmittag ein Sportfreund an, den ich seit vielen Jahren nicht gesprochen hatte. Er hatte meine Telefonnummer in seinen Unterlagen gefunden und wollte sich einfach einmal melden. Nach so langer Zeit ( es waren sicherlich fast 10 Jahre) freut mich so ein Anruf sehr. Der Züchter berichtete mir, dass er gesundheitlich angeschlagen ist, dass er nur noch einen kleinen Taubenbestand hält mit dem er aber weiter an der Reise teilnimmt und dass ihm seine Frau sehr viel hilft bei den Tauben, sonst ginge es leider nicht mehr.
Wir tauschten uns dann über dies und das aus und kamen selbstverständlich auch auf die aktuelle Situation im deutschen Brieftaubensport, die Entfernungsbegrenzungen, die Flugverbote aufgrund der Hitze usw. zu sprechen. Der Sportfreund reist in einem ganz anderen Regionalverband in einer anderen Region und auf einer anderen Reiserichtung als wir und trotzdem berichtete er mir von exakt den gleichen Umständen, wie sie hier und anderswo zu beobachten sind. Er selbst und viele andere Sportfreunde wollen, wenn es das Wetter wieder zulässt, gerne noch einige Flüge entspannt die Tauben schicken und dabei käme es ihm nicht darauf an, ob das nun 250 oder 300 Kilometer-Flüge seien oder es auch einmal weiter gehe. Er stelle aber fest, dass einige Züchter, doch schon wieder darauf drängten nun einen Flugplan zu erstellen und umzusetzen, der zuallererst auf die Erfüllung der Bedingungen zu den deutschen Meisterschaften abziele. Er verstehe das nicht. Es gehe doch darum dass möglichst viele Züchter noch weiter reisen und Spaß an der Reise hätten und nicht um das erreichen irgendwelcher Bedingungen.
Nachdem wir eine Weile telefoniert und uns verabschiedet hatten rief mich ein weiterer Züchter aus einem anderen Regionalveband an, mit dem ich recht regelmäßig in Kontakt stehe. Er berichtete, dass in seinem Regionalverband ein sehr erfolgsorientierter und auch auf Taubenverkauf ausgerichteter Sportfreunde bereits verkündet habe, wie man die nächsten zwei, drei Flüge angehen solle, damit man noch "die Bedingungen erfülle".
Es ist überall das Gleiche: einige sehr ehrgeizige Sportfreunde möchten unbedingt irgendwie noch die Flüge so durchführen, dass sie am Ende auf höchster Ebene erfolgreich sein können und alle anderen, für die das Flugjahr ohnehin schwierig ist mit Verschiebungen und Ausfällen etc., müssen irgendwie hinterher, wenn sie noch mitmachen möchten.
Man weiß nicht wie das Wetter sich entwickelt, aber es wäre aus meiner Sicht gescheiter, wenn unser Verband sagen würde: "Wir lassen dieses Jahr alle deutschen Meisterschaften ausfallen. Entscheidet in den Regionalverbänden wie ihr eure Flüge zu Ende bringen wollt und wie ihr die Meisterschaften nun weiter ausfliegt und dann ehren wir in Kassel alle gut 60 Regionalverbandsmeister auf der Bühne." Damit wäre zumindest ein Stück weit der Druck aus dem Reiseprogramm genommenn nun in den verbleibenden vier, fünf Wochen der Reisesaison noch alle möglichen, sehr anspruchsvollen Flüge durchzuführen. Man hat hier und da kaum 400er gehabt, von 500-KM-Flügen ganz zu schweigen. Das Wetter müsste jetzt schon extrem stabil werden, damit man diese Flüge noch komplett durchführen kann. Aber ich fürchte in den meisten Regionalverbänden wird man es auf Biegen und Brechen versuchen. Das ist aus meiner Sicht aber nicht der Sinn des Hobbys.
Auch gestern hatten unsere Jungtauben wieder fast den ganzen Tag Freiflug bis gegen Abends 19 Uhr. Es ist interessantt das Verhalten der Tauben bei den sehr hohen Temperaturen zu beobachten. Sie fliegen verständlicherweise nicht lange am Stück, aber sie bewegen sich doch immer wieder für fünf oder zehn Minuten, laufen wieder in den Schlag, trinken, gehen wieder heraus, sitzen auf dem Dach in der Sonne usw. Unsere jungen Vögel der ersten Zucht balzen nun bereits und suchen nach Partnerinnen. Sie hecheln nach dem Fliegen dann auch mehr oder weniger um sich abzukühlen, aber die Temperaturen machen den Tauben doch etwas weniger aus als uns Menschen. Ich sitze dann im Schatten und beobachte die Tauben und das ist für mich einfach eine schöne Sache, wenn die Tiere tun und lassen können was sie wollen. Insgesamt bin ich auch der Meinung, dass es diese Form der Haltung den jungen Tauben aktuell besser tut als sie nur morgens recht früh für ein oder zwei Stunden in den Freiflug zu lassen und sie dann wieder im Schlag festzusetzen. Allerdings habe ich auch immer ein wenig Sorgen, dass mal ein Greifvogel kommt. Besonders ein Wanderfalkenangriff bei der Hitze wäre für viele Tauben wohl ein Problem, wenn sie in Panik weit weg fliegen. Ich hoffe aber immer, dass auch die Greivögel in der größten Hitze nicht jagen. Ich bin aber, darüber hatte ich schon geschrieben, davon überzeugt, dass die Attacken der Greivögel massiv werden für mehrere Tage. sobald es sich abgekühlt hat.
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