| | Gestern um kurz vor Mittag kam eine der beiden vom Flug am Sonntag fehlenden Jungtauben nach hause. Der gehämmerte Vogel aus der zweiten Zucht war zwar unverletzt, aber er hatte sich wirklich abgekämpft und viel an Gewicht verloren. Ich habe ihn erst einmal mit reichlich Futter versorgt und ihn alleine gesetzt. Den Vogel jetzt im Schlag zu belassen hätte keinen Sinn gemacht. Er muss sich erst einmal erholen. Aber solche Tauben weiß ich sehr zu schätzen, denn er hat bewiesen, dass er den Willen hat nach hause zu kommen. Man weiß leider nicht was der Taube vielleicht unterwegs zugestoßen ist, wo sie gesessen hat und aus welcher Entfernung sie sich schließlich nach hause gekämpft hat. Aber eines weiß ich sicher: auch wenn ich diesen jungen Vogel auf der Jungreise nicht mehr reisen kann, so verbleibt er doch auf jeden Fall hier im Schlag.
Gestern Abend hatte ich noch ein kurzes Telefonat mit einem Sportfreund der Reisevereinigung über die ich berichtet hatte, dass sie am vergangenen Sonntag einen Konkurs über sechs Stunden hatte, während andere RVen, die gleichzeitig aufließen und deren Tauben teilweise sogar im gleichen Kabinenexpress saßen, deutlich weniger schwierige Flüge hatten. Er kann sich diesen sehr speziellen und schlechten Flugverlauf auch überhaupt nicht erklären. Der Züchter hatte bereits zwei Taubenmeldungen von anderen Sportfreunden erhalten, bei denen die Tiere mit eingesprungen waren. Beide Tauben waren absolut in die richtige Richtung gezogen und saßen eine etwas westlich, die andere etwas östlich der direkten Strecke nach hause. Also zumindest bezogen auf diese beiden Tiere war da nichts auffälliges außer der Tatsache, dass sie nur etwa die Hälfte der Strecke geschafft hatten.
Auch am Montag waren Auflässe - dieses Mal auf der Südostrichtung - die sehr schwere Flüge mit zu vielen fehlenden Tauben nach sich zogen. Montag war das Wetter zumindest hier in der Region und weiter südöstlich wirklich schwierig. Die Flugleiter entschieden sich erst kurz nach Mittag oder am Nachmittag aufzulassen. Gerade Auflässe in der Mittagszeit halte ich für ein riesiges Problem. Mittags ruht die Natur. Mittags ruhen in der Regel auch unsere Tauben. Wenn man Jungtauben morgens zum Freiflug herauslässt und sie den ganzen Tag über machen lässt was sie möchten, dann sind während der Mittagszeit (also etwa von 12 - 14 Uhr) stets fast alle Tauben im Schlag verschwunden und ruhen. In dieser Zeit Tauben dann aufzulassen ist grundsätzlich immer schwierig. Wenn es dann noch so ist, dass das Wetter erst schlecht ist, dann besser wird und man unmittelbar nachdem das schlechte Wetter durchgezogen ist und die sonne herauskommt auflässt, dann ziehen die Tauben wohl (warum auch immer) nach dem Start nicht ins Helle hinein (und damit in Flugrichtung), sondern ins Dunkle - dort wo das schlechte Wetter ist. Das hat mir ein sehr erfahrener Flugleiter mal berichtet, als wir einen sehr schlechten Flug hatten bei dem unsere Tauben direkt nach dem Durchzug einer Schlechtwetterfront gestartet wurden.
Im Übrigens sind das alles Daten, die wir in unserem Verband gezielt sammeln müssten. Flugverläufe, Wetter, Wind, Fernsichten, Temperaturen usw. usw. Ich würde darauf wetten, dass wir damit durchaus ein großes Stück dazu beitragen könnten schlechte Flugverläufe zu vermeiden.
Genauso wie man bei der Erstellung der Reisepläne oft weitgehend gedankenlos Auflassorte wählt, die für einige Regionen aus topographischen Gründen kaum geeignet sind. Auch da sollte man doch Erfahrungswerte sammeln und nutzen.
Seit zwei Jahrzehnten sind Inversionen und Inversionswetterlagen ein Thema bei Brieftaubenauflässen. Hier in Deutschland sowieso. Aber auch in den Niederlanden und Belgien. In unseren westlichen Nachbarländen wird oft darüber gespottet, wenngleich die NPO in den Niederlanden sehr oft und wiederholt auf die möglichen Gefahren duch Inversionen hinweist und Auflässe erst später am Tag, wenn die Inversion sich aufgelöst hat, durchführen lässt.
Dass wir es aber in zwei Jahrzehnten nicht geschafft haben in Bezug auf Inversionen einmal Fakten zu schaffen, indem wir Daten sammeln und zusammentragen und Flugverläufe etc. analysieren - das ist schon traurig und ziemlich mittelalterlich. Zu einem großen Teil hätten wir längst wissen können und wissen müssen ob und wie sich Inversionen auf unsere Brieftauben auswirken.
Ich denke schon, dass es aufgrund verschiedener Umstände in der Umwelt für unsere Brieftauben insgesamt schwieriger geworden ist nach hause zu finden. Ich denke aber auch, dass so mancher verlustreiche Flug einfach hausgemacht ist, Nicht absichtlich, denn die Flugleiter geben sich doch große Mühe. Aber es passiert weil man es nicht besser weiß und Situationen falsch einschätzt. Wir könnten es aber alle, zumindest in Teilen, besser wissen, wenn wir einfach mal Daten sammeln, zusammentragen und analysieren würden. Auch mit diesen neuen Tracking-Ringen mit denen man Flugrouten von Tauben verfolgen kann. Letztlich sind wir an diesem Punkt einfach sehr schlecht organisiert und gehen nicht mit der Zeit. | | | |
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