| | Inzwischen sind wir hier, was die Greifvogelsituation und die Saisonvorbereitung unserer Tauben betrifft völlig ratlos und mit unserem Brieftauben-Latein am Ende. Es ist nur noch frustrierend und für die Tauben schlicht katastrophal.
Am Ostersonntag hatte ich wegen des Feiertags unsere Tauben nicht herausgelassen. Unser Nachbar hatte seine Tauben aber zum Freiflug draußen und wie es der Zufall wollte sah ich auf unserem Badezimmerfenster als der Habicht dort angriff und eine Taube schnappte. Mehr konnte ich dann nicht mehr erkennen, aber mein Nachbar berichtete mir, dass die Taube verloren gegangen sei.
Der Ostermontag verlief dann hier bei uns ohne einen Angriff während mein Nachbar die Tauben im Schlag ließ. Ich muss allerdings feststellen, dass die Tiere so verängstigt sind, dass sie den Schlag längst nicht alle verlassen und ich werde garantiert nicht hingehen und die Tauben heraustreiben und jagen und sie noch ängstlicher machen.
Gestern am Dienstag dann erlebten wir leider den negativen Höhepunkt des Frühjahrs. Der Habicht griff erneut an und schnappte eine Taube unseres Nachbarn. Durch Lärm und Krach konnten wir den Greifer aufschrecken und die Taube konnte entkommen. Allerdings flog der Habicht dann nicht davon, wie wir es eigentlich kennen, sondern landete zwischenzeitlich sogar für einen kurzen Moment auf dem Dach über den Taubenschlägen unseres Nachbarn. Die Tauben waren wirklich völlig verängstigt.
Bei uns war es so, dass die Tauben, die zum Zeitpunkt des Angriffs in der Luft waren schließlich vor Angst kaum landeten und für sicherlich 90 Minuten oder noch länger ununterbrochen in der Luft waren. Die anderen Tiere verkrochen sich im Schlag.
Als ich später die Tauben hereinholte fehlten noch zwei jährige Vögel. Diese landeten schließlich aber auch auf dem Dach. Allerdings benahmen sie sich ganz seltsam und sie wollten nicht zu den Ausflügen herunter fliegen. Als ich in den Garten blickte sah ich auch den Grund für ihr Verhalten: ein Sperber saß tatsächlich oben auf unserer Weibchenvoliere. Nachdem ich hinunter in den Garten gegangen war machte sich der Sperber davon als der Greif mich sah. Die Vögel kamen dann auch letztendlich herein.
Inzwischen ist auch durch die ständigen Angriffe und die Angst der Tauben die Situation so, dass die Vögel am Abend einfach zu wenig fressen. Sie sind so verängstigt, dass sie nur hier und da etwas Futter aufnehmen, aber von einem normalen Fressverhalten ist das alles weit entfernt.
Als ich endlich bei den Tauben alle Arbeiten erledigt hatte schellte es an der Tür. Mein Nachbar war da und zeigte mir eine Taube, die noch lebte, aber vom Greifvogel destaströs zugerichtet war. Weitere Nachbarn, die mit ihren Pferden unterwegs waren, hatten das arme Tier völlig verstümmelt aufgefunden.
Ich weiß, dass es nicht jeder Leser hier gut sehen kann, wenn ich solche Fotos veröffentliche wie hier, aber ich möchte doch einmal dokumentieren wie die Greifvögel die Tauben hier zurichten und dass es unter diesen Umständen für uns hier nicht möglich ist die Tauben einfach nur zum Freiflug herauszulassen oder gar an Vorflügen teilzunehmen. Sollte hier also jemand in Kürze Vorflüge ansetzen, dann bleiben die Tauben zuhause und dann war es das mit der Reisesaison. Zuallererst sind wir hier Brieftaubenliebhaber und wenn wir die Tauben nicht entsprechend trainieren und vorbereiten können, dann sollen alle ihre Tauben reisen wohin sie wollen - wir tun das nicht.
Nachdem mein Nachbar mit der verstümmelten Taube wieder gegangen war und ich ein wenig Fußball im TV schauen wollte, erhielt ich die nächste Nachricht von einem Sportfreund, der etwa 5 KM von hier entfernt wohnt. Er schrieb mir folgendes:
"Um 17 Uhr habe ich die Vögel raus gelassen, um 17:12 Uhr war der Habicht das erste Mal dazwischen. Hat aber keine erwischt. Ich habe dann den Ausflug geöffnet und nach 20 Minuten kamen 9 Vögel rein. Vornehmlich alte Vögel.
Danach hat er den Restschwarm nochmal angegriffen, mitten im Angriff hat mein Nachbar seine Vögel gestartet. Der Habicht schlug einen Haken und ging sofort beim Nachbar runter. Hat aber wohl auch nichts erwischt. Der letzte Altvogel kam bei uns um 19:10 Uhr angestochert. Zum Glück alle heil."
Was soll man dazu sagen? Es geht einfach alles nicht. Es macht so weder Spaß, noch Sinn den Tauben Freiflug zu geben. Ich hatte in unserer Frühjahrsversammlung in der RV mehrfach das Thema Greifvögelsituation angesprochen und darauf hingewiesen, dass wir einfach zu früh mit der Reise beginnen. Jetzt fangen in der Umgegend diverse RVen mit den Vorflügen an und ich weiß nun schon, dass es hier auch nicht mehr sehr lange dauert, bis man hier unruhig wird und Vorflüge ansetzt. Auch wenn es für mehrere Züchter überhaupt keinen Sinn macht.
Ein weiterer Sportfreund, der nicht weit von hier wohnt, hat nun vor seinen Ausflügen wieder die Käfige montiert, welche die Tiere im Winter nutzen können. Er will und kann seinen Tauben keinen Freiflug geben. Wir sind vor Allem anderen erst einmal Brieftaubenliebhaber und wenn es nicht möglich ist die Tauben norrmal in den Freiflug zu lassen, dann kann man sie leider nicht reisen. So einfach ist das. Jede Taube ist wichtiger als irgendwelche Vor- oder Preisflüge oder irgendwelche Reisepläne. Unsere Brieftauben sind ein Hobby. Wir möchten Freude daran haben sie beim Freiflug zu beobachten oder sie vom Flug nach hause kommen zu sehen. Das ist derzeit in keiner Weise möglich. Das ist hier leider die Situation. | | | |
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