| | Etwa eine gute Stunde nach dem Auflass unserer Tauben am Montag schrieb ich mit einem Sportfreund aus unserer Reisevereinigung. Ich hatte bereits die ersten Daten der Taube empfangen, die mit dem "GPS-Ring" unterwegs war und ich sagte zu dem Züchter, dass es ein schwerer Flug werden würde. Als er mich fragte warum, antwortete ich ihm, dass meine Taube viel zu weit westlich abgezogen und unterwegs sei.
Nach 30 Minuten Flugzeit hatte die Taube bereits gute 50 Kilometer zurückgelegt. Sie flog aber deutlich zu weit westlich, Nach etwa einer Stunde Flugzeit war die Taube über 90 Kilometer geflogen. Das heißt das Tier flog vermutlich in einem Schwarm, denn auf sich allein gestellt fliegt keine Taube so schnell. Sie hatte zum Zeitpunkt dieser Messung aber bereits 30 Kilometer westlich "Versatz" zur gedachten Ideallinie vom Auflassort zum Heimatschlag. Ich sagte dann noch, dass die Taube bei diesem hohe Tempo sicherlich nicht entscheidend die Richtung korrigiert nach Norden und so kam es dann auch. Die flog weiter gerade aus und erst südwestlich von Siegen mit bis zu 60 Kilometer "Versatz" zur Idealroute korrigierte das Tier dann seinen Kurs und flog, dann auch deutlich langsamer, genau Richtung Norden. Diesen Punkt erreichte sie in dem Ort Mudersbach-Niederschelderhütte nach etwa 110 Minuten Flugzeit. In dieser Zeit hatte die Taube also schon mehr als 160 Kilometer zurückgelegt. Sie war aber gleichtzeitig noch 75 Kilometer südwestlich von unserem Schlag unterwegs.
Das Tier flog dann tatsächlich direkt in Richtung Norden über die Orte Finnentrop und Sundern, in denen Auch Sportfreunde aus unserer Nachar-RV wohnen und stoppte dann fast genau 20 Kilometer westlich von unserem Schlag in Ense. Dort muss die Taube eine Weile gesessen haben (etwa 15 Minuten) bevor sie sich wieder aufmachte und begann zu suchen. Sie flog zunächst etwa 3 Kilometer in die richtige Richtung, bevor sie umdrehte und sich aufmachte in Richtung Wickede, Fröndenberg und dann auf Dortmund zu. In Holzwickede stoppte die Taube, drehte um, flog wieder zu einem Ort in Wickede, an dem sie schon einmal war und dann auch wieder über Ense und schließlich in Richtung unseres Schlages wo sie gegen 14.15 Uhr nach vier Stunden und vierzig Minuten nach dem Auflass ankam. In dieser Zeit hatte die Taube mehr als 320 Kilometer zurückgelegt, statt einer Strecke von 205 Kilometer bei Direktflug auf der "Idealroute":
Interessant zu verfolgen war das Verhalten der Taube hier in Heimatnähe als sie zwanzig Kilometer westlich von hier entfernt begann zu suchen. Ich habe dazu die entsprechende Grafik hier angehängt.
Ich habe von Zeit zu Zeit hier bereits über den sogenannten "Haarstrang" geschrieben. Das ist ein etwa 300 Meter hoher Höhenzug, der parallel zur A44 verläuft und der das Sauerland von der Soester Börde und dem anschließenenden Münsterland trennt. Ich beobachte seit vielen Jahren dass die Tauben sich schwer tun dort hinüber zu fliegen. Sei es aus südlichen Richtungen nach Norden oder umgekehrt. Speziell Jungtauben haben dort oftmals Schwierigkeiten. Ich habe keine Ahnung warum es so ist und Sportfreunde hatten sich bei mir gemeldet und mir gesagt, dass das nicht sein könne. so hoch sei dieser Höhenzug nicht und die Tauben flögen doch viel höher etc.
Mit liegen Daten von Tauben vor, die ebenfalls mit GPS-Ringen geflogen sind und ins Münsterland musste von Südosten her und die ebenfalls nicht über diesen "Haarstrang" fliegen mochten, sondern immer wieder davor herum flogen von West nach Ost und umgekehrt.
Schaut man sich nun die Daten unserer Taube an so ist ähnliches passiert. Das Tier hat praktisch vor und fast auf dem Höhenzug gestoppt und ist dann nicht in Richtung Heimat nach Osten, sondern erst einmal über 20 Kilometer nach Westen in Richtung Dortmund geflogen, ist dann umgekehrt und dann doch nach hause gekommen.
Nun möchte ich aus dieser einen Beobachtung keine weiteren Rückschlüsse ziehen, aber ich werde das Verhalten der Tauben diesbezüglich weiter verfolgen.
Auch die Flugbahn der Taube in dem Bereich wo sie sich endlich nach Norden orientiert hat war am Ende so, wie wir es hier seit Jahren kennen und wie ich es auch von anderen Gps-Daten von Sportfreunden kenne, die z.b. im Ruhrgebiet wohnen. Die Tiere bevorzugen bestimmte Routen, die über bestimmte Orte führen. Fast unabhänhig von Wind und Wetter.
Unsere Taube hat es gottseidank nach Hause geschafft. Auch wenn sie einen relativ großen Umweg geflogen ist. Warum sie sich vom Auflass an so weit westlich orientierte kann ich nicht sagen. Aber Ad Schaerlaeckens in Belgien berichtet immer wieder darüber, dass Untersuchungen mit Tauben per GPS zeigen, dass sich die Tauben nach dem Auflass fast immer westlicher orientieren, als sie das in Bezug auf die ideale Flugroute eigentlich müssten. Auch das müsste man weiter erforschen.
Bezogen auf unseren Flug ist es so, dass der östliche und nordöstliche Wind, wenngleich er gar nicht stark war, den Effekt der westlichen Orientierung noch verstärkt zu haben scheint. Es wurden bereites verflogene Tauben von Züchtern unserer RV in Luxemburg und in Hockenheim gemeldet. Diese Tiere haben die Nordorientierung nicht geschafft so wie unsere Taube und haben sich dann scheinbar vom Wind immer weiter west-südwestlich treiben lassen.
Ich weiß noch nicht wie das Flugprogramm hier in der RV weiter geht. Auch das Wetter wird in den nächsten Tagen nicht einfach. Aber ich werde sicherlich die Taube nochmals mit GPS fliegen lassen, wenn wir noch an einem Flug teilnehmen.
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