| | Wie hier in unserem Schlag die Tauben jetzt in der Hauptmauser versorgt werden, hatte ich zuletzt ausführlich beschrieben. Am Ende beschränkt es sich darauf, dass die Tauben das Futter bekommen, welches ich hier zusammen gemischt hatte (aus Winterfutter, Zuchtfutter und Reisefutter) und die Versorgung zwei Mal in der Woche mit den Pulvern von Dr. Marien, die ich mit Gemüsemix und flüssiger Hefe an das Futter gebe. Dazu gibt es jeden Tag eine handvoll Mineralien in Form von Gritmischung, Mineralpulver und Heilerde zur freien Aufnahme. Die Gritmischung enthält weder Sämereien, noch Lockstoffe, noch Korrels oder Backerzeugnisse und was sonst oft noch so in diese Eimer gemischt wird, die am Markt angeboten werden.
Damit mausern die Tauben prima, sie sehen gut aus und auch das Gewicht ist in Ordnung.
In der aktuellen "Brieftaube" schreibt Franz Steffl darüber, dass ihre Tauben in der Mauserzeit mit einer sehr reichhaltigen Mausermischung versorgt werden, die u.a. 15 Prozent Hanf und Sämereien etc. enthält. Das kann man sicherlich auch tun. Es steht dort nicht noch gesondert geschrieben was es an Beiprodukten gibt, aber auch da wird sicherlich das ein oder andere Mittel eingesetzt. Ich neige eher dazu die Mauser als einen völlig natürlichen Prozess zu betrachten, wie ihn auch Ad Schaerlaeckens in der aktuellen "De Duif" beschreibt.
"Was ist also das Beste, was man tun kann, wenn die Tauben mausern? Man lässt sie einfach in Ruhe. Und wie sieht es mit der Fütterung aus? Eine sogenannte „Mauser-Mischung“ verabreichen? Ich halte diesen Begriff für unsinnig. Eine Mischung, die Tauben schneller und besser mausern lässt, gibt es schlichtweg nicht. Es handelt sich um einen geschickten Marketingbegriff, der Käufer anlocken soll. (...) Lässt sich also absolut nichts tun? Nur sehr wenig.
Man kann jedoch Fehler machen. Tauben in der Mauser trainieren nicht, und Tauben, die nicht trainieren, setzen leicht Fett an. Und übergewichtige Tauben taugen zu nichts: weder zur Zucht noch für den Wettflug oder die Mauser."
Mit seinen letzten Worten trifft Ad Schaerlaeckens übrigens einen Punkt, den ich in den letzten Jahren mehr und mehr ebenso so sehe: egal ob in der Reisesaison, in der Zuchtsaison oder jetzt in der Mauser - wir überversorgen unsere Tauben und bei den meisten Sportfreunden sitzen die Tiere dann auch noch wegen der Greifvogelplage ein halbes Jahr lang oder länger fest.
Ich komme mehr und mehr dahin es so zu sehen, wie es auch Dr. Marien immer wieder propagiert. Eine gute Brieftaube in einem funktionierenden Schlag braucht nicht viel. Gutes, nicht zu gehaltvolles Futter. Frischen Grit und frische Mineralien. Hier und da etwas tierisches Eiweiß oder auch Bierhefe und damit mausert eine Taube gut, trainiert gut, fliegt gut, paart gut und züchtet gute Junge.
Im deutschen Brieftaubensport hat teilweise eine sehr seltsame entwicklung stattgefunden: wir verlagen von den Tauben immer weniger hinsichtlich der Flugentfernung, der Flugzeit und lassen sie oft nur noch bei absoluten Topbedingungen auf. Die Taube muss da nicht mehr viel leisten außer schnell nach hause zu fliegen. Oft noch begünstigt durch den Wind. Aber genau diese Tiere, die eigentlich nicht mehr so sehr viel tun müssen werden versorgt als ob sie alle 5 Tage 900 KM fliegen müssten. Mit viel zu vielen Beiprodukten, viel zu gehaltvollem Futter und leider oft auch mit zu vielen Medikamenten. Das ist uns über die Jahre so eingeredet worden von der Industrie. Und so ist es auch in der Mauser. Mit gutem Futter, Mineralien, vielleicht etwas Grünzeug und etwas Eiweiß mausert eine Taube hervorragend und die Federn werden am Ende auch nicht einen Millimeter kürzer deswegen. Und schon gar nicht fliegt eine Taube deswegen im Folgejahr einen Preis mehr oder weniger oder mehr Spitzenpreise.
Ich kann jedem nur einmal raten es auszuprobieren jetzt in der Mauser und ein paar Tauben nur mit einem herkömmlichen Futter, mit Mineralien und vielleicht einem Multivitamin zu versorgen. Eventuell noch ein Aminosäurenprodukt. In einem funktionierenden Schlag, in dem man eine gewisse Hygiene einhält, mausert diese Tauben nicht einen Deut schlechter als ein Tier, dass mit Allerlei Beiprodukten und dem teuersten Mauserfutter am Markt versorgt wird.
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