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Samstag, 25.07.2026
Sascha am 25.07.2026 um 05:44 (UTC)
 Heute feiert unsere Reisevereinigung "Möhnetal-Warstein" ab den Mittagsstunden in einem kleinen Festakt ihr 100-jähriges Bestehen in unserer Einsatzstelle. Neben den aktiven Mitgliedern der RV sind selbstverständlich auch gerne ehemalige Sportsfreunde und am Brieftaubensport interessierte Bürger eingeladen ein paar schöne Stunden bei Essen und Trinken miteinander dort zu verbringen.
Persönlich kann ich leider nicht an der Feier teilnehmen, denn ich muss ab heute mittag arbeiten. Jetzt in der Urlaubs- und Ferienzeit kann ich nicht einfach Dienste tauschen oder kurzfristig frei nehmen und so werde ich den Nachmittag auf der Arbeit verbringen statt gemeinsam mit Sportfreunden zu feiern.
Hier in der Region starten jetzt in Kürze auch viele Reisevereinigungen ihre Jungtaubenvorflüge, sodass ich auch darauf verzichte heute morgen unsere Jungtauben fliegen zu lassen. Am Nachmittag und Abend geht es dann aus Zeitgründen nicht und so habe ich beschlossen, dass ich die Jungtiere noch einmal in unsere Kabi- und Trainingsboxen setze über den Tag wo sie sich an den Aufenthalt in den Kabinen gewöhnen können.
Dummerweise steht ab der nächsten Woche wohl die nächste Hitzeweille an, sodass es schwierig wird die Jungtaubenflüge wie geplant durchzuführen. Aber das ist dann nicht zu ändern. Man muss einfach geduldig sein. Ich bin weiter der Meinung, dass es sinnvoller wäre die gesamte Jungtierreise viel später, etwa ab Mitte August durchzuführen. In aller Regel schlägt dann das Wetter um und es wird stabil kühler. Eine Jungtaube kann auf einem Flug durchaus einen Schauer Regen mal vertragen, aber Hitze ist für die Jungtiere eher tödlich.
Auch gestern Abend sind hier wieder drei Zuflieger eingesprungen. Alles Jungtiere. So geht es jeden Tag. Eine Jungtaube war aus einem Verein im Münsterland, aus dem ich erst am Vormittag in Absprache mit dem Züchter eine Taube hatte vom Parkplatz an meiner Arbeitsstelle fliegen lassen. Diese Jungtaube war allerdings von einem anderen Sportfreund des Vereins.
Wir liegen hier, wenn man so will, in einem Knotenpunkt an dem sowohl viele Tauben auf der Südost- als auch auf der Südwestrichtung gestartet werden oder durch ziehen. So haben wir immer recht viele Zuflieger. Aber was sich in dieser Woche hier abgespielt hat, habe ich so auch noch nicht erlebt. Es scheint überhaupt keine Jungtiervorflüge mehr zu geben, bei denen in der Mehrheit alle Züchter einer Organisation ihre Tauben zuhause haben am Abend. Stattdessen empfinden die allermeisten Sportfreunde es inzwischen als völlig normal wenn zwei, drei, vier oder gar mehr Jungtiere fehlen. Ich erinnere mich noch daran, dass früher die Züchter in der Regel mit 30 bis 50 Jungtieren die Jungtierreise begannen und am Ende hatten sie 25 oder 40 übrig und daraus wurden dann die Reisetauben für das nächste Jahr ausgewählt. Die Verluste waren allgemein sehr gering, wenn nicht mal ein Jungtierflug total daneben ging. Dann kamen zwei Jahrzehnte der Probleme mit der Jungtaubenkrankheit und häufig großen Verlusten, weil man nicht bemerkt hatte, dass die Tiere krank waren oder die Jungtauben sich im Kabi infizierten.
Inzwischen haben wir seit mehreren Jahren die Rota-Impfung, die sehr gut wirkt und mit der wir unsere Jungtiere vor der Jungtaubenkrankheit schützen können. Aber es ist leider mit den Verlusten nur bedingt besser geworden. Sportfreunde, die ihre Tauben viel trainieren, verlieren schon auf den privaten Trainingsflügen oftmals zu viele Tauben und Züchter, die weniger oder gar nicht trainieren verlieren sie auf den Vor- und Preisflügen. Am Ende der Jungtiersaison sind viele Züchter froh wenn die Hälfte ihrer Jungtiere noch da ist. Nicht nur hier bei uns ist das so, sondern noch extremer teilweise in den Niederlanden oder Belgien. Allerdings hat niemand eine Erklärung dafür warum es so schwierig ist für die jungen Tauben nach hause zu finden und so lebt man irgendwie damit, dass leider viele Tiere verloren gehen und reagiert allenfalls darauf inn dem man einfach mehr Jungtauben züchtet. Ein richtiger und guter Weg ist das allerdings nicht.
 

Freitag, 24.07.2026
Sascha am 24.07.2026 um 04:14 (UTC)
 Es hat sich jemand bei mir gemeldet. der nach mehr als 30 Jahren überlegt wieder Brieftauben anzuschaffen. Der Leser meines Blogs teilte mir mit, dass er als Kind und Jugendlicher erst mit seinem Vater gemeinsam Brieftauben gehalten habe und später auch noch alleine. Aktuell schaue er gerne bei seinem Nachbarn zu, wenn die Tiere vom Flug kpmmen und nun ist die Überlegung selbst wieder mit dem Hobby zu beginnen.
Ich finde das eine gute Idee. Brieftauben sind und bleiben eine tolle Freizeitbeschäftigung. Was wir in unserem Verband aus dem Brieftaubenhobby gemacht haben - das ist ein anderer Punkt. Aber grundsätzlich ist die Haltung und Betreuung von Brieftauben und auch das Reisen mit Brieftauben eine tolle Sache.
Der Interessent fragte mich um Rat, weil sich der Taubensport in den vergangenen 30 Jahren doch sehr verändert habe. Ich habe ihm dazu aus meiner Sicht u.a.folgendes geschrieben, wobei das selbstverständlich auch jeder aktive und erfahrene Sportfreund sehr viel anders sehen kann:

Meiner Meinung nach hat sich im Kern gar nicht so viel verändert im Brieftaubensport. Man benötigt einen vernünftigen, funktionellen Schlag, ordentliche Tauben und die müssen gesund sein.
Was würde ich einem Anfänger raten?
Ich würde mir jetzt um diese Zeit Jungtauben holen von ein oder maximal zwei Züchtern, die gut reisen, einen nicht zu großen Bestand haben und denen ich - das ist das Wichtigste - 100 Prozent vertraue, dass sie mir versuchen gute Tauben zu geben und die mich unterstützen wollen und können.
Diese Tauben würde ich im kommenden Frühjahr miteinander verpaaren und mir dann im eigenen Schlag eine oder zwei Runden erste eigene Jungtauben züchten. Diese würde ich dann eintrainieren und auf die Flüge schicken. Das wäre so der grobe Ansatz.
Zur Versorgung: ich würde mir eine, maximal zwei Sorten gutes Futter holen und dieses das ganze Jahr über allen Tauben füttern. Als Anfänger muss man so vieles lernen und im Auge behalten - da sollte man nicht mit zig Futterprogrammen etc. herumhantieren.
Gleiches gilt für die Beiprodukte. Ich sage es mal so: mindestens 90 Prozent der Beiprodukte auf dem Markt sind erst einmal überflüssig, wenn man gesunde und leistungsfähige Tauben haben will. Wenn der Schlag funktioniert, dann tun es gutes Futter (s.o.) jeden Tag frischer Grit und Mineralien, ein bißchen Grünzeug und vielleicht mal ein paar Multi-Vitamine aus der Flasche 1x die Woche. Alles Weitere ist eigentlich kaum notwendig.
Ich würde die neuen Tauben gegen PMV-Rota impfen (2x) und wahrscheinlich auch recht frühzeitig gegen Salmonellen (mit Lebendimpfstoff). Alles Weitere muss erst einmal nicht sein. Ebenso würde ich dann mit den selbst gezüchteten Jungen vorgehen. Diese würde ich dann eventuell auch gegen Pocken impfen.
Wenn man einen Taubentierarzt in der Nähe hat, dann würde ich ihn anfangs recht regelmäßig aufsuchen. Habe ich das nicht, dann würde ich einen erfahrenen Züchter in der Nähe, dem ich 100 vertraue, bitten, so alle vier Wochen meine Tauben anzusehen. Und ihn sofort fragen wenn ich irgendwo Probleme vermute.
Alles Weitere wie Verdunkeln, Belichten, Versorgungs- und Futterprogramme usw. sehe ich für einen Anfänger erst einmal als nicht wichtig an, denn dann sieht er irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.
Das Wichtigste: nicht zu viele Tauben halten. Lieber weniger Taubben und diese gut führen und ständig gut beobachten und lernen bzw. wieder lernen ein Gefühl für die Tauben zu bekommen. Und nicht verrückt machen lassen von anderen Züchtern. Werbung, Internet etc.

Ich hoffe, dass der vielleicht angehende Sportfeund damit etwas anfangen kann. Leider erlebe ich es immer mal wieder, dass Neuanfänger zwar Tauben reichlich bekommen, aber mit diesen dann einfach allein gelassen werden. Und dass sie mit Ratschlägen zu Futter, Beiprodukten, Medikamenten und auch zur Führung der Tauben überhäuft werden, aber damit leider oftmals überfordert sind. Dabei ist vieles einfach gar nicht notwendig um erst einmal einen gesunden und reisefähigen Taubenbestant aufzubauen. So sehe ich es jedenfalls....
 

Mittwoch, 22.07.2026
Sascha am 22.07.2026 um 18:06 (UTC)
 In den letzten beiden Tagen sind hier am Abend nach dem Freiflug unserer Tauben schon reichlich Zuflieger mit eingesprungen. Ich hab da wieder einmal sehr interessante Erfahrungen gemacht.
Eine zugeflogene Jungtaube stammte von einem Sportfreund aus unserer RV, der gestern am Vorflug teilgenommen hatte. Er wohnt etwa 15 Kilometer Luftlinie nordöstlich von mir. Er hatte gestern abend als ich die Taube meldete leider keine Zeit mehr das Tier zu holen. Ich habe ihm dann vorgeschlagen, dass ich die Taube morgens mit in Richtung meiner Arbeitsstelle nehme und fliegen lasse. Ich konnte sie dann heute morgen recht früh etwa drei Kilometer von ihrem Schlag entfernt fliegen lassen und sie ist dann auch sehr früh am morgen zuhause eingetroffen wie mir der Sportfreund dann telefonisch mitteilte. Eine weitere seiner Tauben von diesem Flug war ihm übrigens auch heute gemeldet worden. Sie war 50 Kilometer über das Ziel hinaus geschossen und im Münsterland zugeflogen.
Dann kam gestern abend ein jähriger Vogel aus dem Rheinland mit herein. Er wurde auf der Südwestrichtung gespielt und war vom Flug bis zu uns etwa 150 Kilometer zu weit geflogen. Warum auch immer. Hier müssen wir noch sehen wie wir das Tier wieder nach hause bekommen.
Eine weitere Jungtaube aus dem Münsterland ist hier zugeflogen. Diese Jungtaube nehme ich morgen mit zu meiner Arbeitsstelle. Vom Parkplatz auf meiner Arbeit bis zu ihrem Heimatschlag ist es etwa genauso weit wie wieder zurück zu uns. Wir werden sehen ob sie nach hause fliegt.
Ein negatives Erlebnis hatte ich dann heute abend. Wieder sprang ein fremdes Jungtier mit ein. Neben dem normalen Ring dachte ich, dass sie einen Telefonring trägt auf dem anderen Fuß. Aber ein sogenannter Sportfreund hatte der Jungtaube lediglich eine solche "Drahklemme" um den Fuß gemacht, mit der beispielsweise Plastik-Brottüten im Supermarkt verschlosssen werden. So etwas habe ich auch noch nicht gesehen. Allerdings kam mir die Vereinsnummer auf dem Ring sehr bekannt war und bei der Kontrolle über die Verbands-Homepage stellte ich dann fest, dass die Taube aus einem Verein nicht so weit von hier kommt, dessen Vorsitzender ein ehemaliges Verbands-Präsidiumsmitglied ist. Ich habe dort telefonisch noch niemanden erreicht, aber ehrlich gesagt wundert mich bei diesem Verein bzw, dieser RV nach so manchen Vorgängen in den vergangenen Jahren nichts mehr. Ich werde dort telefonisch am Ball bleiben und wenn das Tier hier nicht umgehend abgeholt wird, dann werde ich die Angelegenheit an den Verband melden. Leider erlebe ich es immer wieder, dass Zuflieger ohne Telefonnummer einspringen. Aber ein solches Täuschungsmanöver mit einer Drahtklemme habe ich auch noch nicht erlebt.
Unsere Reisevereinigung möchte nun, wenn das Wetter mitspielt, übermorgen ihren zweiten Vorflug bestreiten und dann in der kommenden Woche nach Möglichkeit das Programm der ersten beiden Flüge mit 40 und 65 KM Entfernung so noch einmal wiederholen. Dann möchte ich mit unseren Jungtauben auch einsteigen. Aber man muss erst einmal abwarten was das Wetter dann zulässt. Aktuell fehlen mir die Flüge eigentlich gar nicht und ich erfreue mich an den Jungtauben, wenn sie um das Haus trainieren. Sie ziehen weiterhin nicht weg, aber am Haus fliegen sie inzwischen sehr gut und zeigen sich flugfreudig. Insofern muss ich einfach sehen wie es hier weiter gehen kann und soll.
 

Montag, 20.07.2026
Sascha am 20.07.2026 um 18:16 (UTC)
 Am heutigen Montag ging in vielen Organisationen ein extrem schwieriges Reisejahr zu Ende. Teilweise haben kaum noch Sportfreunde Tauben zu den Endflügen gesetzt. Unser Reisesystem ist auf verschiedenen Gründen in dieser Form am Ende. Ich werde dazu gelegentlich noch etwas schreiben, auch wenn ich mich an dieser Stelle schon mehrfach dazu geäußert habe. Aber wer den desolaten Zustand unseres Hobbys auch jetzt nicht bemerkt, der will es einfach auch nicht bemerken.
Unsere Reisevereinigung setzt in diesen Minuten zum ersten Vorflug ein. Ich hoffe, dass der Flug morgen gut verläuft. Selbst werde ich wohl erst in der kommenden Woche mit den Jungtieren die Reise beginnen. Heute ist es mir leider noch nicht möglich und ehrlich gesagt möchte ich unsere Jungtauben in der nun kommenden Woche auch noch etwas vorbereiten. Immerhin ist es nun ein ganzes Stück weit kühler als zuletzt und die Luft ist besser.
Gerade jetzt, wo die Jungreise beginnt und doch immer mal wieder Jungtiere verloren gehen, kann ich nur an alle Brieftaubenfreunde appelieren sich um ihre verflogenen Tauben zu kümmern. Heute erhielt ich eine Email mit u.a. folgendem Inhalt:

"Als Vorsitzender eines Rassegeflügel-Zuchtvereins werde ich regelmäßig gebeten, Zuflieger abzuholen. Die Personen haben über den Telefonring meist die Züchter direkt angerufen.....Die Antworten; bisschen Wasser hinstellen die sind dann wieder weg. In keinem Fall hat sich ein Züchter um die Rückführung dieser Tauben gekümmert.Ich nehme die Tauben dann zu mir und versorge sie bis sie wieder fit sind: Meist sorge ich dafür, dass sie in der Nähe der Herkunftsschläge rausgelassen werden; bin im Vertrieb und bekomme das organisiert.
Das "Geschwafel" von Tierliebe kann ich aus meinen Erfahrungen leider nicht bestätigen.
Ich interessiere mich durchaus für das Hobby Brieftauben; aber der Umgang mit den Tauben entpricht nicht meiner Einstellung."


Leider ist meine persönliche Erfahrung als Brieftaubenzüchter sehr ähnlich und es geht mir tatsächlich auf die Nerven wie sich so mancher Brieftaubenzüchter bzgl seiner eigenen verlorenen Tiere verhält. Es ist doch das Mindeste sich darum zu kümmern, dass diese wieder heim gebracht werden können. Wir können nicht einerseits über ständige Schwierigkeiten mit Tierschützern und Greifvögeln klagen und uns dann nicht um unsere verflogenen Tauben kümmern.
Daher an dieser Stelle nochmal mein Appel: kümmert euch um eure verflogenen Tauben!!
 

Freitag, 17.07.2026
Sascha am 17.07.2026 um 05:59 (UTC)
 Gestern hatte ich ein interessantes Telefonat mit einer Frau, die sich in der Taubenhilfe im Tierschutz engagiert. Sie liest wohl hier hin und wieder auf meiner Seite und suchte eine Lösung für etwa 50 Tauben, die bei Ebay angeboten wurden. Die Tiere stammten wohl aus einer Schlagauflösung, waren zum Falkner gebracht worden und dieser wiederum wollte die Tauben nun, auf unbekannten Gründen, wieder für eine geringe Summe verkaufen. So hatte ich das Anliegen der Frau jedenfalls verstanden. Sie suchte nun Wege die Tiere irgendwie zu retten und unterzubringen, da sie aktuell nicht die Möglichkeit hat die Tauben in ihrem Taubenhaus der Taubenhilfe unterzubringen.
Es ist für mich nahezu unmöglich da in irgendeiner Weise zu helfen. Ich habe trotzdem ein etwas längeres Telefonat mit der Dame geführt und dabei und v.a. im Nachgang, als ich mir meine Gedanken gemacht habe, festgestellt, dass einfach die Sicht dieser Menschen auf Tauben (und wahrscheinlich alle anderen Tiere) eine sehr viel andere ist, als wir Taubenzüchter sie haben. Dort wird versucht jedem Tier, jeder Taube zu helfen, sie am Leben zu halten usw. Das ist grundsätzlich ja erst einmal eine sehr positive Einstellung.
Wir Brieftaubenfreunde leben mit Taubenverlusten Tag für Tag und Jahr für Jahr. Durch Greifvögel, durch Verletzungen und auch durch Selektion in unseren Beständen. Es ist für uns völlig normal. Es ist nicht schön, aber es geht nicht anders, wenn man Tierzucht betreibt.
Die Frau berichtete mir auch von vielen gemeldeten Tauben, die dann von ihren Besitzern nicht abgeholt werden und darüber, dass die Besitzer sich nicht um die Tauben kümmern.
An der Stelle hört es für mich auf. Wenn mir jemand eine meiner Tauben meldet, dann habe ich mich verdammt nochmal darum zu kümmern. Ich weiß dass es leider viele Brieftaubenzüchter gibt, die das alles nicht interessiert.
Unser Verband ist bemüht durch Kontaktleute, Rückführungssysteme etc. immer eine Möglichkeit zu schaffen dass Tauben abgeholt, untergebracht und nach hause transportiert werden können. Es gibt an der Stelle heutzutage zig Möglichkeiten. Wer sich dennoch nicht um seine Tiere kümmert, der gehört für mich aus dem Verband ausgeschlossen, denn er schadet dem Brieftaubenwesen insgesamt massiv.
Ich bin selbst hier auf unserem Dorf mit Tieren aufgewachsen. Wir selbst hatten und haben nicht nur Brieftauben, sondern auch Kaninchen, einen Hund, Hühner, Schafe, Ziegen, Meerschweinchen usw. Inzwischen haben wir nur noch zwei Zwergkaninchen und einige Hühner. Aber der Umgang mit den Tieren war, so denke ich, immer so, dass sie anständig behandelt und versorgt wurden und dass sie ein weitgehend artgerechtes Leben führen konnten. Aber das Sterben, die Selektion, auch das Schlachten (z.b. der Schafe) gehörte auch immer dazu. Man kann vielleicht nicht jedes Tier retten und behalten.
Oft haben wir Brieftaubenzüchter Probleme mit Tierschützern, die uns die Wettflüge mit Brieftauben untersagen wollen etc. Es gibt aber wohl auch Menschen, die sich einfach um jedes Tier kümmern wollen. Jede Taube am Leben halten möchten und ihnen irgendwie und irgendwo ein gutes Zuhause bieten möchten. Letzteres empfinde ich erst einmal in keiner Weise negativ, auch wenn ich diese Einstellung nicht immer nachvollziehen kann. Aber ich denke als Brieftaubenfreunde können und sollten wir auch Verständnis für eine solche Form des Tierschutzes aufbringen.
Am Nachmittag rief mich dann ein junger Mann an, der zwei Orte entfernt wohnt, und berichtete mir von einer Taube in seinem Schuppen. Er wisse nicht was er tun solle. Das Tier sei nicht scheu. Er habe die Telefonnummer auf dem Ring schon lesen können und den Züchter informiert. Dieser habe gesagt, dass die Taube schon irgendwann nach hause fliege. Ich habe den Mann gebeten zu versuchen die Taube zu fangen und festzusetzen und mich dann zu informieren. Er hatte wirklich Respekt davor die Taube zu fangen, aber rief einige Zeit später erneut an um mir mitzuteilen, dass die Taube nun in einem Karton säße. Ich bin hingefahren. Es war ein dreijähriges, rotes Weibchen aus Polen.
Der junge Mann war in Polen geboren und hatte tatsächlich den Züchter angerufen und sich mit ihm unterhalten. Die Täubin war am vergangenen Wochenende in Emmerich am Rhein gestartet. Weit gekommen ist sie nicht und sie war auch körperlich nicht mehr gut drauf. Ich habe das Tier mitgenommen und versorge sie nun erst einmal. Dann sehen wir weiter.
Allerdings habe ich mir Gedanken gemacht wie eine Taube in nur vier Tagen so abbauen kann, zumal aktuell hier die Ernte läuft und überall Körner herumliegen in den Feldern etc. Mein Eindruck ist, dass dieses Weibchen nie in dem Zustand war um überhaupt von Emmerich bis nach Polen fliegen zu können, denn von Emmerich bis hier zu uns sind es nur etwa 150 Kilometer Entfernung.

Hier in der Region stehen nun die letzten Flüge der Altreise an und als wolle man zum Saisonabschluss nochmal dokumentieren wie irrsinnig und familienfeindlich unser Brieftaubensport inzwischen geworden ist, wurde hier in den verschiedenen Regionalverbänden munter die ganze Woche über diskutiert und abgestimmt und besprochen wann und wo am Wochenende ein Flug gestartet werden kann.
Das führt nun zu der bizarrren Situation, dass der Regionalverband 402 am Samstag 350 KM fliegt, die Regionalverbände 403 und 412 am Sonntag 400 oder 500 KM machen wollen und der Regionalverband 405 am Montag 500 KM fliegen will. Alle Auflassorte liegen auf der Südostrichtung und alle Auflassorte liegen auf einer Linie und teilweise nah beieinander. Es scheint aber so zu sein, dass die Flugleiter inzwischen alle einen individuellen Wetterbericht bekommen, denn anders ist die unterschiedliche Deutung der Vorhersagen überhaupt nicht mehr nachvollziehbar. Überall wurden die Terminierungen und Ansetzungen mit dem Wetter begründet.
Die Züchter werden nur noch verrückt gemacht und planbar ist inzwischen für Sportfreunde, die noch reisen möchten, nichts mehr. Das erklärt auch zu einem großen Teil die erbärmlichen Teilnehmerzahlen zum Ende der Saison. Soweit sind wir nun gekommen mit unseren Strukturen aus der Steinzeit und den Meisterschaftsbedingungen, die für 90 Prozent der Sportfreunde völlig uninteressant sind.
 

Donnerstag, 16.07.2026
Sascha am 16.07.2026 um 05:33 (UTC)
 Es gibt schon wieder erfreuliche Nachrichten über die Nachzucht unserer abgegebenen Tauben: die Schlaggemeinschaft Karl-Heinz und Michael Stumme aus der RV Hameln hat in diesem Jahr eine bislang herausragende Reisesaison mit inzwischen schon vier ersten Konkursen in der Regionalverbandgruppe. Nachdem vor einigen Wochen schon eine Nachzuchttäubin aus einem Vogel von uns einen ersten Konkurs in der Regionalverbandsgruppe geflogen hatte (ich hatte hier auch darüber geschrieben), gelang es nun erneut einem Weibchen aus einem anderen Vogel, den die SG Stumme von uns erhalten hat, den 1. Konkurs gegen 1.564 Tauben in der Regionalverbandsgruppe ab Echternach (330 KM) zu fliegen. Es gehört selbstverständlich auch ein wenig Glück dazu, wenn die SG Stumme gleich die ersten vier Konkurse auf diesem gar nicht leichten Flug erringt und ein Kind des Vogels aus unserem Zuchtschlag als erstes über die Antenne läuft, aber über solche Ergebnisse kann ich mich unbändig freuen.
Außerdem meldete sich gestern der Sportreund Dieter Diekmann aus dem Regionalverband 256 bei mir. Dieter erhielt 2023 und 2024 einige, wenige Tauben von uns für die Reise und für die Zucht. Er berichtete mir, dass er leider eine Täubin von uns, nachdem sie 5 (teils frühe) Preise hintereinander geflogen hatte, plötzlich verloren hatte. Vermutlich wieder einmal durch den Greifvogel. Sportfreund Diekmann hatte aber auch wenige Tiere für seinen Zuchtbestand bekommen. Darunter u.a. eine bei uns gereiste Täubin aus unserem "150", der 2021 8. bester Altvogel in Westfalen wurde. Aus diesem Weibchen hat er nun einen Vogel gezogen, der am vergangenen Wochenende den 1. Konkurs regional gegen 1.189 Tauben auf 390 KM Entfernung fliegt. Das bemerkenswerte daran ist auch, dass Dieter Diekmann auch den zweiten Konkurs regional fliegt, aber sein Siegervogel aus dem Weibchen von uns fast 6 Minuten Vorsprung herausfliegt. Der Nestbruder des Regionalsiegers, so wurde mir dann gestern telefonisch berichtet, steht mit aktuell 10 Preisen bei 11 Einsätzen ebenfalls sehr gut da und hat von seinen vergangenen 18 Einsätzen tolle 17 mal einen Preis geflogen.
Ich kann zu diesen Leistungen nur gratulieren und freue mich, wenn Züchter mit unseren Tauben oder der Nachzucht unserer Tauben schöne Ergebnisse erzielen und etwas anfangen können.
Ich hatte hier ja schon häufiger geschrieben, dass wir nicht sehr viele Tauben pro Jahr abgeben. Ich züchte hier nicht extra zig Junge um sie zu verkaufen oder auf Gutscheine abzugeben oder zu verschenken, Aber wenn wir Tauben abgeben, dann sind das in der Regel immer Tauben, von denen ich sagen kann, dass ich sie auch gerne selbst behalten würde und dass sie aus unseren vermeintlich besten Tieren kommen. Auch diese abgegebenen Tauben sind selbstverständlich nicht alle gut, aber wenn, so wie in dieser Saison, nun schon vier oder fünf Züchter in diesem Jahr mit der Nachzucht unserer Tauben einen oder mehrere erste Konkurse fliegen konnten - und das teilweise auch in großen Fluggemeinschaften oder im Regionalverband, dann stellt mich das wirklich zufrieden und macht mich ein Stück weit stolz darauf, was wir hier versucht haben in den letzten Jahren züchterisch zu erarbeiten.
 

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