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Donnerstag, 15.10.2026
Sascha am 15.10.2026 um 10:17 (UTC)
 Gestern nachmittag und am frühen Arbeit führte ich zwei längere Telefonate mit Sportfreunden. Ich hatte während des einen Telefonats unsere Jungtauben im Freiflug und als der zweie Sportfreund mich anrief, war ich gerade dabei die Tauben hereinzuholen und konnte nicht unmittelbar mit ihm sprechen. So habe ich den Züchter später zurückgerufen. Beide Züchter zeigten sich erstaunt, das ich die Tauben im Freiflug hatte. Ein Züchter sagte mir: "Das wäre bei uns nicht möglich."
Ich muss ehrlich sagen, dass es hier auch Jahre gab, wo es aufgrund des Drucks durch die Greifvögel kaum möglich gewesen wäre, jetzt, Mitte Oktober, die Tauben ohne Angriffe und Verluste herauszulassen. Noch im letzten Frühjahr war es hier bis weit in die Altreise hinein so, dass fast täglich ein Habicht angriff und die Tauben irgendwann kaum noch den Schlag verlassen wollten. Ich hatte damals darüber berichtet.
Gleichzeitig hatte ich mir aber seinerzeit vorgenommen die Tauben so lange und so gut es geht und die Zeit zulässt auch in der Mauser und im Winter in den Freiflug zu lassen. Ohne Zwang und bei offenen Schlägen lasse ich sie jetzt für 60 oder 90 Minuten machen was sie wollen.
Gestern zog gegen 15 Uhrr hier ein Sperberweibchen durch. Am Tag davor gegen 16 Uhr. Ich hatte beide Male noch keine Tauben im Freiflug. Aber irgendwann wird der Greifvogel auch hier attackieren und eine Taube schlagen. Das ist leider so. Trotzdem ist es mir inzwischen zuwider die Tauben sechs oder sieben Monate lang einzusperren und sie dann mit Stress und Zeitdruck unter ständigen Greifvogelangriffen im Frühjahr herauslassen zu müssen.
Ebenfalls gestern, noch bevor ich die Tauben herausgelassen hatte und die Telefonate führte, las ich einen sehr interessanten und ausführlichen Bericht über die Gebrüder Vandenheede aus Zingem in Belgien. Diese Schlaggemeinschaft ist einer der erfolgreichsten Schläge in Belgien im letzten Jahrzehnt. Der Artikel beschrieb eindrücklich wie diese Schlaggemeinschaft durch ständiges Ausprobieren, Testen und Verwerfen ihr ganz eigenes System der Taubenführung entwickelt hat. Wie man dort Dinge getan hat, die unkonventionell waren und dem widersprachen, was wir alle teilweise über Brieftaubenzucht und Brieftaubenhaltung zu wissen glauben. Freddie Vandenheede verwendete dazu immer die Frage: "Hast du es ausprobiert?"
Daran musste ich kurz denken als mir der eine Sportfreund am Telefon sagte, dass bei ihm ein Herauslassen der Tauben um diese Zeit wegen der Gefahr durch Greifvögel nicht möglich sei. Wir hier im Sauerland haben seit je her immer Probleme mit Greifvögeln gehabt. Auch als es in vielen anderen Regionen keine oder kaum Habichte, Sperber oder gar Wanderfalken gab. Wir kennen es nicht anders und trotzdem ist es auch für uns jedes Jahr aufs Neue im Frühjahr furchtbar mit ansehen zu müssen wie die Tauben ständig attackiert werden und gleichzeitig oft noch nicht die Fitness haben um den Greifern auszuweichen. Ganz unabhängig davon ob die Tiere schon eine Art "Wettkampfgewicht" haben und nicht zu fett sind.
Der genannte Artikel in "De Duif" endet u.a. mit folgenden Sätzen des Autors: "Und genau das, so wird mir klar, meint Freddy mit einer völlig anderen Denkweise. Mit der Frage: „Hast du es schon einmal ausprobiert?“ Den Mut aufbringen, diesen Schalter umzulegen; den Mut, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Vorurteile über Bord werfen. (...) Du solltest ein Schild über dem Eingang deines Taubenschlags anbringen, auf dem steht: ‚Geduld‘.“ Ich werde zu Hause drei Schilder aufhängen: ‚Glauben‘, ‚Nachdenken‘, ‚Ausprobieren."
Genau das waren letztlich meine Überlegungen bei dem Ansatz die Tauben auch jetzt in der Mauser weiter in den Freiflug zu lassen. Ich wollte es ausprobieren und werde es weiter ausprobieren. Bisher ist alles ok. Noch heute morgen hatten für eine Stunde unsere Witwervögel einen offenen Schlag. Einige Vögel flogen ausgiebig, andere kaum, zwei verließen den Schlag gar nicht. Sie sollen machen was sie wollen und sich benehmen dürfen wie es das natürliche Bedürfnis von Brieftauben ist. Vor sechs Wochen war der letzte Preisflug unserer Jungtauben. Seitdem waren sowohl die Alt- als auch die Jungtiere immer wieder im Freiflug. Bisher hat es sehr gut funktioniert. Aber selbst wenn mal die ein oder andere Taube geschlagen wird, so werde ich bei meinem Versuch nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Ich bin jedenfalls gespannt wie es hier weitergeht.
 

Mittwoch, 14.10.2026
Sascha am 14.10.2026 um 06:27 (UTC)
 Egal wie man als Züchter über die Zucht von guten Tauben und Ausnahmetauben denkt, so kann man sicherlich Einigkeit darüber erzielen, dass in den deutschen Schlägen in den letzten Jahren allzu viele Tauben sitzen, die nie selbst einen Korb gesehen haben und deren einziges Merkmal, dass auf eine Zuchteigenschaft hindeutet eine Abstammung mit Leistungen in Zucht oder Reise auf mehr oder weniger nah verwandte Tiere verweist.
Selbstverständlich können auch Tauben, die nie einen Korb gesehen haben, gute Zuchttauben sein. Das Paradebeispiel für eine solche Taube ist wohl der "Ringlose" von Günter Prange, der vielleicht nie eine so dominante Zuchttaube geworden wäre, wenn nicht sein Bruder, der 146, so hervorragend geflogen hätte und dann gestohlen worden wäre.
Aber die Regel ist es eigentlich nicht, dass die besten Vererber und Zuchttauben nie gereist wurden. Wir wissen insgesamt wenig über die Vererbung von guten Reiseeigenschaften. Aber wenn sich doch etwas über die Jahre und Jahrzehnte herauskristallisiert hat, dann die Tendenz, dass aus den Reiseassen am ehesten wieder Asse herauskommen. Oder aus ihren Kindern. Wenn man einen sehr guten Stamm hat (der oftmals auf einen oder zwei herausragende Vererber zurückgeht), dann sind auch häufiger Mal die Geschwister der Asse gute Zuchttauben.
Was wir ebenfalls wohl wissen ist, dass mit zunehmender Generationenfolge die Zuchtqualitäten in der Regel nicht zunehmen, sondern deutlich abnehmen. Das heißt je weiter man züchterisch von den Ausgangstieren weg ist, durch Enkel, Nichten, Neffen, Urenkel usw. wird die Wahrscheinlichkeit, dass man gute Vererber hat, immer geringer.
Dieser Tage fragte mich ein Sportfreund nach meiner Meinung. Er hat einen Vogel, der als Jähriger hervorragend geflogen hat und der aus einem sehr guten Vererber kommt, der aber schon recht alt ist. Der Züchter wollte wissen ob ich diesen jährigen Vogel in die Zucht nehmen würde. Ich habe ihm gesagt, dass ich persönlich die Taube sofort in den Zuchtschlag setzen würde. Der Vogel hat super Leistungen gebracht, hat exzellente Vorfahren und da diese schon recht alt sind, wird es zunehmend schwieriger aus diesen Vorfahren Nachzucht zu haben. Aus diesem Grund ist es für mich nur logisch und sinnvoll den Vogel künftig in der Zucht einzusetzen und sich - das kommt dazu - täglich an ihm zu erfreuen. Denn ansonsten kann es eben auch passieren, wie es jeder wohl schon erlebt hat, dass genau dieses As auf der Reise plötzlich verloren geht.
Wir neigen dazu sehr gute Tauben länger zu reisen, als es sein muss. Das ist verständlich, weil diese Tauben uns ein Stück weit den Erfolg auf der Reise garantieren. Aber vermutlich wäre es aus den wenigen sehr guten Tauben, die man vielleicht hat, schnell und auch möglichst viel zu züchten und viel auszuprobieren. Dann werden aller Erfahrung nach auch wieder gute Tauben kommen und der Erfolg auf der Reise ist damit auch wieder gesichert.
Wenn man die Möglichkeit hat, dann macht es mehr Sinn nur aus seinen vermeintlich besten Tauben viele Junge zu züchten (z.b. durch Umpaaren und die Arbeit mit Ammenpaaren) als aus allen Zuchttauben, die man so beherbbergt, nur zwei oder vier Jungtiere für die Reise.
Ich habe mir übrigens vorgenommen in diesem Bereich im kommenden Jahr auch etwas andere Wege zu gehen und aus unseren vermeimtlich besten Zuchttauben einfach zu versuchen mehr Nachzucht für die Reise zu bekommen. Ich werde noch darüber berichten.
Die Zucht von guten Tauben bleibt im Brieftaubensport am Ende die wirkliche Kunst. Tauben, die nicht nur im eigenen Bestand gute Leistungen in Zucht- und Reise bringen zu züchten ist schwierig. Tauben, die auch auf anderen Schlägen für gute Nachzucht und gute Reiseleistungen sorgen zu züchten und abzugeben ist nochmals sehr viel schwieriger. Es gibt wenige Sportfreunde, die es, wie auch immer, beherrschen. Wir anderen können nur versuchen immer wieder züchterisch mit den besten Tieren zu arbeiten, die wir haben und sie nicht so lange zu spielen, bis sie weg sind.
 

Dienstag, 13.10.2026
Sascha am 13.10.2026 um 06:30 (UTC)
 Die Verkaufs- und Versteigerungssaison im deutschen Brieftaubensport wird in den nächsten Wochen bis zur DBA in Kassel wieder auf ihren Höhepunkt zusteuern. Tausende Tauben werden im Internet angeboten und verkauft, weitere Tiere auch auf Saalversteigerungen bei verschiedenen Veranstaltungen. Besonders die Tiere von jahrelang erfolgreichen Spitzenschlägen hier in Deutschland werden oft zu sehr hohen Preisen gehandelt. Ebenso einzelne Tauben, die von niederländischen und belgischen Top-Schlägen kommen.
Schaut man sich die Abstammungen der As-Tauben in Deutschland in den letzten Jahren und Jahrzehnten an, dann liegt ihr Ursprung innerhalb ihres Stammbaums fast immer in den Niederlanden oder Belgien. Manchmal sind es die Eltern, oft die Großeltern und auch die Urgroßeltern der Asse kommen überwiegend aus unseren westlichen Nachbarländern.
Besonder erfolgsorientierte Sportfreunde hier in Deutschland, die über das nötige Kleingeld verfügen fahren seit vielen Jahrzehnten zu Schlägen in den Niederlanden oder Belgien und versuchen sich dort mit Tauben zu verstärken. Waren es früher Janssen-Tauben oder Delbar-Tauben, Tauben von Vandenabeele oder Schellens oder Koopman oder Heremans, so sind es heute oft die Tauben der Gebrüder Leidemann, die van den Bulck-Tiere, Tauben von Willen de Bruyn oder auch in den letzten Jahren Tiere von van Gaver.
Ich möchte einmal die Frage diskutieren warum sich die Tauben aus unseren westlichen Nachbarländern in den vergangenen Jahrzehnten hier in Deutschland so durchgesetzt haben. Denn es scheint am Ende doch so zu sein, dass diese Tauben irgendwo bessere und andere Qualitäten haben als unsere deutschen Tiere.
Hier in Deutschland wurde immer wieder sehr viel Wert auf die Allround-Tauben gelegt. Tauben, die von 150 bis 600 oder 700 Kilometer viele Preise auf allen Entfernungen fliegen können und die dabei möglichst noch viele Spitzenpreise erringen. In unserem deutschen Reisesystem versuchen wir irgendwo seit Jahrzehnten die "eierlegende Wollmilchsau" zu züchten. Tauben, die einfach alles können. Auf kurzen und weiten Entfernungen Preise und Spitze fliegen, bei Gegenwind, Rückenwind und bei verschiedensten Wetterbedingungen. Man muss es klar sagen: Tiere, die über eine oder zwei oder drei Saisons diese Kriterien erfüllen, zweistellig und spitze fliegen - da sind Tauben von höchster Qualität.
In den Niederlanden oder Belgien ist es nicht wirklich wichtig, dass eine Taube viele Preise fliegt. Dort wird viel mehr Wert auf absolute Spitzenpreise gelegt. In den Niederlanden gibt es ein System, dass unserem deutschen Reisesystem noch eher ähnelt mit Flügen von 200 bis 700 Kilometern. In Belgien geht die Reise eher in Richtung Spezialisierung. Es gibt die reinen Kurzstreckenspieler, die praktisch nur bis 250 Kilometer Entfernung spielen. Dort hat sich über die Jahrzehnte schon ein recht spezieller Taubentyp herausgebildet mit einer extrem hohen Orientierungsfähigkeit. Aber es gibt dort eben auch die Züchter, die ihre Tauben auf den flügen mit deutlich weiteren Entfernungen spielen und wo es einzig und alleine um die Spitzenpreise geht. Dort kann eine Taube zehn Mal gespielt werden und nur zwei oder drei Preise fliegen. Sind das dann aber absolute Spitzenpreise, dann sind diese Tauben in aller Munde und Wandern in die Zuchtschläge.
Versucht man das ganze von Außen zu betrachten, dann müssten eigentlich unsere deutschen Allround-Tauben über Jahre und Jahrzehnte viel besser geeignet sein für alle möglichen Reisesysteme und gerade hier in Deutschland hätten sich Stämme herauskristallisieren müssen, die ganz besondere Qualitäten für unser Reisesystem haben. Ich kann solche Stämme mit deutschen Tauben über viele Generationen aber einfach nicht finden und sehen. Darüber habe ich mir Gedanken gemacht.
Warum haben sich keine solchen Linien herausgebildet über 5 bis 10 Generationen mit Tauben, die nur hier in Deutschland gereist und gezüchtet wurden und warum dominieren diese nicht unser Brieftaubenspiel hier? Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen und man müsste es einmal näher untersuchen. Aber meine Vermutung geht in zwei Richtungen. Zum Einen weil hier in Deutschland viel zu oft Tauben in den Zuchtbestand genommen werden, die zweistellig fliegen ohne regelmäßig Spitze zu fliegen. Zum Anderen weil unsere Konkurrenzen und Auflässe einfach zu klein sind hinsichtlich ihrer Taubenzahl.
Es gibt für unser Reisesystem sicherlich Tiere, die mehrfach zweistellig fliegen ohne dabei besonders mit Spitzenpreisen zu glänzen. Diese Tiere vererben in der Regel aber dann in ihrer Zuchtkarriere auch keine Spitzenflieger. Dort wo das vorne fliegen nicht drin steckt kann ich es normalerweise auch nicht weiter züchten. So sinkt dann doch nach und nach die Qualität und wir landen bei den Tauben, die sechs, sieben, acht Preise fliegen ohne Spitze und mit denen - so ehrlich muss man sein - auch niemand mehr wirklich etwas anfangen kann.
Der allergrößte Unterschied ist aber in meinen Augen, dass wir unsere Tauben hinsichtlich der Konkurrenzen zu wenig fordern in unserem deutschen Reisesystem. Die wirklichen Top-Vererber im Taubensport waren oft Tauben, die mehrfach in Konkurrenz zu vielen tausenden Tauben absolute Spitze fliegen konnten. Auch Kinder dieser Tiere, Geschwister usw. hinterließen oft deutliche Spuren über Generationen in der Zucht. In Deutschland finden wir diese Tauben aber kaum, weil wir erst gar keine Auflässe in großer Konkurrenz machen dort wo es möglich ist.
Wieso spielen wir unsere Tiere eigentlich nicht schon auf kurzen Entfernungen ab 250 Kilometer in großen und größeren Konkurrenzen? Selbst auf 400, 500 oder 600 Kilometer werden gemeinsame Auflässe beispielsweise von zwei, drei oder vier Regionalverbänden absolut gescheut.
Schaut man sich einmal in Belgien oder auch in den Niederlanden die National- oder NPO-Flüge an, dann werden dort immer noch sehr große Taubenzahlen auf Entfernungen ab 400 Kilometer bis hin zu 700 Kilometer gemeinsam gestartet. Es gibt entsprechende Preilisten vom Großen bis ins Kleinste und jeder Züchter kann sich irgendwo wiederfinden.
Nehmen wir einmal den Nationalflug Bourges in Belgien. Dort wurden in diesem Jahr Ende Mai mehr als 46.000 Tauben aus ganz Belgien gemeinsam gestartet. Die Entfernungen betrugen etwa 380 bis 550 Kilometer von den kürzesten Schlägen in Wallonien bis zu den weitesten Schlägen hinter Antwerpen. Legt man diese Fläche einmal hier über uns in Nordrhein-Westfalen, dann sollte es doch für unsere Brieftauben ebenfalls möglich sein Flüge über solche Distanzen und Zielgebiete zu bestreiten. Aber dass hier mehrere Regionalverbände ab 400 Kilometer im normalen Programm gemeinsam auflassen, das passiert einfach nicht. Zu groß sind die Diskussionen um Wind und Wetter und Lagevor- und Nachteile. U.a. an solchen Diskussionen sind damals die sogenannten "Ruhrgebietsflüge" gescheitert. So mancher Züchter konnte und wollte nicht akzeptieren, dass es selbstverständlich bei solchen großen Auflässen auch Wind-, Wetter- und Lagebedingte Vor- und Nachteile gibt.
So verlieren wir uns in Deutschland leider weiter im Klein-Klein und verbessern damit eben auch nicht die Qualität unserer Tauben. Im Gegenteil. Letztlich werden wir also weiter in die westlichen Nachbarländer pilgern und dort die vermeintlich besten Tauben versuchen zu kaufen statt irgendwie dahin zu kommen sie selbst zu züchten.
 

Montag, 12.10.2026
Sascha am 12.10.2026 um 05:59 (UTC)
 Gestern hatten wir in unserer Reisevereinigung eine kleine Vereinsvertreterversammlung zur Vorbereitung auf die RV- und Regionalverbandsversammlungen im Herbst und um einen kleinen Rückblick auf die vergangene Reisesaison zu werfen. Auch der Vorsitzende unseres Regionalverbandes war vor Ort um sich anzuhören was in unserer Reisevereinigung gerade so diskutiert wird und auch um hier und da einige Dinge zu erklären. Insgesamt war das eine sehr runde Veranstaltung in der wir gemeinsam überlegt haben, wie wir im heutigen Brieftaubensport gemeinsam die Weichen für die Zukunft stellen können, um unser Hobby hier für unsere Mitglieder und Züchter attraktiv zu halten oder zu machen.
Ich will dem was wir besprochen haben nicht vorgreifen aber eines wurde auch in dieser Versammlung deutlich: die Erwartungen der einzelnen Sportfreunde, gleich welchen Alters, in eine Richtung, dass die Gremien unseres Verbandes noch irgendetwas zum Positiven ändern, tendieren gegen Null. Also werden wir als RV und soweit es möglich ist vielleicht auch mit den Nachbar-RVen durmherum, versuchen selbst etwas auf die Beine zu stellen was unser Hobby soweit es möglich ist, attraktiver und sinnvoller für unsere Sportfreunde macht. Ich werde zu einem gegebenen Zeitpunkt noch genauer darstellen was es für Überlegungen gibt. Wobei es in der heutigen Zeit ja so ist, dass Teilnehmer an solchen Versammlungen Freunden und Bekannten im Umfeld ohnehin sehr schnell im Anschluß an solche Treffen per Whatsapp oder auf anderen Wegen berichten und sich vielen, zumindest teilweise, sehr schnell herumspricht.
Zu meinen beiden letzten Beiträgen habe ich ebenfalls sehr viele Reaktionen bekommen und ich stelle immer wieder fest, dass sich viele Sportfreunde doch Gedanken um die Zukunft des Brieftaubenwesens machen. Wie kann es weiter gehen? Welche Perspektiven haben wir noch? Was haben wir für Lösungen? Es sind alles Sportfreunde, die oft lange Jahre in unserem Hobby und wahrlich nicht dumm sind. Es gibt da teilweise sehr sinnvolle und intelligente Vorschläge. Allein - und da bin ich wieder beim Punkt unserer Verbandsstrukturen - kaum etwas davon dringt durch, weil alles zerredet wird und von wenigen Sportfreunden immer und immer wieder die kommerziellen Meisterschaften in den Mittelpunkt gestellt werden.
In dem Zusammenhang würde mich mal interessieren wie es laufen würde, wenn beispielsweise ein Regionalcverbandsvorsitzender für seinen Regionalverband in der Mitgliederversammlung einen Antrag auf Abschaffung aller deutschen Meisterschaften stellen würde. Wie würde darüber abgestimmt? Und wie denkt im Gegensatz zu einem möglichen Abstimmungsverhalten der Regionalverbandsvertreter die Mehrheit der Züchter in ganz Deutschland darüber?
Was mir ohnehin nicht begreiflich ist: wieso nimmt nicht endlich jemand eine Strukturreform insgesamt in Angriff? Wieso behalten wir Strukturen bei, die aus Zeiten stammen, als unser Verband noch mehr als 100.000 Mitglider hatte? Wir bewegen uns derzeit so um die 20.000 Mitglieder und um die 10.000 reisende Schläge. Mir braucht niemand erzählen, dass man da nicht eine Mitgliederversammlung - auch als Präsenz-Veranstaltung, sondern als Hybridversammlung mit beispielsweise Online-Abstimmungen - abhalten kann.
Ich bin Vereinsmitglied bei Borussia Dortmund. Dieser Verein hat fast 250.000 Mitglieder und oft gibt es auch dort Themen, die sehr kontrovers diskutiert und beschlossen werden. Aber man schafft es dort eine völlig normale Mitgliederversammlung einzuberufen, Beschlüsse zu fassen und es gibt künftig auch die Möglichkeit per Internet an diesen Mitgliedsversammlungen teilznehmen und abzustimmen. Und selbiges soll für einen Verband mit einem Zehntel der Mitglieder nicht möglich und umsetzbar sein? Meine Befürchtung ist, dass dazu einfach der Wille fehlt und vielleicht auch die personelle Besetzung um so etwas durchzuführen. Aber wo ein Wille ist, da ist eigentlich auch immer ein Weg.
 

Sonntag, 11.10.2026
Sascha am 11.10.2026 um 04:32 (UTC)
 Wenn ich mich, so wie gestern, sehr positiv zu einem Beitrag in der "Brieftaube" äußere, dann heißt das nicht, dass ich mit jedem einzelnen Aspekt eines solches Artikels übereinstimme. Ich sehe es allerdings durchaus positiv, wenn über so einen Beitrag versucht wird einmal unsere grundsätzliche Einstellung zum Hobby Brieftaubensport zu überdenken und neue Wege vorgeschlagen werden, um mehr Züchterzufriedenheit herzustellen.
Konkret heißt das beispielsweise für mich, dass ich in keiner Weise die Einschätzung von Sportfreund Zeiher teile, dass heute, wie er schreibt, "Flüge über 400 Kilometer nicht mehr angebracht seien." Für mich persönlich sind die Flüge ab 350 oder 400 Kilometer erst jene Flüge, die den Brieftaubensport interessant machen und in vielen Regionen mangels Züchterdichte auch ein Stück weit fair machen. Aus meiner Sicht brauchen wir eher mehr Flüge mit größeren Entfernungen, als weniger.
Aber: es sollte insgesamt ein Aspekt von Angebot und Nachfrage sein und v.a. sollte regional und nicht von oben herab durch den Verband mit dem "Steuerungsmittel Deutsche Meisterschaft", versucht werden den Brieftaubensport in Deutschland für alle gleich zu gestalten.
Es mag gute Gründe für RVen und Fluggemeinschaften geben in einer bestimmten Region sehr viele kurze Flüge anzubieten und kaum weite Flüge zu veranstalten. Das sollten die Züchter vor Ort demokratisch entscheiden. Es mag in einer anderen Region wichtig sein, dass die Züchter viele Flüge über 350 oder 400 bis hin zu 600 oder 700 KM Distanz fliegen. Auch das sollten die Sportfreunde vor Ort entscheiden und nicht anhand von Meisterschaftsbedinungen unseres Verbandes praktisch vorgeschrieben bekommen wie sie ihren Reiseplan zu gestalten haben.
Die entscheidende Frage bei der Gestaltung des Brieftaubenwesens in Deutschland sollte doch immer sein. wie schaffen wir es, dass möglichst viele Sportfreunde vor Ort ihr Hobby möglichst häufig und möglichst lange in der Saison zu ihrer Zufriedenheit ausüben können? Und an der Stelle mögen die Vorraussetzungen und Entscheidungen regional sehr unterschiedlich sein. Der Taubensport in Deutschland ist aus verschiedenen Gründen (Kosten, Züchterdichte, Wetter und Klima, Greifvogeldichte usw.) für Züchter in Meckelnburg anders als für Züchter in Bayern und anders als für Sportfreunde hier in Westfalen. Und diesen regionalen Aspekt sollten wir auch in unseren Bestimmungen und Meisterschaften wiederfinden.
Ich kenne Sportfreunde, die seit mehreren Jahren in einem Regionalverband reisen, der in zwei Gruppen in zwei Reiserichtungen reist. Eine Gruppe bereist die Südwestrichtung, eine andere die Südostrichtung. Leider ist eine der beiden Gruppen aufgrund unserer verbandlichen Bestmmungen von allen Verbandsauszeichnungen und Meisterschaften ausgeschlossen, weil diese zweite Gruppe und die zweite Reiserichtung gar nicht wirklich vom Regionalverband beschlossen und genehmigt ist. So erhält diese Gruppe keine Verbandsauszeichnungen wie Medaillen oder die Ehrungen für die RV-Meisterschaft des Verbandes und ihre Flüge werden nicht in der "Brieftaube" aufgeführt.
Solche Regelungen sind aus meiner Sicht allerdings wirklich mittelalterlich und würden in der heutigen Zeit nicht einmal in einem Kindergarten durchgeführt. Aber im deutschen Brieftaubenwesen bestrafen wir weiter Verbandsmitglieder für ihre Entscheidungen und grenzen sie aus, weil sie eigenständige Entscheidungen getroffen haben. Ich halte so ein Vorgehen wirklich für völlig aus der Zeit gefallen.

Vor kurzem schrieb mir zu diesem Thema ein Sportfreund folgendes:

"Ich spiele ausnahmslos Weitstrecke und würde nun mit 43 Jahren das Hobby gerne etwas intensiver betreiben als die vergangenen Jahre, in denen Beruf und Familie dieses verhinderten.
Deshalb habe ich mich bei dem Verband erkundigt, ob es einfache Möglichkeiten für mich als Weitstreckenspieler gibt, die RV zu wechseln, um meine Tauben für die internationalen Flüge auf SüdWest vorzutrainieren, da meine Stamm-RV auf der Südostrichtunng reist. Ich habe auch geschrieben, dass ich alternativ in NL setzen kann, dies aber für mich einen weiteren Anfahrtsweg bedeuten würde. Ich erhielt folgendes als Antwort:
"Sehr geehrter Herr M.
Die Bestimmungen des Paragrafen 10 gelten unabhängig davon in welcher Form, Sie den Brieftaubensport ausüben.
Daher können wir auch für Weitstreckenspieler keine Ausnahme vom vorgeschriebenen Procedere machen.
Wir bitten hier um Verständnis."

Keinerlei Lösungsmöglichkeit oder Unterstützung. (...) Das scheint vollkommen egal zu sein. Ich bin völlig konsterniert. Ich bin auch ratlos, wie man da was ändern kann.
Parallel hatte ich die NPO um eine Ausnahmegenehmigung und Aufnahme für die Weitstrecke gebeten. Der Vorsitzende der NPO-Vorstandes selbst hat mir freundlich geantwortet und ausgesprochen umfangreich erläutert, dass wir keine Ausnahme machen können, weil ich 40km von der Grenze entfernt wohne und so viele deutsche Züchter nach Holland wechseln wollen, dass die NPO sogar den deutschen Verband kontaktiert und dieser sich klar gegen Wechsel positioniert hat. Dennoch merkte man eine freundliche Kommunikation auf Augenhöhe und im deutschen Verband die Friss oder stirb Haltung. Ich weiß wirklich nicht, ob ich mir den Ärger weiter antun sollte, selbst wenn das Hobby mir so viel Spaß macht. Es scheint ja dem Verband auch egal, ob man weitermacht. Aber auch wenn ich es könnte und es vielleicht die einzige Lösung ist, kann ich nicht meine Zeit opfern, um einen neuen Verband zu gründen. Ich bin wirklich fassungslos."

Als ich diese Zeilen las konnte ich nur noch den Kopf schütteln. Statt dem Sportfreund mit einem RV-Wechsel einen einfachen Weg zu ermöglichen unser Hobby weiter so auszuüben, wie er Spaß und Freude daran hat, wird sich auf Paragraphen zurückgezogen und auf das verwiesen, was besonders in den vergangenen Jahren durch die Mitgliederversammlung unseres Verbandes unsinnigerweise beschlossen wurde.
Gerade im westlichen Grenzgebiet versuchen seit einigen Jahren Sportfreunde aus Deutschland in die niederländische NPO zu wechseln, weil sie sich in der Gestaltung des Reiseprogramms dort einfach viel mehr wiederfinden. Dafür nehmen sie höhere Kosten auf sich und weitere Anfahrtswege zu den Einsatzstellen usw. Unserem Verband fällt aber schon seit langer Zeit dazu nur ein alles zu unternehmen um diese Wechsel zu blockieren. Stattdessen wäre es doch wichtig zu hinterfragen warum diese Wechselwünsche überhaupt so zahlreich entstehen. An der Stelle gibt es zwei klare Antworten: die Züchter in den Niederlanden haben hinsichtlich der Einsatzzeiten viel mehr Planbarkeit und hinsichtlich des Reiseprogramms einfach mehr Auswahlmöglichkeiten an welchen Flügen und welchen Entfernungen sie teilnehmen möchten.
Auch in der niederländischen NPO ist nicht alles Gold was glänzt und es gibt auch dort einiges zu verbessern. Aber den Züchtern aus Deutschland, die dorthin gewechselt sind oder die dorthin wechseln wollen, sind die Aspekte der viel höheren Planbarkeit ihres Hobbys und der eigenen Entscheidungsfreiheit hinsichtlich der Entfernungen der Flüge so wichtig, dass sie andere, auch negative Aspekte in der NPO, bereit sind in Kauf zu nehmen.
Hier in unserem deutschen Brieftaubenverband sind wir allerdings bis heute weiterhin nicht bereit daraus zu lernen und Konsequenzen zu ziehen und unseren Brieftaubensport zu modernisieren und anzupassen. Wir sind nicht bereit einzugestehen, dass der Brieftaubensport in Thüringen möglicherweise anders gestaltet werden muss als in Schleswig-Holstein oder NRW. Wir sind nicht bereit zuzugestehen, dass die Züchter vor Ort eigentlich viel besser wissen und entscheiden könnten, wie sie ihr Hobby leben und ausüben wollen und wie sie - und das ist das Wichtigste - Freude an der Reise von Brieftauben entwickeln und behalten können. Hier in Deutschland soll weiterhin bei immer weiter sinkenden Mitgliederzahlen (auch begründet durch die Resignation vieler im Berufsleben stehender Sportfreunde) alles für alle gleich und von oben gesteuert werden. Das aber funktioniert einfach nicht mehr. Die Teilnehmerzahlen deutschlandweit gerade an den Flügen im letzten Drittel einer Saison zeigen das unzweifelhaft. Hier wäre es dringend an der Zeit anzusetzen. Leider ist es in den letzten Jahren so gewesen, dass die Mitgliederversammlung unseres Verbandes noch jede kleinste sinnvolle Reform schon im Keim erstickte. Und leider wird es wohl auch im kommenden Winter auf der nächsten Mitgliederversammlung so bleiben.

 

Samstag, 10.10.2026
Sascha am 10.10.2026 um 04:56 (UTC)
 In der aktuelle Ausgabe der "Brieftaube" Nr. 21/2026 hat der Sportfreund Jörg Zeiher einen, wie ich finde, sehr interessanten Beitrag unter dem Titel "Warum ändern wir uns nicht endlich?" veröffentlicht. Jörg, der auch hier im Blog regelmäßig liest und sich immer mal wieder mit interessanten Kommentaren beteiligt, stellt in seinem Artikel den aktuellen Zustand unseres Hobbys sehr treffend dar und fasst diesen Zustand in u.a. in folgenden Sätzen zusammen:
"Mir geht es darum warum wir mittlerweile oft genug Sinn und Zweck eines außergewöhnlichen Hobbys aus den Augen verloren haben. Zumindest teilweise. Nämlich die Freude an der Beschäftigung mit Tieren, die Spannung beim Wettflug und die Möglichkeit diese Liebhaberei auszuüben."
Auch ich habe hier desöfteren die Frage aufgeworfen und diskutiert warum ich unser Hobby in den vergangenen Jahren (und vielleicht Jahrzehnten) in eine Richtung entwickelt hat, die Sportfreund Zeiher als "Zusammenkünfte mit Auseinandersetzungscharakter" beschreibt.
Ich möchte an dieser Stelle gar nicht auf jeden einzelnen Punkt und Vorschlag in diesem interessanten Beitrag in der "Brieftaube" eingehen. Ich kann nur jeden Sportfreund raten ihn zu lesen und sich einmal vor den anstehenden Versammlungen und Zusammenkünften darüber Gedanken zu machen.
Allerdings ist es mir ein Anliegen den Beitrag von Jörg Zeiher noch um einige Gedanken zu ergänzen:
in der vergangenen Woche waren sehr ähnliche Aspekte auch Thema im Podcast "Frag den Berger" der Sportfreunde Alfred Berger und David Balk. Unter dem Titel "Was, wenn wir über die falschen Dinge diskutieren?!" wurde die Frage aufgeworfen: "Wie schaffen wir es, dass möglichst viele Züchter möglichst lange mit ihren Tauben an der Reise teilnehmen?" Diesen Podcast kann sich jeder interessierte Züchter bei Youtube ansehen und Alfred Berger berichtete darin u.a. über seine Erfahrungen in den vergangenen Jahren in der sogenannten "Zukunftskomission" und erklärte beispielsweise, dass in dieser Komission einige sehr interessante und für die Züchtergemeinschaft vielleicht wichtige Vorschläge unter dem Aspekt einer größeren Züchterzufriedenheit zusammengetragen worden seien. Leider seien nur wenige dieser Vorschläge in irgendeiner Form angegangen und umgesetzt worden und er erklärte weiterhin sinngemäß, dass diese Punkte v.a. deswegen nicht angegangen wurden, weil es von bestimmten Sportfreunden, die er nicht näher benannte, aus ganz bestimmten Gründen nicht gewollt worden sei, ohne dieses näher auszuführen.

Unter meinem letzten Beitrag vom 8.10. hier im Blog kommentierte der Sportfreund Ingolf Schinze, der sich ebenfalls schon vor längerer Zeit in einem "Innovationsteam" mit Änderungen und Verbesserungsvorschlägen in unserem Hobby intensiv befasst hat, u.a. folgendermaßen, als es um das Thema Planbarkeit und feste Einsatzzeiten (z.b. zwei Tage vor einem Flug) ging:
"Als positive Begleiterscheinung wird man feststellen, dass die Flüge fairer, verlustärmer und ausgeglichener verlaufen, aber genau das will ja die kommerziell orientierte Minderheit, die sich aber durchsetzt, nicht."
An diesem Punkt kommt man dann, wie ich vermute, der ganzen Geschichte schon näher:
Die Sportfreunde Zeiher, Berger und Schinze beklagen allesamt auf ihre Weise, dass es in unserem Sport keine oder kaum Änderungen mit Blick auf mehr Züchterzufriedenheit gibt. Sie haben teilweise reichlich Erfahrungen als engagierte Sportfreunde in ihren RVen und in Kommssionen etc. Mit dem Ergebnis, dass all ihre Bemühungen immer wieder zu einem recht großen Teil gescheitert sind.
Ich habe hier an dieser Stelle in den letzten Monaten und Jahren immer wieder den Verdacht geäußert, dass die wenigen, mehr oder weniger kommerziell orientierten Sportfreunde, die in unserem Hobby mehr sehen als eine Freizeitbeschäftigung und das Brieftauenwesen insgesamt eher als zusätzliche Einnahmequelle betrachten, der eigentliche Hemmschuh zu mehr Züchterzufriedenheit sind. Denn bei all den herausragenden Leistungen, die diese Sportfreunde mit ihren Brieftauben vielleicht erzielen und bei allem großen persönlichen Einsatz, den sie für diese teilweise überragenden Ergebnisse zeigen, wird ein wichtiger Punkt sehr oft vergessen: die Definition eines Hobbys lautet: "Ein Hobby ist eine Freizeitbeschäftigung, die du freiwillig, regelmäßig und aus eigenem Vergnügen oder zur Entspannung ausübst, ohne damit beruflich Geld zu verdienen."
Wir haben im deutschen Brieftaubenwesen zumindest teilweise aber genau diese Aspekte vergessen: das Vergnügen und die Entspannung und dass der Brieftaubensport nicht zuvorderst dazu da ist mit ihm Geld zu verdienen.
Schaut man sich die wenigen Veränderungen im deutschen Brieftaubensport in den letzten Jahren an, dann wird aber bei einer genaueren Analyse deutlich, dass alle Anpassungen in vorderster Linie den kommerziell orientierten Züchtern dien(t)en. Seien es zusätzliche Meisterschaften wie die Einführung der deutschen Mittelstreckenmeisterschaft und der zugehörigen As-Tauben. Seien es die immer geringer werdenden Ansprüche an die Leistungen der Tauben hinsichtlich der Flugentfernungen oder seien es die Auflässe, die (übertrieben gesagt) nur noch bei "Laborbedingungen" stattfinden sollen.
Es ist kein Zufall wie sich unser Hobby Brieftaubensport in den letzten Jahren entwickelt hat. Wenn kommerziell orientierte Sportfreunde sich in Ämter und Posten wählen lassen, dann ist es völlig normal, dass etwaige Änderungen in verschiedenen Bereichen unseres Hobbys am Ende zumindest keinen Nachteil für eben genau diese Sportfreunde darstellen. Ob diese Änderungen am Ende aber zu mehr Züchterzufriedenheit führen, das möchte ich doch einmal deutlich in Frage stellen.
Der Sportfreund Ad Schaerlaeckens aus den Niederlanden schreibt gestern in seinem Internet-Blog folgenden Satz: "Mit einer ellenlangen Liste an Meisterschaften möchte der NPO offenbar möglichst viele Taubenzüchter zufriedenstellen." Ich glaube nicht, dass es der NPO darum geht möglichst viele Sportreunde zufrieden zu stellen. Vielmehr beobachtet man auch dort einen Prozess, den wir hier in Deutschland auch haben: immer mehr Meisterschaften, immer mehr Titel und am Ende dient vieles davon nur der Vermarktung.
Wenn wir unser Brieftaubenwesen endlich wieder einmal ernst nehmen als das was es für die ganz große Mehrheit der Züchter ist, nämlich ein Hobby das unglaublich viele schöne Aspekte hatt, welches Entspannung, Nervenkitzel, die tägliche Beschäftigung mit den Tieren usw. bietet, dann müssten wir meiner Meinung nach endlich in vielen Bereichen die Fesseln lockern, die wir uns selbst über die Jahre angelegt haben.
Die vielen Regelungen, Bestimmungen, Meisterschaften usw. schnüren uns ein Korsett, welches in letzter Konsequenz nur zu mehr Unzufriedenheit führt. Sportfreunde werden nicht zufriedener dadurch, dass man ihnen bis ins Kleinste vorschreibt wie sie ihr Hobby auszuüben haben.
Wenn man die Ausgangsfrage von Jörg Zeiher in seinem Artikel "Warum ändern wir uns nicht endlich?" einmal konsequent zu Ende denkt, dann muss man auch die Frage aufwerfen: "Wovor haben wir eigentlich Angst?" Wir verlieren jedes Jahr aus Altersgründen zwischen fünf und zehn Prozent unserer Mitglieder. Der Brieftaubensport in seiner jetzigen Form wird in ganz kurzer Zeit schon in vielen Regionen nicht mehr ausübbar sein. Wenn dem aber so ist, dann wäre es vielleicht für den Anfang zielführend den Sportfreunden in diesen Regionen auch von Seiten unseres Verbandes die Freiheit zu geben, ihr Hobby so auszuüben, wie sie es regional für wichtig und richtig und zu ihrer Zufriedenheit betrachten. Leider wurde in den vergangenen Jahren von Seiten unseres Verbandes und seiner Mitgliederversammlung aber das genaue Gegenteil praktiziert von dem was vielleicht notwendig wäre.
An der Stelle schließt sich dann aber der Kreis: wenn man kommerziell orientiert den Brieftaubensport betreibt und gleichzeitig weiß, dass dieses Hobby in seiner jetzigen Form ohnehin bald kaum noch durchführbar sein wird, dann verhindert man nach Möglichkeit alles was mit dem Risiko verbunden ist zumindest kurzfristig die persönlichen Intereressen und damit letztlich den finanziellen Profit negativ zu beeinflussen.
Es heißt nicht umsonst in dem Sprichtwort: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt." Wir wagen in unserem Hobby seit Jahren und Jahrzehnten praktisch gar nichts und wundern und ärgern uns über seinen Niedergang.
 

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