| | Es hat sich jemand bei mir gemeldet. der nach mehr als 30 Jahren überlegt wieder Brieftauben anzuschaffen. Der Leser meines Blogs teilte mir mit, dass er als Kind und Jugendlicher erst mit seinem Vater gemeinsam Brieftauben gehalten habe und später auch noch alleine. Aktuell schaue er gerne bei seinem Nachbarn zu, wenn die Tiere vom Flug kpmmen und nun ist die Überlegung selbst wieder mit dem Hobby zu beginnen.
Ich finde das eine gute Idee. Brieftauben sind und bleiben eine tolle Freizeitbeschäftigung. Was wir in unserem Verband aus dem Brieftaubenhobby gemacht haben - das ist ein anderer Punkt. Aber grundsätzlich ist die Haltung und Betreuung von Brieftauben und auch das Reisen mit Brieftauben eine tolle Sache.
Der Interessent fragte mich um Rat, weil sich der Taubensport in den vergangenen 30 Jahren doch sehr verändert habe. Ich habe ihm dazu aus meiner Sicht u.a.folgendes geschrieben, wobei das selbstverständlich auch jeder aktive und erfahrene Sportfreund sehr viel anders sehen kann:
Meiner Meinung nach hat sich im Kern gar nicht so viel verändert im Brieftaubensport. Man benötigt einen vernünftigen, funktionellen Schlag, ordentliche Tauben und die müssen gesund sein.
Was würde ich einem Anfänger raten?
Ich würde mir jetzt um diese Zeit Jungtauben holen von ein oder maximal zwei Züchtern, die gut reisen, einen nicht zu großen Bestand haben und denen ich - das ist das Wichtigste - 100 Prozent vertraue, dass sie mir versuchen gute Tauben zu geben und die mich unterstützen wollen und können.
Diese Tauben würde ich im kommenden Frühjahr miteinander verpaaren und mir dann im eigenen Schlag eine oder zwei Runden erste eigene Jungtauben züchten. Diese würde ich dann eintrainieren und auf die Flüge schicken. Das wäre so der grobe Ansatz.
Zur Versorgung: ich würde mir eine, maximal zwei Sorten gutes Futter holen und dieses das ganze Jahr über allen Tauben füttern. Als Anfänger muss man so vieles lernen und im Auge behalten - da sollte man nicht mit zig Futterprogrammen etc. herumhantieren.
Gleiches gilt für die Beiprodukte. Ich sage es mal so: mindestens 90 Prozent der Beiprodukte auf dem Markt sind erst einmal überflüssig, wenn man gesunde und leistungsfähige Tauben haben will. Wenn der Schlag funktioniert, dann tun es gutes Futter (s.o.) jeden Tag frischer Grit und Mineralien, ein bißchen Grünzeug und vielleicht mal ein paar Multi-Vitamine aus der Flasche 1x die Woche. Alles Weitere ist eigentlich kaum notwendig.
Ich würde die neuen Tauben gegen PMV-Rota impfen (2x) und wahrscheinlich auch recht frühzeitig gegen Salmonellen (mit Lebendimpfstoff). Alles Weitere muss erst einmal nicht sein. Ebenso würde ich dann mit den selbst gezüchteten Jungen vorgehen. Diese würde ich dann eventuell auch gegen Pocken impfen.
Wenn man einen Taubentierarzt in der Nähe hat, dann würde ich ihn anfangs recht regelmäßig aufsuchen. Habe ich das nicht, dann würde ich einen erfahrenen Züchter in der Nähe, dem ich 100 vertraue, bitten, so alle vier Wochen meine Tauben anzusehen. Und ihn sofort fragen wenn ich irgendwo Probleme vermute.
Alles Weitere wie Verdunkeln, Belichten, Versorgungs- und Futterprogramme usw. sehe ich für einen Anfänger erst einmal als nicht wichtig an, denn dann sieht er irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.
Das Wichtigste: nicht zu viele Tauben halten. Lieber weniger Taubben und diese gut führen und ständig gut beobachten und lernen bzw. wieder lernen ein Gefühl für die Tauben zu bekommen. Und nicht verrückt machen lassen von anderen Züchtern. Werbung, Internet etc.
Ich hoffe, dass der vielleicht angehende Sportfeund damit etwas anfangen kann. Leider erlebe ich es immer mal wieder, dass Neuanfänger zwar Tauben reichlich bekommen, aber mit diesen dann einfach allein gelassen werden. Und dass sie mit Ratschlägen zu Futter, Beiprodukten, Medikamenten und auch zur Führung der Tauben überhäuft werden, aber damit leider oftmals überfordert sind. Dabei ist vieles einfach gar nicht notwendig um erst einmal einen gesunden und reisefähigen Taubenbestant aufzubauen. So sehe ich es jedenfalls.... | | | |
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