| | Bei den Reformbestrebungen unseres Verbandes bleiben die Aussagen hinsichtlich der Wechselbestimmungen noch relativ schwammig. Man will wohl dahin kommen über die Lage eines Schlages, d.h. dessen Koordinaten festzulegen wo er reist. So nachvollziehbar das auch sein mag und so verständlich es ist, dass man die ewigen Hin- und Her-Wechseleien von RV zu RV und vion Regionalverband zu Regionalverband unterbinden will, so schwierig wird das aus meiner Sicht am Ende auf rechtlicher Ebene.
Auch dazu ein Beispiel: unsere Reisevereinigung ist ein sogenannter "eingetragener Verein" (e.V.) nach dem Vereinsrecht mit allen Rechten und Pflichten. Wenn unsere Reisevereinigung entscheidet einen Züchter bzw. einen Schlag in ihre Reihen aufzunehmen, dann kann unser Verband vermutlich alles mögliche an Bestimmungen und Regelungen erlassen - es wird wenig nützen. Denn über das Vereinsrecht und die entsprechende Satzung ist sehr genau geregelt wie über eine Aufnahme in einen "eingetragenen Verein" entschieden wird. Und an dieser Stelle ist unser Verband erst einmal völlig außen vor.
Wenn nun also ein Sportfreund, der 40 KM hinter unserer RV wohnt, warum auch immer, in unserer RV reisen möchte und unsere RV ihn aufnimmt, dann reist er auch hier. Egal was uns der Verband an Regelungen präsentiert.
Genauso könnte es theoretisch passieren, dass jemand mitten im Gebiet unserer RV wohnt und die Mitglieder diesen Züchter aber, warum auch immer, nicht aufnehmen möchten. Dann wird er auch nicht hier reisen. Egal wie die Bestimmungen unseres Verbandes sind.
Zugegeben: es sind extreme Beispiele und in der Realität wird das wohl kaum so ablaufen. Aber um in letzter Konsequenz die ständigen vielen Wechsel von hier nach da innerhalb unseres Verbandes zu unterbinden, benötigen wir eine Reform unserer gesamten Verbandsstruktur. Weg von den Regionalverbänden, weg von Regionalverbandsgruppen und hin zu einem anderen, viel freierem Taubenspiel, in welchem der Züchter selbst entscheiden kann wann und wo er seine Tauben spielen möchte. Alles andere wird auf die Dauer nicht funktionieren.
Es ist doch zu beobachten und vermutlich anhand der Daten, die hinsichtlich der Wechselwünsche vieler Sportfreunde so vorliegen, dass die deutliche Mehrheit der Wechsel von einer kurzen in eine lange Vermessung erfolgen. D.h. Züchter A. liegt in seiner jetzigen RV oder seinem jetzigen Regionalverband vorne in der Konkurrenz und möchte dann in eine ihm vorgelagerte Organisation wechseln, in der er dann hinten in der Konkurrenz mit einer weiten Vermessung liegt.
Bevor man die Wechselparagraphen anpasst, hätte ich mir gewünscht, dass man einmal analysiert wie sich die vielen Wechselwünsche, die Jahr für Jahr so auf dem Tisch liegen, sportlich auswirken - also auch hinsichtlich der Vermessung und damit hinsichtlich der Ausdehnung der Organisationen.
Hier bin ich dann auch wieder bei der schon letztens beschriebenen Idee künftig wieder mehr Regionalverbandsgruppen bis hin zu 500 KM Entfernung zuzulassen. Ich fürchte das wird den Wechseltourismus eher noch erhöhen. Aber das wird man erst in zwei oder drei Jahren auswerten können.
Dass man an dieser Stelle künftig sogenannte "Mediatoren" einsetzen möchte um Streitigkeiten zu schlichten oder gar nicht erst aufkommen zu lassen, ist sicherlich ein guter Ansatz. Allein mir fehlt der Glaube, dass das wirklich etwas bringt. Wenn man Streitigkeiten um Wechsel, Lage usw. verringern oder unterbinden möchte, dann sollte man hingehen und die Strukturen unseres Verbandes dauerhaft dahingehend reformieren, dass der Züchter an jedem Wochenende selbst entscheiden kann wo und wie weit er seine Tauben spielt. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung, der allerdings in manchen Regionen, mangels Züchter- und Taubenmasse, schon kaum noch funktionieren mag.
In dem Zusammenhang sehe ich dann auch ein weiteres Problem hinsichtlich der Einsatzstellen. Selbstverständlich wäre es richtig und zielführend die Zahl der Einsatzstellen deutlich zu verringern und damit auch wieder mehr Kontrolle über das zu bekommen, was sich in einigen Einsatzstellen wohl so abspielt. (Das ist übrigens ein Thema welches ich auch bald noch hier aufgreifen möchte). Aber wenn die 7 Züchter, die vielleicht noch in einer Einsatzstelle aktiv sind, einen deutlich weiteren Weg zu einer anderen Einsatzstelle, die möglicherweise deutlich weiter entfernt für sie liegt, nicht auf sich nehmen wollen....was macht man dann? Die Einsatzstelle für diese 7 Züchter trotzdem schließen und sagen: "Ihr müsst woanders einsetzen oder gar nicht." - und dabei riskieren, dass 4 der 7 Züchter mit dem Brieftaubensport aufhören? Oder sollte man nicht versuchen auch hier noch andere Lösungen zu suchen und zu finden? Letztlich bleibt auch hier wohl nur der Ansatz, dass die Züchter vor Ort entscheiden müssen wie sie ihre Tauben zum Flug einsetzen möchten. Und eventuell notwendige Kontrollen des Einsatzgeschäftes etc. müssten dann trotzdem irgendwie erfolgen.
Alles in Allem ist eine Reform unseres Brieftaubenhobbys ein sehr schwieriges Unterfangen und die Bemühungen, die nun unternommen werden, kommen möglicherweise viele Jahre zu spät. Aber versuchen können wir es alle gemeinsam ja trotzdem.... | | | |
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