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Freitag, 04.09.2026
Sascha am 04.09.2026 um 05:52 (UTC)
 Zu meinem gestrigen Eintrag hier hat der Sportfreund Meinolf Levermann einen sehr interessanten Kommentar geschrieben, den ich heute gerne gesondert veröffentlichen möchte, weil er sehr interessante Details enthält, die wir uns bei einer Analyse der Jungtaubenreise einmal vergegenwärtigen sollten:

"Hallo Sascha, ich bin bei Dir und vielen anderen hier, dass leichtes Verschieben der Jungreise nach hinten, damir man die Zeit mit dem größten Risiko für Hitze meidet, absolut sinnvoll ist.
Und nicht nur wegen der Hitze ist dies sinnvoll. Jungtiere lernen, nach dem was Wiltschko und Wiltschko (ja so hießen die zwei Autoren, die in den 80ern viel zu Orientierung von Tauben geforscht haben, waren glaube ich Eheleute) zwischen der 8. und 10. Lebenswoche ihren magnetbasierten Orientierungssinn zu nutzen, nach ca. 12 Lebenswochen ihren Sonnenkompass, und erst nach etwa 15 Wochen war bei den Tieren, die Wiltschko und Wiltschko untersucht haben, der Orientierungssinn vollständig ausgebildet.
Janiga und Johnsten beschreiben in ihrem Buch "Feral Pigeons", dass Stadttauben bis zu 12. Lebenswoche eine sehr hohe Abwanderungstendenz in andere Kolonien besitzen (nennt Zahlen von 50 bis 65
ie abwandern).
Wenn wir früher gelernt haben "Junge können gereist werden, wenn die zweite (oder dritte) Feder geworfen ist" steht diese Regel zu dem zuvor über den Orientierungssinn gesagtem im Widerspruch, denn dann sind die Jungtauben erst ca. 60 Tage alt, also jünger als 12 (geschweige denn 15) Wochen. Wir geben also, wenn wir nicht vor Februar (nicht jeder kann oder will Winterzucht machen!) anpaaren, viele Junge im Juli mit auf die ersten Vortouren (je nach Anpaaren aus der zweiten oder dritten Zucht), die ggf. noch nicht richtig schlagfest sind und z.T. noch keinen komplett entwickelten Orientierungssinn besitzen!
Warum uns das jetzt erst auffällt und es in den 50ern bis 2000er Jahren trotzdem einigermaßen gut ging?
Weil wir erst jetzt eine so geringe Züchterdichte haben, dass diese gefährdeten Jungen in ein viel größeres Einfluggebiet fliegen müssen als früher und durch weniger Tauben im Wettbewerb nicht mehr in dem selben Maße von der Schwarmintelligenz profitieren können, wie früher (meint: es trägt sie seltener der Schwarm bis kurz vor die Haustüre als früher).
Wenn wir also heute Umstände haben, die eher denen vor WW II gleichen, sollten wir ernst nehmen, wie man es damals gemacht hat: Man ist mit den Jungtieren deutlich schonender umgegangen und Züchter aus dieser Zeit äußerten, dass die Tiere vier bis fünf Federn gemausert haben sollten (was übrigens ziemlich genau dem von Wiltschko und Wiltschko genannten Lebensalter von 15 Wochen entspricht).
Und wer mir das mit dem nicht voll entwickelten Orientierungssinn vor der 15. Lebenswoche nicht glaubt, dem rate ich, er schreibe sich seine verlorenen Jungtiere der letzten Jahre mal auf und fügt deren Lebensalter in Wochen zum Zeitpunkt des Verlustes zu jeder Taube hinzu und dann setze er diese verlorenen Jungtiere ins Verhältnis der jeweils im Schlag insgesamt vorhandenen Anzahl an Jungtieren jeder Altersklasse. Ich bin mir ziemlich sicher, er wird eine deutliche Zunahme der relativen Verluste bei Jungtieren genau aus dieser jüngeren Altersgruppen erkennen können.
Also mich hat genau diese Überprüfung vollends überzeugt.
Und dann kommt noch der Vorteil hinzu, dass etwas ältere Jungtiere eine höhere Wahrscheinlichkeit haben die meisten Kinderkrankheiten bereits hinter sich zu haben
.
Konsequenz: wir sollten alle etwas früher Züchten, oder später mit dem Jungtier-Reisen beginnen und würden dadurch wahrscheinlich Jungtaubenverluste reduzieren."


Ich möchte an dieser Stelle noch etwas ergänzen. Wenn wir die Jungtierreise betrachten und auch daran interessiert sind künftig möglichst reibungslose Flüge zu veranstalten, dann erscheint mit auch ein Blick auf die Entwicklung des Immunsystems unserer Tauben sinnvoll.
Wann und wie entwickelt es sich? Ab welchem Alter der Jungtauben ist es möglichst weit entwickelt? Wann nehmen wir Impfungen vor und wie wirkt die jeweilige Impfreaktion sich aus? In welchem Abstand zu den Impfungen ist es zulässig und sinnvoll die Tauben zu ersten Trainingflügen einzusetzen?
Das könnten alles Themen sein, die für unsere Jungtiere von Belang sind.
Meinolf spricht auch die immer geringer werdende Züchterdichte an. Ich habe es ebenfalls hier an dieser Stelle auch in Bezug auf unsere Reisevereinigung und unsere Fluggemeinschaft schon häufiger geschrieben: während die Anzahl der Züchter und auch der Tauben letztlich Jahr für Jahr sinkt, wird die Fläche auf welche die Tauben fliegen müssen jährlich etwas größer. Es macht für Jungtauben oft wenig Sinn sie von Anfang an auf sehr große Flächen in Fluggemeinschaften und Regionalverbänden zu reisen. Auch an der Stelle könnte man einmal die Flüge analysieren.
Ich bin davon überzeugt, dass auch die Probleme hinsichtlich der Jungtaubenverluste, die man beispielsweise in Belgien oder den Niederlanden teilweise beklagt, damit zusammen hängen, dass dort anfangs auf zu große Gebiete geflogen wird. Sobald die Tauben wissen um was es geht, sobald sie gelernt haben sich eigenständig zu orientieren, sind gemeinsame Auflässe auf größere Flächen wichtig und richtig. Aber wenn die Tiere ihre ersten Trainingsflüge machen sollte man an der Stelle doch vorsichtiger sein. Zumal dort, wo die Topographie anders ist. Dort wo die Tauben nicht einfach nur über "plattes Land" fliegen ist ihr Flugverhalten - und ganz besonders das von Jungtauben - oft ein völlig anderes. Speziell die Flüge auf denen die Tauben mit den neuen "Tracking-Ringen" ausgestattet sind ergeben dort in der Auswertung häufig ein hochinteressantes Bild.
 

Donnerstag, 03.09.2026
Sascha am 03.09.2026 um 05:22 (UTC)
 Für unsere Reisevereinigung soll der letzte Preisflug am Sonntag ab Erlangen stattfinden. Die Entfernung für unseren Schlag beträgt 286 Kilometer. Ich werde voraussichtlich noch etwa 20 Jungtauben aus unserem Bestand heraussuchen, die ich dann auf diesem Flug noch einmal setze. Vielleicht ein paar mehr, vielleicht auch ein paar weniger.
Leider werden nicht mehr viele Züchter an diesem Flug teilnehmen. Das kann ich auch gut verstehen, denn wenn die Tauben nicht belichtet oder gar verdunkelt und belichtet werden, dann ist die Entfernung doch recht anspruchsvoll für die mausernden Jungtauben.
Früher gab es Reisepläne für Jungtauben mit drei Vorflügen ünd fünf PReisflügen und recht kurzen Kilometer-Sprüngen und der Endflug war hier immer so um die 220 Kilometer. Das funktionierte prima. Fast alle Züchter nahmen teil und die Jungen waren ausreichend geschult für das kommende Jahr.
Dann griff im deutschen Brieftaubensport die Meinung um sich, dass man es machen müsse wie in Belgien oder den Niederlanden. Die Jungtauben müssten auf größere Entfernungen gereist werden, die Sprünge müssten größer sein usw. Um solch ein Programm durchführen zu können müssen die Jungtauben entsprechend mit einem Lichtmanagement vorbereitet werden. Das haben hier in unserem Land dann auch Züchter getan und diese fliegen bis heute ihre Reisevereinigungen dann in Grund und Boden. Ihre Jungtauben sind älter, werden verdunkelt und/oder belichtet und teilweise massiv privat trainiert. In den Preislisten werden die Ergebnisse dann sehr einseitig und letztlich auch irrelevant. Rükschlüsse auf die Taubenqualität lassen sich überhaupt nicht mehr ziehen. Wenn jemand deutscher Jungtaubenmeister wird mit herausragenden Ergebnissen, dann heißt das v.a. eines: er hat sich unglaublich viel Arbeit mit seinen Tauben gemacht, sie extrem viel gefahren, er hat mit Lichtmanagement gearbeitet und entsprechend mit Zusatzprodukten und auch Medikamenten die Jungtauben in super Verfassung gebracht. Aber über die eigentliche Qualität in einem Bestand sagen solche Ergebnisse wenig aus.
Grundsätzlich ist an alle dem nichts falsches. Wenn man kann und will und die Motivation hat, dann ist es völlig ok die Jungtiere viel zu trainieren, viel zu reisen usw. Ein Problem bekommen wir nur an der Stelle wo die Tauben der Züchter, die nicht so einen Aufwand betreiben können oder wollen, augrund der schnell ansteigenden Entfernungen einfach nicht ausreichend geschult werden, weil diese Züchter ihren Jungtieren ein solches Programm nicht zumuten wollen. Für die Tauben dieser Züchter wäre ein althergebrachtes Jungtierprogramm viel sinnvoller und besser.
Im Unterschied zu unseren westlichen Nachbarländern, wo man die Jungtiere auf kürzeren und längeren Entfernungen schulen kann, wie man da möchte und auch ausreichend viele Flüge zur Verfügung hat, gibt es hier in Deutschland eben keine Auswahlmöglichkeit und auch die Anzahl der Jungtierflüge wurde kaum erhöht. Das führt in letzter Konsequenz dazu, dass die Sportfreunde, die ihre Jungtauben dann am Ende nicht mehr auf 250, 280 , 300 oder mehr Kilometer setzen wollen und können an der Stelle schon für das nächste Jahr wieder im Nachteil sind.
Es spricht überhaupt nichts dagegen, wenn Züchter ihre Jungen auf größeren Entfernungen testen und reisen wollen. Aber jede Reisevereinigung oder Fluggemeinschaft sollte zunächst einmal sehen dass man drei oder vier Vorflüge und fünf Preisflüge bis vielleicht 200 oder 250 Kilometer Entfernun maximal hinbekommt. Wer dann noch weiter reisen und die Jungtiere schulen und um entsprechende Meisterschaften spielen möchte, der sollte dann Gelegenheit bekommen dieses im Anschluß zu tun.
 

Mittwoch, 02.09.2026
Sascha am 02.09.2026 um 05:36 (UTC)
 Die Jungtaubensaison neigt sich jetzt auch schon dem Ende entgegen. In einigen Reisevereinigungen stehen am kommenden Wochenende schon die letzten Flüge auf dem Programm. So auch in unserer RV. Anderswo geht die Reise noch etwas länger und hier und da werden auch noch Sportfreunde an freien Wettflügen und ähnlichen Veranstaltungen teilnehmen.
Wenn ich meine Dienste auf der Arbeit noch irgendwie tauschen kann, dann werde ich auch auf unserem letzten Preisflug bei den Jungtauben noch einige Jungtauben setzen. Die Verfassung unserer Jungtiere ist weiterhin gut. Das hat insgesamt in diesem Jahr auf der Jungtierreise sehr gut funktioniert. Bis auf einige Verletzungen bei einzelnen tieren, die ausheilen mussten, gab es hier wenig Probleme. Ein Jungtier hat sich am vergangenen Sonntag am Bein verletzt, aber das wird sich schnell wieder geben. Einem anderen Jungtier fehlen an der rechten Brustseite einige Federn. Auch das ist keine größere Schwierigkeit.
Weit vor der Reise hatte sich eine Jungtaube bei einem Greifvogelangriff am Haus ein Bein gebrochen. Ich habe das Tier ganz in Ruhe gelassen und es ist hervorragend verheilt. Die Taube läuft normal, fliegt normal und hat die Flüge problemlos bestritten. Eine weitere junge Täubin kam ebenfalls mit einem gebrochenen Bei nach hause. Auch sie habe ich einfach im Schlag belassen. Auch diese Verletzung ist gut verheilt. Die Täubin hinkt ein wenig und stellt ein Bein ein wenig seitlich, aber das macht ihr keine Schwierigkeiten und sie trainiert am Haus völlig normal mit den anderen Tauben.
Nach Abschluss der Flüge stelle ich dann auch nach und nach die Belichtung der Tauben ein. Ich stelle das zugeschaltete Licht nicht sofort komplett aus, sondern fahre die Zeitschaltuhr über etwa drei, vier Wochen langsam herunter. Als Futter erhalten die Tauben dann alles was hier aus der Reisezeit noch vorhanden ist. Das mische ich dann in einer großen Tonne. Ein extra Mauserfutter gibt es nicht. Das ist nicht nötig. Genausowenig wie während der Mauser zig Beiprodukte nötig sind. Die Tiere bekommen weiter zwei Mal in der Woche die Pulver von Dr. Marien mit flüssiger Hefe oder Gemüsebrei über das Futter und damit mausern sie ganz hervorragend. Ich möchte auch nicht, dass sie besonders schnell mausern. Da die Tauben nicht verdunkelt wurden ist hinsichtlich der Mauser keine Eile geboten.
Ich werde noch eine Kotprobe über fünf Tage sammeln und untersuchen lassen. Wenn diese in Ordnung ist versorge ich die Tauben dann weiter zwei bis drei Mal die Woche über das Trinkwasser mit Bony Usnea plus und die Tauben bekommen irgendwann Mitte oder Ende September für zwei Wochen täglich Bony Previsal. Danach mische ich das Previsal auch an das Futter zwei Mal in der Woche mit den genannten Produkten. So bleibt es dann über den ganzen Winter.
Das Wichtigste während der Mauser und auch während der Wintermonate sind für mich auch immer täglich etwas frische Mineralien. Also Klaus Picobal, Rotstein, Mineralpulver, Heilerde, Holzkohle, Pickstein usw. Für Brieftauben gibt es neben dem Futter einfach nichts Wichtigeres als Mineralien. Wenn die Mineralienversorgung stimmt, dann hat man schon einen sehr großen Beitrag zu einer guten und gesunden Mauser getan.
 

Dienstag, 01.09.2026
Sascha am 01.09.2026 um 05:45 (UTC)
 Unsere Brieftauben sind einfach interessante und auch manchmal sehr rätselhafte Tiere. Ein Züchter aus unserer Reisevereinigung, der etwa fünf Kilometer nordöstlich von uns seinen Schlag hat, hat mich angerufen und mir folgendes berichtet: als beim Preisflug am Sonntag seine erste Taube heimkehrte, flogen gleich zwei Jungtauben an. Darunter eine Schecktaube, wie er auch mehrere hat. Während das eine Jungtier schnell in den Schlag lief und konstatiert wurde, blieb die Schecktaube auf dem Dach sitzen. Es kamen weitere Tauben und sprangen ein, aber nicht die Schecktaube. Nach etwa drei Stunden Aufenthalt auf seinem Dach ging das Tier dann in Richtung Ausflug und er konnte sie mit etwas Nachhilfe durch einen Besenstiel vorsichtig in den Schlag treiben. Als er die Jungtaube dann in die Hand nahm, stellte er fest, dass es eine unserer Jungtauben war. Die Nr. 139. Er nahm sie dann wieder mit nach draußen und ließ dass Tier zwischen 16.35 Uhr und 16.40 Uhr aus seinem Garten fliegen. Ich habe nach seinem Anruf dann geschaut und die Taube war um 16.44 Uhr hier bei uns registriert. Sie ist dann also relativ zügig zurück in unseren Schlag geflogen. Ich frage mich daher: wie oft mache v.a. Jungtauben wohl auf ihrem Heimflug solch eine Pause, obwohl es von ihrem körperlichen Zustand her vielleicht gar nicht notwendig wäre, denn diese letzten fünf Kilometer hätte das Tier auch ohne dort drei Stunden am Dach zu sitzen ja völlig problemlos geschafft.
Letztens hatte ich hier auch darüber geschrieben, dass die Mauser des Deckgefieders plötzlich trotz Belichtung stark eingesetzt hatte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Temperaturen auch deutlich gesunken. Selbstverständlich hängt die Mauser v.a. mit dem Einfluß des Lichts zusammen. Deswegen zeigen Verdunkelung oder Belichtung hinsichtlich des Mauserverlaufs auch eine Wirkung. Aber ich bin weiter überzeugt, dass es noch weitere Faktoren gibt, die Einfluß auf den Mauserverlauf unserer Tauben nehmen. Aktuell hat jedenfalls die Mauser des Deckgefieders wieder deutlich nachgelassen. Das mag zum Einen sicherlich mit der Anstrenung durch die Flüge zusammen hängen. Aber selbst Tiere, die zuhause geblieben sind, mausern derzeit deutlich weniger. Ich denke, ohne dass ich dafür einen Nachweis habe, dass es eben auch mit der Anpassung an die deutlich niedrigeren Außentemperaturen zusammenhängt.
 

Montag, 31.08.2026
Sascha am 31.08.2026 um 04:17 (UTC)
 Bevor ich heute etwas ausführlicher zu unserem gestrigen Preisflug ab Würzburg etwas schreibe, möchte ich es nicht versäumen meinem Taubenfreund Michael Kemper ( kemper racing pigeons germany" ) dafür zu danken, dass er am Samstag auf seiner Reise zu den Sportfreunden Herbots in Belgien unsere verflogene Taube im Raum Düren eingesammelt und wieder mit zu uns nach Hause gebracht hat. So einen zusätzlichen Aufwand zu betreiben und einen Umweg zu fahren ist wirklich nicht selbstverständlich und ich bin froh, dass unsere Schecktäubin 101 wieder daheim ist.
Nachdem wir am vergangenen Montag einen Flug mit östlichen Winden hatten bei dem die Tauben doch deutlich westlich geflogen sind, hatten wir nun einen Preisflug auf dem unsere Jungtauben auf der gesamten Strecke mit starken west-südwestlichen Winden zu kämpfen hatten. Der Auflass erfolgte um 10.15 Uhr in Würzburg bei einer Entfernung von etwa 230 Kilometern zu unserem Schlag. Ich hatte auch dieses Mal wieder unsere Jungtaube mit der Nummer 163 mit einem Tracking-Ring auf die Reise geschickt. Zu meiner Überraschung orientierte sich die Taube nach dem Start trotz des Windes deutlich westlich und flog sogar noch westlich unseres letzten Auflassortes in Karlstadt über Lohr am Main zurück in Richtung Heimat und wurde dort um 10.46 Uhr nach etwa 40 Kilometern Flug registriert. Dann aber orientierte sich die Taube doch, wahrscheinlich durch den recht starken Wind bedingt, deutlich nördlicher. Bedingt durch die andere Flugroute als beim vergangenen Flug und die weniger dicht besiedelten Regionen dort, erfolgten dieses Mal doch deutlich weniger Registrierungen des Tracking-Rings als zuletzt. Aber um 11.52 Uhr, also nach gut eineinhalb Stunden Flugzeit war die Taube dann in Kirtorf, gar nicht weit von unserem Auflassort des ersten Preisfluges in Alsfeld unterwegs. Von dort aus flog sie dann auf einer eher etwas zu östlichen Route und wurde nach einer weiteren Stunde Flugzeit in Thülen registriert. Thülen liegt etwas östlich vom äußeren östlichen Rand unseres RV-Gebietes. Von dort sind es bis zu unserem Schlag noch etwa 30 Kilometer.
Wir saßen wieder mit mehreren Sportfreunden auf der Bank bei meinem Nachbarn und warteten auf die Tauben und erhielten dann erste Meldungen aus der RV. Allerdings waren bei uns noch keine Tauben zu sehen und wir rechneten bei dem immernoch sehr starken Winden auch nicht mit frühen Tauben hier am westlichen Rand unserer doch flächenmäßig recht großen Reisevereinigung.
Irgendwann flog dann, aus Nordosten kommend, bei uns eine Taube an und es folgten sofort weitere Tiere (darunter waren allerdings auch, wie sich später herausstellte, zwei fremde Tauben), die auf unserem Dach landeten.
Ich ging dann zu uns herüber um die Tauben hereinzurufen. Dadurch haben die Tiere wahrscheinlich etwas Zeit verloren, denn sie kamen erst in den Schlag als ich sie zuhause rief. Mir ist das alles auf der Jungreise nicht ganz so wichtig und so haben die Tauben da vielleicht eine Minute verloren. Aber das ist kein Problem.
Als ich dann im Schlag war, war zu meiner Überraschung tatsächlich unsere 163, die Tauben, die mit dem Tracking-Ring unterwegs war, als Erste eingesprungen.
Wenn man sich nun die Karte mit ihrem Flugverlauf ansieht, dann muss die Taube nach ihrer letzten Registrierung vor der Heimat noch ein Stück nördlicher geflogen (ohne nochmals registriert zu werden) und dann aus Nordosten zurückgekehrt sein. Wir sahen die Tauben deutlich aus Nordosten anfliegen und für die letzten 30 Kilometer vom letzten Markierungspunkt hatte sie exakt 35 Minuten benötigt, was ein wenig länger ist, als normal.
Da die Tauben in unserer Reisevereinigung zu diesem Zeitpunkt im nordöstlichen Bereich bereits sehr gut und schnell heimkehrten wird sie sicher noch ein wenig mit dorthin geflogen sein und sich dann nach hause orientiert haben.
So war unser Ergebnis am Ende mit etwas über 23 Prozent Preisausbeute auch nicht wirklich gut, aber das spielt für mich keine Rolle, denn die Jungtierreise ist zum Lernen da. Der starke Wind gestern beeinflusste das Ergebnis dann eben auch ein ganzes Stück. Das ist nicht zu ändern. Man sieht aber, dass unsere 163 Woche für Woche etwas dazulernt und immer sicherer wird.
Der durchgängig starke Wind in der Strecke mit fast durchgängig Böen um die 50 Stundenkilometern hatte den Tauben schon zu schaffen gemacht und einige Tiere waren nach der Heimkehr doch deutlich erschöpft. Sie erholten sich dann aber recht schnell. Es bleibt natürlich auch nicht aus, dass so ein Flug für eine Taube anstrengend ist, die vielleicht noch drei oder vier Schwungfedern stehen hat.
Deswegen muss ich in dieser Woche schauen wie sich das Wetter entwickelt, was am nächsten Wochenende dann für ein Flug durchgeführt werden kann und soll und wie ich es zeitlich schaffe, denn ich habe am nächsten Wochenende auch wieder Dienst auf der Arbeit. Ob ich noch einmal Tauben mit schicken kann auf dem letzten Flug des Jahres steht also noch nicht fest.

 

Samstag, 29.08.2026
Sascha am 29.08.2026 um 05:57 (UTC)
 Gestern in den Mittagsstunden meldete mir eine besorgte Dame telefonisch eine fehlende junge Täubin vom Flug am vergangenen Montag. Das Tier hatte sich in ihrem Garten in der Nähe einer Vogelvoliere aufgehalten und konnte von der Frau festgesetzt und erst einmal mit etwas Vogelfutter versorgt werden. Die Dame wohnt in der Nähe von Düren zwischen Köln und Aachen. Unsere Jungtaube war also in einer völlig falschen Region unterwegs. Nach zwei, drei Telefonaten konnte ich einen Rücktransport der Taube organisieren und das Jungtier wird schon heute nachmittag wieder hier eintreffen. Dann werde ich die Taube gut versorgen sodass sie sich erholen kann.
Ich frage mich allerding wie es kommt, dass auch dieses Tier, wie weitere Tauben, die vom Flug am Montag gemeldet wurden, einfach immer weiter westlich geflogen und nicht in unsere Richtung abgebogen sind.
Gestern Abend, als unsere Jungtiere im Freiflug waren saß ich, wie recht häufig, bei meinem Nachbarn, der dann auch seine Tauben fliegen lässt, auf einer Bank. Wir unterhalten uns dann über dies und das und selbstverständlich viel über die Tauben. Es sind dann auch immer mal wieder Sportfreunde anwesend, die selbst keine Tauben mehr halten (können), aber gerne zusehen wenn die Tauben fliegen und die immernoch sehr viel Interesse an den Brieftauben haben. Einer der gestern anwesenden Sportfreunde, der in seiner aktiven Zeit sehr erfolgreich reiste, und der auch heute noch bei Bedarf Züchtern hilft und immer wieder mit seinem Rad zu verschiedenen Brieftaubenzüchtern fährt um z.b. die Ankunft der Tauben vom Flug zu erwarten, sagte irgendwann: "Die Tauben sind nicht richtig im Kopf. Irgendwas stimmt da nicht." Der ehemalige Züchter war auch in seiner aktiven Zeit bekannt dafür, dass er seine Tauben sehr genau und ausgiebig beobachtete und dann versuchte seine Schlüsse aus ihrem Verhalten zu ziehen. Er umschrieb mit seinen Worten etwas, was ich auch schon seit Wochen als Gefühl so teilen muss, ohne dass ich einen Grund dafür benennen könnte. Ich will auch keine Vermutungen dahingehend öffentlich anstellen. Aber irgendwie habe auch ich das Gefühl, dass unsere Brieftauben, zumindest zeitweise, nicht "richtig im Kopf" sind und damit meine ich v.a. ihre Orientierung. Es macht den Eindruck als sei diese zeitweise und teilweise gestört. Warum und wodurch auch immer.
Ich hatte ja bereits mehrfach das Verhalten unserer Jungtauben beschrieben, die in diesem Jahr nie mehr als maximal vielleicht einen Kilometer vom Haus weggezogen sind. Sie fliegen gerne und gut und teilweise auch ausgiebig. Aber sie gehen nicht von ihrem Heimatschlag weg. Da ich immer mal wieder Tauben mit Tracking-Ringen auch hier zuhause ausstatte kann ich das sehr gut sehen. Die Tauben bleiben über die gesamte Freiflugzeit in der Nähe ihres sicheren Schlages. Dafür muss es irgendeinen Grund geben, den ich aber nicht kenne.
Beim Freiflug am Mittwoch abend war es so ungewöhnlich, dass die Tauben fast eine Stunde lang immer in ganz engen Kreisen extrem schnell um das Haus flogen. Die Schläge waren geöffnet. Sie hätten auch hinein gehen können. Aber sie flogen wirklich mit Tempo und immer rund und rund und rund wie ein Karussel.
Wir schauen hier auch immer ob es Greifvogel-Angriffe gibt, aber auch diesnbezüglich konnten wir bisher gottseidank nichts feststellen.
Die Reisesaison neigt sich nun insgesamt dem Ende entgegen. Für unsere Reisevereinigung stehen noch zwei Flüge auf dem Programm. Morgen soll es nach Würzburg gehen. Ich werde aber heute erst im Lauf des Tages entscheiden ob ich noch Tauben auf den Flug mitgebe. Ich möchte mir noch die Wettervorhersagen ansehen und Flugverläufe heute abwarten. Das Wetter heute ist insgesamt gut. Aber es soll doch recht windig werden und der Wind soll morgen nochmals zunehmen. Ich muss sagen dass ich schlecht einschätzen kann inwieweit der teils böige Südwest-Wind die Tauben dann östlich aus der Strecke drücken würde.
 

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