| | Es gibt bei verschiedenen Vogelarten Studien die zeigen, dass sich während der Hauptmauser die bakterielle Besiedlung des Darms teils massiv verändert. Da das Nachwachsen der Federn extrem energie- und nährstoffaufwendig ist, gerät der Organismus unter physiologischen Stress. Dieser Stress und die hormonelle Umstellung spiegeln sich direkt im Darm- und Gefiedermikrobiom unmittelbar wider. Das sogenannte Mikrobiom im Darm scheint sich beinahe so zu erneuern, wie es auch das Federkleid tut. Bestimmte Bakterienarten vermehren sich stark, die Anzahl anderer Bakterien nimmt, teils vorrübergehend, deutlich ab. Zwar gibt es für unsere Brieftauben diesbezüglich wohl keine ergiebigen Studien, aber ich denke mir, dass es bei unseren Tieren sehr ähnlich abläuft.
Manchmal ist, trotz gleichbleibender Versorgung, in der Mauserzeit das Kotbild tageweise ein anderes als außerhalb der Hauptmauser. Auch bestimmte Erkrankungen wie Patatyphus oder Ornithose, schleichen sich während der Mauser oft in die Bestände. Letzteres hat wiederum wohl damit zu tun, dass das Immunsystem während des Federwechsels oft heruntergefahren wird. Da das Immunsystem und die Darmflora eng miteinander kommunizieren, nutzen dann krankmachende Bakterien diese Phase aus um sich zu vermehren.
Obwohl diese Dinge inzwischen allgemein bekannt sein dürften durch Artikel in Fachzeitschriften etc. gibt es immernoch reichlich Sportfreunde, die ausgerechnet jetzt zu dieser Zeit mit Medikamenten hantieren. In einem niederländischen Blog schrieb jetzt ein sehr erfolgreicher Züchter. dass seine Tauben zu Beginn der Mauser zunächst eine Trichomonaden-Tablette erhalten und anschließend über 14 Tage "blind" gegen Paratyphus gekurt werden. Weiterhin rät er dazu alle zwei bis drei Jahre bei diesen Kuren die Medikamente zu wechseln.
Aber dass jemand erfolgreich mit Tauben reist heißt nicht, dass er auch alles richtig macht in der Versorgung seiner Tiere. Dieser Züchter scheint mit seinem Wissen und seinem Vorgehen vor 30 oder 40 Jahren stecken geblieben zu sein. Er täte deutlich besser daran die Tauben untersuchen zu lassen mit einer Kotprobe und, wenn möglich, auch mit Abstrichen beim Tierarzt und dann nur zu behandeln, wenn es wirklich notwendig ist. Mit den von ihm verwendeten Medikamenten zerstört er noch mehr in der Darmflora seiner Tauben, als der Mauservorgang ohnehin verändert.
Selbstverständlich erholt sich die Darmflora der Tauben auch von diesen Kuren und den Veränderungen in der Mauserzeit. Aber ich glaube fest daran, dass sich dieser regelmäßige Medikamentenge- (bzw. miss-)brauch über die Jahre sehr negativ in einem Bestand verankert. Trotz aller Erfolge, die sehr gut reisende Schläge haben, werden so behandelte Tauben über die Jahre durch entsprechende Vererbung, immer anfälliger.
Mir braucht auch niemand erzählen, dass Züchter, die jetzt zur Mauserzeit die Tauben in jedem Jahr regelmäßig über längere Zeit mit Medikamenten behandeln, sonst im Reise- und Zuchtjahr kaum oder keine Medizin verwenden. Dort gehört der Griff zu diversen Medikamenten einfach zum Programm dazu.
Grundsätzlich kann auch jeder Züchter selbst entscheiden wie er in dieser Hinsicht vorgeht. Aber: jetzt beginnt wieder die Verkaufs- und Versteigerungssaison. An dieser Stelle muss sich jetzt jeder Sportfreund sehr gut überlegen wo er versucht sich mit Tauben zu verstärken. Denn wenn man Preislisten lesen kann, die Größe der Bestände von Züchtern kennt und sich darüber hinaus ein wenig informiert, dann kann man sehr schnell Rückschlüsse darauf ziehen wie groß der Medikamenteneinsatz bei so manch erfolgreichem Schlag über das Jahr ist. Anhand dieser Informationen kann man dann immernoch entscheiden ob es richtig ist sich bei bestimmten Schlägen mit Tauben zu "verstärken".
Für mich persönlich gibt es eine Menge herausragend reisender Schläge aus deren Bestand ich keine einzige Taube haben wollte. Unabhängig davon was sie kosten und aus welchen Elterntieren sie stammen. Einfach weil ich mir denke, dass die Tauben aus diesen Beständen nicht dazu passen wie wir hier unsere Tiere führen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Tauben, die ständig mit allerlei Beiprodukten rund um das Jahr unterstützt werden und die sehr regelmäßig Medikamente bekommen und dazu noch aus teilweise sehr großen (Zucht-)beständen kommen, bei uns dann das Leistungsniveau deutlich verbessern, ist einfach viel zu gering. Es macht für uns keinen Sinn und jeder Sportfreund, der aktuell darüber nachdenkt sich irgendwo Tauben zuzulegen, der sollte sich ebenfalls sehr gut überlegen was wirklich für ihn selbst und seinen Bestand Sinn macht. | | | |
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