| | Wenn ich nun die Taubenschläge betrete fliegen mir die Federn nur so entgegen. Deckgefieder, Schwundfedern und Schwanzfedern werden aktuell in großer Zahl geworfen und anschließend erneuert. Trotzdem habe ich auch gestern unseren Jungtauben wieder Freiflug gegeben. Sie gehen dann gerne nach draußen. Einige fliegen nur drei, vier Minuten, anderen zehn Minuten und weitere sind auch länger in der Luft. Dann landen sie wieder und gehen in den Schlag oder bleiben auf dem Dach sitzen und fliegen vielleicht auch nochmal auf und drehen einige Runden. Für den Stoffwechsel der Tauben gibt es auch jetzt in der Hauptmauserzeit nichts besseres als mehr oder weniger regelmäßigen Freiflug. Das was die Bewegung der Tauben, auch wenn sie oft nur kurz ist, im Stofffwechsel der Taube auslöst kann kein Beiprodukt und kein Futter der Welt bewirken. Es besteht zwar leider auch immer die Gefahr, dass ein Greifvogel die Tauben attackiert und vielleicht sogar schnappt, aber letztlich ist es für mich eine Abwägunssache. Gehe ich das Risiko ein, dass die ein oder andere Taube verloren geht durch den Greifvogel oder tue ich etwas für ihr Wohlbefinden und ihren Stoffwechsel auch während der Mauserzeit. Aktuell ist es mir noch wichtiger dass die Tiere Bewegung haben.
Gestern rief mich ein Züchter an und stellte mir die Frage, ob ich denke, dass man eine Reisesaison in der Regel erfolgreich komplett ohne Medikamentengabe bestreiten kann. Ich habe ihm geantwortet, dass ich nur in Ausnahmefällen glaube, dass das möglich ist. Aber in der Regel muss man wohl, wenn man die Tauben zwölf bis fünfzehn Wochen in sehr guter Verfasssung halten möchte, hin und wieder ein Medikament einsetzen.
Die Frage ist: hat man einen Tauben-Tierarzt in der Nähe mit dem man zusammenarbeiten kann? Dann ist man erst einmal auf der sicheren Seite, wenn man die Tauben so alle drei Wochen dort während der Wettflugsaison vorstellt. Der Arzt kann einem dann recht sicher sagen ob man etwas behandeln muss oder nicht und einem dann auch das entsprechende Medikament verschreiben.
Es gibt leider viele Regionen in Deutschland, in denen man seine Tauben nicht mal eben schnell irgendwo einem spezialisierten Tauben-Tierarzt vorstellen kann. Wenn man dann nicht teilweise weite Fahrten zu einem solchen Veterinär unternehmen kann oder will, dann muss man sich selbst helfen. Leider wird es genau an der Stelle aber von vielen Züchtern falsch angefangen und auch übertrieben. Man besorgt sich diverse Medikamente gegen Trichomonaden oder Infektionen der Atemwege usw. und setzt diese dann "zur Vorbeugung" relativ regelmäßig oder sogar wöchentlich ein. Das funktioniert auch oft recht gut aber, und das habe ich dem Anrufer auch gesagt, die Züchter kommen oft in einen Teufelskreis aus dem sie dann nicht mehr herauskommen. Die Tauben und der Bestand sind über die Jahre, die durchaus erfolgreich sein können, nahezu an sehr regelmäßige Medikamentengaben gewöhnt. Ohne Medizin geht dann irgendwann fast nichts mehr.
Ich kann sehr wohl gut verstehen, wenn Züchter sich in der Reisesaison selbst helfen (müssen), weil kein geeigneter Tierarzt in einigermaßen zeitnah erreichbarer Nähe ansässig ist. Aber wenn man schon den Weg geht sich irgendwo im Vorfeld der Reisesaison Medikamente zu besorgen und diese relativ regelmäßig einzusetzen, dann sollte man schon genau wissen, was man da tut.
Nebenbei bemerkt: ich glaube selbst überhaupt nicht, dass heutzutage noch in der Saison beispielsweise eine Trichomonadeninfektion ein großes Problem darstellt. Es gibt inzwischen verschiedenste Möglichkeiten Trichomonaden in der Reise so zu beschränken, dass sie für die Tauben keine Schwierigkeiten machen.
Gleiches gilt auch für Kokzidien. Diese machen letztlich in einem hygienisch geführten Bestand normalerweise keine größeren Probleme. Insofern denke ich, dass Medikamente in diesem Bereich während der Reise weitgehend unnötig sind. Wenn der Schlag dann noch gut funktioniert und v.a. nicht überbesetzt ist, dann hält man auch die Infektionsgefahr im eigenen Schlag relativ gering.
Der Hauptinfektionsherd bleibt am Ende der Kabinenexpress in dem sich Bakterien oder Viren, auch je nach Kabinenbesatz und Standzeit, teilweise schnell ausbreiten können. Diese Erreger betreffen dann v.a die Atemwege der Tauben oder auch mal den Darm. An der Stelle ist doch die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass man in der Reisesaison auch hin und wieder zu einem entsprechenden Medikament greifen muss um eine Ausbreitung im eigenen Bestand zu verhindern. Wie man das aber dann angehen sollte, das kann man während der langen Wintermonate und in der Vorbereitung auf die Saison auch mal mit einem spezialisierten Taubentierarzt besprechen und vorbereiten. So viel Zeit sollte jeder Züchter sich nehmen, | | | |
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