| | Gestern las ich eine interessante und sehr neue Studie zum Thema Kokzidien in Kaninchenpopulationen. In der Kaninchenzucht und der Kaninchenmast sind Kokzidien durchaus ein großes Problem hinsichtlich Wachstum der Tiere oder auch Sterbefällen und sind sie einmal in einer Population vorhanden, dann ist es extrem schwierig den Bestand wieder frei von diesen Erregern zu bekommen.
Auch wenn gerade erwachsene Brieftauben recht gut mit Kokzidien umgehen können und man durch eine gute Schlaghygiene einen allzu großen Befall bei unseren Tauben durchaus verhindern kann, so bin ich doch der Meinung, dass in der Reisezeit so manchber Leistungsabfall oder Leistungseinbruch nach einigen Flügen durchaus auch mit Kokzidien zusammenhängen kann. Die Tauben sehen dann gut aus, sind frei von Trichomonaden und auch die Atemwege sind in Ordnung, aber die Leistung ist einfach nicht so, wie sie sein könnte. Man sollte dann immer auch eine Kotprobe untersuchen lassen, denn Kokzidien können dann unterschwellig ein Problem sein.
In der Studie hinsichtlich der Kaninchen untersuchte man nun die Wirkung von Kokzidienmedikamenten (z.b. das Diclazuril, welches wir auch bei unseren Tauben einsetzen) oder auch pflanzlichen Produkten wie Oregano-Extrakt, wie er im Brieftaubensport inzwishen in zig Beiprodukten verwendet wird. Letzterem wird nachgesagt dass er sich dahingehend positiv auswirkt, dass er die Ausscheidung der Kokziden-Oozyten (also letztlich der Eier des Erregers) hemmt und somit die Ausbreitung in einem Bestand erschwert.
Um es hier nicht zu lang auszuführen möchte ich das Ergebnis der Studie, welche bei den Kaninchen durchgeführt wurde, einmal vorwegnehmen und zitieren.
" Absolut ausgeschiedene Oozystenzahlen wurden bestimmt, Eimeria-Arten identifiziert und Reproduktionsraten berechnet. Die Zufuhr und Wasseraufnahme, die Körpergewichtszunahme und die Futterumwandlung wurden zusätzlich zu den ausgeschiedenen Stuhlgewichten und deren Trockenmassegehalt beurteilt. In allen Gruppen führte die experimentelle Infektion zu deutlich reduzierten Leistungsparametern, veränderten Stuhlkonsistenzen und reduzierten Stuhlgewichten. Keines der drei Futtermittelzusatzstoffe reduzierte die Eimeria-Reproduktion signifikant oder verbesserte zootechnische Parameter und die Fäkalqualität im Vergleich zu den Kontrolltieren. Die vorliegende Studie bestätigt erstmals die vollständige und gleichzeitige Ineffektivität von Diclazuril und Robenidin aufgrund der mehrfachen Resistenz bei Kaninchen-Eimeria-Arten. Oregano als pflanzliche Alternative zur Vorbeugung von Kokzidiose bei Kaninchen ist wissenschaftlich nicht gerechtfertigt."
Dieses bedeutet, dass durch den jahrelangen, regelmäßigen Einsatz der genannten Medikamente Diclazuril und Robeniding die Kokzidien derart resistend geworden sind, dass sie keinen Nutzen mehr haben. Gleichzeitig hat der Oregano-Extrakt ebefalls keine Wirkung.
Ich kann nicht beurteilen wie die Resistenzsituation bei unseren Brieftauben inzwischen ist. Aber ich denke es wäre wichtig das einmal zu untersuchen und ebenso tatsächlich nachzuweisen, ob Oregano-Extrakte bei Brieftauben überhaupt irgendeine tatsächliche Wirkung haben.
Persönlich habe ich an dieser Stelle schon viele Jahre so meine Zweifel. Die Hersteller von Beiprodukten mischen allerdings immer weiter fleißig Oregano-Extrakte in ihre Mittel. Ich wundere mich manchmal wohinein man alles Oregano mischt aufgrund der möglichen Wirkung des enthaltenen Carvacol, welches eben eine gewisse Wirkung haben gegen diverse Krankheitserreger soll und frage mich auch, ob das alles so notwendig ist.
So wie bei unseren Brieftauben in den letzten Jahren die Trichomonaden recht resistenz gegen die entsprechenden Medikamente durch viel zu häufige Kuren geworden sind, so ist es bei den Kaninchen wohl mit den Kokzidien. Ich hoffe, dass es bei den Tauben noch nicht so ist. Aber als Schluss könnte man vielleicht ziehen, dass man bei einem behandlungswürdigen Befall mit Kokzidien und einer anschließenden Medikamentengabe immer auch noch eine Kotprobe zur Kontrolle des Behandlungserfolges durchführen lassen sollte. | | | |
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