| | Gestern nachmittag habe ich unseren Jungtauben wie immer Freiflug gegeben und sie haben dann für etwa zwei Stunden von 16 bis 18 Uhr machen können was sie wollen. In der Regel hole ich sie erst gegen 19 Uhr wieder herein, aber weil wir uns mit der Familie die Sonnenfinsternis ansehen wollten, rief ich die Jungtiere etwa eine Stunde früher wieder in den Schlag.
Wir haben uns dann etwas ausserhalb unseres Dorfes ins Feld auf eine Bank gesetzt um die Sonnenfinsternis mit einer entsprechenden Brille zu beobachten. Neben dem Schauspiel an sich fand ich es hochinteressant wie sich die Natur in kurzer Zeit veränderte. Das Licht wurde mit zunehmendem Bedeckungsgrad der Sonne sehr ungewohnt und nachdem gegen 19.45 Uhr der blaue Himmel noch voller Schwalben war, waren diese gegen 20 Uhr plötzlich alle verschwunden. Es waren weder Schwalben noch andere Vögel zu sehen und es war komplett ruhig draußen. Ich erinnerte mich, dass ich selbiges bei einer Sonnenfinsternis vor vielen Jahren (um das Jahr 2000 herum) erlebt hatte, die aber südlich und in den Mittagsstunden stattfand und die wir damals von unserer Terasse aus beobachteten. Nur wenige Minuten nachdem der Höhepunkt der gestrigen partiellen Sonnenfinsternis überschritten war, war der Himmel plötzlich wieder voller Schwalben und die Vögel waren deutlich zu hören.
Ich finde es beeindruckend wie sensibel die Vögel auf solche Veränderugen des Lichts reagieren. Meine Überlegungen gingen dann auch gleich wieder zu unseren Tauben. Wir belichten unsere Jungtauben schon seit etwa drei Jahrzehnten. Ich mache es inzwischen aus Erfahrung und Beobachtung etwas anders als die meisten Sportfreunde mit der Belichtung, aber ich dachte so bei mir: wie wirkt sich das Licht wohl (neben den Auswirkungen auf die Mauser des Deckgefieders) sonst auf unsere Jungtiere aus, wenn nur wenige Minuten einer partiellen Sonnenfinsternis ausreichen um das Verhalten der Vögel für kurze Zeit so deutlich zu verändern? Vielleicht gehen wir auch hinsichtlich Arbeit mit dem Licht (Belichtung, Verdunkelung usw) viel zu unkritisch mit der Wirkung auf unsere Brieftauben um.
Später zuhause hatte uns dann ein Sportfreund auf den Anrufbeantworter gesprochen und uns die einzig fehlende Jungtaube vom Flug ab Alsfeld am Dienstag gemeldet. Sie war am Abend mit seinen Jungtauben eingesprungen und sitzt in Korbach. Das ist etwa 40 KM Luftlinie von hier in Flugrichtung. Ich konnte dann über einen weiteren Sportfreund schnell telefonisch den Rücktransport der Taube organisieren, sodass sie in den nächsten Tagen wieder bei uns zuhause ankommen wird. Dieser Züchter wiederum berichtete mir dann, dass er seinen Jungtauben am abend Freiflug gegeben und nicht an die Sonnenfinsternis gedacht hatte. Als er dann die Tauben hereinholen wollte fehlten mehrere Tiere, die schließlich in kleinen Gruppen heimkehrten und sich sehr seltsam beim Fliegen benahmen, Sie flogen wohl sehr nervös und unsicher und völlig anders als sonst. Auch dieser Züchter vermutete einen Einfluss der Sonnenfinsternis und des deutlich veränderten Lichts auf seine Tauben, da er keinen Greifvogelangriff o.ä. beobachtet hatte. Ob es am Ende so war kann man allerdings nur vermuten.
Für morgen uns übermorgen hat die Flugsicherungskomission wieder eine Flugsperre für Jungtaubenflüge erteilt und wie es dann weiter geht muss man sehen. Es scheint aber hinsichtlich des Wetters so zu kommen, wie ich es schon mehrmal vor einiger Zeit hier schrieb: es wird insgesamt kühler, damit die Luft besser und auch wechselhafter. So ist es fast in jedem Jahr ab etwa Mitte August. Es wäre viel sinnvoller für das Jungtaubenspiel, wenn man sich endlich dazu durchringen könnte die Jungreise insgesamt nach hinten zu schieben in angenehmere Temperaturen. Eine solche Planung hätte in vielen Bereichen deutliche Vorteile gegenüber dem aktuellen Vorgehen immer wieder zu versuchen in der größten Hitze Im Juli und Anfang August einzelne Flugtage zu finden, an denen man Jungtierflüge durchführen kann. Hinsichtlich der Mauser der Tauben könnte man sich auch was die Verpaarung der Zuchttauben und das Züchten von Jungtieren betrifft problemlos auf eine spätere Jungtierreise einstellen. Wer möchte, der kann eben auch Verdunkeln und/oder Belichten. Aber dass wir in Deutschland nun seit Jahren größte Schwierigkeiten haben die Jungtierreise ohne große Verluste durchzuführen sollte uns doch dazu bringen einmal etwas andere Wege zu beschreiten. Daher wäre weiterhin mein Vorschlag die Jungtierreise erst ab etwa dem 15. August zu bestreiten und dann, wenn es möglich ist, eben alle drei, vier Tage einen Flug durchzuführen. Das könnte man mit gesunden und gut versorgten Jungtauben durchaus problemlos machen. | | | |
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