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Mittwoch, 01.04.2026
Sascha am 01.04.2026 um 06:31 (UTC)
 Vorgestern nachmittag habe ich die ersten Jungtauben des Jahrgangs 2026 auf den Jungtierschlag abgesetzt. Es ist immer schön die Jungtiere so schön entwickelt und gut gewachsen in die Hand zu nehmen. Ich notiere mir dann gleich immer die Farbe der Tiere und das Geschlecht. Meistens liege ich mit dem Geschlecht auch richtig, weil ich unseren Taubenstamm einfach gut kenne und in der Regel immer sehe ob ich da ein Männchen oder ein Weibchen in der Hand habe. Beim Absetzen steht dann im Jungtierschlag immer auch sofort etwas Zuchtfutter im Trog, über das ich etwas Mineralpulver von Dr. Marien rühre (ohne das Futter anzufeuchten).
Nachdem ich die Jungen in den Korb gesetzt hatte, habe ich auch gleich die Eier des zweiten Geleges der Zuchttauben kontroliiert und ich bin ganz begeistert, dass alle Eier heile und befruchtet sind.
Ich habe in diesem Jahr die Jungtiere in einem etwas jüngeren Alter, d.h. zwei, drei Tage früher als in früheren Jahren abgesetzt. Grund dafür ist, dass ich gelesen habe, dass die Elterntiere sich dann auch etwas länger von der Aufzucht regenerieren können bevor die nächsten Jungtiere schlüpfen. Das erschien mir recht schlüssig und so wurden die Jungtiere mit etwa 24 Tagen abgesetzt.
Nachdem ich die Jungtauben abgesetzt hatte, habe ich mich noch etwas auf dem Schlag aufgehalten und dann aus dem Fenster das Wetter beobachtet, da ich die Witwervögel noch herauslassen wollte, aber immer wieder starke Schauer durchzogen. Plötzlich flog eine Taube panisch ein Nachbardach an und landete. Weder bei uns selbst noch bei unserem Nachbarn waren aber Tauben im Freiflug. Ich habe mir die Taube dann angesehen - sie saß stocksteif und ängstlich auf dem Dach und habe dann einen Sportfreund angerufen, der etwa zwei Kilomete südöstlich von uns wohnt und ihn gefragt, ob er die Tauben draußen hat. Er sagte mir, dass es so sei und der Habicht schon zwei Mal angegriffen habe. Ich beschrieb ihm die Taube und er sagte mir, dass es wahrscheinlich sein Tier sei. Ich habe dann eine ganze Weile gewartet und dann die Ausflüge unseres Schlages für die Witwer geöffnet. Unser direkter Nachbar hatte seinen Tauben inzwischen auch Freiflug gegeben. Als ich gerade die Ausflüge offen hatte und sechs oder sieben Vögel draußen waren, rief mich der Sportfreunde, mit dem ich telefoniert hatte, wieder an und sagte: "Lass bloß die Tauben drin. Das bringt nichts! Der Habicht greift hier fortlaufend an!" Ich habe dann die Fänger des Ausflüge wieder geschlossen und die restlichen Vögel blieben im Schlag. Die wenigen Tiere, die draußen waren sprangen später wieder ein.
Gestern erfolgte der erste Habichtsangriff nicht lange nach dem die Tauben draußen waren und im Schwarm flogen. Unsere Vögel hatten sich mit einigen Tauben unseres Nachbarn gemischt als der Habicht westlich von mir einen Angriff startete. In diesem Fall hilft uns hier die Schreckschusspistole mit Heulern recht gut. Sie lenkt den Greifvogel doch sehr oft ab und so musste er auch dieses Mal ohne Beute abziehen. Einige Zeit später, als von unseren Tauben nur noch wenige in der Luft waren, aber sicherlich noch etwa 20 oder 25 Tiere unseres Nachbarn nahm der Schwarm plötzlich gewaltiges Tempo auf und erneut startete der Habicht eine Attacke. Dieses mal kam er aus dem Nordosten. Ich sah schon früh, dass die Tauben das Tempo so stark erhöhten und konnte dann erneut gezielt den Greifer erschrecken und er zog dann nach Südwesten ab während er auch noch von zwei paarenden Turmfalken geärgert wurde.
Eigentlich möchte ich hier nicht fast täglich über die ständigen Greifvogelattacken schreiben. Es gibt Schöneres im Brieftaubensport. In diesem Jahr hat es aber solche Ausmaße hier bei mehreren Schlägen angenommen, dass man eigentlich gar keine Lust hat zum jetzigen Zeitpunkt Tauben herauszulassen. Sollte unsere RV tatsächlich auf die Idee kommen in knapp zwei Wochen mit den Vorflügen zu starten, dann wäre das eine Katstrophe, weil wir hier mit mehreren Sportfreunden die Tauben gar nicht richtig in die Luft und in Form bekommen. Ich kann nur hoffen, dass man hier irgendwie vernünftig ist und mit den Flügen ausreichend lang wartet. So geht es jedenfalls nicht.
Hinzu kommt gottseidank, dass spätetens ab Ostern viele RVen ihr Vorflugprogramm starten werden. Da gibt es dann reichlich Futter für die Greifvögel. Auch hier in der Gegend werden dann recht zeitnah Flüge gestartet und so schlimm das dann für die Tauben ist und auch für die Züchter, denen Tauben fehlen - hier für uns schafft es oft etwas Erleichterung.
Alles in Allem muss man sich aber nicht wundern, denn die kalten Tage sind dieses Jahr lang und der Winter zäh. An den Bäumen ist hier noch kaum ein grünes Blatt. Viele Bäume sind noch kahl und haben kaum Sprossen. Früher sagte man: so lange macht man keine Vorflüge. Es muss erst grün an die Bäume. Früher war man aber scheinbar auch schlauer und naturverbundener als viele Brieftaubenfreunde heute. Heutzutage können es die RVen und Fluggemeinschaften scheinbar kaum noch abwarten unbedingt los zu fahren. Wohl auch deswegen, weil viele Sportfreunde als Rentner sonst auch wenig zu tun haben und auch deswegen, weil einzelne RVen es für nötig halten schon ab spätestens Mitte März loszufahren und damit ein unnötiger Druck in ganz Deutschland entsteht. Es wäre sinnvoll wenn unser Verband auch diesbezüglich Vorgaben schaffen würde. Keine Vorflüge vor dem 1. April und keine Preisflüge vor dem 1. Mai. So wie man das Ende der Altreise im August festlegt sollte man auch eine Regel für den Anfang festlegen. Wegen der Greifvögel und v.a. auch wegen einer gewissen Chancengleichheit.
 

Montag, 30.03.2026
Sascha am 30.03.2026 um 06:07 (UTC)
 Beim Blick aus dem Fenster heute morgen ist wieder einmal alles weiß. Über Nacht hat uns ein Schneegebiet überquert. Entsprechend niedrig sind die Temperaturen. Der Winter ist zäh in diesem Jahr.



Das merkt man auch am Verhalten der Greifvögel. Gestern habe ich die Tauben zum Freiflug geöffnet und bin in den Garten gegangen. Ich habe dann immer mein "Tipes Mobil" an um auf dem Handy zu sehen welche Tauben nach draußen gegangen sind. Es waren schon mehrere Tiere über die Antenne herausgegangen, aber als ich unten im Garten ankam waren keine Tauben auf dem Dach oder in der Luft zu sehen. Das war alles sehr seltsam. Es kamen dann nach und nach weitere Tiere heraus, die erst einmal oben auf den Dachfirst flogen. Es dauerte eine ganze Weile bis sie abflogen. Weitere Tauben waren nicht zu sehen. Nach etwa zehn Minuten sah ich dann extrem hoch in der Luft 7 Tauben fliegen. Das mussten die Vögel sein, die als erste herausgegangen waren. Sie verschwanden wieder und kamen dann nochmals für Minuten später etwas flacher aus Nordosten angeflogen und landeten schließlich. Das Verhalten der Tauben war extrem auffällig. Viele weitere Tiere wollten den Schlag gar nicht verlassen.
Ich hatte vor ein paar Tagen darüber geschrieben, dass unser bunter Vogel 544 vom Habicht verfolgt wurde. Das ist eigentlich eine sehr lebhafte Taube, die immer in Bewegung ist. Ich wollte schauen wie er sich benimmt und habe ihn vorsichtig aus dem Schlag getrieben. Er setzte sich auf das Ausflugbrett und bewegte sich nicht. Er stand ganz aufrecht und steif und wollte dann immer wieder in den Schlag. Als ich ihn nicht ließ flog er auf das Dach nebenan und blieb dort steif für mindestens 20 Minuten sitzen.



Später dann, als bis auf 6 Tauben alle wieder im Schlag waren, aber bei unserem Nachbarn noch etwa 25 Tiere in der Luft waren, flog der Habicht noch einen Angriff. Da war es etwa 19 Uhr (18 Uhr nach der Winterzeit). Der Greifvogel konnte keine Taube erwischen, aber die Tiere merken natürlich was los ist. Als unsere letzten Tauben landeten fehlte schließlich ein Vogel. Ich dachte schon, dass er irgendwann auch Opfer des Greifvogels geworden war, aber er kam dann doch noch wieder. Leider fehlte dem Vogel der komplette Schwanz. Damit kann er wohl nicht an der Altreise 2026 teilnehmen, denn bis die Federn einigermaßen wieder da sind ist die Reiesaison halb zu Ende.



Am Wochenende bekamen wir die Information, dass in unserer RV ab dem 10. April Informationen bekannt gegeben werden sollen, wann der erste Vorflug stattfindet. Es mag sein, dass sich bis dahin das Wetter endlich bessert. Die Greifvogelsituation aber wird sich bis dahin für viele Sportfreunde nicht gebessert haben. Ich hatte versucht in unserer Versammlung mehrfach darauf hinzuweisen, dass nicht allein das Wetter den Saisonstart bestimmt, sondern v.a. wie die Züchter ihre Tauben aufgrund der Greifvögel in die Luft und ans Trainieren bekommen und hatte dabei darauf hingewiesen, dass wir in der vergangenen Saison auf den ersten Flügen deutlich zu viele Tauben verloren haben trotz ordentlicher Flüge. Das hat mit mangelnder Fitness der Tauben zu diesem Zeitpunkt zu tun. Sie sind noch nicht lange genug in der Luft und im Training. Es fehlt den Tieren noch an Vielem. Das Thema wurde in der Versammlung wieder auf den kommenden Herbst vertagt. Dann könne man für das übernächste Reisejahr darüber sprechen, ob man später mit der Saison beginnt.
Ich will es mal so sagen: in Zeiten, in denen der Diesel so teuer geworden ist kann man es sich als RV oder FG nicht leisten in irgendeiner Form zu Saisonbeginn zu riskieren, dass die Taubenzahlen schnell in den Keller gehen. Auch das sollte man, neben dem Leid, dass die Tauben durch die Greifer mitmachen, einmal im Auge behalten. Wer nicht hören will, der muss schließlich fühlen und ich fürchte dass so manche RV, welche es nicht abwarten kann und die Reise sehr früh beginnt trotz schwieriger Wetter- und Greifvogelverhältnisse, es einfach in der Kasse deutlich spüren wird.
 

Sonntag, 29.03.2026
Sascha am 29.03.2026 um 05:53 (UTC)
 Nachdem die Witwervögel gestern etwa eine halbe Stunde Freiflug hatten ging bei uns ein kräftiger Graupelschauer herunter und es donnerte auch zwischenzeitlich. Einige Vögel waren noch in der Luft und suchten schnell das Hausdach auf. Der einzige Vorteil bei solchen Wetterbedingungen scheint mir zu sein, dass die Greifvögel dann weniger aktiv sind. Bei uns war jedenfalls gestern Nachmittag kein Angriff zu beobachten. Auch für die nächsten Tage bessert sich leider das Wetter, wenn man den Vorhersagen glauben schenken darf, nur sehr zögerlich. Den Tauben macht das erst einmal nicht so viel aus, aber wenn ich selbst im Garten stehe und versuche auf Greifvogelangriffe zu achten, dann muss ich mich schon winterlich anziehen und wenn die Vögel nass wieder in den Schlag gehen und in der Nacht Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen ist das auch nicht wirklich ideal.
Ich bin jetzt dazu übergegangen die Vögel zwei Mal am Tag zu füttern. Dazu habe ich mir vor einiger Zeit Futtertröge gekauft, die ich elektrisch per Zeitschaltuhr steuern kann. Wenn ich arbeiten bin fällt das Futter per Zeitsteuerung automatisch in der Trog zur programmierten Zeit. Derzeit probiere ich noch ein wenig mit der Menge herum. Es soll dann schon so sein, dass die Vögel alles auffressen bis auf einige, wenige Körner Gerste oder Paddy-Reis. die auch liegen bleiben dürfen. Es geht insgesamt aber schon recht gut. Ich muss halt auch immer Die Temperaturen und das Training im Auge behalten und damit das Fressverhalten der Tauben.
Außerdem habe ich gestern morgen die elektrische Hühnerklappe. die ich mir gekauft hatte, im Ausflug des Jungtierschlages eingebaut. Ich beginne in Kürze damit die Jungtauben der ersten Zucht abzusetzen und so können sich die Tiere sofort daran gewöhnen. Bei meinen Tests nach dem Einbau funktionierte alles sehr gut. Ich kann die Klappe per integrierter Zeitschaltuhr programmieren. Ich kann sie aber auch per App über das Handy steuern und damit öffnen oder schließen. Mir geht es dabei hauptsächlich darum, dass ich den Jungtauben, wenn ich Frühdienst habe, schon Freiflug geben kann. So ist es dann nach Feierabend weniger stressig und ich brauche die Tauben dann nur noch irgendwann herein rufen. Es wird auf jeden Fall eine spannende Sache zu sehen ob alles so funktioniert, wie ich mir das wünsche.

 

Samstag, 28.03.2026
Sascha am 28.03.2026 um 05:58 (UTC)
 Gestern nachmittag war das Wetter mal wieder etwas besser und die nun getrennten Vögel konnten in den Freiflug. Einige Tauben bewegen sich schon ganz gut, andere sitzen überwiegend im Schlag. Ich müsste eigentlich hingehen und die Vögel heraustreiben und kurze Zeit die Ausflüge schließen, damit sie erst einmal wieder wissen um was es geht. Aber aufgrund der Greifvogelsituation ist das doch sehr schwierig und nicht wirklich ideal. Heute soll dann auch das Wetter wieder schlechter werden. Es sind mehr Regen und Wind vorhergesagt und von den Temperaturen möchte ich gar nicht sprechen. Die sind fast winterlich. Alles in Allem ist es nicht so einfach in diesem Jahr die Tauben schnell fit zu bekommen.
Zu meinem gestrigen Beitrag hat mir ein Züchter gemailt und mir für die Saisonvorbereitung eine sehr leichte und rohfaserreiche Futtermischung mit wenig Fett und relativ wenig Eiweiß empfohlen. Ich weiß, dass viele Sportfreunde das so praktizieren. Ich könnte unseren Tauben auch jetzt noch mit der leichten Wintermischung versorgen. Aber ich halte das für nicht zielführend. Zum Einen ist es immernoch sehr kalt in der Nacht und am Tag. Die Tauben brauchen alleine für ihre Grundversorgung schon mehr an Energie als wenn es wärmer wäre. Zum anderen müssen sie auch Subsanz aufbauen. D.h. sie müssen die Muskulatur wieder entwickeln und die Bänder, Sehnen und Gelenke müssen geschmeidig werden und bleiben. Dazu bedarf es aus meiner Sicht schon etwas mehr als eine kohlehydratreiche und leichte Mischung. Mit so einem leichten Futter bekommt man die Tauben selbstverständlich schneller und ausgiebiger ans Trainieren. Wir haben das selbst vor vielen Jahren auch schon praktiziert. Aber wenn man dann den Zeitpunkt verpasst die Tauben gehaltvoller zu füttern, dann besteht immer die Gefahr, dass sie schon ein körperliches Defizit aufbauen und dann kommt der Einbruch nach den ersten schwereren Flügen ab Mitte der Saison.
Ich versuche eine Reisesaison, die immerhin 14 oder 15 Wochen dauert eher vom Ende her zu denken und die Tauben so zu versorgen, dass sie jetzt langsam aufgebaut werden und immer so versorgt werden, dass sie keinen Mangel erleiden.
Das zweite Problem sind, gerade bei Witwervögeln, die Schiefflieger. Einerseits ist das einfach eine Sache des Gewichts und der Gesundheit. Zu schwere Tauben werden leichter mal Schiefflieger. Andererseits ist es so, dass sehr leichte Tauben oft zu schnell anfangen zu stark zu trainieren. Und dann gibt es ebenfalls schnell Muskel- oder Gelenksverletzungen. Insofern neige ich auch hier dazu alles etwas langsamer anzugehen. Füttert man die Tauben gehaltvoller, dann trainieren sie nicht so wild und es kann erst einmal ein gewisser Aufbau stattfinden.
Vor vielen Jahren habe ich in der Saisonvorbereitung mal mit der Mischung Premium Start von Matador gearbeitet. Eine sehr leichte und kohlehyratreiche Futtermischung. Die Tauben flogen sehr schnell richtig gut am Haus. Aber an zwei kalten Tagen mit blauem Himmel, an denen die Tauben schon mit viel Tempo und hoch am Himmel flogen, fielen uns innerhalb kurzer Zeit vier jährige Vögel wie Steine vom Himmel und hatten die Schieffliegersymptomatik. Ich habe damals diese Tauben untersuchen und zwei sogar sezieren lassen. Es gab seinerzeit eine kleine Studie durch die Taubenklinik unter Leitung von Dr. Kamphausen. Aber herausgekommen ist sehr wenig. Die Vögel waren ansonsten gesund und Dr. Kamphausen sagte mir später: "Die waren zu schnell zu fit. Tauben wissen nicht, dass sie ein halbes Jahr festgesessen haben und langsam mit dem Training beginnen müssen." Er riet mir dann die Tauben etwas langsamer und mit etwas gehaltvollerem Futter an die Aufgaben heranzuführen.
Ich habe auch mal Versuche gemacht vor langer Zeit in denen ich die Tauben vor der Reise relativ viel mit einem Eiweiß- und Aminosäuren-Pulver versorgt habe. Das Futter war damals auch relativ leicht. Im Ergebnis wurden die Tauben rund wie Kanonenkugeln und sahen toll aus. Aber auch da gab es zu große Schwierigkeiten mit Schieffliegern.
Insgesamt fahren wir hier am Besten damit die Tauben lansgam aufzubauen mit einem gehaltvollen Futter mit relativ viel Eiweißkomponenten und dazu Mais für die Kohlehydrate. Beiprodukte gibt es kaum. Mineralien gibt es reichlich und ich achte v.a. auch darauf, dass die Tiere immer viel Magnesium aufnehmen können. Aber es gibt zusätzlich ansonsten fast kein Eiweiß, fast keine Vitamine oder sonst irgendwelche Produkte, die den Stoffwechsel anregen sollen. Wir lassen es hier ganz bewusst recht langsam angehen, weil wir es insgesamt für besser für die Tauben und es für zielführender mit Blick auf die ganze Saison halten.
Ob das Vorgehen so richtig ist kann ich dann am Ende der Saison sagen. Jeder Züchter kann das nur anhand von Erfahrungswerten tun und ich wiederhole an der Stelle das, was ich gestern schon schrieb: wissenschaftlich belastbare Daten gibt es nicht. Wir wissen alle nicht was die Tauben nach der langen Zeit des Festsitzens benötigt. Es wäre viel besser wenn solche Dinge einmal untersucht würden.
 

Freitag, 27.03.2026
Sascha am 27.03.2026 um 07:55 (UTC)
 Es ist etwas mehr als 40 Jahre her als ich an einem Wintertag von der Schule kam. Auf dem Hof unseres Nachbarn lagen Federn und als ich genauer nachschaute, sah ich, dass der Habicht auf einer Taube saß. Es war "mein 626". Dieser Vogel war zu der Zeit mein Liebling. Ein kleiner, schöner Blauscheck. Ein Vereinskollege hatte zu meinem Vater gesagt, als er den "626" als Jungtier oder Jährig in die Hand nahm: "Den kannst du gleich weg machen. Der ist zu klein." Mein Vater behielt die Taube, weil sie mein Liebling war, aber auch, weil sie einfach gut war. Der Vogel flog bis zu seinem Ableben mehrfach zweistellig mit frühen Preisen.
Damals ließen wir die Tauben im Winter noch immer mal nach draußen zum Freiflug, aber die Verluste wurden immer größer. Nach dem Tod des "626" beschlossen wir die Tiere im Winter nicht mehr frei fliegen zu lassen.
So ist es bis heute geblieben, wenngleich ich in einigen, wenigen Jahren doch mal Tauben ab und an herausgelassen habe. So zwei Mal in der Woche. Es gab Jahre da ging es mit relativ geringen Verlusten und es gab Jahre, da mussten wir sie schnell wieder festsetzen, weil die Greifvögel ständig Tauben angriffen, verletzten und töteten.
In den letzten Jahrzehnten sind immer mehr Sportfreunde in immer mehr Regionen Deutschlands dazu übergegangen die Tauben im Winter fest zu setzen um Verluste durch die Greifvogelüberpopulation zu vermeiden.
Betrachtet man es genauer, dann ist das eigentlich ein riesiger Fehler, den wir alle machen. Wir lassen Hochleistungssportler vier, fünf oder sechs Monate nur auf der Stange sitzen und schränken ihre Bewegung massiv ein. Das kann für den Körper der Tauben nicht gut sein und auch nicht für ihren Geist und ihre Orientierungsfähigkeit.
Dann kommen die Tauben, je nach Region, Ende Februar oder Anfang bis Mitte März (oder teilweise noch später) wieder nach draußen und schon kurze Zeit später gehen die Vor- und Wettflüge wieder los. Die Flüge beginnen teilweise und unsinnigerweise noch früher als zu Zeiten in denen die Tiere im Winter Freiflug bekommen konnten. Das Zeitfenster zu den Flügen ist oftmals extrem klein - wahrscheinlich zu klein und zu kurz.
Nach dem langen Festsitzen im Winter ist die Saisonvorbereitung eigentlich die Wichtigste Zeit im Taubenjahr. Wenn die Tiere in diesem kurzen Zeitfenster nicht gesund sind und eine gewisse Fitness und Form aufbauen, dann kann man das folgende Reisejahr im Grunde genommen schon vergessen. Die Leistungen werden nicht zufriendenstellend sein und wahrscheinlich die Verluste auch größer als nötig.
Was mich allerdings sehr wundert in unserem Brieftaubensport ist die Tatsache, dass die Futtermittelhersteller und die Produzenten von Beiprodukten so wenig auf dieses so wichtige Zeitfenster im Frühjahr zwischen den ersten Freiflügen und den Vor- und Preisflügen eingehen.
Für mich ist diese Zeit die wohl wichtigste Phase der Saison. Jetzt werden die Grundlagen für ein erfolgreiches Reisejahr gelegt. Die Tauben müssen in sehr kurzer Zeit Kondition aufbauen, Muskeln wieder aufbauen, den ganzen Stoffwechsel extrem hoch fahren und auch ihre Orientierung und ihr Heimfindevermögen wieder schärfen.
Es gibt Züchter, die lassen ihre Reisetauben irgendwann im Frühjahr Junge ziehen, andere (so wie wir) züchten nicht, sondern führen die Tauben trocken (einige Sportfreunde paaren ein mal die Tauben an, andere zwei Mal, einige lassen jeweils nur kurz brüten, andere länger oder lassen überbrüten). Diese teils so unterschiedlich geführten Tauben haben allesamt andere körperliche Voraussetzungen wenn die Trainingsphase beginnt und auch während der Trainigsphase. Sie müssen eigentlich völlig anders versorgt und aufgebaut und an ihr Leistungsvermögen herangeführt werden.
Von den Herstellern der Beiprodukte oder der Futtermittelindustrie gibt es allerdings für diese Zeit überhaupt keine angepassten Empfehlungen. Da heißt es stets nur: "Ihr müsst die Tauben an die Produkte gewöhnen, die ihr in der Reisesaison geben möchtet." oder dass dieses oder jenes Mittel gut sei für den Formaufbau oder die Verbesserung der körperlichen Verfassung. Die Futtermittelfirmen empfehlen eine Gewöhnung an die Reisemischungen, die man verwenden möchte, aber Studien dazu was die Tiere nun wirklich brauchen scheint es nicht zu geben.
Es gibt Züchter, die füttern ihre Tauben jetzt extrem leicht damit sie Gewicht verlieren und um Schiefflieger zu vermeiden. Andere Sportfreunde füttern sehr gehaltvoll (wir tun das auch - darauf werde ich morgen noch zurückkommen) um die Tauben nicht zu schnell an Substanz verlieren zu lassen und sie langsam aufzubauen.
Aber was ist richtig? Was benötigen die Tiere nun an Beiprodukten? Brauchen sie mehr Vitamine oder Mineralien oder Aminosäuren als zu anderen Zeiten des Jahres? Benötigen sie vielleicht eine völlig andere Versorgung um ihre Form aufzubauen als später, wenn die Reiseform und die Flugverfassung wirklich da ist? Keiner kann das wirklich sagen. Letztlich arbeiten wir alle nur mit Erfahrungswerten und unserem Gefühl als mehr oder weniger erfahrene Brieftaubenzüchter..
Ich finde das schade, denn der Brieftaubensport ist inzwischen teilweise auch Hochleistungssport. Kein menschlicher Leistungssportler würde sein Trainingsprogramm nur auf Erfahrungswerten aufbauen. Da steckt eine ganz gezielte Wissenschaft dahinter. Das ist für unseren Sektor Brieftaubensport so natürlich kaum möglich und umsetzbar und vielleicht müssten wir jede Taube auch noch individuell anders versorgen, wenn wir es optimal machen wollten, weil jedes Tier indivieduell anders ist. Aber ich würde mir schon wünschen dass es in dieser Hinsicht einfach mehr Untersuchungen gibt.
Ich mache mir über diese Dinge sehr gerne viele Gedanken weil ich denke, dass in diesem Bereich noch sehr viel Potenzial liegt um die Tauben besser in Form zu bringen und optimal an ihre individuelle Leistungsfähigkeit heran zu führen Ich möchte morgen mal beschreiben wie wir es hier versuchen. Hier ein Foto des Futters wie die Tauben es nun in der Vorbereitung bekommen bis ich kurz vor den Vorflügen auf die Reisemischungen umstelle.

 

Donnerstag, 26.03.2026
Sascha am 26.03.2026 um 14:27 (UTC)
 Heute gehen hier immer wieder kräftige Graupel- und Schneeschauer herunter. Ein Freiflug der Tauben ist da kaum möglich. Nach dem Trennen der Tauben sitzen die Vögel aber ohnehin noch auf dem Nest und insofern würden sie auch den Freiflug nicht nutzen. Sollte das Wetter morgen besser sein können die Vögel dann wieder nach draußen. Heute morgen, als die Schauer eine kleine Pause machten, schoss während ich im Garten stand ein Sperber über mich hinweg. Bei diesem Wetter haben die Greifvögel doch immernoch extrem Hunger.
Da die Reisevögel nun auf Witwerschaft sind werde ich morgen noch einmal die Schläge richtig reinigen, die Nistschalen abräumen und Staubsaugen und dann wird es Zeit, dass sie regelmäßig fliegen und so etwas wie Form aufbauen können. Wichtig wäre dazu aber auch, dass das Wetter sich bessert und es wärmer wird. Ansonsten wird es schwierig.
Unsere Dachbodenschläge sind da insgesamt sogar noch ein Vorteil, denn sie sind immer etwas wärmer und bekommen immer etwas mehr Sonne - wenn sie denn scheint - als Gartenschläge. Am Ende ist immer Geduld gefragt. Erzwingen kann man gar nichts.
Vor knapp zwei Wochen hatten wir unsere RV-Versammlung über die ich hier kurz berichtet habe. Letztlich durften wir einem Reiseplan zustimmen - oder eben nicht - der im Regionalverband so besprochen wurde. Gestern wurden schon wieder Nachrichten herumgeschickt bzgl Änderungen am Reiseplan hinsichtlich des Endfluges. Unabhängig davon wie das nun wieder zustande gekommen ist frage ich mich, warum wir überhaupt noch Versammlungen veranstalten, wenn schon zwei Wochen später wieder Änderungen an den Beschlüssen vorgenommen werden müssen. Man kann es sich weitgehend schenken an den Versammlungen teilzunehmen und sich stattdessen besser zwei, drei Stunden zwischen seine Tauben setzen. Nach Ende des Reisejahres wird von den Beschlüssen hinsichtlich des Reiseplans sowieso nicht viel übrig bleiben.





 

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