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Sonntag, 27.09.2026
Sascha am 27.09.2026 um 16:12 (UTC)
 Wie hier in unserem Schlag die Tauben jetzt in der Hauptmauser versorgt werden, hatte ich zuletzt ausführlich beschrieben. Am Ende beschränkt es sich darauf, dass die Tauben das Futter bekommen, welches ich hier zusammen gemischt hatte (aus Winterfutter, Zuchtfutter und Reisefutter) und die Versorgung zwei Mal in der Woche mit den Pulvern von Dr. Marien, die ich mit Gemüsemix und flüssiger Hefe an das Futter gebe. Dazu gibt es jeden Tag eine handvoll Mineralien in Form von Gritmischung, Mineralpulver und Heilerde zur freien Aufnahme. Die Gritmischung enthält weder Sämereien, noch Lockstoffe, noch Korrels oder Backerzeugnisse und was sonst oft noch so in diese Eimer gemischt wird, die am Markt angeboten werden.
Damit mausern die Tauben prima, sie sehen gut aus und auch das Gewicht ist in Ordnung.
In der aktuellen "Brieftaube" schreibt Franz Steffl darüber, dass ihre Tauben in der Mauserzeit mit einer sehr reichhaltigen Mausermischung versorgt werden, die u.a. 15 Prozent Hanf und Sämereien etc. enthält. Das kann man sicherlich auch tun. Es steht dort nicht noch gesondert geschrieben was es an Beiprodukten gibt, aber auch da wird sicherlich das ein oder andere Mittel eingesetzt. Ich neige eher dazu die Mauser als einen völlig natürlichen Prozess zu betrachten, wie ihn auch Ad Schaerlaeckens in der aktuellen "De Duif" beschreibt.
"Was ist also das Beste, was man tun kann, wenn die Tauben mausern? Man lässt sie einfach in Ruhe. Und wie sieht es mit der Fütterung aus? Eine sogenannte „Mauser-Mischung“ verabreichen? Ich halte diesen Begriff für unsinnig. Eine Mischung, die Tauben schneller und besser mausern lässt, gibt es schlichtweg nicht. Es handelt sich um einen geschickten Marketingbegriff, der Käufer anlocken soll. (...) Lässt sich also absolut nichts tun? Nur sehr wenig.
Man kann jedoch Fehler machen. Tauben in der Mauser trainieren nicht, und Tauben, die nicht trainieren, setzen leicht Fett an. Und übergewichtige Tauben taugen zu nichts: weder zur Zucht noch für den Wettflug oder die Mauser."


Mit seinen letzten Worten trifft Ad Schaerlaeckens übrigens einen Punkt, den ich in den letzten Jahren mehr und mehr ebenso so sehe: egal ob in der Reisesaison, in der Zuchtsaison oder jetzt in der Mauser - wir überversorgen unsere Tauben und bei den meisten Sportfreunden sitzen die Tiere dann auch noch wegen der Greifvogelplage ein halbes Jahr lang oder länger fest.
Ich komme mehr und mehr dahin es so zu sehen, wie es auch Dr. Marien immer wieder propagiert. Eine gute Brieftaube in einem funktionierenden Schlag braucht nicht viel. Gutes, nicht zu gehaltvolles Futter. Frischen Grit und frische Mineralien. Hier und da etwas tierisches Eiweiß oder auch Bierhefe und damit mausert eine Taube gut, trainiert gut, fliegt gut, paart gut und züchtet gute Junge.
Im deutschen Brieftaubensport hat teilweise eine sehr seltsame entwicklung stattgefunden: wir verlagen von den Tauben immer weniger hinsichtlich der Flugentfernung, der Flugzeit und lassen sie oft nur noch bei absoluten Topbedingungen auf. Die Taube muss da nicht mehr viel leisten außer schnell nach hause zu fliegen. Oft noch begünstigt durch den Wind. Aber genau diese Tiere, die eigentlich nicht mehr so sehr viel tun müssen werden versorgt als ob sie alle 5 Tage 900 KM fliegen müssten. Mit viel zu vielen Beiprodukten, viel zu gehaltvollem Futter und leider oft auch mit zu vielen Medikamenten. Das ist uns über die Jahre so eingeredet worden von der Industrie. Und so ist es auch in der Mauser. Mit gutem Futter, Mineralien, vielleicht etwas Grünzeug und etwas Eiweiß mausert eine Taube hervorragend und die Federn werden am Ende auch nicht einen Millimeter kürzer deswegen. Und schon gar nicht fliegt eine Taube deswegen im Folgejahr einen Preis mehr oder weniger oder mehr Spitzenpreise.
Ich kann jedem nur einmal raten es auszuprobieren jetzt in der Mauser und ein paar Tauben nur mit einem herkömmlichen Futter, mit Mineralien und vielleicht einem Multivitamin zu versorgen. Eventuell noch ein Aminosäurenprodukt. In einem funktionierenden Schlag, in dem man eine gewisse Hygiene einhält, mausert diese Tauben nicht einen Deut schlechter als ein Tier, dass mit Allerlei Beiprodukten und dem teuersten Mauserfutter am Markt versorgt wird.

 

Samstag, 26.09.2026
Sascha am 26.09.2026 um 07:03 (UTC)
 In den Niederlanden und auch in Belgien gibt es seit mehreren Jahren eine intensive Diskussion über die Teilnahme der sogenannten "Mega-Schläge" an den Wettflügen. Züchter, deren Tauben unter Profi-Bedingungen geführt werden, nehmen teilweise mit 200, 250 oder 300 Tauben an den Preisflügen teil. Das führt dazu, dass sich der "kleine Züchter", der nur mit einer kleinen Mannschaft an den Wettbewerben teilnimmt, oft kaum noch in den Preislisten wieder findet. Einige Sportfreunde können mit dieser Entwicklung gut leben, andere Sportfreunde halten die Wettbewerbe aufgrund dieser Situation inzwischen für verzerrt und nicht mehr aussagekräftig und sind frustriert.
Hier bei uns in Deutschland ist die Entwicklung nicht ganz so extrem, aber es ist doch oft so, dass die sogenannten Top-Schläge mit überdimensional großen Mannschaften an den Start gehen. Ich habe an dieser Stelle schon häufiger davon geschrieben, dass ich davon nicht so sehr viel halte. Gerade die kommerziellen Schläge und Züchter sprechen oder schreiben oft von der sogenannten "Taubenqualität", die den Unterschied bei Erfolg oder Misserfolg oder auch bei Wiederkehr und Verlust der Tauben ausmacht. Ich will den Faktor "Taubenqualität" überhaupt nicht in Abrede stellen. Es ist am Ende tatsächlich neben der Gesundheit und der Forn der Tauben der entscheidende Faktor, der über die Leistungen einer Taube und eines Schlages entscheidet.
Aber wenn in einem Bestand die Taubenqualität wirklich hervorragend ist, dann benötigt dieser Schlag auch nicht 100, 120, 150 oder noch mehr Jung- oder Alttauben um an der Reise teilzunehmen.
Ein Positivbeispiel war an dieser Stelle für mich immer der leider verstorbene Meisterzüchter Wolfgang Roeper. Er hatte eine völlig normale Anzahl an Jungtauben, die er herkömmlich reiste. Er ging mit etwa 40 Witwervögeln die Altreise an und über seine jahrzehntelangen Top-Resultate muss ich hier nicht berichten. Dieser Mann konnte es einfach. Er war stets auf der Suche nach der hervorragenden Taube, er konnte die Tauben ausgezeichnet motivieren und auf die Flüge vorbereiten und wie sich in den letzten Jahren auch mehr und mehr auf anderen Schlägen zeigte, konnte er aus diesen Tauben auch hervorragende Nachzucht züchten.
Auf der anderen Seite gibt es Schläge, die überaus erfolgreich sind über viele Jahre, die aber für diesen Erfolg auch einen deutlich über dem Schnitt liegenden Taubenbestand halten (müssen). Dort stimmt auch alles. Das Training, die Verorgung und Vorbereitung der Tauben und die Motivation. Teilweise dreht sich in diesen Schlägen 24 Stunden alles um die Tauben. Es sind fast Profi-Bedingungen. Trotzdem hält man dort teils riesige Zucht- und Reisebestände, weil am Ende eben die Qualität der Tauben nicht so groß ist, wie es die Ergebnisse auf den ersten Blick suggerieren mögen. Um einige herausragende Tauben zu züchten müssen dort erst einmal viel mehr Tauben insgesamt gehalten werden.
Auch an dieser Stelle sollte sich also jeder Sportfreund, der nun versucht seinen Bestand zu verstärken, sehr gut überlegen wo es Sinn macht nach besseren Tauben zu suchen.
Ad Schaerlaeckens berichtet übrigens im Zusammenhang mit den Mega-Schlägen von einem Züchter aus Brasilien, der ihm nun eine Email geschrieben hat. Ich möchte diese Email einmal hier veröffentlichen als Gedankenansatz für unser deutsches Reisesystem.

"Ich verstehe die Beschwerden kleiner belgischer und niederländischer Züchter gegen die Megaschläge. Hier in Brasilien gelte ich als großer Züchter, weil ich einen Taubenschlag mit 450 Tauben habe.
Ich glaube, dass wir hier in Brasilien einen faireren Wettbewerb haben, da wir bei all unseren Wettbewerben nur 30 Tauben pro Züchter und Wettbewerb anmelden können. Überschüssige Tauben können wir beliebig oft schicken, sie werden aber 15 Minuten nach den offiziell angemeldeten Tauben freigelassen. (...) Auch bei Vereinswettbewerben wird die Regel von 30 Tauben pro Züchter eingehalten."


Vielleicht wäre es einmal zu überlegen ein ähnliches Modell auch hier bei uns in Deutschland zu testen. Dadurch hätte niemand einen Nachteil, denn alle Tauben könnten weiter gereist werden und auch finanziell würde sich für die Veranstalter nichts ändern.
 

Freitag, 25.09.2026
Sascha am 25.09.2026 um 06:15 (UTC)
 Ich schaue nur noch sehr selten auf die verschiedenen Brieftauben-Auktionsseiten im Interet. Da ich dort keine Tauben kaufe und mich vieles einfach nicht interessiert, sind diese Seiten für mich doch eher Zeitverschwendunng. Gestern aber schickte mir ein Sportfreund einen Link zu einer Auktion, die der Anbieter der Tauben mit folgenden Worten einleitet:

"Ich mache Schluß! - Verkauf aller Zuchttauben!
Warum mache ich Schluss!!
Wenn ich die Wörter Wettermanufaktur und Flugverlegungskommission schon höre, bekomme ich Puls und Blutdruck auf einmal.
Dazu noch ein paar Leute deren Unfähigkeit nicht mehr zu überbieten ist, haben dazu geführt, dass ich die Schnauze voll habe!!!
Alttiereisen nach dem 8. Flug eingestellt, da es keinen Sinn mehr machte unter diesen Umständen Tauben zu schicken, obwohl wir noch in allen Meisterschaften mit oben lagen!
Für Berufstätige ist ein solches Reisen nicht mehr möglich!!!"


Aus den Worten des Sportfreundes, der in einer uns vorgelagerten Reisevereinigung seine Tauben spielt, spricht einfach nur großer Frust. Ich kenne weder die Einzelheiten in diesem Fall, noch möchte ich mir ein Urteil erlauben, ob all dieser Frust berechtigt ist.
Ich möchte aber sehr wohl feststellen, dass ich den Züchter verstehen kann. Aucn mir ging es in der zurückliegenden Saison wieder einmal so, dass ich nach recht wenigen Flügen die Nase vollkommen voll hatte. Zu keinem Zeitpunkt in der Reisesaison weiß man eigentlich, wann ein Flug stattfindet und v.a. wann das Einsatzgeschäft terminiert ist. Woche für Woche kommen fortlaufend Nahrichten darüber, ob ein Flug verschoben wird und damit auch das Einsetzen der Tauben.
Am Rande der beiden One-Loft-Rennen, die ich letztens besucht hatte, habe ich auch mit mehreren jüngeren Sportfreunden gesprochen, die ebenfalls noch berufstätig sind. Auch da das gleiche Bild: die Züchter sind einfach nur noch frustriert. Wenn sie halbwegs vernünftig ihre Tauben reisen und dabei noch ein bißchen Erfolg haben möchten, dann ist das für die Sportfreunde, die noch im Arbeitsleben stehen, fast nur noch unter größten Anstrengungen möglich und mit einem Hobby hat das Brieftaubenwesen an der Stelle kaum noch zu tun.
Als ich letzte Woche den Vogel telefonisch meldete, über den ich geschrieben habe, berichtete mir der Züchter der Taube, dass aus seiner Region im grenznahen Raum im Rheinland, erneut mehrere Züchter in die niederländische NPO wechseln um dort ihre Tauben zu spielen. Er sagte mir auch, dass das RV-spiel in seiner Gegend mehr und mehr kaputt geht, weil die Züchter lieber weitere Anfahrtswege und höhere Kosten hinnehmen, als weiter ihre Tauben im deutschen Programmspiel zu reisen, wo nichts mehr planbar sei.
Ein Beispiel für den Irrsinn, der in Deutschland inzwischen um sich gegriffen hat, ist die RV unseres FSK-Vorsitzenden im Regionalverband 258. Dort fanden die vier Jungtierpreisflüge in der zurückliegenden Saison an folgenden Wochentagen statt: Donnerstag, Freitag, Mittwoch, und Mittwoch in einem Zeitraum von fünfeinhalb Wochen. Hat man deswegen dort bessere Flüge gehabt oder weniger Tauben verloren? Ich denke kaum. Und obendrein bleibt die Frage welcher berufstätige Züchter (womöglich mit Familie und Kindern) diesen Unsinn noch mitmachen soll.
Mir ist nicht bekannt ob es in den Gremien unseres Verbandes aktuell Überlegungen gibt an dieser Stelle endlich Änderungen vorzunehmen und den Brieftaubensport in Deutschland wieder planbarer zu machen. Mich beschleicht allerdings seit längerer Zeit der Eindruck, dass es vielen Verantwortlichen ein ganzes Stück weit egal ist wenn das Brieftaubenwesen in unserem Land weiter vor die Hunde geht und man einfach so weitermachen möchte wie zuletzt bis dann gar nichts mehr geht.
 

Donnerstag, 24.09.2026
Sascha am 24.09.2026 um 06:06 (UTC)
 Es gibt bei verschiedenen Vogelarten Studien die zeigen, dass sich während der Hauptmauser die bakterielle Besiedlung des Darms teils massiv verändert. Da das Nachwachsen der Federn extrem energie- und nährstoffaufwendig ist, gerät der Organismus unter physiologischen Stress. Dieser Stress und die hormonelle Umstellung spiegeln sich direkt im Darm- und Gefiedermikrobiom unmittelbar wider. Das sogenannte Mikrobiom im Darm scheint sich beinahe so zu erneuern, wie es auch das Federkleid tut. Bestimmte Bakterienarten vermehren sich stark, die Anzahl anderer Bakterien nimmt, teils vorrübergehend, deutlich ab. Zwar gibt es für unsere Brieftauben diesbezüglich wohl keine ergiebigen Studien, aber ich denke mir, dass es bei unseren Tieren sehr ähnlich abläuft.
Manchmal ist, trotz gleichbleibender Versorgung, in der Mauserzeit das Kotbild tageweise ein anderes als außerhalb der Hauptmauser. Auch bestimmte Erkrankungen wie Patatyphus oder Ornithose, schleichen sich während der Mauser oft in die Bestände. Letzteres hat wiederum wohl damit zu tun, dass das Immunsystem während des Federwechsels oft heruntergefahren wird. Da das Immunsystem und die Darmflora eng miteinander kommunizieren, nutzen dann krankmachende Bakterien diese Phase aus um sich zu vermehren.
Obwohl diese Dinge inzwischen allgemein bekannt sein dürften durch Artikel in Fachzeitschriften etc. gibt es immernoch reichlich Sportfreunde, die ausgerechnet jetzt zu dieser Zeit mit Medikamenten hantieren. In einem niederländischen Blog schrieb jetzt ein sehr erfolgreicher Züchter. dass seine Tauben zu Beginn der Mauser zunächst eine Trichomonaden-Tablette erhalten und anschließend über 14 Tage "blind" gegen Paratyphus gekurt werden. Weiterhin rät er dazu alle zwei bis drei Jahre bei diesen Kuren die Medikamente zu wechseln.
Aber dass jemand erfolgreich mit Tauben reist heißt nicht, dass er auch alles richtig macht in der Versorgung seiner Tiere. Dieser Züchter scheint mit seinem Wissen und seinem Vorgehen vor 30 oder 40 Jahren stecken geblieben zu sein. Er täte deutlich besser daran die Tauben untersuchen zu lassen mit einer Kotprobe und, wenn möglich, auch mit Abstrichen beim Tierarzt und dann nur zu behandeln, wenn es wirklich notwendig ist. Mit den von ihm verwendeten Medikamenten zerstört er noch mehr in der Darmflora seiner Tauben, als der Mauservorgang ohnehin verändert.
Selbstverständlich erholt sich die Darmflora der Tauben auch von diesen Kuren und den Veränderungen in der Mauserzeit. Aber ich glaube fest daran, dass sich dieser regelmäßige Medikamentenge- (bzw. miss-)brauch über die Jahre sehr negativ in einem Bestand verankert. Trotz aller Erfolge, die sehr gut reisende Schläge haben, werden so behandelte Tauben über die Jahre durch entsprechende Vererbung, immer anfälliger.
Mir braucht auch niemand erzählen, dass Züchter, die jetzt zur Mauserzeit die Tauben in jedem Jahr regelmäßig über längere Zeit mit Medikamenten behandeln, sonst im Reise- und Zuchtjahr kaum oder keine Medizin verwenden. Dort gehört der Griff zu diversen Medikamenten einfach zum Programm dazu.
Grundsätzlich kann auch jeder Züchter selbst entscheiden wie er in dieser Hinsicht vorgeht. Aber: jetzt beginnt wieder die Verkaufs- und Versteigerungssaison. An dieser Stelle muss sich jetzt jeder Sportfreund sehr gut überlegen wo er versucht sich mit Tauben zu verstärken. Denn wenn man Preislisten lesen kann, die Größe der Bestände von Züchtern kennt und sich darüber hinaus ein wenig informiert, dann kann man sehr schnell Rückschlüsse darauf ziehen wie groß der Medikamenteneinsatz bei so manch erfolgreichem Schlag über das Jahr ist. Anhand dieser Informationen kann man dann immernoch entscheiden ob es richtig ist sich bei bestimmten Schlägen mit Tauben zu "verstärken".
Für mich persönlich gibt es eine Menge herausragend reisender Schläge aus deren Bestand ich keine einzige Taube haben wollte. Unabhängig davon was sie kosten und aus welchen Elterntieren sie stammen. Einfach weil ich mir denke, dass die Tauben aus diesen Beständen nicht dazu passen wie wir hier unsere Tiere führen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Tauben, die ständig mit allerlei Beiprodukten rund um das Jahr unterstützt werden und die sehr regelmäßig Medikamente bekommen und dazu noch aus teilweise sehr großen (Zucht-)beständen kommen, bei uns dann das Leistungsniveau deutlich verbessern, ist einfach viel zu gering. Es macht für uns keinen Sinn und jeder Sportfreund, der aktuell darüber nachdenkt sich irgendwo Tauben zuzulegen, der sollte sich ebenfalls sehr gut überlegen was wirklich für ihn selbst und seinen Bestand Sinn macht.
 

Dienstag, 22.09.2026
Sascha am 22.09.2026 um 17:48 (UTC)
 Die Mauser ist jetzt v.a. bei den alten Reisevögeln, aber auch schon bei den Jungtauben, recht weit fortgeschritten. Wenn ich mal eine Taube in die Hand nehme, dann fliegt das Deckgefieder nur so. Deswegen lasse ich die Tiere auch weitgehend in Ruhe. Im Wechsel, so wie es meine Zeit zulässt, habe ich die Tauben aber auch in den letzten Tagen immer mal herausgelassen, denn das Wetter war meistens toll mit viel Sonne und angenehmen Temperaturen.
Heute nachmittag waren unsere Reisevögel an der Reihe, aber dabei hat es dann fast ein Unglück gegeben. Ein junger Wanderfalke griff die wenigen Vögel, die draußen waren und flogen, gleich zwei Mal an. Beide Tauben, die er attackierte, konnten aber entkommen. Ich bin in solchen Situationen immer zu langsam. Normalerweise hätte ich mein Handy nehmen und einmal filmen müssen was diese Greifvögel mit unseren Tauben anstellen. Heute haben beide Tauben aber Glück und Können gehabt und konnten entkommen. Trotzdem war das natürlich nicht schön mit anzusehen. Die Überpopulation an Greifvögeln bringt es aber leider mit sich, dass sich solche Gefahrensituationen für unsere Tauben immer wieder ergeben und leider auch viel zu viele Tiere geschlagen werden.
Trotz der Bedrohungen durch die verschiedenen Greifvögel möchte ich aber doch weiter versuchen die Tauben immer mal wieder herauszulassen zum Freiflug. Selbstverständlich ohne Zwang, aber wenn die Tiere fliegen wollen, dann sollen sie es tun. Ich bin dieses lange festsetzen der Tauben über den ganzen Herbst und Winter einfach leid. Ich denke oft darüber nach wie es mir gehen würde, wenn man mich ein halbes Jahr lang einsperren würde...ich würde das auch nicht wollen.
 

Sonnntag, 20.09.2026
Sascha am 20.09.2026 um 05:41 (UTC)
 Gestern habe ich den Eigentümer des zugeflogenen Weitstreckenvogels telefonisch erreicht. In einem sehr netten Gespräch kamen wir überein, dass er mir den Eigentumsausweis der Taube zuschickt. Der Vogel stammt direkt aus zwei Leistungstauben aus der Weitstrecke. Leider wurde seine Mutter in diesem Frühjahr beim Training am Schlag von einem Greifvogel geschlagen. Ein Bruder des Vogels hatte auch schon hervorragend geflogen und wurde dann von einem Flug, ebenfalls vom Greifvogel schwer verletzt, in Luxemburg gemeldet. Ich finde es immer sehr interessant solche Geschichten zu hören.
Im Grunde genommen integriere ich nie irgendwelche zugeflogenen Tauben in unseren Bestand. Ich sehe darin keinen Sinn. Es ist schon schwer genug selbst gute Tauben zu züchten. Noch schwerer ist es sich bei anderen Sportfreunden mit Tauben zu verstärken, die einen irgendwie weiter bringen. Warum sollte also ausgerechnet eine Taube, die den Weg nach hause nicht geschafft hat, dann eine Verbesserung für den eigenen Zuchtbestand sein?! Ja, es gibt viele Aunahmen und Geschichten wo teilweise sogar ganze erfolgreiche Bestände auf einem Zuflug aufgebaut wurden, Aber da ist keinesfalls die Regel, sondern am Ende Lotterie.
Weil mir diese Taube aber einfach gut gefällt und ich ein gutes Gefühl bei ihr habe, mache ich an der Stelle mal eine Ausnahme Auch, weil es eine Weitstreckentaube aus einem erfolgreichen Bestand ist. Es ist einfach mal ein kleiner Versuch zu meinem Spaß.
Auch im zurückliegenden Reisejahr habe ich mich wieder mit der sogenannten "Augenkrankheit" bei Jungtauben beschäftigt Bei uns im eigenen Schlag hatten wir in dieser Saison keinerlei Probleme und allgemein hatte ich den Eindruck, dass in diesem Jahr die Ausbrüche nicht so stark waren bzw nicht so offensichtlich beobachtet werden konnten. Trotzdem gab es doch flächendeckend überall Züchter in deren Beständen wieder Jungtauben mit diesen entzündeten Augen zu beklagen waren.
Gestern hatte ich Kontakt zu einem Sportfreund, der mir schon vor der Saison gesagt hatte, dass er einen Versuch starten wolle: er hatte geplant seine Jungtauben in diesem Jahr mit einem Paramyxo-Herpes-Impfstoff zu impfen. Nicht mit dem PHA-Impfstoff, der häufig verwendet wird, sondern mit einem Impfstoff, in dem die Adeno-Komponente nicht enthalten ist. Ich hatte ihm damals gesagt, dass ich nicht denke, dass diese entzündeten Augen irgendetwas mit Herpes zu tun haben wie es teilweise durch den Begriff "Herpes-Auge" suggeriert wird.
Der Sportfreund berichtete mir nun, dass die Impfung tatsächlich nichts gebracht habe in dieser Hinsicht, denn gegen Ende der Jungtierreise habe er mehrere Jungtauben mit dieser typischen Symptomatik gehabt. Ein trockenes, einseitig entzündetes Auge, dass die Tauben immer wieder zu kneifen und wo meistens unter dem Unterlid das Fleisch geschwollen ist.
Was der Auslöser für die Erkrankung ist soll weiter untersucht werden (auch unsere Verbandsklinik beteiligt sich ja aktuell an diesen Untersuchungen) und ich hoffe, dass man den Erreger isolieren kann.
Was ich mich aber besonders seit dieser Saison frage: ist das Krankheitsbild vielleicht unterschwellig in den Beständen, sodass man es kaum sieht und kann es dadurch zu schwierigen und schlechten Flugverläufen kommen und wie schnell verbreitet ich eine mögliche Infektion überhaupt im Kabinenexpress und auf welchem Weg? Ich denke wir sollten das alles gezielt weiter untersuchen und würde mir wünschen, dass unsere Verbandsklinik in diesem Punkt mit ein oder zwei seriösen One-Loft-Races zusammen arbeiten würde. Nirgends kann man schneller und besser Krankheiten erforschen als bei den One-Loft-Rennen, denn dort entsteht gerade in der Anlieferungsphase der Tauben ein wahres Sammelsurium an Infektionen, wo man sicherlich sehr interessante Proben nehmen könnte.
Insgesamt ist bei mir in der zurückliegenden Saison durchaus der Eindruck entstanden, dass so mancher schlecht verlaufende Flug einfach mit einer Art Infektionsgeschehen in den Beständen bzw. im Kabinenexpress zusammenhängen könnte. Ob ich an der Stelle aber richtig liege weiß ich nicht.
 

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