| | Vorgestern nachmittag habe ich die ersten Jungtauben des Jahrgangs 2026 auf den Jungtierschlag abgesetzt. Es ist immer schön die Jungtiere so schön entwickelt und gut gewachsen in die Hand zu nehmen. Ich notiere mir dann gleich immer die Farbe der Tiere und das Geschlecht. Meistens liege ich mit dem Geschlecht auch richtig, weil ich unseren Taubenstamm einfach gut kenne und in der Regel immer sehe ob ich da ein Männchen oder ein Weibchen in der Hand habe. Beim Absetzen steht dann im Jungtierschlag immer auch sofort etwas Zuchtfutter im Trog, über das ich etwas Mineralpulver von Dr. Marien rühre (ohne das Futter anzufeuchten).
Nachdem ich die Jungen in den Korb gesetzt hatte, habe ich auch gleich die Eier des zweiten Geleges der Zuchttauben kontroliiert und ich bin ganz begeistert, dass alle Eier heile und befruchtet sind.
Ich habe in diesem Jahr die Jungtiere in einem etwas jüngeren Alter, d.h. zwei, drei Tage früher als in früheren Jahren abgesetzt. Grund dafür ist, dass ich gelesen habe, dass die Elterntiere sich dann auch etwas länger von der Aufzucht regenerieren können bevor die nächsten Jungtiere schlüpfen. Das erschien mir recht schlüssig und so wurden die Jungtiere mit etwa 24 Tagen abgesetzt.
Nachdem ich die Jungtauben abgesetzt hatte, habe ich mich noch etwas auf dem Schlag aufgehalten und dann aus dem Fenster das Wetter beobachtet, da ich die Witwervögel noch herauslassen wollte, aber immer wieder starke Schauer durchzogen. Plötzlich flog eine Taube panisch ein Nachbardach an und landete. Weder bei uns selbst noch bei unserem Nachbarn waren aber Tauben im Freiflug. Ich habe mir die Taube dann angesehen - sie saß stocksteif und ängstlich auf dem Dach und habe dann einen Sportfreund angerufen, der etwa zwei Kilomete südöstlich von uns wohnt und ihn gefragt, ob er die Tauben draußen hat. Er sagte mir, dass es so sei und der Habicht schon zwei Mal angegriffen habe. Ich beschrieb ihm die Taube und er sagte mir, dass es wahrscheinlich sein Tier sei. Ich habe dann eine ganze Weile gewartet und dann die Ausflüge unseres Schlages für die Witwer geöffnet. Unser direkter Nachbar hatte seinen Tauben inzwischen auch Freiflug gegeben. Als ich gerade die Ausflüge offen hatte und sechs oder sieben Vögel draußen waren, rief mich der Sportfreunde, mit dem ich telefoniert hatte, wieder an und sagte: "Lass bloß die Tauben drin. Das bringt nichts! Der Habicht greift hier fortlaufend an!" Ich habe dann die Fänger des Ausflüge wieder geschlossen und die restlichen Vögel blieben im Schlag. Die wenigen Tiere, die draußen waren sprangen später wieder ein.
Gestern erfolgte der erste Habichtsangriff nicht lange nach dem die Tauben draußen waren und im Schwarm flogen. Unsere Vögel hatten sich mit einigen Tauben unseres Nachbarn gemischt als der Habicht westlich von mir einen Angriff startete. In diesem Fall hilft uns hier die Schreckschusspistole mit Heulern recht gut. Sie lenkt den Greifvogel doch sehr oft ab und so musste er auch dieses Mal ohne Beute abziehen. Einige Zeit später, als von unseren Tauben nur noch wenige in der Luft waren, aber sicherlich noch etwa 20 oder 25 Tiere unseres Nachbarn nahm der Schwarm plötzlich gewaltiges Tempo auf und erneut startete der Habicht eine Attacke. Dieses mal kam er aus dem Nordosten. Ich sah schon früh, dass die Tauben das Tempo so stark erhöhten und konnte dann erneut gezielt den Greifer erschrecken und er zog dann nach Südwesten ab während er auch noch von zwei paarenden Turmfalken geärgert wurde.
Eigentlich möchte ich hier nicht fast täglich über die ständigen Greifvogelattacken schreiben. Es gibt Schöneres im Brieftaubensport. In diesem Jahr hat es aber solche Ausmaße hier bei mehreren Schlägen angenommen, dass man eigentlich gar keine Lust hat zum jetzigen Zeitpunkt Tauben herauszulassen. Sollte unsere RV tatsächlich auf die Idee kommen in knapp zwei Wochen mit den Vorflügen zu starten, dann wäre das eine Katstrophe, weil wir hier mit mehreren Sportfreunden die Tauben gar nicht richtig in die Luft und in Form bekommen. Ich kann nur hoffen, dass man hier irgendwie vernünftig ist und mit den Flügen ausreichend lang wartet. So geht es jedenfalls nicht.
Hinzu kommt gottseidank, dass spätetens ab Ostern viele RVen ihr Vorflugprogramm starten werden. Da gibt es dann reichlich Futter für die Greifvögel. Auch hier in der Gegend werden dann recht zeitnah Flüge gestartet und so schlimm das dann für die Tauben ist und auch für die Züchter, denen Tauben fehlen - hier für uns schafft es oft etwas Erleichterung.
Alles in Allem muss man sich aber nicht wundern, denn die kalten Tage sind dieses Jahr lang und der Winter zäh. An den Bäumen ist hier noch kaum ein grünes Blatt. Viele Bäume sind noch kahl und haben kaum Sprossen. Früher sagte man: so lange macht man keine Vorflüge. Es muss erst grün an die Bäume. Früher war man aber scheinbar auch schlauer und naturverbundener als viele Brieftaubenfreunde heute. Heutzutage können es die RVen und Fluggemeinschaften scheinbar kaum noch abwarten unbedingt los zu fahren. Wohl auch deswegen, weil viele Sportfreunde als Rentner sonst auch wenig zu tun haben und auch deswegen, weil einzelne RVen es für nötig halten schon ab spätestens Mitte März loszufahren und damit ein unnötiger Druck in ganz Deutschland entsteht. Es wäre sinnvoll wenn unser Verband auch diesbezüglich Vorgaben schaffen würde. Keine Vorflüge vor dem 1. April und keine Preisflüge vor dem 1. Mai. So wie man das Ende der Altreise im August festlegt sollte man auch eine Regel für den Anfang festlegen. Wegen der Greifvögel und v.a. auch wegen einer gewissen Chancengleichheit. | | | |
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