| | Beim Stöbern im Internet stieß ich auf den Zuchtkatalog eines sehr erfolgreichen Züchters. Er hat schon seine Zuchtpaarungen für 2026 veröffentlicht. Abstammungen und Bilder der Tauben und dazu die Preise für eine Jungtaube. Ich frage mich gelegentlich wirklich wo wir eigentlich hingekommen sind. Da werden dann Preise pro Jungtaube von 500 bis 1000 Euro aufgerufen. So soll beispielsweise ein Jungtier aus einem erwiesenen Zuchtvogel mit einer nun zweijährigen Täubin, von der man noch gar nichts weiß, schmale 1000 Euro kosten.
Es kann jeder für Jungtauben verlangen was er will und jeder soll bezahlen was er will und wenn der Sportfreund die Tauben für diese (meiner Ansicht nach viel zu hohen) Preise los wird, dann gratuliere ich ihm. Aber ich persönlich empfinde solche Zahlen einfach nur noch als völlig daneben. Man muss sich immer vor Augen halten was die Folgen davon sind, wenn Sportfreunde so viel Geld in Jungtauben investieren. Die Erwartungen sind groß, sie glauben und hoffen, dass sie damit hervorragende Tauben gekauft haben. Aber auch dieser Sportfreund züchtet, wie jeder andere auch, zu 90 Prozent Tauben, die einfach nichts taugen. Und dann hat jemand 500 oder 750 oder 1000 Euro für eine junge Taube ausgegeben, aus der er dann zwei, drei, vier Jahre nur weitgehend unbrauchbaren Nachwuchs züchtet. So etwas schafft Unruhe und Unzufriedenheit.
Ich habe es hier schon gelegentlich geschrieben: es ist sehr schwer gute Tauben zu finden und einen Sportfreund, bei dem man Tauben holt und der auch zu einem selbst passt. Dessen Führung der Tauben zu dem passt, was man selbst mit den Tauben macht und zeitlich und finanziell machen kann.
Unsere Führung der Tauben stelle ich hier immer mal wieder dar. Wir machen hier von je her wenig Aufwand um die Tauben. Wenn wir nun Tauben von einem erfolgreichen Schlag holen, der die Tauben 24 Stunden rund um die Uhr betreut, zig Beiprodukte gibt, der sie vor und in der Reise häufig privat trainiert usw. - dann kann ich doch gar nicht erwarten dass die Tauben dieses Schlages mich in der Zucht weiterbringen. Es kann selbstverständlich ein Treffer dabei sein. Aber mir wäre das Risiko viel zu groß für 10 Tauben 5.000 bis 10.000 Euro auszugeben und dann zu sehen, dass mich diese Tiere gar nicht oder kaum weiter bringen.
An dieser Stelle ist auch immer Ehrlichkeit wichtig: wenn ein Züchter einen großen Aufwand in der Betreuung seiner Tauben betreibt und damit erfolgreich ist, dann ist das sein Weg die Tiere zu versorgen und alles ist in Ordnung. Aber er sollte dann schon klar machen, dass die Erfolge eben auch mit diesem großen Aufwand zusammen hängen und die Taubenqualität an sich vielleicht gut, aber nicht so überragend ist, wie es die Erfolge suggerieren.
Brieftaubensport ist immer ein Gesamtpaket. Versorgung, Training, Gesundheitsmanagement, Taubenqualität und letztlich auch die zeitlichen Möglichkeiten sind Faktoren, die bei den Erfolgen eine Rolle spielen. Diese Faktoren sind in jedem Schlag anders.
Es macht für viele Sportfreunde einfach gar keinen Sinn viel Geld in Tauben zu investieren, die von Schlägen kommen wo sich 24 Stunden am Tag alles um die Tauben dreht. Ganz einfach weil sie in der Regel mit diesen Tauben nicht weiter kommen. Wer große Summen in eine Jungtaube investieren will, der soll das gerne tun. Aber dann sollte man sich nachher nicht beklagen, wenn das Geld futsch ist und die Ergebnisse trotzdem nicht besser als vorher. Aber ganz abgesehen davon: wieviele Jungtauben sind wirklich 500 oder 1000 Euro wert, wenn man sie kauft? Ich denke der Prozentsatz an allen gekauften und verkauften Tauben eines Jahres hier in Deutschland ist verschwindend gering. | | | |
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