Brieftauben Mimberg

NEUIGKEITEN

Brieftauben-Mimberg bei Facebook *Klick*
Montag, 12.01.2026
Sascha am 12.01.2026 um 06:37 (UTC)
 Nach einigen eisigen Tagen und Nächten wird es nun hier bei uns in den nächsten Tagen wohl deutlich wärmer mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Aktuell haben wir sehr starken Wind und Eisregen und teilweise extreme Glätte, aber auch das wird sich schnell geben. So schön sonnige und eisige Wintertage auch sind, so viel angenehmer ist es, wenn die Tränken bei den Tauen nicht mehr ständig zufrieren und man sich auch wieder etwas länger bei den Tieren aufhalten kann und sie auch wieder sauber machen kann, denn zuletzt war in den Schlägen alles gefroren.
Ein befreundeter Züchter hat in diesem Jahr it einigen wenigen Zuchtpaaren eine kleine Winterzucht durchgeführt, um die Jungtiere aus diesen Verpaarungen zu bestimmten One-Loft-Races zu geben. Die Jungtauben wurden einige Tage nach Neujahr geringt. Selbstverständlich wachsen sie auch auf und werden von ihren Eltern vernünftig versorgt. Aber er berichtete mir auch wie sie doch deutlich unruhiger in ihren Nestern liegen und durch Bewegungen und zittern versuchten sich zu wärmen, wenn ihre Eltern nicht auf dem Nest saßen. Ich denke, dass diese Jungtauben einfach ein wenig langsamer wachsen als Tiere, die im Sommer bei 25 oder 30 Grad in den Nestern liegen. Das ist auch nicht weiter problematisch, aber häufig werben Verkaufsschläge oder Firmen damit, dass Tauben mit der entsprechenden Versorgung einen oder zwei Tage früher geringt werden können und besser aufwachsen. Wenn es so ist, dass ein schnelleres Wachstum für die Tauben im späteren Leben einen Vorteil bietet, dann muss man hinterfragen ob eine Winterzucht immer Sinn macht. Für uns hier in Deutschland sehe ich in einer Winterzucht weiterhin wenig Sinn, wenn man nicht gerade um die Regionalverbands- oder deutsche Jungtaubenmeisterschaft mitspielen möchte. Letzteres funktioniert nur mit Tauben, die einen entsprechenden Federstand durch Verdunkeln und Belichten haben und das ermöglicht natürlich eine klassische Winterzucht. Aber es ist auch mit etwas später gezüchteten Jungtauben machbar sie zu verdunkeln und anschließend zu belichten, wenn man das möchte. Für das deutsche Jungtauben-Reiseprogramm wäre das allemal ausreichend.
Es ist schon ein riesiger Unterschied ob man aktuell Jungtiere aufwachsen lässt oder im Hochsommer. Jeder kennt es: wenn man im Sommer noch hier und da ein paar Gelege aufzieht, dann wachsen die Jungtauben im Nest bei hohen Temperaturen praktisch von alleine. Die Eltern benötigen nur Futter, Wasser und Mineralien und die Jungtiere gehen auf wie die Hefekuchen. Daran ist jetzt um diese Zeit und bei diesen Temperaturen nicht zu denken.
Was mich aber interessieren würde wären Untersuchungen zur Qualität der Tauben, die zu so unterschiedlichen Zeiten gezogen wurden. Unterscheiden sich diese Tiere z.b. hinsichtlich ihrer Anfälligkeit für Krankheiten oder ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit oder hinsichtlich anderer Parameter in ihrem späteren Leben voneinander? Es wird oft darüber geklagt, dass die Tauben immer anfälliger für Krankheiten werden. Dass sie nicht mehr gut nachkommen auf Flügen, wenn sie einmal nicht pünktlich zuhause sind. Dass sie (hier in Deutschland) die weiten Flüge über 600 oder 700 KM und weiter nicht mehr gut bewältigen können. Wenn es so ist, dass die Tauben insgesamt weniger robust sind, dann wäre vielleicht auch ein Zusammenhang dahingehend zu denken, dass es mit der häufig immer früheren Zucht und vielleicht auch den Temperaturen während des Aufwachsens der Jungtauben zusammenhängt. Ich kann das nicht beurteilen. Es sind nur Überlegungen,die mir so durch den Kopf gehen. Wir haben hier noch nie eine Winterzucht durchgeführt und werden es absehbar auch nicht tun, weil es für uns keinen Sinn macht. Trotzdem mache ich mir gerne Gedanken über solche möglichen Zusammenhänge.
 

Sonntag, 11.01.2026
Sascha am 11.01.2026 um 05:59 (UTC)
 Gestern nachmittag habe ich nach der Arbeit und nachdem ich die Tauben versorgt hatte unsere RV-Ausstellung besucht. Die Veranstaltung war gut besucht und es waren für mich einige schöne Stunden. Ich konnte mir die ausgestellten Tauben ansehen und wieder einmal feststellen, dass ich das Preisrichterwesen wohl nie verstehen werde. Wenn alte Reisetauben, die sehr gute Leistungen gebracht und eine zweistellige Anzahl an Preisen errungen haben teilweise schlechter bewertet werden als Jungtauben, dann fehlt mir zu diesem Ausstellungswesen einfach der Zugang. Vielleicht sollte man, um Brieftauben-Ausstellungen grundsätzlich wieder attraktiver zu machen, das ganze Bewertungs-System einmal überdenken. Davon abgesehen waren die ausgestellten Tiere aber wieder einmal wunderschön präsentiert in ihren Käfigen und in unserer Einsatzhalle herrschten auch sehr angenehme Temperaturen - im Gegensatz zu der Eiseskälte draußen.
Es fand dann später noch die Siegerehrung des zurückliegenden Reisejahres statt und ich konnte hier und da eine Urkunde und eine Medaille entgegegen nehmen. Da wir die Altreise nur bis zum 9. Flug bestritten hatten und an insgesamt 5 Preisflügen nicht teilgenommen hatte, wir aber trotzdem beispielsweise für eine Platzierung bei der Jährigenmeisterschaft geehrt wurden, musste ich an die Sportfreunde denken, die leider gar keine Auszeichnung bekamen obwohl sie vielleicht bis zum Ende der Reise ihre Tauben gesetzt hatten. Ich denke oft, dass auch da unsere Meisterschaftssysteme nicht so wirklich ideal sind.
Am Abend lief dann die Pre-Auktion unserer Versteigerung aus, die heute dann etwa ab dem Mittagsstunden endgültig abgeschlossen werden soll. Wenn jemand aus dem näheren Umland gerne noch einen Gutschein oder eine Taube ersteigern möchte oder dem Vortrag von dem Vortrag von David Bald (von der neuen Firma Bergerpigeons) lauschen möchte, der ab etwa 10.30 Uhr beginnt, kann er gerne zur Ausstellung kommen. Die Straßen sind frei, geräumt und gestreut. Ein Sportfreund unserer RV ließ sich gestern von der Ausstellung entschuldigen, da er von nachts 4 Uhr an bis nachmittags um 16 Uhr ununterbrochen gearbeitet und für freie Straßen in der Stadt Warstein gesorgt hatte.
Es liegt hier eine sehr kalte Nacht hinter uns und die Temperaturen sind auch heute morgen noch im zweistelligen Bereich unter null Grad. Ich werde, sobald es hell ist, die Tauben versorgen und muss dann leider zur Arbeit, sodass ich nicht mehr zur Ausstellung fahren kann.
Ich weiß nicht wie viele RVen es in Deutschland noch gibt, die solch eine Veranstaltung über drei Tage in völliger Eigenregie auf die Beine stellen. Wenn überhaupt, dann sind es eher Fluggemeinschaften oder ganze Regionalverbände und selbst da finden Ausstellungen, Versteigerungen usw. oftmals nur an einem Tag statt. Unsere Reisevereinigung schafft es dank des Einsatzes vieler Sportfreunde und einer guten Organisation durch den Vorstand immer noch ein solches Event auf die Beine zu stellen und uns auch - das darf man nicht vergessen - damit sehr positiv in der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Schon gestern waren auch einige Menschen dort, die selbst gar keinen Bezug zu Brieftauben haben und am heutigen Sonntag sind es traditionell am Nachmittag noch einige mehr, die sich dann Kaffee und Kuchen schmecken lassen. Die Presse war bereits vor Ort und auch heute wird noch einmal jemand die Ausstellungssieger bei der Siegerehrung fotografieren und in den nächsten Tagen gibt es dann einen ausführlichen Pressebericht.
Viele Organisationen beschränken sich leider heute darauf das schnelle Geld mit einer Auktion zu machen und Drumherum sonst nicht viel zu veranstalten. Dabei können auch Ausstellungen, egal in welchem Umfang, eine tolle Sache ein.
Versteigerungen und Vorträge gehören zu so einem Wochenende heutzutage dann auch dazu und es spricht auch überhaupt nichts dagegen, dass dann mit einer solchen Veranstaltung Geld verdient wird. Aber es geht doch auch darum im Winter einfach zusammen zu kommen und, wenn man so will, ein paar "Brieftaubentage" zu verbringen. Unsere Reisevereinigung zeigt in jedem Jahr, dass auch solche Veranstaltungen immer noch reichlich Zulauf haben können.

 

Samstag, 10.01.2026
Sascha am 10.01.2026 um 06:18 (UTC)
 Zurückliegend haben sich in den letzten Wochen mehrere Sportfreunde bei mir gemeldet, die bei einigen ihrer Tauben gesundheitliche Probleme vermuteten. Bei einem Züchter gab es ornithoseähnliche Probleme bei mehreren Tauben, ein anderer Züchter berichtete, dass er einen guten Zuchtvogel habe, der einige Tage nach einer Impfung flüssigen und ins gelbliche gehenden Kot absetze und noch ein Sportfreund erzählte mir, dass er in einem Schlag bei mehreren Vögeln zu nassen und flüssigen Kot beobachte.
Aus der Entfernung dazu irgendetwas zu sagen ist für mich schwierig. Ich kann immer nur raten, wenn es möglich ist, einen auf Tauben spezialisierten Tierarzt aufzusuchen. Wenn das nicht möglich ist, dann macht es aus meiner Sicht aber auch keinen Sinn in Panik zu verfallen und sofort der Taube oder den Tauben "blind" irgendein Medikament zu geben. Normalerweise drängt jetzt in der Winterzeit nichts und man kann ganz in Ruhe überlegen was der Auslöser für die Probleme sein kann und dann gegebenenfalls Maßnahmen einleiten.
Manchmal kommt man im Gespräch dann darauf, dass z.b. neu eingeführte Tauben Probleme mitgebracht haben könnten oder bauliche Veränderungen am Schlag oder eben Schwierigkeiten nach einer Impfung durch die zusätzliche Belastung durchbrechen etc. Gerade bei Problemen wie nassem, wässrigem Kot, kann man erst einmal beim Taubentierarzt eine Kotprobe einsenden und untersuchen lassen. Dann weiß man oft mehr. Wenn nur einzelne Tiere betroffen sind bin ich persönlich auch der Meinung, dass man durchaus auch auf die Selbstheilungskräfte der Tauben vertrauen sollte. Viele Dinge regeln sich mit der Zeit, wie bei uns Menschen auch, von alleine. Schnupfen und Entzündungen an den Augen können bei unseren Brieftauben allerdings schnell zu einem Bestandsproblem werden und man sollte da schon den Tierarzt zumindest telefonisch kontaktieren und sich Hilfe holen. Auch nicht jede bauliche Veränderung am Schlag, die vielleicht gut gedacht oder gemeint war, ist wirklich sinnvoll und es kann sein, dass man sie wieder zurücknehmen muss.
Ich merke allerdings auch, dass viele Sportfreunde sehr sensibel sind was die Gesundheit ihrer Tiere betrifft. Sie beobachten gut, stellen Veränderungen fest und machen sich viele Gedanken. Ich selbst versuche die Tauben auch sehr gut zu beobachten. Ich versuche immer zu sehen ob es irgendwo Probleme gibt bei Einzeltieren oder bei mehreren Tauben, aber gerade jetzt im Winter mache ich mir nicht so große Sorgen, wenn man eine Taube "etwas krumm" dasitzt oder etwas zu nassen Kot absetzt. Manchmal fressen wie viele Mineralien und saufen zu viel, manchmal picken sie im Schnee. Es ist nicht immer gleich ein großes Problem.
Was ich im Winter auch immer beobachte: die Tauben fressen sehr viel Rotstein. Wenn es wärmer ist im Frühjahr und Sommer tun sie das nicht. Ich glaube nicht, dass die Tauben im Winter einen höheren Bedarf an Rotstein haben. Ich denke sie füllen sich damit nur den Magen, weil sie immer etwas Hunger haben. Füttert man die Tauben völlig satt, dann bleibt auch der Rotstein liegen. Insgesamt gebe ich den Tieren schon seit Jahren sehr wenig Rotstein. Ich glaube nicht, dass er irgendeinen Nutzen für unsere Tauben hat. Mineralien kann man auch anders und besser zuführen als durch gebrannten Ton. Denn nichts anderes ist Rotstein. Es mag sein, dass Rotstein seine Vorteile für die Verdauung der Tauben hat, weil er Giftstoffe bindet, aber da unsere Tauben sehr regelmäßig Heilerde bekommen, sehe ich für uns den Nutzen von Rotstein nicht wirklich.
 

Mittwoch, 07.01.2025
Sascha am 07.01.2026 um 16:05 (UTC)
 Am kommenden Wochenende veranstaltet unsere Reisevereinigung "Möhnetal" Warstein wieder ihre jährliche RV-Ausstellung. Auch in diesem Jahr werden wieder um die 200 Tauben von unseren Züchtern ausgestellt und von Preisrichtern bewertet. Ich hätte in diesem Jahr auch sehr gerne mit einigen Tauben an der Ausstellung teilgenommen, aber berufsbedingt bekomme ich es zeitlich einfach überhaupt nicht hin die Tauben einigermaßen pünktlich anzuliefern oder sie nach Ende der Ausstellung wieder abzuholen.
Neben der Ausstellung und der Siegerehrung, sowie unserer RV-Siegerehrung für das vergangene Reisejahr stehen auch wieder eine kleine Auktion und ein Züchterforum statt. Anlässlich des Züchterforums stell der Sportfreund David Balk die neuen Produkte und das Versorgungskonzept von "Bergerpigeons" vor.
David Balk hat hautnah die Gründung von Bergerpigeons begleitet und ist so als interessierter Züchter Moderator und Markenbotschafter beim Internet-Podcast "Frag den Berger" geworden und gibt erstmals die Möglichkeit, seine Erfahrungen und seinen Blick hinter die Kulissen kennenzulernen. Der Vortrag findet am Sonntagvormittag, den 11. Januar ab etwa 10 Uhr in der Einsatzhalle der RV Möhnetal-Warstein e.V, Romeckeweg 2, 59581 Warstein statt.
Im Anschluss an diesen Vortrag werden dann die aktuell in einer Pre-Auktion zum Gebot stehenden Gutscheine und Tauben verschiedener, erfolgreicher Sportfreunde vor Ort versteigert.
Mir persönlich ist es ein Anliegen heute einmal auf den Gutschein der Schlaggemeinschaft Karl-Heinz und Michael Stumme hinzuweisen, da es sich hier nicht um irgendeinen Gutschein handelt, sondern um einen Gutschein für zwei Jungtauben aus der besten Täubin der "Regionalverbandsgruppe Nord" im Regionalverband 258. Die Täubin flog im vergangenen Jahr im RV-Programm 11/12 Preise und auf den Regionalverbandsgruppenflügen 9/9 Preise. Sie flog in der RV-Preisliste u.a. den 1.3.5. und 9. Konkurs, wobei der 1. Konkurs auch in der Fluggemeinschaft gegen 1.201 Tauben auf einer Entfernung von 548 KM errungen wurde.
Ich denke es ist schon etwas Besonderes wenn Sportfreunde bereit sind gleich zwei Jungtiere aus solch einer Täubin zu spenden.
Der Vater der beiden Gutschein-Jungtauben ist aus meiner Sicht aber auch etwas Besonders. Er kommt vom Schlag Georg und Michl Endress aus der RV Forchheim. Er ist ein Enkel des bekannten "Hurrican 1272". Warum auch der Vater aus meiner Sicht etwas Besonderes ist? Vor einigen Jahren erhielt wir selbst von der SG Endress einen Halbbruder zu dieser Taube, der hier sehr gut vererbt hat. Aus ihm stammten u.a. unser 575, der maßgeblich am Gewinn der deutschen Jährigenmeisterschaft beteiigt war (genau wie sein Nestbruder 576). Der 575 flog als Jähriger 10 Preise mit 829 As-Punkten und wurde damit 15. bester jähriger in der Westfalenmeisterschaft. Im vergangenen Jahr habe ich hier an dieser Stelle über unseren 381 geschrieben. Ein Vogel, der auf seinen Einsätzen in 3 Jahren (Jungreise und 2x Altreise) nur ein einziges Mal keinen Preis flog und der leider (und darum trauere ich immernoch) im vergangenen Jahr mit 7/7 Preisen beim 8. Flug ausblieb.
Ich möchte damit nur sagen, dass man solche Jungtauben auf einen Gutschein nicht alle Tage gespendet bekommt und kann sie jedem Sportfreund, der noch versucht gute Tauben zu kaufen, nur wärmstens ans Herz legen, zumal ich aus persönlicher Erfahrung weiß (wir tauschen immer mal wieder Tauben), dass die Tauben der SG Stumme immer voll den körperlichen Ansprüchen genügen und einfach prima in der Hand sind.

Die Gutscheine und Tauben unserer Reisevereinigung in der Pre-Auktion sind seit einigen Tagen hier online zu sehen. Darunter auch der beschriebene Gutschein der Schlaggemeinschaft Stumme.

Pre-Auktion der Reisevereinigung Möhnetal Warstein
 

Dienstag, 06.01.2026
Sascha am 06.01.2026 um 15:49 (UTC)
 Wenn ich an dieser Stelle darüber schreibe, dass erfolgreiche Sportfreunde ehrlich im Hinblick auf den Gebrauch und den Umgang mit Medikamenten in ihrem Bestand sein sollen, dann möchte ich damit nicht unterstellen, dass jeder erfolgreiche Schlag auch ständig Medikamente einsetzt. Wie so oft im Leben gibt es auch in dieser Hinsicht solche und solche Brieftaubenzüchter.
Im Herbst und Winter 2024/25 hatte ich nach dem plötzlichen Tod meines Vaters hier sehr viel schleifen lassen mit den Tauben. Mir fehlte völlig die Motivation. In den Reiseschlägen schlich sich in der Mauserzeit eine Krankheit ein und auch im Frühjahr bei der tierärztlichen Untersuchung war der Zustand der Tauben nicht wirklich ideal. Sie hatten zu viele Trichomonaden und auch der bakterielle Abstrich war nicht gut. Ich behandelte die Tauben damals nach Anweisung von Dr. Boskamp und die Reisesaison war dann in Ordnung so lange bis ich die Reise mangels Motivation und aufgrund fortdauernder Flugverlegungen einstellte. Wir hatten v.a. einige sehr gute jährige Tauben in RV und FG und lagen dort bei den Einzeltauben und in den Meisterschaften weit vorne im Wettbewerb. Insgesamt waren die Resultate in Anbetracht der Umstände zufriedenstellend. Ich habe dann aber vorzeitig die Reise eingestellt, weil ich schlicht keine Lust mehr hatte. Ein Züchter sagte später zu mir: „Es war doch so gut. Da durftest du nicht aufhören.“ Aber es war aus meiner Sicht genau richtig die Reise einzustellen, weil mir zu viel auf und an die Nerven ging.
Wären die Tauben im Frühjahr bei der Untersuchung noch etwas besser zurecht gewesen, dann hätte es durchaus ein super Reisejahr werden können. Aber wenn man erst verschiedene Dinge kuren und medikamentös behandeln muss, dann kommen die Tauben nicht in die absolute Hochform. Sie kommen in Form, sie fliegen gut, aber die letzte und v.a. ganz stabile Hochform kriegen sie nicht so. Das ist jedenfalls meine Erfahrung in all den Jahren.
Aus diesem Grund müssen Züchter, die sehr viel mit Medikamenten arbeiten, auch ständig wieder Medizin geben. Die Tauben sind ein Stück weit daran gewöhnt und halten die Form nur durch eine häufige medikamentöse Unterstützung noch auf hohem Niveau.
Die Fahrt zu Tierarzt Dr. Boskamp unternahm ich im letzten Frühjahr mit weiteren Sportfreunden. Diese hatten ihre Tauben zu dem Zeitpunkt Ende Februar in einer super Verfassung. Peter Boskamp sagte ihnen nach der Untersuchung: „Ihr müsst nichts machen. Die Tauben haben nichts. Wenn die Tauben zu diesem Zeitpunkt so aussehen wird es ein sehr gutes Reisejahr.“ So kam es dann auch. Die Züchter reisten sehr stark in RV und Regionalverband mit vielen vorderen Platzierungen.
Das Alles wurde durch diese Sportfreunde mit einer sehr gezielten Versorgung ohne Medikamente während der Herbst- und Winterzeit erreicht. Auch in der Reise wurden dort kaum Medikamente eingesetzt. Man verfolgt in diesem Schlag ein Programm und zieht es konsequent durch und das funktioniert auch. Wenn dann mal mitten in der Reise die Form etwas nachlässt und ein Medikament eingesetzt werden muss, dann ist das an der Stelle auch überhaupt nicht bedenklich oder verwerflich.
Im Reisejahr 2010 hatte unser Freund Dirk de Beer ein herausragendes Jahr mit vielen ersten Konkursen, mit seiner Olympiatäubin usw. Dirk hatte damals auch dem ständigen Medikamentengebrauch abgeschworen. Nachdem er weniger Medikamente einsetzte wurde es jedes Jahr besser. Nach etwa zwei Dritteln der Reise 2010 tauschte ich mich nach einem Flug mit Dirk aus und er sagte mir: „Ich habe heute schon einen „Anpfiff“ bekommen von Wolfgang Roeper.“ Was war geschehen? Dirk hatte seinen Tauben nach dem Flug eine Tablette gegen Trichomonaden gegeben. Nicht weil sie schlecht gekommen waren, sondern eher aus dem Gefühl heraus etwas tun zu müssen. Es war die einzige Medikamentengabe in seinem Schlag in dieser Saison. Wolfgang Roeper hatte ihm darauf am Telefon gesagt: „Bist du verrückt? Deine Tauben sind super gekommen von 400 KM. Mit Spitze und allem. Warum gibst du Medizin?! Das muss du nicht machen!“ Es hat in diesem Fall Dirks Tauben am Ende nicht geschadet. Sie flogen weiter sehr gut. Aber ich persönlich habe mir das immer gemerkt. All die Jahre. Wenn es läuft und wenn die Tauben in Form sind und gut kommen, dann braucht es keine Medizin. Auch und erst recht nicht zur Vorbeugung. Man muss sie nur weiter gut beobachten, Hygienemaßnahmen konsequent einhalten usw. Es geht alles. Man sollte den Tauben und sich selbst an der Stelle nur vertrauen.
Am vergangenen Wochenende war ich zu Gast bei den Sportfreunden, mit denen ich auch bei Dr. Boskamp gewesen war im Vorjahr. Wir haben uns viele Tauben angesehen. Die Tiere befanden sich in einem exzellenten Zustand. Wieder ohne Medikamente. Es werden dort diverse Produkte auf „natürlicher Basis“ konsequent und relativ viel eingesetzt. Ich konnte mir wieder einiges abschauen und auch über das vergangene Jahr durch den regelmäßigen Austausch lernen. Wenn wir in einigen Wochen wieder zu Doktor Boskamp fahren, dann werden die Tauben dieser Züchter wieder sehr gut aussehen bei der Untersuchung. Davon bin ich fest überzeugt.
Aber ich habe hier bei uns im Schlag auch wieder etwas mehr Motivation, habe mich mehr um die Tauben gekümmert, habe meinen eigenen Ansatz zur Gesunderhaltung über Herbst und Winter (ich habe mehrfach darüber geschrieben) und bin zuversichtlich, dass unsere Tauben bei der Untersuchung in diesem Frühjahr auch besser zurecht sind und ich hoffe, dass ich ebenfalls keine Medikamente einsetzen muss um die Tiere in Reiseverfassung zu bekommen. Wenn ich dann gut aufpasse und die Tauben nach meinem Konzept konsequent versorge, dann sollte es auch für uns hier wieder möglich sein gute Ergebnisse in der Reise zu erzielen.
Es wird sicherlich nicht so wie 2020 als die Jährigen die deutsche Meisterschaft flogen. Dafür muss ich zu viel im Ablauf mit den Tauben verändern und es ist längst nicht so viel Zeit die Tauben zu versorgen wie damals, als mein Vater und ich es abwechselnd zu zweit machten. Aber auch damals ging es praktisch ohne Medikamente und die Tauben kamen in absolute Hochform über viele Wochen. Es gehört auch etwas Glück dazu. Man bekommt es nicht jedes Jahr gleich hin. Aber es ist allemal wert es auf so einem Weg zu versuchen.
 

Montag, 05.01.2025
Sascha am 05.01.2026 um 16:41 (UTC)
 Der Brieftaubensport ist, obwohl er für fast alle Brieftaubenfreunde immernoch ein Hobby ist, doch inzwischen ein nahezu professioneller Hochleistungssport geworden. Wer auch Regionalverbands- oder Deutscher Verbandsebene dauerhaft in der Spitze konkurrieren möchte, der muss heute schon sehr viel für und mit seinen Tauben tun. In einem Reisejahr kann man sich dann letztlich keine Schwäche leisten. Von daher ist es wichtig, dass die Taube über die gesamte Saison hinweg absolut leistungsfähig und kerngesund ist. Eine angemessene Ernährung mit den entsprechenden Wirkstoffen ist unbedingt notwendig und vielleicht kann man die Gesundheit der Tauben auch mit dem ein oder anderen Beiprodukt fördern und erhalten. Trotzdem spielt für die kerngesunde und leistungsfähige Brieftaube am Ende auch immer eine entsprechende medikamentöse Begleitung eine wichtige Rolle.
Wenn Sportfreunde im kleinen Kreis zusammen sitzen und darunter ist ein stark spielender Züchter, dann fällt irgendwann im Gespräch fast unweigerlich die Frage: "Was gibst du?" und damit sind nicht so sehr Futter oder Beiprodukte gemeint, sondern viel mehr Medikamente.
Medizin für kranke Tiere ist wichtig und richtig und im Leistungsbrieftaubensport scheinen Medikamentengaben fast notwendig zu sein, wenn man über eine Saison mit mehreren Vorflügen und 12, 13 oder 14 Preisflügen dauerhaft die Leistungsfähigkeit der Tiere auf einem hohen Niveau halten möchte.
Leider wird bei keinem Thema so häufig knapp an der Wahrheit vorbei geredet, wie beim Thema Medikamente vor und während der Reisezeit.
Ich erinnere mich daran wie ich vor vielleicht 15 Jahren Ende Februar oder Anfang März bei einem Brieftaubentierarzt im Wartezimmer saß. Neben mir saß ein bekannter und erfolgreicher Sportfreund und war dann zur Untersuchung vor mir an der Reihe. Er ging mit seinem Korb in den Untersuchungsraum und kam eine ganze Weile später wieder heraus. Er stellte den Korb ab, ging zum Tresen und erhielt dort verschiedene Präparate und einen Zettel. Er kam dann noch einmal wieder in den Wartebereich, legte seinen Zettel ab und zog sich seine Jacke an und legte einen Schal um, denn es war doch recht kalt zu der Zeit. Ich warf in dieser Zeit verstohlen einen Blick auf den auf dem Stuhl neben mit liegenden Zettel. Es war ein Wochenplan zur medikamentösen Versorgung der Tauben während der Reise nach dem Schema:
Woche 1 Medikament A
Woche 2 Medikament B
Woche 3 Medikament C und dann wieder von vorne bis zum Ende der Saison.
Später ging ich zur Untersuchung der Tauben und ließ Abstriche machen etc. Auch ich erhielt später noch so einen Zettel mit den entsprechenden Medikamenten. Der Versorgungsplan war sehr ähnlich (im Grunde genommen fast gleich) zu dem, den der Sportfreund vor mir erhalten hatte.
Über die Saison verfolgte ich dann die Reiseleistungen dieses Züchters interessiert. Er flog, wieder einmal, herausragend gut. So gut, dass weit nach der Saison, vielleicht im Winter oder im nächsten Frühjahr (das erinnere ich wirklich nicht mehr genau), über den Sportfreund ein Schlagbericht in einer Brieftaubenzeitung veröffentlicht wurde. Dort Stand zum Thema Medikamente nur folgendes zu lesen: "Medikamente gibt es nur bei Befund und nach tierärztlicher Anweisung."
Damit hatte der Züchter auch nicht gelogen. Er hatte seinen Medikamentenplan nach einem Befund erhalten und versorgte seine Tauben dann während der Reise nach tierärztlicher Anweisung. Dass damit wöchentliche Medikamentengaben über ein bis zweieinhalb Tage gemeint waren, stand aber nicht dabei.
Wenn man so will gab der Erfolg dem Sportfreund auch recht. Ich denke seitdem hat sich im Brieftaubensport nicht so sehr viel geändert. Hier und da gibt es einige Impfstoffe mehr, die man einsetzen kann. Es gibt auch einige nicht-medikamentöse Produkte mehr, die man bei Bedarf einsetzen kann. Aber auch heute noch gibt es viele erfolgreiche Sportfreunde, die besonders zur Reisezeit hin und während der Reisesaison relativ viel mit Medikamenten arbeiten.
Ich möchte das hier gar nicht bewerten. Es wird so gemacht und man ist damit erfolgreich. Ich denke nur immer: warum ist man nicht ehrlich damit? Warum sagen viele erfolgreiche Züchter nicht, dass sie aus Sorge vor einer Erkrankung der Tauben wöchentlich oder zweiwöchentlich verschiedene Medikamente in der Saison einsetzen? Es wird immer betont, dass es "um die gute Taube" geht. Aber wenn die gute Taube nicht gesund ist, dann bringt auch die gute Taube keine Leistung. So einfach ist es doch am Ende.
Es bleibt nur die Frage ob es nicht auch möglich ist die Tauben ohne sehr regelmäßige Medikamentengaben in der Reise gesund und leistungsfähig zu halten. Es gibt heute Züchter, die auf der Reise mit einem Bestand von 100, 120 oder 150 Tauben an den Start gehen. Dort wird teilweise Brieftaubensport auf höchsten Niveau betrieben. Aber es soll doch bitte von diesen Züchtern niemand sagen, dass er dauerhaft mit einem solchen Bestand ganz vorne in der Spitze fliegen kann, ohne in der Saison sehr regelmäßig Medikamente einzusetzen gegen all die verschiedenen Zipperlein, die unsere Tauben nun einmal bekommen können. Tauben sind Schwarmtiere. Sie trinken aus den gleichen Tränken und fressen aus dem gleichen Trog und bei aller Hygiene laufen sie im gleichen Kot herum und sie sitzen dann noch ein Mal wöchentlich im gleichen Kabi mit vielen anderen Tauben (und teilweise in der gleichen Box mit Tieren, die nicht aus dem eigenen Bestand kommen) und die Infektionsgefahr ist dann immer gegeben. Wer aber in der absoluten Spitze dauerhaft spielen will und den Brieftaubensport vielleicht auch ein Stück weit kommerziell betreibt, der kann es sich bei der heutigen Leistungsdichte gar nicht leisten, dass die Tauben ein oder zwei Flüge schwächeln, weil sie vielleicht eine kleine Infektion haben. Und so arbeiten halt viele Sportfreunde während der Reise sehr regelmäßig mit Medizin. Leider wird damit nur bedingt ehrlich umgegangen und das öffnet dann den Raum für diverse Spekulationen und leider auch für Sportfreunde, die nicht so erfolgreich sind und immer wieder glauben, dass sie nur Medikament X oder Y haben oder geben müssten, um erfolgreicher zu sein. Letzteres ist aber ein großer Trugschluß und ich denke, dass man die Reise sehr wohl auch sehr erfolgreich ohne ständige Medikamentengaben bestreiten kann. Dann muss aber vieles - um nicht zu sagen : alles - zusammen passen. Aber es ist machbar. Dazu muss man aber sehr offen und ehrlich miteinander kommunizieren und umgehen und manchmal ist es auch ein anstrengender Weg.
 

<- Zurück  1  2  3  4  5  6  7  8 ... 251Weiter ->