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Dienstag, 16.05.2023
Sascha am 16.05.2023 um 05:49 (UTC)
 Ein Sportfreund aus einer Nachbar-RV in unserem Regionalverband stellte gestern in einer Facebook-Gruppe die bekannte Frage nach der "Lage". Er erklärte, dass die Tauben bei Ostwind deutlich weiter westlich fliegen und "von hinten zurück kommen" und er dadurch folgerichtig weniger Preise und weniger Spitze fliegt. Dieses führe zu Unzufriedenheit bei einigen Sportfreunden.
Ich denke, dass es diese Diskussion gibt so lange es Brieftaubensport gibt. Die Beobachtung des Sportfreundes ist eine Beobachtung, die fast jeder Züchter schon gemacht hat, der nicht ganz am Ende seiner RV liegt.
Sobald eine solche Frage gestellt wird haben viele Sportfreunde etwas beizutragen. Der eine dieses, der andere jenes....es gibt nichts worüber im deutschen Brieftaubensport so gerne diskutiert wird wie die "Lage".
Es wird niemand leugnen können, dass bei Rückenwind eine Lage im hinteren Gebiet einer Konkurrenz vorteilhaft ist. Die Fluggeschwindigkeiten sind hoch, die Tauben fallen oft zuerst im hinteren Teil der RV (oder der FG oder des Regionalverbandes) und obendrein bekommen die Züchter im hinteren Teil dann noch "Minuten gut geschrieben für die längere Strecke, welche die Tauben fliegen müssen.
Es gibt vielleicht Modelle mit denen man dieses rechnerisch in einer Preisliste ausgleichen könnte. In denen man den Wind und die Lage mit berechnet und ähnlich wie beim Skispringen vielleicht Anpassungen vornimmt.
Ich finde allerdings, dass dieses gar nicht unbedingt notwendig ist. Denn es gibt nun einmal Reisejahre mit viel Rückenwind und Reisejahre mit viel Gegenwind oder Seitenwind....und die Beobachtung zeigt: egal wie die Winde über eine ganze Saison verteilt waren - am Ende stehen fast immer die gleichen Sportfreunde an der Spitze der Meisterschaften.
Es wäre nun einfach zu behaupten, dass es eben ausschließlich an der guten Taube liegt. Das tut es selbstverständlich nicht. Aber ohne eine gute und orientierungsstarke Taube in einer entsprechenden Form geht überhaupt nichts. Nicht vorne, nicht hinten und nicht in der Mitte.
Gestern habe ich beschrieben, dass unser Schlag beim zurückliegenden Preisflug am Sonntag ein sehr gutes Ergebnis erzielen konnte. Wir hatten Tauben in der Spitze und machen prozentual viele Preise. Wir liegen mit unserem Schlag genau in der Mitte unserer RV. Am Sonntag hatten wir östliche Winde und viele Tauben überflogen und kamen von hinten zurück. Aber: unsere ersten Tauben, die früh waren in der Preisliste, kamen praktisch genau "aus der Richtung". Später kamen dann die Tauben auch "von hinten" aus dem Nordwesten zurück. Trotzdem flogen noch viele einen Preis.
Nun müsste es logischerweise so sein, dass die Schläge nordwestlich von uns die Tauben auf diesem Flug deutlich besser bekommen hätten, als wir selbst. Aufgrund "der Lage". Ja, auch dort gab es sehr gute Ergebnisse. Aber auch viele schwache Resultate. Und selbst weiter vorgelagert in unserer RV (die ja obendrein flächenmäßig sehr groß ist) gab es sehr gute Ergebnisse und frühe Tauben in der Preisliste.
Wie erklärt sich dieses wo es doch eigentlich so sein müsste, dass man im hinteren Teil der RV durch den Wind bevorteilt gewesen wäre? Es gibt an dieser Stelle für mich zwei entscheidende Faktoren: die gute Taube, die sich rechtzeitig von den anderen löst und ihren Weg dann eigenständig nach hause fliegt und ein noch entscheidenderer Faktor scheint mir die Form der Taube zu sein.
Eine gute Taube in sehr guter Form überfliegt nicht kilometerweit. Sie bleibt nicht so lange im Schwarm wie es geht, sondern verlässt diesen und fliegt nach hause. Unsere Tauben hatten scheinbar am Sonntag diese Form und sind dann entweder schon sehr frühzeitig alleine geflogen und sind noch "aus der Richtung gekommen" oder aber sie sind etwas mitgeflogen und dann sehr zeitig früh abgebogen und umgekehrt.
Man muss sich nichts vormachen: selbstverständlich ist es mit einer entsprechenden Lage in einer Konkurrenz einfacher viele Preise zu erzielen. Je nachdem wie der Wind nun weht und wie die Masse an Tauben fliegt. Da macht manche durchschnittliche Taube dann mal einen Preis, die bei einer schlechteren Lage keinen Preis erzielen würde. Und so fliegt ein Schlag bei Rückenwind im hinteren Teil der RV manchmal hohe Prozentzahlen, während der Schlag vorne wenige Preise macht. Und so macht ein Schlag vorne in der RV bei Kopfwind und einem schweren und weiterem Flug mal mehr Preise als ein Schlag hinten, weil die Tauben nach hinten raus langsamer werden. Das können wir leider nicht beeinflussen.
In einer großen Flächen-RV wie unserer ist es beispielsweise auch schwieriger "in der Mitte" einen ersten Konkurs zu fliegen. Egal wie der Wind weht und über welche Seite die Tauben fliegen. Meistens fällt doch irgendwo auf dem Rand eine Taube, die dann schneller ist. Dafür hat man mittig gelegen den Vorteil. dass es egal ist über welche Seite die Tauben kommen. Wenn bei einem mittig gelegenen Schlag die erste Taube angekommen ist, dann müssen die weiteren Tiere schnell kommen bei einem "normalen" Flugverlauf. Gibt es größere Pausen, dann stimmt etwas mit der Form der Mannschaft nicht.
Jede Lage kann ihre Vor- und ihre Nachteile haben. Es bringt wenig sich ständig damit zu beschäftigen. Sonst muss man umziehen und seinen Schlag woanders bauen und sagen: "Hier habe ich nun eine gute Lage."
In unserem Regionalverband liegt unsere RV vorne östlich vorgelagert. Unsere RV ist, wie schon beschrieben, sehr groß von der Fläche. Wir konkurrieren mit RVen die eine viel kleinere Fläche haben und hinter uns liegen. Jeder kann sich ausrechnen und in den letzten Jahren auch ansehen und verfolgen, wie das aussieht, wenn wir östliche Winde haben. Dann fliegt unsere RV manchmal innerhalb des Regionalverbandes nur 12 oder 15 Prozent Preise. Wenn man dann eine Chance haben will im Regionalverband trotzdem in den Meisterschaften vorne dabei zu sein, dann müssen die Tauben und die "Zähler" Topform haben. Sie fliegen dann trotzdem ihren Preis auch wenn es schwierig ist. Auch dann müssen sie sich lösen und alleine in die Preisliste fliegen.
Es geht immer nur um die Qualität der Taube und ihre Form. Wenn beides da ist, dann geht es trotzdem irgendwie - egal wie die Lage ist. Manchmal ist es schwierig, manchmal geht es gut. Das macht ja auch den Reiz des Brieftaubensports aus.
Wenn man viele Tauben reist in Relation zur Gesamtzahl der Tauben in einer Konkurrenz, dann ist es insgesamt natürlich von Vorteil "in der Mitte" zu liegen. Dann muss man, egal wie der Wind weht und was sonst noch los ist, seine Preise fliegen. Wer zentral liegt und gute Tauben in einer entsprechenden Verfassung hat, der wird am Ende auch oft vorne in den Meisterschaften mit dabei sein. Auf den Rändern ist es manchmal schwieriger. Aber auch dort geht es und v.a. dort kann man oft auch durch Spitzenpreise glänzen.
In unserem Regionalverband führen wir die Diskussion um die Lage auch seit vielen Jahren. Auch in der letzten Versammlung war es wieder ein Thema. Es ist nicht einfach und man kann den Wind nicht beeinflussen. Manchmal ist es einfach so, dass auch der Wind über eine Reisesaison vieles entscheidet. Wir haben in der zurückliegenden Versammlung im Regionalverband beschlossen, dass es für die interne Regionalverbandsmeisterschaft pro Schlag einen Streichflug gibt. Damit ist zumindest ein Versuch gestartet die größten "Windprobleme" ein wenig zu abzumildern. Ich denke das war eine anständige Lösung.
So etwas könnte man auch in RVen versuchen, wenn es gewünscht ist. Aber wenn der Wind über eine ganze Saison bestimmte Schläge etwas bevorteilt, dann kann man es auch nicht ändern. Dann muss man damit leben und versuchen Tauben zu züchten, die auch diesen Nachteil ausgleichen können und diese Tauben muss man dann in die entsprechende Form bringen. Was anderes bleibt einem nicht übrig.
 

Montag, 15.05.2023
Sascha am 15.05.2023 um 04:51 (UTC)
 Das war gestern ein glatter und recht schneller Flug ab Erlangen, der wohl deutlich leichter verlief als die Flüge auf der Südostrichtung am Tag zuvor. Die Tauben flogen in der Spitze über 1500 m/min und kamen zu einem großen Teil aus dem Nordwesten zurück. Das war bei Wind aus Ost-Südost auch so zu erwarten. Unser Flugleiter hatte mit einer Auflasszeit nach 8 Uhr, so denke ich, auch alles richtig gemacht, denn allzu frühe Auflässe führen zu dieser Zeit meistens nur dazu, dass die Spitzentauben zwar noch schneller fliegen, aber die Konkurszeiten auch immer deutlich länger sind und die Tauben einzelner kommen und es immer wieder Pausen gibt. Diesen Effekt kann man bei sehr frühen Starts immer wieder beobachten.
Unsere Tauben waren gestern scheinbar in einer Top-Verfassung und flogen mit 40/31 Preisen ein super Resultat ein. Beginnend mit dem 2. Konkurs sind wir dieses Mal nur knapp am Tagessieg vorbei geschrammt.
Dazu muss ich eine kleine Geschichte erzählen: der 1367, der als erste Taube hier eintraf, kommt vom Schlag Gerd und Marc Musiol aus der RV Dinkel-Heek. Wir erhielten in letztes Jahr auf einen Gutschein. Am gestrigen Morgen gratulierte ich Marc Musiol zum 1. Konkurs am Samstag (was ich hiermit nochmals tue: Herzlichen Glückwunsch) und Marc sagte: "Ich bin sicher, dass der "Schwatte" vorne dabei ist. Bei euch ist "Blackpowertag" - dazu muss man sagen, dass dieser Vogel ganz schwarz ist und sein Bruder in einer anderen RV bei einem Top-Züchter nun schon zwei Mal schlagerste Taube war und in die Spitze geflogen ist. Und Marc behielt recht, denn der 2. Konkurs gegen 1.405 Tauben ist ja nicht so schlecht.
Auch die weiteren Tauben kamen sehr schnell sodass unsere 25. Taube noch über 50 As-Punkte erzielen konnte. Es war schön anzusehen wie die Vögel aus dem blauen Himmel "herunterkurbelten" und sich teilweise sammelten. Das macht schon Spaß. Nicht einmal 90 Minuten nach unserer ersten Preistaube waren auch alle Vögel wieder im Schlag, sodass wir insgesamt von einem super Flug für uns sprechen können.
Die Tauben wurden nach dem Flug sehr zügig wieder getrennt, da hier ja auch noch anderes zu tun ist - auch an einem Sonntag. Nun beginnt ab heute die Vorbereitung auf den kommenden Flug ab Lauf an der Pegnitz, der erstmals über 300 Kilometer Entfernung geht.
Ebenfalls gratulieren möchte ich noch Karl-Heinz und Michael Stumme zum ersten, zweiten und dritten Konkurs in der RV Hameln und Thorsten Bornnhoff zum ersten und zweiten Konkurs in der RV Dortmund-Scharnhorst! Herzlichen Glückwunsch und weiter so!
 

Sonntag, 14.05.2023
Sascha am 14.05.2023 um 06:30 (UTC)
 Unsere Tauben wurden um 8.05 Uhr in Erlangen aufgelassen. Es wird interessant werden wie der Flug verläuft. Unsere eigenen Tauben gefielen mir in der Handbeurteilung, obwohl sie sich am Haus eigentlich sehr gut benahmen, nicht so gut wie vergangene Woche. Woran es liegt? Keine Ahnung.
Gestern waren die Flüge auf der Südostrichtung nicht ganz einfach. Wie praktisch immer, wenn die Tauben sehr früh aufgelassen werden im Mai, scheinen die Schwärme schon direkt nach dem Start stark zu "zerfasern". Dann gibt es Tauben, die enorm hohe Fluggeschwindigkeiten erzielen und die Spitze der Preisliste anführen. Es gibt Lücken und Pausen im Konkurs und nachdem fünfzig Prozent der Tauben zuhause sind wird es oft zäh und abends fehlen auch immer einige Tauben allenthalben. Das ist fast immer so. Östliche Winde auf der Südost- und Ostrichtung sind immer sehr schwierig für die Tauben. Und Auflässe in aller Frühe sind auch nicht einfach, denn die Tauben ziehen dann oft schon nicht einheiltlich ab.
Ich erwarte für unseren Flug heute im Grunde genommen nichts anderes als für die Flüge gestern.
Wenn man die Preislisten von gestern studiert, dann merkt man schon, dass gerade auf den aktuell noch kurzen Entfernungen der Wind einen enorm großen Einfluss hat. Selbst wenn er nicht übermäßig stark ist.
Interessant ist auch immer ein Blick in die Regionalverbands- und Regionalverbandsgruppenpreislisten. Dort ist die Verteilung unter einzelnen RVen teilweise so extrem, dass es RVen gibt, die in diesen Preislisten fünfzig oder sechzig Prozent Preise fliegen, während andere Reisevereinigung nicht einmal zwanzig Prozent Preise erringen. (Wir kennen das in unserem Regionalverband von Flügen mit Ostwind im Regionalverband auch). An diesem Punkt muss dann auch niemand mehr etwas von guten Tauben und sehr guten Schlägen erzählen. Es gibt einfach, so ehrlich muss man einfach sein, innerhalb von RVen und Regionalverbänden Lagevorteile. Manchmal gleicht der Wind diese über das Jahr aus, manchmal nicht. Man kann es nicht ändern. Hin und wieder wird es aber so extrem, dass eine Wertung der entsprechenden Preislisten für größere Meisterschaften eigentlich lächerlich ist. Aber ich wüsste halt auch nicht, wie man dieses Problem im Kern ändern kann. Und es scheint so als würde dieses Phänomen mit weiterer Ausdünnung der Züchterdichte immer extremer.
Da eigentlich große, gemeinsame Auflässe immer der richtige Weg sind gute Tauben zu finden bin ich inzwischen eher der Meinung, dass man unter 350 oder 400 Kilometer Entfernung zwar immer gemeinsam auflassen sollte, aber es vielleicht keine großen Preislisten geben sollte. Denn diese erzeugen dann schon jetzt extremen Unmut bei Teilen der Züchterschaft. Wenn die eine RV im Regionalverband fast 70 Prozent Preise fliegt und die andere keine 20 Prozent, dann ist das einfach sehr ungünstig und macht bei nicht wenigen Sportfreunden nur schlechte Laune.


 

Samstag, 13.05.2023
Sascha am 13.05.2023 um 06:00 (UTC)
 In der aktuellen Verbandszeitschrift "Brieftaube" greift Sportfreund Walter Niebecker ein Thema auf, dass ich hier in diesem Blog vor einiger Zeit aufgeworfen habe: den teilweise sehr frühen Beginn der Reise mit sehr vielen Vorflügen in manchen Regionen Deutschlands und die daraus resultierenden Folgen. Ich werde versuchen in Kürze noch einmal detailliert auf das einzugehen, was Sportfreund Niebecker in seinem Artikel berichtet. Dieses wird jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen, denn wenn sich jemand die Mühe macht einen ausführlichen Beitrag zu schreiben, zu einem Thema, welches hier von mir behandelt wurde, dann sollte auch eine möglichst sorgfältige Antwort erfolgen.
In der gleichen Ausgabe der "Brieftaube" gibt es auch noch einen Artikel zum Online-Meeting der Öffentlichkeitsbeauftragten an dem ich auch teilnehmen durfte. Wenn man so will, dann kann man auch einen Zusammenhang zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Reiseprogramm herstellen. Denn in der Öffentlichkeit erfolgt die Wahrnehmung des Brieftaubenwesens zuvorderst und fast ausschließlich - egal ob positiv oder negativ - über die Reisesaison und deren Resultate, aber auch durch verirrte Tauben usw.
Heute morgen bin ich ein wenig erstaunt wie frühzeitig einige Flugleiter bereits die Tauben gestartet haben. 7.05 Uhr, 7.20 Uhr, 7.25 Uhr. Wir haben Sommerzeit und eigentlich ist es eine Stunde früher. Selbst wenn das Wetter gut ist, so gibt es um diese Zeit kaum Thermik und die Sonne ist noch sehr diffus am Osthimmel zu sehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Auflässe der gängingen Lehrmeinung entsprechen, welche beispielsweise in den Flugleiterschulungen vorgetragen wird. Nun mag es dazu verschiedene Ansichten geben und Datenmaterial liegt trotz vieler vieler Auflässe und Starts in den vergangenen Jahren vermutlich wenig vor. Aber wenn ich derzeit Tauben morgens beobachte beim Freiflug, dann stelle ich fest, dass die richtige Flugfreude erst so gegen 8 Uhr kommt. Da das Wetter gut ist werden auch diese Flüge schon ordentlich verlaufen. Ich frage mich allerdings was Flugleiter dazu veranlasst so früh zu starten, denn das Wetter hält sich ja recht lange heute. Und da ist meine Vermutung, dass man den Einfluss des Windes begrenzen möchte, der zwar nicht stark wird, aber immer ein Stück weit vorhanden ist.
Wir setzen unsere Tauben erst heute für den morgigen Flug ab Erlangen ein. Ich bin gespannt wie sich unsere Tauben dann präsentieren. In der zurückliegenden Woche hatten wir erstmals die Möglichkeit den Witwervögeln morgens und abends Freiflug zu geben und ich muss sagen, dass mir das einfach viel besser gefällt. Ob es notwendig ist möchte ich nicht beurteilen und für manch einen berufstätigen sportfreund ist ein zweimaliger Freiflug der Tauben auch gar nicht umsetzbar. Aber mein Eindruck ist, dass die Vögel dann einfach ausgelichener sind, auch die Form etwas ansteigt, das Fressverhalten noch einmal einen Schub bekommt usw. Ob sich das in besseren Resultaten auf dem Flug niederschlägt möchte ich nicht behaupten. Aber insgesamt ist es doch für uns schöner die Tauben zwei mal täglich herauszulassen.

 

Freitag, 12.05.2023
Sascha am 12.05.2023 um 07:35 (UTC)
 Zu den Themen, die ich an dieser Stelle gestern und vorgestern behandelt habe, haben mich einige Sportfreunde kontaktiert. Ich werde einiges davon aufgreifen und in der kommenden Woche nochmals hier behandeln. Es scheint schon so, als ob es an dieser Stelle doch einige Unsicherheiten unter den Züchtern gibt und so recht traut sich auch keiner darüber zu reden. Aber es wäre für den deutschen Brieftaubenverband sehr einfach Gerüchte aus der Welt zu schaffen, wenn er regelmäßig, gezielt und konsequent in verschiedenen Richtungen Topleistungen kontrollieren würde. Letztlich wäre das auch im Sinne jener Sportfreunde, die diese Topresultate erzielen. Aber wie gesagt: in der kommenden Woche werde ich dazu noch einmal etwas schreiben.
Hier im Schlag sieht es so aus, dass wir morgen Abend die Tauben zum dritten Preisflug einsetzen werden. Dieser soll am Sonntag ab Erlangen gestartet werden. Das sind für unseren Schlag etwa 285 Kilometer Entfernung. Die Reisevögel kommen nun mehr und mehr in einen Rhytmus hinein und man merkt, dass sie etwas besser in Form kommen. Das Training am Haus ist für unsere Verhältnisse gut und entsprechend auch der Appetit und das Fressverhalten. Da wir ansonsten keine besonderen Produkte zur Formsteigerung einsetzen bringt es die Zeit, die Sonne (wenn es gerade einmal nicht regnet) und die steigenden Temperaturen tun auch etwas dazu. Gestern haben die Tauben allerdings zwei Mal im Regen trainiert, denn es regnete fast den ganzen Tag über imm wieder. Ich glaube nicht daran dass so etwas den Tauben schadet. Es gibt Züchter, die Bedenken haben Regen würde auf die Form schlagen. Aber solange es nicht aus Kübeln schüttet und es am Abend dann auch sehr kalt wird, macht ein bißchen Regen überhaupt nichts. In einer Woche, in der die Tauben dann mal im Regen draußen waren, verzichten wir auch darauf die Tiere nochmals baden zu lassen. Es muss alles nicht unbedingt sein.
Unsere zweite Zucht im Zuchtschlag wird nun in Kürze abgesetzt und insgesamt haben sich die Jungtiere dort auch prima entwickelt und alles sieht ordentlich aus. Von der ersten Zucht habe ich ein Jungtier, welches mir gar nicht gefiel und welches sich nicht wie die anderen Tiere entwickelte, aus der Mannschaft genommen. Aber ansonsten sieht alles sehr gut aus.
 

Donnerstag, 11.05.2023
Sascha am 11.05.2023 um 05:58 (UTC)
 Zu meinem gestrigen Eintrag über die herausragenden Leistungen einzelner Schläge schrieb mir ein Züchter, dass man dort einmal Doping-Kontrollen vornehmen solle. Ich persönlich möchte nicht sofort unterstellen, dass Züchter, die mit ihren Tieren auf den Flügen hervorragende Ergebnisse erzielen, diese beispielsweise durch Doping erreichen.
Es gibt einfach Sportfreunde, die mehr Talent haben als andere. Mehr Talent die Tauben zu führen, zu motivieren und überhaupt gute Tauben zu züchten. Fast jeder hat in irgendeiner Form einmal Fußball gespielt und doch gibt es nur ganz wenige Spieler, die es in die Bundesliga schaffen, Nationalspieler werden oder gar Torschützenkönig, Weltfußballer usw. Man sollte nie vergessen, dass auch in unserem Brieftaubensport das Talent eines jeden einzelnen Züchters (und natürlich einer jeden einzelnen Taube) eine große Rolle spielt.
Trotzdem wirft auch Rainer Püttmann im Vorwort der aktuellen Ausgabe der "Brieftaubensport International" das Thema Doping auf und berichtet, dass in unserem Nachbarland Belgien durch den Verband bereits vor Beginn der Reise in verschiedenen Beständen Doping-Kontrollen durchgeführt wurden. Ordnungsgemäß durchgeführte Kontrollen sind nicht eben kostengünstig. Insofern scheint mir bei diesem Vorgehen zumindest eine Art allgemeiner Anfangsverdacht zu bestehen, dass im belgischen Brieftaubensport zumindest punktuell mit verbotenen Mitteln gearbeitet wird um Erfolge zu erzielen.
Dieses bleibt vermutlich am Ende auch nicht aus, denn es geht auch im Brieftaubensport, in Belgien noch deutlich mehr als bei uns in Deutschland, teilweise um viel Geld und enorme Summen. Da kann der ein oder andere Züchter schon einmal dazu verleitet werden gegen die Vorschriften zu verstoßen. Ich denke hier unterscheidet sich der Brieftaubensport letztlich nicht von Spitzensportarten wie Leichtathletik, Radsport, Schwimmen oder vielleicht auch Fußball.
In Belgien scheint man Interesse daran zu haben etwaige Unregelmäßigkeiten aufzudecken. Oder sind diese Kontrollen eher eine Art Feigenblatt nach dem Motto: "Wir haben alles getan, was wir tun konnten. Hier bei uns im belgischen Brieftaubensport gibt es kein Doping."
Dazu möchte ich einige persönliche Erfahrungen schildern: im Jahr 2021 wurde auch in unserem Schlag eine Dopingkontrolle durch den deutschen Brieftaubenverband durchgeführt. Das Vorgehen hinsichtlich dieser Probe ließ mich persönlich allerdings etwas nachdenklich zurück.
Gegen Ende der Reisesaison erhielten wir einen Anruf durch einen Verantwortlichen des deutschen Brieftaubenverbandes, dass bei uns eine Doping-Kontrolle durchgeführt werden solle. Ich wurde gefragt wann wir noch welche Flüge auf dem Programm hätten. Es standen noch zwei Flüge an. Ein 300 KM-Flug und der abschließende 600er. Ich bot an, dass man jederzeit vorbeikommen könne. und erhielt die Antwort, dass es für den 300er nun doch zu kurzfristig sei. Ich schlug vor, dass man vor dem 600er kommen könne und erwähnte, dass wir aber bereits am Donnerstagabend wieder einsetzen müssten. Daraufhin erhielt ich zur Auskunft, dass man diese Kontrollen den Tauben vor dem 600er nicht antun wolle. Ich sagte, dass man dann ja bei der Rückkunft der Tauben vom 600er Proben entnehmen könne. Dieses Mal sagte mir der Verantwortliche des Verbandes, dass er dann selbst einen Flug mit seinen Tauben habe. Das sei auch schwierig. Auf meine Frage wann und wie die Kontrolle denn dann stattfinden solle, erhielt ich schließlich die Antwort: "Wir kommen dienstags nach dem 600er". Ich nahm das so hin und wartete dann auf die Dinge, die da kommen sollten.
Wir sollten unsere Tauben also donnerstags für den 600er einsetzen, samstags sollten sie wieder kommen und dienstags sollte dann eine Kontrolle sein. Wir erzielten von diesem Flug, der von 600 auf 500 KM zurückgenommen wurde, von 17 eingesetzten Tauben 10 Preise und genau diese 10 Preisflieger wurden kontrolliert. Das lief alles sehr ordentlich und taubengerecht ab. Aber ich stellte die Frage, ob es so lange nach dem Flug überhaupt Sinn mache noch zu testen. Die knappe Antwort: "Doch, doch....wenn da was Verbotenes drin ist, dann findet man das schon." Ich musste das so glauben, denn mit dem Thema hatte ich mich konkret noch nie befasst.
Wir erfuhren dann noch, dass nach unserer Probe noch bei einem weiteren Züchter in einer Nachbar-RV, der sehr erfolgreich reiste, eine Probe genommen werden sollte. Der Zufall wollte es, dass ich mit diesem Sportfreund (den man uns zu dem Zeitpunkt verständlicherweise namentlich nicht nennen durfte) durch einen Gutschein in Kontakt kam und auch er zeigte sich damals sehr überrascht über das Vorgehen.
Weitere Details darüber, wie bzgl der Tests dann vorgegangen wird, wie die Auswahl der Züchter, die getestet werden sollen, erfolgt, erspare ich mir an dieser Stelle. Allerdings fand ich es ein wenig befremdlich, dass die Probe im Juli genommen wurde und wir erst im Oktober oder November schriftlich Bescheid erhielten, dass alles in Ordnung war und nichts Auffälliges gefunden wurde.
Wie auch immer: ich hatte ein wenig den Eindruck, dass diese Kontrollen, die vom FCI wohl auch vorgeschrieben sind, eher eine Art Routine waren, bei der man gar nicht wirklich bestrebt war etwas Negatives zu finden.
Und da komme ich zu dem entscheidenden Punkt: könnte es sich unser deutscher Brieftaubensport in seiner aktuellen Situation (schlechtes Image, Tierschutzgedanken, enormer Mitgliederschwund) überhaupt "leisten" einen Betrug jedweder Art aufzudecken? Hat man, wenn denn irgendwo betrogen wird, überhaupt Interesse daran diesen Betrug aufzudecken? Was würde wohl passieren, wenn ein oder mehrere Schläge in unserem Verband wegen Unregelmäßigkeiten überführt würden? Ich kann das an dieser Stelle nicht abschließend beantworten.
Wie Verbände in Betrugsfällen allerdings teilweise vorgehen, las ich vor nicht allzu langer Zeit in dem Buch "Feinde des Sports" des deutschen Doping-Experten Hajo Seppelt. Dieser Journalist befasst sich seit gut zwei Jahrzehnten mit Doping im Spitzensport und neben vielen anderen interessanten Details verwunderte es mich am Ende nicht, dass die Verbände im Radsport oder der Leichtathletik in letzter Konsequenz gar kein wirkliches Interesse daran hatten Betrug aufzudecken.
Ich möchte nicht behaupten, dass Doping im (deutschen) Brieftaubensport betrieben wird. Vorstellbar ist es allemal, wenngleich es sicherlich nicht so einfach ist eine Brieftaube dauerhaft zu dopen. Dazu benötigt es vermutlich viel Wissen und viel System. Es wäre schön, wenn es nicht so wäre und ich denke, dass die allermeisten Erfolge durch einen motivierten, guten Züchter, hervorragende Tauben und ein passendes System erzielt werden. Aber wenn man schon Kontrollen durchführen muss und durchführen möchte, dann sollten diese doch - wenn das rechtlich so machbar ist - unangekündigt und kurzfristig und unmittelbar vor oder nach einem Flug erfolgen. Und bei allen Kosten, die das so mit sich bringt, wäre es sicherlich angezeigt diese Kontrollen planmäßig deutlich häufiger durchzuführen als vier oder sechs einzelne Proben bei einzelnen Beständen im Jahr. Und sollten unsere Erfolge irgendwann einmal wieder so groß sein, dass man meint bei uns eine Kontrolle durchführen zu müssen: bei uns steht die Tür jederzeit offen. Auch ohne Ankündigung.
Im Bild noch die Veröffentlichung unseres negativen Befundes von damals. Man sagte uns seinerzeit, das sei ja auch so etwas wie "Werbung".....wir wollten eigentlich gar keine Werbung. Wofür auch?!


 

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